Sonar Family von Roberto Fraga und Yohan Lemonnier – erschienen bei Pegasus Spiele

Ist es eigentlich noch Mode, alle Neuerungen mit einem "2.0" zu versehen? Wenn ja, dann wundere ich mich, warum SONAR FAMILY nicht "Schiffe versenken 2.0" heißt. Obwohl, dann hätte es "Schiffe versenken 3.0" heißen müssen. Denn schon der große Bruder CAPTAIN SONAR wäre dann zu 2.0 mutiert. So reicht der Zusatz "Family" aus, um deutlich zu machen, dass nun eine schlankere Version des kultigen U‑Boot Spiels vorliegt.
Thema... was man so als U‑Boot-Kommandant zu tun hat, weiß meine Generation aus dem genialen Kinofilm Das Boot. Geduld haben, Schleichfahrten durchführen und im richtigen Moment Torpedos abfeuern. Allerdings sind diese meist für Handelsschiffe bzw. Zerstörer vorgesehen. Bei SONAR FAMILY versuchen sich dahingegen zwei U‑Boote gegenseitig mit Torpedos zu beschießen. Ich verfüge zwar über keinerlei militärisches Wissen, aber rein naturwissenschaftlich gedacht, stelle ich mir ein solches Unterfangen als äußerst schwierig vor. Somit sollte man das Thema also nicht ganz so ernst nehmen. Wer es realistischer mag, der sollte sich deswegen eher U‑BOOT – DAS BRETTSPIEL (ebenfalls bei Pegasus erschienen) ansehen.
Illustrationen… sind von Erwin & Sabrina Tobal und vermitteln ganz gut die Klischees, die in meinem Kopf beim Thema U‑Boot entstehen. Mir gefällt dabei der sehr klare und frische Stil. Aber auch unabhängig vom gewählten Stil, habe ich nichts an der grafischen Gestaltung zu kritisieren. Alles ist selbsterklärend und somit ist man sofort im Spiel drin. Und der tolle Sichtschirm vermittelt wunderbar eine ganz besondere Stimmung.
Ausstattung… orientiert sich an einem ganz bestimmten Accessoire: den abwischbaren Folienstiften. Auf deren Einsatz ist alles abgestimmt. So sind bspw. die verschiedenen Seekarten entsprechend laminiert. Da man anfangs noch variabel sein muss, erhält jede Seite auch noch eine transparente Folie, die natürlich ebenfalls später wieder sauber gemacht werden kann. Und um ungestört vom Gegner operieren zu können, wird noch ein großer Sichtschirm zwischen beiden Parteien aufgestellt.
Ablauf… jeder Kapitän sucht sich geheim einen Startpunkt aus und steuert von nun an sein U‑Boot unterirdisch an Inseln und Felsvorsprünge vorbei. Mit jeder einzelnen Bewegung lädt sich das eigene Energielevel auf, womit sich alternative Möglichkeiten ergeben. Denn nun kann man mit dem Sonar die X- oder Y‑Koordinate vom gegnerischen U‑Boot erfahren, eine Schleichfahrt durchführen oder eben ein Torpedo abfeuern. Was ist der Vorteil der Schleichfahrt? Alle Bewegungen müssen normalerweise laut angesagt werden ("Wir fahren nach rechts." "Wir fahren nach unten." usw.). Es sei denn, macht macht eine Schleichfahrt, denn dann darf man den Fahrbefehl verschweigen. Somit versucht man also, durch die Angaben des Gegners auf dessen Position zu schließen – und schlussendlich zu dieser Koordinate ein Torpedo zu schicken.
Zwei Besonderheiten gibt es noch zu beachten, dann kennt man eigentlich alle Regeln. So darf man sich nicht auf ein Feld bewegen, auf dem man vorher schon einmal war. Das ist nur dann erlaubt, wenn man vorher auftaucht und somit von vorne beginnt – mit der Ausnahme, dass der Gegner nun weiß, wo die eigenen Bewegungen beginnen. Die andere Besonderheit ist, dass man Torpedos nur auf ein Zielfeld feuern darf, welches sich im gleichen Teilgebiet wie das eigene U‑Boot befindet. Sobald ein U‑Boot zweimal getroffen wurde, hat die andere Crew gewonnen.
Die Regel sieht zusätzlich noch zwei verschiedene Modi vor. Für Einsteiger wird empfohlen, SONAR FAMILY rundenbasiert zu spielen. Dabei handelt erst die eine Crew ihre Aktion ab, dann die andere usw. Somit lässt sich SONAR FAMILY auch gut zu zweit spielen. Erfahrene Gruppen können sich dann auch an eine simultane Partie in Echtzeit wagen. Die muss dann zwingend zu viert erfolgen, da nun ein Teammitglied (der Funker) auf die Befehle des anderen Kapitän achten muss.
