zuletzt gelesen: WÖLFE von Hilary Mantel
Nach meiner Erfahrung mit BRÜDER war ich skeptisch. Zu wenig hat mich der Rückblick von Hilary Mantel auf die Französische Revolution überzeugt. Allerdings reizte mich die Möglichkeit einer literarischen Begegnung mit der Tudor-Zeit doch zu sehr. Somit warf ich meine aufgebauten Bedenken über Bord und versuchte mein Glück mit WÖLFE. Zum Glück!
Auch wenn ich nicht in die allgemeinen Jubelchöre einstimmen mag, hat mich das Buch dennoch überzeugt. Dabei blicken wir Thomas Cromwell mit einer gewissen Distanz über die Schulter. Durch den gewählten Schreibstil fühlen wir uns einerseits ganz nah, trotzdem verbrüdern wir uns nicht mit dem späteren Earl of Essex. Wir springen in den Zeiten, fokussieren uns aber auf die zweite Hochzeit von Heinrich VIII. mit Anne Boleyn. Dabei folgen wir immer nur Cromwell. Was in anderen Köpfen vor sich geht, wissen wir nicht. Wir schauen also lediglich durch ein Guckloch auf die Zeit. Das fühlt sich manchmal etwas beschränkt an und es fehlt eine gewisse Einordnung. Andererseits ist das Geschehen somit dicht und wir müssen uns nicht mit springenden Perspektiven auseinandersetzen.
Ich habe schon mit der Fortsetzung – FALKEN – begonnen.
"Still", sagt Liz. "Hör mal, das Haus."
Zuerst ist da kein laut. Dann knarren die Balken, atmen. In den Schornsteinen rühren sich nistende Vögel. Wind weht vom Fluss herauf, schüttelt die Baumwipfel ein wenig durch. Sie stellen sich den Atem schlafender Kinder in den anderen Räumen vor und hören ihn. "Komm zu Bett", sagt er.
Der König kann das nicht zu seiner Frau sagen. Und auch nicht zu der Frau, von der es heißt, dass er sie liebt, jedenfalls nicht mit Aussicht auf Erfolg.
Hilary Mantel – Wölfe, S. 94 (E‑Book)









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