Der Herr der Ringe – Das Schicksal der Gemeinschaft von Matt Leacock – erschienen bei Z‑Man Games
Natürlich wäre es möglich, sich intensiv mit der Spielmechanik von DER HERR DER RINGE – DAS SCHICKSAL DER GEMEINSCHAFT zu befassen. Aufzuzeigen, wie Matt Leacock das Pandemic-System weiterentwickelt hat. Würdigen, wie sehr der besondere Geist der literarischen Vorlage getroffen wird. Lobpreisen, dass ein episches Spielgefühl entsteht. Mäkeln, dass das Spielmaterial teilweise etwas zu klein geraten ist und der Würfelturm mehr Pein als Glückseligkeit bietet. Aber will das Spiel nicht eine Geschichte erzählen? Also lasst uns eine Geschichte erzählen ...
"Hey ya, der alte Calmot Katec ist wieder da!"
"Komm, erzähl uns eine Geschichte!"
"Ja, eine Geschichte, Calmot!"
"Lasst mich doch erst einmal ankommen. Ich bin müde vom Wandern! Die Straße gleitet fort und fort und meine Knochen sind auch nicht mehr die jüngsten."
"Aber wenn du jetzt ins Wirtshaus gehst, wollen die Erwachsenen so viel Unnötiges von dir wissen. Wie ist die Ernte in Tholanien ausgefallen? Sind neue Abgaben geplant? Was machen die Unruhen in Was-weiß-ich-wo? Dann redest und redest du, trinkst dazu dein Bier und dann willst du erst einmal eine Pause machen - und wir müssen ins Bett. So bekommen wir nie ein Abenteuer von dir zu hören!"
"Genau, wir wollen eine Geschichte. Ein episches Abenteuer! Am besten die Geschichte von Frodo und dem Zauberring"
"Oh ja, die hast du auch das letzte Mal erzählt, die war toll! Wie am Anfang Frodo und Sam mit ihren Freunden das Auenland verlassen und dabei gejagt werden. Wie sie die Elben aufsuchen und Sauron herausfordern. Und wie dann die Ents zur Hilfe kaommen."
"Die Ents? Die kenne ich nicht. Als ich zum letzten Mal die Geschichte gehört habe, stellte sich ein Balrog der Gruppe entgegen. Und vorher mussten die Furten des Anduin gesichert werden."
"Ja, von Anduin habe ich auch schon mal gehört. Aber das war lange her. Meist geht es um Minas Morgul. Wobei ich am meisten Angst hatte, als Calmot mal die Riesenspinne Kankras in seine Geschichte einwob!"
"Was, eine Riesenspinne? Wie ekelig! Davon habe ich zum Glück noch nie gehört!"
"Wie kann es eigentlich sein, Calmot, dass du immer die gleiche Geschichte erzählst, sie aber jedes Mal anders ist?"
"Das ist der Kern einer guten Geschichte! Wenn ich jedes Mal das ganze Abenteuer erzählen müsste, dann wäre ich wohl eine ganze Woche hier. Nein, nein, für eins-zwei Stunden, reicht es aus, wenn ich euch immer nur einzelne Episoden hören lasse."
"Aber der Anfang ist immer gleich. Immer beginnt die Geschichte im Auenland."
"Natürlich, denn dort begann auch das Abenteuer!"
"Und wenn ich nicht vorher einschlafe, dann endet auch alles mit der Zerstörung des Rings."
"Ja, auch das Ende ist immer das Gleiche. Sonst würdet ihr noch behaupten, ich hätte mir das Abenteuer nur ausgedacht. Anfang und Ende ist die Klammer. Was dazwischen passiert, könnt ihr immer wieder neu erleben."
"Das hängt auch manchmal davon ab, wie viele wir sind. Du hast mir mal die Geschichte erzählt, als ich alleine krank im Bett lag. Und da sprangst du von einer zu anderen Person, das mir ganz schwindelig im Kopf wurde. Nie bist du bei einer Perspektive geblieben."
