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kritisch gespielt: Fantastique

Fantastique von Trevor Benjamin und Brett J. Gilbert – erschienen bei AMIGO Spiele

Fantastique - Box
Bild: AMIGO Spiele

Auf­grund mei­ner ledig­lich rudi­men­tä­ren Eng­lisch­kennt­nis­se hät­te ich ohne exter­nen Hin­weis das Wort­spiel des Titels nicht erkannt. Woher soll ich denn wis­sen, dass "fan" im Eng­li­schen nicht nur der treue Anhän­ger einer Sache ist, son­dern eben auch ein Fächer? Bis­her habe ich aber auch noch kei­nen Bri­ten "what a fan­ta­stic fan!" aus­ru­fen hören. Dann schon eher "quel fan­tas­tique éventail!".

The­ma: Ist etwas unklar. Wir spie­len Fächer aus aller Welt aus, um damit Medail­len zu sam­meln. Und natür­lich wol­len wir am Ende davon die meis­ten haben. Aber war­um tue ich das? Muss ich mir das wie bei einem Kanin­chen­zucht­fes­ti­val vor­stel­len? Bei dem ich selbst­re­dend noch nie war. Und ab wann ist ein Fächer eigent­lich ein Fächer? Weil bei FANTASTIQUE geht schon eine ein­zel­ne gespiel­te Kar­te als sol­cher durch – auch wenn ich mir damit kaum ver­nünf­tig Luft zu wedeln kann.

Illus­tra­tio­nen: Ach wie ger­ne hät­te ich die Ori­gi­na­le von Miri­am Rowe mal in die Hand genom­men. Die ein­zel­nen Kar­ten sind fast schon zu klein, um die Kunst­wer­ke ange­mes­sen bestau­nen zu kön­nen. Glück­li­cher­wei­se ermög­licht es die Anlei­tung, dass uns Miri­am Rowe ein wenig an ihren künst­le­ri­schen Gedan­ken teil­ha­ben lässt. Noch aus­führ­li­cher beschreibt sie ihre Arbeit bei Board Game Beat.

Fantastique - Übersicht
logisch: auf­ge­fä­cher­ter Inhalt

Aus­stat­tung: Wenig über­ra­schend für den Ami­go Ver­lag ist FANTASTIQUE ein Kar­ten­spiel. Aller­dings wer­den wir trotz­dem über­rascht. Denn die Kar­ten sind nun beson­ders geschnit­ten, sodass wir sie noch bes­ser auf unse­rer Hand auf­fä­chern kön­nen. Als Objek­te unse­rer Begier­de fun­gie­ren die ein­zu­heim­sen­den Punk­te­kar­ten Medail­len. Die dicken Papp­fä­cher geben unter­schied­li­che Bedin­gun­gen für die End­wer­tung vor.

Fantastique - Runde
aus­ge­spiel­te Kar­ten in einer Runde

Ablauf: Über sie­ben Run­den spie­len wir Kar­ten aus. Aller­dings dür­fen wir immer nur Kar­ten eines Wer­tes aus­spie­len und bereits gespiel­te Kom­bi­na­tio­nen nicht kopie­ren. Am Ende einer jeden Run­de tri­um­phiert, wer die meis­ten Kar­ten aus­ge­spielt hat. Bei einem Gleich­stand haben höhe­re Kar­ten­wer­te die Nase vorn. 

Hohe Kar­ten­wer­te haben aber noch einen ande­ren Vor­teil. Denn am Anfang der Run­de wird offen aus­ge­legt, wel­che Kar­ten zum Nach­zie­hen zur Ver­fü­gung ste­hen. Habe ich den höchs­ten Kar­ten­wert aus­ge­spielt, darf ich zuerst zugrei­fen – unab­hän­gig von der Anzahl die­ser Wer­te. Die­se ist nur wich­tig, wenn der glei­che Wert öfter gespielt wur­de. Somit sorgt also mei­ne aktu­ell aus­ge­spiel­te Kar­te dafür, wel­che Kar­ten ich zusätz­lich in der nächs­ten Run­de zur Ver­fü­gung habe.

Das gefällt mir nicht so gut: Hohe Kar­ten­wer­te sind immer von Vor­teil. Einer­seits, weil ich dar­über einen frü­hen Zugriff auf den Nach­schub habe. Ande­rer­seits, weil über den Kar­ten­wert Gleich­stän­de auf­ge­löst wer­den. Um die­se Abhän­gig­keit etwas zu mil­dern, sind die klei­nen Kar­ten­wer­te häu­fi­ger vor­han­den, um dar­über umfang­rei­che­re Kom­bi­na­tio­nen aus­spie­len zu kön­nen. Aller­dings ist der Weg zu sol­chen Bom­ben stei­nig – und all­zu lan­ge dau­ert eine Par­tie auch nicht. Ich bin also etwas unglück­lich mit der gewähl­ten Bestim­mung der Nach­zieh-Rei­hen­fol­ge. War­um darf nicht die Per­son zuerst zugrei­fen, die in der aktu­el­len Run­de die schwächs­te Kom­bi­na­ti­on aus­ge­legt hat? Das wür­de viel­leicht noch eine etwas krib­be­li­ge­re Atmo­sphä­re schaffen.

