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kritisch gespielt: Duell der Drachen

Duell der Drachen von Jay Bendixen – erschienen bei Lookout Spiele

Duell der Drachen - Box
Bild: Loo­kout Spiele

Auch wenn ich in der Ver­gan­gen­heit schon das ein oder ande­re Fan­ta­sy­buch gele­sen habe: an ein Duell der Dra­chen kann ich mich dabei nicht erin­nern. Aller­dings heißt das nichts. Ich bin mir sicher, dass ein sol­ches Sze­na­rio lite­ra­risch ver­ar­bei­tet wur­de. Rein vom Titel erwar­te ich dann so etwas wie God­zil­la trifft King Kong: über­gro­ße Wesen mit unbän­di­ger Stär­ke klop­pen auf sich ein. Ent­spre­chend pom­pös könn­te eine Ver­spie­lung aus­se­hen. DUELL DER DRACHEN geht jedoch den umge­kehr­ten Weg. Hier herrscht eher die klei­ne, unschein­ba­re Klin­ge, die cle­ver ein­ge­setzt wer­den will.

The­ma: Die The­men­ein­bin­dung wirft Fra­gen auf. Uns wird gesagt, dass wir Dra­chen aus­spie­len, um damit Gebie­te zu beherr­schen. Aber war­um? Sind wir ein Ober-Dra­che und somit so eine Art Clan­füh­rer? Oder sind wir mäch­ti­ge Magi­er? Oder Super­schur­ken im Kampf gegen die har­mo­ni­sche Welt­ord­nung? Dar­über wer­den wir im Unkla­ren gelas­sen. Und auch die spie­le­ri­schen Aus­wir­kun­gen wer­den gar nicht erst ver­sucht, the­ma­tisch zu erklä­ren. Wir mer­ken somit recht schnell: im Kern ist DUELL DER DRACHEN ein abs­trak­tes Kar­ten­spiel mit Far­ben und Zah­len­wer­ten. Die Dra­chen sind nur Maskerade.

Duell der Drachen - Auslage
Dra­chen in der Auslage

Illus­tra­tio­nen: Gegen die Theo­rie der Super­schur­ken spricht ganz klar die Gestal­tung der Dra­chen. Die von Nele Diel illus­trier­ten Schup­pen­tie­re sehen alle wenig bedroh­lich aus. Viel­mehr ist eine gewis­se Knuf­fig­keit fest­zu­stel­len. Fast könn­ten wir das Gefühl bekom­men, wir sind eigent­lich zu Besuch in einer Dra­chen­schu­le und beob­ach­ten Revier­kämp­fe auf dem Pausenhof.

Duell der Drachen - Ausstattung
45 Kar­ten und ein wenig Verwaltungshilfe

Aus­stat­tung: Der Inhalt der Box ist zumin­dest Pau­sen­hof geeig­net. Das Herz­stück sind 45 Kar­ten in fünf Far­ben mit Zah­len­wer­ten von 1 bis 9. Die farb­lich pas­sen­den Hei­mat­ge­bie­te und ent­spre­chen­de Stär­ke­mar­ker könn­ten wir uns zur Not auch den­ken. Trotz­dem sind wir dank­bar, dass sie beiliegen.

Ablauf: Zu Beginn legen wir die Gebie­te aus und bestü­cken sie zufäl­lig mit jeweils einer offen aus­lie­gen­den Kar­te. Abwech­selnd spie­len wir nun jeweils eine Kar­te an ein belie­bi­ges Gebiet. Spie­le ich die Kar­te offen aus, dann muss die Far­be mit dem Gebiet über­ein­stim­men. Alter­na­tiv kann ich auch eine Kar­te ver­deckt aus­spie­len, sodass die Farb­vor­ga­be ent­fällt. Aller­dings darf ich maxi­mal nur drei Kar­ten auf die­se Wei­se ausspielen.

Drei Kar­ten stel­len auch auf ande­re Art und Wei­se die Gren­ze dar. Denn an jedes Gebiet kön­nen nur maxi­mal die­se drei Kar­ten ange­legt wer­den. Bei die­ser Fixie­rung auf die 3 ist erstaun­lich, dass wir fünf Kar­ten zum Aus­spie­len auf der Hand haben. Dabei ist aller­dings der Mecha­nis­mus des Nach­zie­hens bemer­kens­wert. Denn wir erhal­ten die Kar­ten nicht etwa von einem ver­deck­ten Sta­pel. Viel­mehr sor­gen wir dafür, wel­che Kar­te die ande­re Sei­te auf­neh­men muss. Denn es wan­dert die Kar­te auf die geg­ne­ri­sche Hand, von wel­chem Gebiet ich zuvor ange­legt habe.