"Oh, das tut mir leid. Aber so glaubte ich wohl, wäre es für dich interessanter. So musstest du dich immer wieder neu entscheiden, wem du gerade deine Aufmerksamkeit schenkst."
"Aber ist diese Geschichte nicht sowieso eine Geschichte, die immer und immer wieder anders erzählt wird?"
"Mmmh, in gewisser Weise schon. Als ich mit dem Erzählen anfing, da beschränkte ich mich noch. Da erzählte ich von einer bösen Krankheit, die die Welt heimsuchte und eine Gruppe suchte Heilmittel dagegen. Diese Geschichte schmückte ich weiter aus, legte sie in andere Länder und andere Zeiten. Zusammen mit einem Freund habe ich sogar eine unverwechselbare Version entwickelt, die von den Zuhörern beeinflusst werden konnte. Das war ganz schön viel Arbeit. Aber nun erzähle ich die Geschichte von Frodo und Sam, Gandalf und Aragon. Die kannten die Leute schon vorher. Aber jetzt entdecken sie immer neue Facetten. Allerdings müssen sie dabei auch ganz schön konzentriert sein. Vorher reichte ein beiläufiges Zuhören, nun müssen dauernd verschiedene Personen bedacht werden. Mal sind sie mit dem Kopf bei Arwen, um zusätzlich aber auch noch Merry und Pippin im Kopf zu haben."
"Zusätzlich benutzt du mittlerweile sogar einen Würfel, damit die einzelnen Schlachten nicht vorherzusehen sind. Früher reichte es aus, abzuzählen, wer die Übermacht hatte. Jetzt bibbere ich bei jedem kleinen Scharmützel, ob Éowyn verwundet wird oder nicht. Und bei der Suche des Auges nach dem Ring würfelst du auch immer. Das finde ich so unglaublich spannend."
"Das stimmt, da habe ich mir was Neues einfallen lassen. Zusätzlich ist auch zufälliger, wie sich die Seuche ausbreitet. Stellen sich neue Orks in Dunland auf, oder ziehen die Bösen nach Bruchtal? Früher waren solche Schicksalsschläge planbarer. Nun spiele ich mit den Ereignissen und lasse mehr Möglichkeiten zu."
"Aber meine kleine Schwester überfordert du damit! Die kann sich nicht alle Namen merken. So viele Menschen, Elben und Zwerge. Und dann auch noch die ganzen Ortsnamen. Und wie dir miteinander verbunden sind. Da schwirrt ihr nur der Kopf. Wie soll sie sich denn vorstellen können, auf welchen Routen die Südländer vorrücken und auf welchen die Orks? Das schafft sie nicht."
"Oh ja, wenn ich mittlerweile diesen Epos erzähle, muss man schon sehr geübt sein im Hören. Expertenhörer muss man sein. Ansonsten ist das wohl zu anstrengend. Aber ich verspreche, dass ich auch wieder einfachere Geschichten erzählen werde."
"Apropos Geschichte erzählen. Wann fängst du denn endlich an? Wie haben doch nicht ewig Zeit und die Erwachsenen wollen bestimmt auch noch etwas von dir hören."
"Da hast du recht. Ich fange wohl besser mal an, sonst komme ich gar nicht ins Wirtshaus. Also:
Als Bilbo Beutlin von Beutelsend ankündigte, dass er seinen bevorstehenden einundelfzigsten Geburtstag mit …"









| Titel | Der Herr der Ringe – Das Schicksal der Gemeinschaft |
|---|---|
| Autor | Matt Leacock |
| Illustrationen | Jared Blando und Cory Godbey |
| Dauer | 60 bis 150 Minuten |
| Personenanzahl | 1 bis 5 Personen |
| Alter | 14+ |
| Zielgruppe | kooperative Expertenspielrunden |
| Verlag | Z‑Man Games |
| Jahr | 2025 |
| Hinweis | Vielen Dank an den Vertrieb Asmodee Germany für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! |










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