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kritisch gespielt: Dungeon Roll – Zurück in den Dungeon

Dungeon Roll – Zurück in den Dungeon von Ken Gruhl und Quentin Weir erschienen bei Pegasus Spiele

Dungeon Roll - Zurueck in den Dungeon - Boxcover
Foto: Pega­sus Spiele

Mei­ne Eng­lisch­kennt­nis­se waren nie berau­schend, denn lei­der war ich immer zu faul, ver­nünf­tig Voka­beln zu ler­nen. Auf­grund von Rol­len­spiel­ak­ti­vi­tä­ten in der Jugend habe ich mir dann aber lang­sam ein sze­ne­ty­pi­sches Stamm­vo­ka­blu­ar ange­eig­net. Damit lie­ße sich zwar nur schwer ein Essen bestel­len, aber zumin­dest könn­te ich eine Grup­pe von Hel­den zusam­men­stel­len, die dann ein tie­fes Ver­lies aus­räumt. Scha­de nur, dass die­se Softs­kills sel­ten von Belang im täg­li­chen Leben sind. Zumin­dest in dem ein oder ande­ren Spiel kann ich aber mit die­sem Wis­sen punk­ten. Dem­entspre­chend gespannt war ich auf die­ses Spiel, wel­ches eine Fort­set­zung von DUNGEON ROLL ist.

The­ma... kennt man aus unzäh­li­gen Rol­len­spiel­aben­teu­ern: eine Grup­pe von Hel­den steigt in ein Ver­lies und will es mit ganz vie­len Schät­zen wie­der ver­las­sen. Wenn da nur nicht die­se Mons­ter und Dra­chen wären...

Gra­fik... ist von Scott Nice­ly (unter­stützt von  Ryan John­son und Rob Lun­dy) und recht ansehn­lich. Die Sym­bo­lik ist leicht ver­ständ­lich und wirft kei­ne Fra­gen auf. Rich­ti­ger Dun­ge­on-Flair tritt in mei­nen Augen aber nicht auf.

Dungeon Roll - Zurueck in den Dungeon - Spielertableau
Hel­den­grup­pe mit ent­spre­chen­der Ausrüstung

Aus­stat­tung... hat eine Über­ra­schung parat: trotz "Roll" im Titel, sind kei­ne Wür­fel dabei. Das Spiel hät­te also auch "Dun­ge­on Roll – Das Kar­ten­spiel" hei­ßen kön­nen. Dem­entspre­chend sind in der Box 80 Kar­ten – sowie mas­sen­haft Pappp­lätt­chen und elf unter­schied­li­che "Hel­den­ta­feln" (per­sön­li­ches Spie­ler­ta­bleau) ent­hal­ten. Bei den Spie­ler­ta­bleaus bestehen oben und rechts Aus­spa­run­gen, mit denen man sowohl sei­ne Hel­den­stu­fe (rech­te Leis­te) wie auch die Dun­ge­on-Ebe­ne, auf der man sich aktu­ell befin­det (obe­re Leis­te), mar­kiert. Dum­mer­wei­se haben die­se Mar­ker aber trotz Aus­spa­run­gen die Ange­wohn­heit, sich ger­ne mal zu ver­schie­ben (bzw. das dün­ne Spie­ler­ta­bleau ver­schiebt sich sehr leicht). Aus die­sem Grund sind wir am Ende dazu über­gan­gen, die ent­spre­chen­den Mar­ker auf das Tableau zu legen. Scha­de, denn das war an sich ja gut gedacht.