Duell der Drachen - Ende
fina­le Ver­tei­lung der Stärkemarker

Die Par­tie kann auch drei Arten enden. Sofort, wenn ent­we­der eine Per­son kei­ne Kar­ten mehr regel­kon­form aus­spie­len kann, oder wenn eine Per­son an allen fünf Gebie­ten den höchs­ten Stär­ke­wert aus­lie­gen hat. Ansons­ten wird am Ende der Stär­ke­wert eines jeden Gebie­tes bestimmt und ver­gli­chen, wobei dann auch die zuvor ver­deck­ten Kar­ten offen dazu­ge­zählt wer­den. Dabei besteht noch die Beson­der­heit, dass sobald die Gesamt­stär­ke auf einer Sei­te min­des­tens dop­pelt so groß ist, die­ses Gebiet als ver­lo­ren gilt.

Das gefällt mir nicht so gut: Spie­le­risch über­zeugt DUELL DER DRACHEN auf gan­zer Linie. So mäke­le ich nur an Äußer­lich­kei­ten her­um – und das auch von einem hohen Niveau kom­mend. Die Illus­tra­tio­nen sind herz­al­ler­liebst und über­zeu­gen mit jeweils eige­nem Cha­rak­ter. Ich traue­re dabei aller­dings der Chan­ce hin­ter­her, bei der Gestal­tung etwas mehr Varia­tio­nen anzu­bie­ten. Mit etwas mehr Zeit – sicher­lich gleich­be­deu­tend mit einem höhe­rem zur Ver­fü­gung ste­hen­dem Bud­get – wären bestimmt eini­ge Spie­le­rei­en mög­lich gewe­sen. Mir kom­men da als posi­ti­ve Bei­spie­le in letz­ter Zeit COLLECT oder 5 TOWERS in den Sinn. Durch die bestehen­de Motiv­ein­tö­nig­keit wird lei­der der abs­trak­te Kern etwas zu sehr verdeutlicht.

Das gefällt mir gut: Das spiel­me­cha­ni­sche Grund­ge­rüst über­zeugt durch Klar­heit und Ele­ganz. Ich muss kei­ne Tex­te lesen, Sym­bo­le ver­glei­chen oder ande­re Zusatz­funk­tio­nen in Betracht zie­hen. Die weni­gen Regeln sind klar und deut­lich. Also alles ganz ein­fach, oder?

Duell der Drachen - Spielsituation
Duell im vol­lem Gang

Schnell mer­ken wir, dass DUELL DER DRACHEN alles ande­re als banal ist. Dau­ernd wäge ich mein Tun ab. Ich will die größ­te Stär­ke, damit aber auch nicht über das Ziel hin­aus­schie­ßen. Wenn ich statt­des­sen nur nied­ri­ge Kar­ten spie­le, ver­lie­re ich schon wäh­rend der Par­tie. Ich muss die rich­ti­ge Balan­ce fin­den. Hin­zu kommt der Druck, über­haupt noch hand­lungs­fä­hig zu blei­ben. Wie beim Schach loh­nen sich Bau­ern­op­fer. Ich gebe eine Kar­ten­rei­he auf, damit ich bei den ande­ren bes­ser abschnei­de. Und der ein oder ande­re Bluff mit den ver­deck­ten Kar­ten geben dem tak­ti­schen Tau­zie­hen eine zusätz­li­che Pri­se Span­nung. Dabei dau­ert eine Par­tie ledig­lich 15 Minu­ten und bie­tet wäh­rend­des­sen rasan­ten Spiel­spaß. Ganz oft wird des­we­gen im Anschluss direkt eine Revan­che gefordert.

Der über­zeu­gends­te Kniff ist dabei das Sys­tem des Kar­ten­nach­zie­hens. Ich beein­flus­se aktiv, was auf die ande­re Hand kommt. Ich übe Kon­trol­le aus, auch wenn das bedeu­tet, bei einer Rei­he zurück­ste­cken zu müs­sen. Ich sor­ge für Stöh­nen und Flu­chen auf der Gegen­sei­te. Natür­lich spielt der Zufall eine Rol­le. Die­ser ist aber deut­lich gerin­ger aus­ge­prägt, als wenn ledig­lich ver­deckt von einem Nach­zieh­sta­pel gezo­gen würde. 

Fazit: DUELL DER DRACHEN mag unschein­bar auf­tre­ten. Aber das Spiel hat es faust­dick hin­ter den Ohren. Mit weni­gen Regeln wird eine erstaun­li­che Tie­fe erzeugt! Die­ses Duell ist ein leicht­ge­wich­ti­ges High­light in der Grup­pe der Tauziehspiele.

TitelDuell der Drachen
AutorJay Ben­di­xen
Illus­tra­tio­nenNele Diel
Dau­er15 Minu­ten
Per­so­nen­an­zahl2 Per­so­nen
Alter8+
Ziel­grup­peduel­lie­ren­de Familienspielrunden
Ver­lagLoo­kout Spiele
Jahr2026
Hin­weisVie­len Dank an den Ver­trieb Asmo­dee für
die Bereit­stel­lung eines Rezensionsexemplars!

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