Rokoko von Matthias Cramer, Louis und Stefan Malz – erschienen bei eggertspiele

Es gibt so Spiele, die findet man ausgesprochen hübsch, haben ein schönes Thema, sind selbst nach dem Regeln lesen noch interessant und bekommen nach Veröffentlichung auch noch gute Kritiken – und trotzdem schafft man es einfach nicht, sie auch zu spielen. Glücklicherweise gibt es dann so eine Zeit vor der Spiel in Essen, wo man nochmals Luft vor dem Neuheitenrun holt und ein paar ältere Spiele auf den Tisch bringt. So konnte ich doch noch diese Lücke schließen.
Thema... ist mal was anderes. Im Frankreich von Ludwig XV. werden aufwändige Bälle veranstaltet. Alles, was Rang und Namen hat, ist regelrecht darauf versessen, die edelsten Kleidungsstücke für sich zu beanspruchen und damit alle anderen zu überstrahlen. Nun treten Unternehmer wie wir auf den Plan, die ihre Angestellten anleiten, schöne Kleider herzustellen – sowie dafür zu sorgen, dass diese auch im Schloss getragen werden.
Grafik... ist von Michael Menzel – und hierbei konnte er sich mal wieder richtig ausleben. Er wird sich auch gedacht haben: endlich mal kein Mittelalter und hat dementsprechend kräftig in die Farbtöpfe gegriffen. Wie eigentlich immer ist hier ein malerisch schöner Spielplan entstanden, der aber auch perfekt die spielerischen Abläufe darstellt.
Ausstattung... ist so, wie man es von eggertspiele erwartet. Gut durchdachter Spielplan, massig viele Pappteile, hölzerne Scheiben und Spielmaterial und – GLÜCK AUF! – keine Geldscheine. 😉

Ablauf... ist im Kern ein Worker-Placement-Spiel mir Deckbuilding-Mechanismus. Beginnend mit einem Pool von sechs Arbeitern kann ich pro Spielrunde (von deren sieben) drei Arbeiter aussuchen, die dann Aktionen ausführen. In der nächsten Runde stehen mir diese dann nicht mehr zur Verfügung und ich muss aus dem restlichen Angebot wieder drei Arbeiter aussuchen. Eine mögliche Aktion ist übrigens, neue Arbeiter anzuheuern, so dass ich später mehr Auswahl aus dem Arbeiterpool besitze. Die meisten Arbeiter haben noch eine Zusatzaktion, wenn man sie ausspielt – und diese Aktion wird immer mächtiger, je später diese Arbeiter ins Spiel kommen. Außerdem sind die Arbeiter verschiedenen Gruppen zugeordnet: Meister, Gesellen und Lehrlinge. Überraschenderweise können letztere nicht ganz so viele Aktionen ausführen wie ihre Meister. Ansonsten ist es "normale Kost": Materialien besorgen, Kleider schneidern und diese im Schloss platzieren (oder teuer verkaufen). Am Ende gibt es dann wieder ein Füllhorn von unterschiedlichen Siegpunktmöglichkeiten (u.a. eine Mehrheitenwertung in den einzelnen Zimmern des Schlosses).
Die Chance auf einen Zweiteindruck... sollte eigentlich hoch sein, wenn nicht die Umstände wären, die ich in der Einleitung beschrieben habe. O‑Ton eines Mitspielers: "Sollte man eigentlich viel öfter spielen" – recht hat er! Das Spiel ist eine schöne Mischung aus bekannten Mechanismen, die neu aufeinander abgestimmt wurden. Mir hat sehr gut die spielerische Umsetzung des unverbrauchten Themas gefallen. Hatte ich doch erst gedacht, dass das Spiel zu hohe Ähnlichkeiten mit anderen Spielen hat (fälschlicherweise hatte ich noch bei der Erklärung Ähnlichkeiten mit CONCORDIA ausmachen wollen), wurde ich im Laufe des Spiels eines besseren belehrt. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Mehrheitenwertungen. Hier machten diese aber Sinn, um einen spielerischen Druck aufzubauen. Außerdem kann man auch ohne diese gewinnen, wie ich am eigenen Leib feststellen konnte (wie gesagt, ich bin kein Fan davon und habe mich auf alternative Wege konzentriert – die glücklicherweise funktionierten). Das Spiel macht Lust auf mehr ROKOKO in der Spielewelt!
Wichtiger Hinweis: Dies ist ein Ersteindruck nach wenigen gespielten Partien! Sehr subjektiv und durchaus auch abhängig von Tageslaune, Mitspielern und sonstigen Einflüssen. Bei grundsätzlichem Interesse empfehle das Lesen "richtiger" Rezensionen oder noch besser: ausprobieren!








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