Flippermania von Geoff Engelstein – erschienen bei Frosted Games
"Klack, klack, klack, riiiiiiing, rassel, bong, bong, bong, klack, klack, bumper, zisch, klong – Fluchgeräusche!" Ich befürchte, mir ist es nicht ganz gelungen, die Geräuschkulisse eines Flippers nachzumachen. Allerdings ist das auch nicht wirklich wichtig, denn bei FLIPPERMANIA geht es deutlich ruhiger zur Sache: "Würfelgeklapper, Stiftquietschen, Würfelgeklapper, Stiftquietschen, Würfelgeklapper, Stiftquietschen [...] Würfelgeklapper -Fluchgeräusche!"
Thema... wir spielen Flipper. Da nicht alle in einer Zeit aufgewachsen sind, in der es noch keine Smartphones gab und man sich somit anderweitig beschäftigen musste, folgt nun der passende Wikipedia-Link zur Erklärung, was es mit diesen komischen bunten Automaten auf sich hat.
Illustrationen… sind erschaffen worden von den Gong Studios. Dabei treffen sie ganz gut den typisch trashigen Stil, den zumindest ich im Kopf habe, wenn ich an Flipperautomaten denke. Da darf der Rummel gerne quietschig-bunt sein, während im Cyber-Raum das technisch kalte Blau dominiert. Allerdings geht in der wuseligen Gestaltung manchmal der Überblick verloren.
Ausstattung… besteht, wie man der Einleitung entnehmen konnte, u.a. aus Würfeln und abwischbare Stiften. Das Herzstück sind aber vier unterschiedliche Flippertische, die jeweils aus zwei laminierten Tafeln zusammengestellt werden. Und was wäre ein Flipper ohne silberne Kugeln? Richtig, nichts! Deswegen sind in der FLIPPERMANIA-Box noch aufsehenerregende silberne Halbkugeln vorhanden.


Ablauf… selbstredend begibt man sich in FLIPPERMANIA auf Highscore-Jagd. Innerhalb von drei Runden bewegt man die Halbkugeln über die jeweiligen Flippertische. Dazu würfelt man und kann dann entsprechende Sektionen auf den Tableaus markieren. Wie man es von den Automaten kennt, schaltet man sich dadurch verschiedene Boni und vielleicht sogar eine zusätzliche Kugel frei.
Je länger eine Runde dauert, desto schwieriger wird es, die Kugel im Spiel zu halten. In Natura kann man durch geschicktes Ruckeln am Tisch versuchen, die Kugel zu beeinflussen. Dabei geht man allerdings ein Risiko ein, dass man es mit dem Ruckeln übertreibt. Auch bei FLIPPERMANIA kann man mit viel Risiko versuchen, die Würfel auszutricksen. Aber wehe, das geht schief. Denn dann ist die Kugel schneller verloren, als das einem lieb ist.
Das gefällt mir nicht so gut: In FLIPPERMANIA ist Material für bis zu vier Personen vorhanden. Allerdings wird das in den seltensten Fällen gebraucht. Denn das Spiel zu viert ist oftmals eine eher zähe Angelegenheit und deswegen nicht wirklich erstrebenswert. In meinen Augen ist FLIPPERMANIA ein reines Solo-Spiel. Das kann man natürlich in einer Art Wettbewerb auch mal gegeneinander zocken, aber der Kern des Spiels bleibt völlig interaktionsarm und somit solitär. Wenn mir im Solo-Spiel die Kugeln früh rausfallen, dann ärgere ich mich und fange vielleicht neu an. Im 4‑Personen-Spiel bin ich aber raus und muss in Extremfällen vielleicht noch weitere 20 Minuten den anderen beim Ankreuzen ihrer Felder zusehen. Spannend geht anders.
Ich hätte mir also mehr Mut gewünscht, dass Spiel als solches zu präsentieren, was es ist. Bestes Beispiel dafür ist immer noch UNDER FALLING SKIES. Dort wurde konsequent ein kleines Solo-Spiel so weiter entwickelt, dass es eine wahre Freude ist. Bei FLIPPERMANIA wurde dahingegen versucht, ein Solo-Spiel für Gruppen zugänglich zu machen und ist an diesem Anspruch gescheitert. Statt also Material für vier Personen bereit zu stellen, hätte man lieber das Material für eine Person optimieren sollen. Die eingesparten Kosten für die zusätzlichen Tableaus und Stifte hätte man dann vielleicht dafür einsetzen können, um die einzelnen Tische etwas größer zu produzieren. In der aktuellen Ausführung sind diese für ältere Menschen nicht unbedingt optimal – zumal man sich fragt, warum noch nicht einmal die Maße der Schachtelgröße ausgenutzt wurden, um die Tableaus zumindest etwas größer zu machen. Das wird wahrscheinlich produktionstechnische Gründe haben, sieht aber nach verschenktem Raum aus.
Mit der Gestaltung der einzelnen Tische bin ich nicht glücklich. Mir fehlt dort der Fokus auf die zu markierenden Elemente. Mir wäre es deutlich lieber gewesen, wenn die Hintergrundillustrationen in eben diesem wären. So nehmen sie eine gleichwertige Rolle ein und man erkennt leider nicht auf den ersten Blick die spielrelevanten Bereiche.
