Die letzten Shakepeare-Zitate hatte ich immer mit großen politischen Ereignissen verbunden (Brexit, Trump-Wahl). Ich bin mir nicht sicher, ob die heutige Vereidigung Angela Merkels als Bundeskanzlerin ähnlich hohe Wellen schlagen wird – wohl eher nicht (kennen doch manch jüngere Menschen gar keine andere Person als Bundeskanzler). Trotzdem möchte ich ein wenig an dieser Tradition festhalten. Ich habe mich für Othello entschieden.
Wir leben in Zeiten, in denen meiner Meinung nach viel zu schnell auf Gerüchte und Fake News reagiert wird – vor allem, wenn diese zum eigenen Weltbild zu passen scheinen. Jago lässt grüßen. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht zu schnell diesen schnellen Verlockungen nachgibt. Es gilt, seinen Geist zu schärfen – aber auch seinem ursprünglichen Gefühl treu zu bleiben.
Othello:
Wenn der Bestohlne nicht vermißt den Raub, sagt ihr´s ihm nicht, so ist er nicht bestohlen.
Nein, mein Herz ist zu Stein geworden; ich schlage daran, und die Hand schmerzt mich.
Desdomona:
Ich bin nicht fröhlich, doch verhüll ich gern den innern Zustand durch erborgten Schein.
Cassio:
O du unsichtbarer Geist des Weins, wenn du noch keinen Namen hast, an dem man dich kennt: so heiße Teufel!
Jago:
Denn ich bin nichts, wenn ich nicht lästern darf.
In uns selber liegt´s, ob wir so sind oder anders. Unser Körper ist ein Garten und unser Wille der Gärtner.
Gut Gewissen heißt dort nicht: unterlaß! nein: halt geheim!
Dies ist die Nacht, die mich vernichtet oder glücklich macht.









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