Fantastique - Belohnungen
dar­um kon­kur­rie­ren wir

Wenig Atmo­sphä­re ent­steht übri­gens, wenn FANTASTIQUE nur zu zweit gespielt wird. Das Spiel­ge­fühl lebt vom Abwä­gen, vom sich Über­bie­ten, von den Unwäg­bar­kei­ten bei der Schluss­wer­tung. All das kommt bei einem Duell kaum zum Tra­gen. Mei­ner Mei­nung nach soll­ten schon min­des­tens drei Per­so­nen für eine Par­tie FANTASTIQUE zusammenkommen.

Die Form der Kar­ten passt per­fekt zur the­ma­ti­schen Gestal­tung. Da ich gewöhn­lich kei­ne Kar­ten­hül­len benut­ze, ste­he ich auch nicht vor dem Pro­blem, dafür pas­sen­de Ver­hü­ter­lis zu fin­den. Aller­dings bin ich trotz­dem ein ganz klein wenig von der unge­wohn­ten Form genervt. Ich mische ger­ne Kar­ten flä­chig auf dem Tisch ver­teilt (prak­ti­zie­ren dem­nach das bei uns soge­nann­te "Kin­der­gar­ten­mi­schen"). Aller­dings bin ich bei FANTASTIQUE dem zusätz­li­chen Arbeits­schritt aus­ge­setzt, die Kar­ten am Ende wie­der alle in die rich­ti­ge Aus­rich­tung zu bekom­men. Es hat ein wenig gebraucht, dafür einen cle­ve­ren Arbeits­ab­lauf zu etablieren.

Das gefällt mir gut: Bei FANTASTIQUE ist Timing gefragt. Selbst­re­dend wol­len wir unse­re guten Kar­ten für die letz­ten Run­den auf­he­ben, weil dort mehr Sieg­punk­te ver­teilt wer­den. Aller­dings kann ich mir nie sicher sein, wie die Hän­de der Mit­spie­len­den bestückt sind. Somit kann ich auch etwas gegen den vor­ge­ge­be­nen Rhyth­mus spie­len und hof­fen, damit ein aus­rei­chend gro­ßes Punk­te­pols­ter anzu­häu­fen. Viel hängt dabei davon ab, wel­che Kar­ten zum Nach­zie­hen erschei­nen. Dabei erweist sich die Zusam­men­stel­lung die­ser Aus­wahl als ver­steck­tes High­light. Denn die­se wird zufäl­lig bestückt, wobei Kar­ten mit den glei­chen Wer­ten grup­piert wer­den. Mal lie­gen dort fünf ein­zel­ne Kar­ten. Ein ande­res Mal locken aber drei 2en oder zwei 7en – und schon ist mir das frü­he Nach­zie­hen mög­li­cher­wei­se wich­ti­ger als die aktu­el­le Medaille.

Fantastique - Auswahl
griff­be­reit

Somit ist FANTASTIQUE ein sehr tak­tisch gepräg­tes Spiel. Durch die anstei­gen­den Sieg­punk­te ergibt sich ein gelun­ge­ner Span­nungs­bo­gen, der sei­nen Höhe­punkt in der End­wer­tung fin­det. Dabei erwei­sen sich die unter­schied­li­chen Bedin­gun­gen als Segen. Denn dar­über ver­schie­ben sich die ein­zel­nen Wer­tig­kei­ten und ich muss jedes Mal ein wenig anders den­ken. Mit die­sem Kniff bleibt das Spiel­ge­sche­hen auf Dau­er frisch.

Noch­mals möch­te ich lobend erwäh­nen, dass die Anlei­tung der Illus­tra­to­rin Miri­am Rowe­so viel Raum gibt, die ein­zel­nen Moti­ve zu erklä­ren. Die­se Art der Wert­schät­zung möch­te ich ger­ne noch öfter erleben.

Fantastique - Fächer
alles im Blick

Fazit: FANTASTIQUE ist jetzt nicht unbe­dingt fan­tas­tisch. Aber es ragt trotz­dem aus der Mas­se der vie­len Ver­öf­fent­li­chun­gen her­aus. Das liegt nicht nur an der unge­wöhn­li­chen Form der Kar­ten, son­dern vor allem an der durch­ge­hen­den Span­nung, am Ende ein gutes Blatt prä­sen­tie­ren zu können.

TitelFan­tas­tique
AutorenTre­vor Ben­ja­min und Brett J. Gilbert
Illus­tra­tio­nenMiri­am Rowe
Dau­er25 Minu­ten
Per­so­nen­an­zahl2 bis 5 Personen
Alter8+
Ziel­grup­peFami­li­en­spiel­run­den
Ver­lagAMIGO Spie­le
Jahr2026
Hin­weisVie­len Dank an den Ver­lag für die Bereit­stel­lung
eines Rezen­si­ons­exem­plars!

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