In die Anleitung muss man sich erst einmal reinfuchsen. Beim ersten Durchlesen wusste ich überhaupt nicht, was eigentlich von mir verlangt wird. Nicht falsch verstehen, die Anleitung ist nicht schlecht strukturiert oder unübersichtlich. Eigentlich sogar im Gegenteil, da die Anleitung zweigeteilt ist und erst allgemein das Spielprinzip und dann die einzelnen Tische erklärt werden. Aber mir hätte so etwas wie eine Los-Spiel-Anleitung geholfen. So wie ich mich einfach mal an den Flipper-Tisch stellen würde und nach und nach alles entdecke, so hätte ich mir den Einstieg gewünscht. "Wirf die beiden Würfel und ziehe nun die Kugel in den oberen Bereich. Dort siehst du nun..." In der aktuellen Fassung hat man anfangs mehr Knoten im Hirn als Aha-Erlebnisse, weswegen der Verlag mittlerweile vielleicht auch schon ein kurzes FAQ nachgeschoben hat. Mir ist schon bewusst, dass FLIPPERMANIA ein Kennerspiel ist und somit auch umfangreichere Regeln zu erwarten sind. Trotzdem ist die Diskrepanz beim Einstieg zwischen dem Spiel und einem realen Flippertisch eklatant.
Auch die Spieldauer unterscheidet sich deutlich – zumindest dann, wenn so ein Amateur, wie ich es bin, an einem Flippertisch steht. In der Realität ist normalerweise ein Flipper-Spiel viel zu schnell vorbei und ich will meist unbedingt noch einmal ran. Dieses Gefühl kam bei mir und FLIPPERMANIA nie auf. Mir dauert eine Partie in der Regel zu lange. Und sollte sie durch Pech beim Würfeln zu kurz sein, dann bin ich eher von dieser Glücklosigkeit gefrustet, als dass ich sofort eine Wiederholung anstreben würde. Läuft es dahingegen halbwegs normal, dann kreuzt man sich einen Wolf. Wie bspw. auch bei FLEET: THE DICE GAME ist man ständig damit beschäftigt, irgendetwas abzustreichen – und gleichzeitig dabei aufzupassen, dass man mit der silbernen Halbkugel nicht aus Versehen die eigenen Markierungen wieder wegwischt. Mir ist das auf Dauer zu wiederholend und zu viel Verwaltungsaufwand, um mich an der Kugel bleiben zu lassen.
Das gefällt mir gut: Die einzelnen Tische spielen sich deutlich unterschiedlich. Carniball ist definitiv nur als Einstieg gedacht, richtig rund geht es erst mit den weiteren Tischen. Diese haben alle interessante eigene Mini-Spiele im Gepäck, die dafür sorgen, dass die Punkte eskalieren können. Mir persönlich am besten gefällt der Cyberhack-Tisch mit der Möglichkeit, einen Run durchzuführen. Dieser will – wie alle Elemente – gut geplant sein, weswegen man bei FLIPPERMANIA immer auch strategisch denken muss. Man sollte sich schon vor Spielbeginn die Mühe machen, den Tisch genauer zu analysieren. Welche Boni gibt es? Wie kann ich diese sinnvoll miteinander kombinieren? Welches Timing ist gefragt? Eine zweite Kugel bringt mir wenig, wenn ich kaum noch Möglichkeiten habe, die Flipperfinger zu benutzen. Man wächst dabei mit seinen Aufgaben. Wenn doch die einzelnen Partien nicht so lange dauern und sich nicht zu sehr nach Arbeit anfühlen würden...
Denn das FLIPPERMANIA-System kann im Grund genommen unendlich erweitert werden. Mit dem Basis-Wissen wird vermittelt, wie das Spielprinzip funktioniert. Nun kann jeder einzelne Tisch mit neuen Elementen und Regeln daher kommen. Frosted Games hatte beispielsweise als Weihnachtsgeschenk den Tisch Stille Nacht, heilige Nacht zum Download angeboten – ganz nebenbei in einer deutlich aufgeräumteren grafischen Aufmachung, die ich mir auch gerne für das Grundspiel gewünscht hätte. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie gut in diesem System für Nachschub gesorgt werden kann.
Ich finde es übrigens toll, mit welcher Liebe zum Detail die Beteiligten am Werk waren. Beispielhaft dafür ist der zusätzliche Info-Zettel, auf dem nochmals genauer erklärt wird, was ein Flipper überhaupt ist. FLIPPERMANIA lebt das Thema! Es ist so sehr darum bemüht, alles realitätsnah abzubilden, dass dabei bedauerlicherweise ein wenig die Leichtigkeit verloren geht.
Fazit: FLIPPERMANIA ist für mich leider eine Enttäuschung. Vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen am Start gewesen. Ich habe auf etwas mehr Fun gehofft und nicht unbedingt eine ernsthafte Flipper-Simulation erwartet. Denn diese schafft es leider nicht, die Rasanz und die Emotionen eines Flippertisches in ein Spiel zu übertragen, das somit hauptsächlich aus Verwaltungsarbeit besteht.
| Titel | Flippermania |
|---|---|
| Autor | Geoff Engelstein |
| Illustrationen | Gong Studios |
| Dauer | 30 bis 45 Minuten |
| Personenanzahl | 1 bis 4 Personen |
| Zielgruppe | solistische Kennerspielrunden |
| Verlag | Frosted Games |
| Jahr | 2021 |
| Hinweis | für die Besprechung wurde vom Vertrieb Pegasus ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt |
















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