Das gefällt mir nicht so gut: Mir ist die Echtzeitvariante zu stressig – insbesondere im Familienkreis. Denn hier zeigt sich ein Problem bei jüngeren Mitspielern. Laut Verlagsangabe ist das Spiel mit einem Alter von 8+ deklariert. Das passt meiner Meinung nach auch sehr gut für die rundenbasierte Variante. Bei der Echtzeitvariante habe ich es aber öfters miterleben müssen, dass auch noch ältere Kinder im Stress gerne rechts mit links verwechseln – was dann natürlich das Spielprinzip aushebelt. Schließlich muss sich das gegnerische Team darauf verlassen können, dass die Richtungsangaben stimmen.
Der Spannungsbogen ist in meinen Augen nicht ganz optimal. Der spannendste Teil von SONAR FAMILY ist die Anfangsphase, wenn man noch das gegnerische U‑Boot sucht. Mit der Zeit bekommt man immer mehr Infos und die Freude ist riesig, wenn endlich das erste Torpedo trifft. Der nachfolgende zweite Akt kann damit aber nicht mehr ganz mithalten, da die Position des gegnerischen U‑Boots nun bekannt ist. Natürlich gibt es noch Raum für taktische Manöver, aber der ganz große Reiz ist für mich dann verflogen. Ich hätte auch gut damit leben können, wenn lediglich ein Treffer ausreichen würde (und von mir aus der Gegner noch einen nachfolgenden Schuss frei hat, um zumindest noch ein Unentschieden zu erreichen).
Das gefällt mir gut: Aufmerksame Leser haben gemerkt, dass ich noch überhaupt keinen Vergleich zum großen Bruder CAPTAIN SONAR gemacht habe. Das liegt auch daran, dass ich jenes erst einmal gespielt habe. Das war schon ein schönes Erlebnis, aber eben eines, was sich nicht so leicht wiederholen ließ. Denn bekanntlich benötigt man optimalerweise acht interessierte Mitspieler für eine solche Partie – und die habe ich selten beisammen. Deswegen war ich auch so an SONAR FAMILY interessiert, weil es mit weniger Personen zu spielen ist. Zusätzlich ist es wesentlich zugänglicher, so dass ich nicht nur Brettspiel-Enthusiasten zu einer Partie überreden konnte, sondern es auch gut mit unbedarften Freunden und vor allem auch mit Kindern spielen konnte. Meistens ist es dabei nicht bei einer Partie geblieben, da mindestens eine Revanche gefordert und meist auch gewährt wurde. Das anvisierte Zielpublikum konnte also vollauf erreicht und dann auch überzeugt werden.
Denn CAPTAIN SONAR transportiert wunderbar das Thema in ein spannendes Spiel. Die Aktionsmöglichkeiten sind recht überschaubar, trotzdem ist genügend Raum vorhanden, um abwechslungsreich zu spielen. Die vier verschiedenen Spielpläne bieten Abwechslung, ohne dass neue Regeln eingeführt werden und sich der Charakter des Spiels verändert. Der rundenbasierte Ablauf ist für Spieleprofis vielleicht etwas langatmig, ist aber für die Zielgruppe meiner Meinung nach genau das richtige Maß an Schwierigkeit. Zudem ermöglicht dieser eher, dass man in Ruhe über die Position des Gegners nachdenken und selbst die eigenen Züge vorplanen kann. Dadurch wird SONAR FAMILY eher ein taktisches Katz-und-Maus-Spiel als ein hektisches Befehle brüllen, um schneller seine Torpedos schussbereit zu haben als der Gegner. Aber genau dieser kombinatorische Aspekt macht mir die meiste Freude bei solchen Spielen.
Neben den stimmungsvollen Illustrationen will ich auch nochmals das das Material loben. Alles ist gut durchdacht und selbst mit der Qualität der Stifte bin ich (noch) zufrieden. Von denen blättert mittlerweile zwar die Beschriftung ab, aber die Stifte verrichten recht gut und sauber ihren Dienst. Erstaunlicherweise sind die Finger danach sauberer als wenn man ein Spiel der Klein&Fein-Reihe spielt.
Fazit: Wer als Kind schon immer gerne SCHIFFE VERSENKEN gespielt hat, der muss sich SONAR FAMILY genauer ansehen. Es lässt sich zwar nicht so gut im Auto oder Zug spielen, bietet dafür aber viel intensivere Spielerfahrungen. Hätte es das früher in meiner Schulzeit gegeben, ich hätte in den Regenpausen nicht so oft STRATEGO spielen müssen.
| Titel | Sonar Family |
| Autor | Roberto Fraga und Yohan Lemonnier |
| Illustrationen | Erwin und Sabrina Tobal |
| Dauer | 15 bis 30 Minuten |
| Spieleranzahl | 2 oder 4 Spieler |
| Zielgruppe | austeilende Familienspieler |
| Verlag | Pegasus |
| Jahr | 2019 |
Ich bedanke mich bei Pegasus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.













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