Ablauf... folgt schein­bar dem mir unbe­kann­ten gro­ßen Bru­der und ist im Grund ein Push-Your-Luck Spiel. Die Spie­ler decken nach und nach Kar­ten auf. Kön­nen Sie die dort abge­bil­de­ten Mons­ter besie­gen, gibt es manch­mal eine Beloh­nung in Form von Mün­zen bzw. Tru­hen (mit viel Glück gibt es die auch ohne Mons­ter). Danach muss man ent­schei­den, ob man wei­ter sucht oder mit dem bis­he­ri­gen zufrie­den ist und sich die Beu­te sichert. Denn kann man ein Mons­ter nicht mehr besie­gen, lässt man alle in der aktu­el­len Run­de gewon­ne­nen Beloh­nun­gen lie­gen und flüch­tet. Im Lau­fe der Par­tie kann man auch tie­fer in den Dun­ge­on gehen, denn schließ­lich gibt es unten meist die grö­ße­re Beu­te zu holen. Und hat man eini­ge Mons­ter besiegt, macht man Erfah­run­gen, die wie­der­um den eige­nen Cha­rak­ter hoch­le­veln und stär­ker machen – Rol­len­spie­ler wis­sen, was ich mei­ne. Hier ist ohne­hin noch ein wei­te­res reiz­vol­les Ele­ment ver­an­kert: jeder Spie­ler spielt einen eige­nen Cha­rak­ter, der einem einen gewis­sen Vor­tei­le bringt. Habe ich mei­ne höchs­te Hel­den­stu­fe erreicht, bekom­me ich sogar einen zwei­ten Vor­teil zugewiesen.

Dungeon Roll - Zurueck in den Dungeon - Dungeonkarten
Blick aufs Spiel­ma­te­ri­al: kei­ne Wür­fel trotz "Roll" im Namen!

Das gefällt mir nicht so gut: Fan­gen wir bei den Cha­rak­te­ren an: die Idee mit den indi­vi­du­el­len Vor­tei­len ist nett – aller­dings pas­sier­te es mir zu oft, dass bei eini­gen Cha­rak­te­ren die­se Vor­tei­le in der Run­de gar nicht genutzt wer­den konn­ten. Hier habe ich das Gefühl, dass die Cha­rak­te­re nicht gleich­wer­tig sind. Zusätz­lich besitzt das Spiel in mei­nen Augen ein Runa­way-Lea­der-Pro­blem. Durch Glück gelingt es man­chen Spie­lern sich recht schnell von den ande­ren abset­zen zu kön­nen – und spä­tes­tens wenn die­se Glück­li­chen sich dann den zwei­ten Cha­rak­ter-Vor­teil gesi­chert haben, kön­nen die ande­ren Spie­ler meist nur noch in die Röh­re schauen.
Als größ­tes Man­ko emp­fin­de ich aber die nicht vor­han­de­ne Inter­ak­ti­on, die ich von einem selbst­er­nann­ten "Fun-Spiel" (sie­he Cover-Box) aber erwar­te. Es gibt zwar weni­ge Die­bes­kar­ten im Talon, mit denen man die Mit­spie­ler beklau­en kann, aller­dings war es das auch schon mit Inter­ak­ti­on. Jeder Spie­ler hat sei­ne eige­ne Dun­geonaus­la­ge und man fie­bert eigent­lich nicht wirk­lich bei den ande­ren Spie­lern mit. Da fehlt mir so ein Ele­ment wie bspw. eines gemein­sa­men Dun­ge­ons (wie z.B. bei DIAMANT) oder die Kon­stel­la­ti­on "alle gegen einen" (wie z.B. bei WELCOME TO THE DUNGEON).

Das gefällt mir gut: Man­che Spie­ler fan­den die Unplan­bar­keit stö­rend. Nicht immer lie­gen bspw. auf Ebe­ne 4 wert­vol­le­re Schät­ze wie auf Ebe­ne 2. Das fand ich eher span­nend und lässt Emo­tio­nen auf­kom­men – und passt zum selbst gewähl­ten Anspruch des Spiels. Es ist eben auch ein Glücks­spiel, da soll­te man sol­che Ele­men­te auch ent­spre­chend erwarten.

Fazit: DUNGEON ROLL – ZURÜCK IN DEN DUNGEON ist ein wei­te­res Spiel, in der man Schät­ze aus einem Ver­lies holen soll und am Ende der Reichs­te gewinnt. In mei­nen Augen gibt es aber bes­se­re Ver­tre­ter die­ses Gen­res wie die oben genann­ten WELCOME TO THE DUNGEON oder – mit etwas ande­rem The­ma – DIAMANT. Und wer Push-Your-Luck in Rein­form spie­len will, dem kann ich den guten alten Klas­si­ker CAN'T STOP emp­feh­len. Das vor­lie­gen­de Spiel hat mich jeden­falls nicht überzeugt.

 

Ich bedan­ke mich bei Pega­sus Spie­le für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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