zuletzt gelesen: „Maria Stuart“ von Stefan Zweig
Biografien lese ich selten. Meist ist mir dabei die Perspektive zu einseitig und so finde ich die Roman-Form reizvoller. Aber bei MARIA STUART habe ich mal eine Ausnahme gemacht, da mir Autor Stefan Zweig durch die geliebte SCHACHNOVELLE ein Begriff ist. Auch die Cover-Gestaltung fand ich reizvoll. Oftmals sieht man bei solchen Biografien alte Portrait-Gemälde, die mich schon beim Anblick anöden. Aber der nun gewählte Ausschnitt deutet eine Nähe an, die mich reizte, das Buch mal auszuprobieren.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie ich diese Biographie bewerten soll. Der besondere Schreibstil von Zweig kommt natürlich zu tragen und ist mir manchmal etwas zu schwülstig. Andererseits darf man auch nicht vergessen, dass das Buch vor über 80 Jahren entstanden ist – was man vor allem an manchen Passagen über das bestehende Frauenbild merkt, welches glücklicherweise mittlerweile überholt ist. Mich stört, dass der eigene Anspruch, unvoreingenommen und objektiv über Maria Stuart wie auch über ihre "Gegenspielerin" Elisabeth I. zu schreiben, nicht vollständig eingehalten wird. Es werden zwar auch die Fehler von Maria Stuart beschrieben, aber immer sofort relativiert und abgeschwächt. Dahingegen wird Elisabeth I. zwar zugestanden, historisch richtig gehandelt zu haben, aber die Charakterisierung von ihr ist für mein Empfinden zu negativ. Auch wenn Stefan Zweig sich frei machen wollte von Sympathien, liegen diese doch recht eindeutig auf Seiten von Maria Stuart.
Trotzdem ist das Buch lesenswert, das man die Akribie spürt, die Stefan Zweig hat walten lassen. Er beschreibt seinen umfangreichen Wissensstand und macht auch deutlich, zu welchem Zeitpunkt er wertet und versucht, das Geschehene psychologisch zu deuten. Dabei haben mir natürlich die Vergleiche zu Shakespeares Werken gefallen, die ich aber alle auch recht schlüssig und einleuchten fand.









Kommentar hinzufügen