Morty Sorty Magic Shop von Markus Slawitscheck – erschienen bei Schmidt Spiele
MORTY SORTY MAGIC SHOP – das könnte auch der Album-Titel einer Progressive Rockband aus den 70ern sein. Ähnlich schrill wie diese Musik ist auch die Cover-Gestaltung. Umso mehr überrascht dann die Schlichtheit der Spielidee. Da ist nichts überladen oder überfrachtet, sondern alles treffsicher auf den Punkt gebracht.
Thema: Wie im wahren Leben wohl auch, müssen wir als Lehrlinge die Arbeiten tun, die sonst niemand erledigen will: so zum Beispiel einkommende Ware in leere Regale einräumen! Und das nicht einfach mal so, sondern nach einem bestimmten vorgegebenen System. Das erinnert mich sehr an einen meiner ersten Jobs als Schüler im benachbarten Supermarkt. Tierfutter einräumen war das Schlimmste! Wobei ich glücklicherweise nicht weiß, ob die olfaktorische Belästigung von abgehalfterten Alraunen oder glitschigen Glubschaugen nicht vergleichbar ist.
Illustrationen: Wenn ich nur das Cover von MORTY SORTY bewerten würde, dann wäre ein gepfefferter Verriss angebracht! Selten fand ich eine Illustration auf einer Spielbox hässlicher. Ich frage mich beim Betrachten ständig, was wohl die Entscheidungsgrundlage für dieses Motiv war. Gleichwohl muss ich anerkennen, dass die weitere Gestaltung des Spielmaterials von David Cochard Witz und Esprit verströmt – weswegen mich das Cover umso fassungsloser zurücklässt.
Ausstattung: Über 100 kleine Gläserplättchen stehen zum spielerischen Sortieren zur Verfügung. Diese unterscheiden sich durch die abgebildeten Zutaten, unterschiedliche Deckelfarben sowie aufgedruckten Zahlenwerte. Im Spielverlauf ziehen wir diese aus einem Beutel und legen sie auf unser eigenes Tableau ab, das drei Regalreihen zeigt. Die Tableaus besitzen eine doppelseitige Varianz, die auch für die Wertungstableaus und Wettrenn-Abzeichen gilt. Ein Hingucker sind noch die kleinen schwarzen Holzkätzchen, über die wir kleinen Regelbrecher besitzen.

Ablauf: Aus einem Sack wird eine Handvoll Gläser herausgezogen. Wir suchen uns davon reihum jeweils eines aus und legen es in eines der drei Regale auf unserem Tableau. Dabei müssen wir beachten, dass die abgebildeten Zahlenwerte aufsteigend angeordnet sind. Je nach Regal sind noch andere Vorgaben zu beachten. So dürfen bspw. im obersten Regal nur Gläser mit goldenen Deckel platziert werden.
Die Gläser zeigen dabei unterschiedliche Inhalte, die sich gut durch die einzelnen Farben unterscheiden lassen. Diese Farben werden am Ende einzeln gewertet, wobei unterschiedliche Wertungsmöglichkeiten bestehen. Habe ich drei verschieden farbige Flaschen untereinander angeordnet, darf ich mir ein zusätzliches Glas nehmen, welches einen Joker-Deckel besitzt. Darüber sind dann kleine Kettenzüge möglich.
Das gefällt mir nicht so gut: Im Kern ist MORTY SORTY MAGIC SHOP eine abstrakte Sortieraufgabe, die Erinnerungen an QWIXX weckt. Um das weniger offensichtlich zu machen, wurde noch schnell ein Thema über den Mechanismus gestülpt, welches jedoch nicht vollends überzeugt. Wahrscheinlich soll das Spiel inhaltlich die verlagsinterne Reihe um DIE QUACKSALBER VON QUEDLINBURG ergänzen, weswegen auch das Cover entsprechende Ähnlichkeiten aufweist. Bis auf gleichlautende Ressourcen und die Tatsache, dass Plättchen aus einem Beutel gezogen werden, haben beide Spiele aber nichts miteinander zu tun. Somit hadere ich etwas mit der thematischen Einkleidung, die reichlich öden Charme versprüht: Nichts ist langweiliger als aufräumen! Das spielmechanisch durchaus ähnliche WELCOME TO... hat die gewollte Bildung von Zahlenreihen deutlich überzeugender über die Hausnummern in einer Straße erklärt. Vielleicht wäre auch so etwas Verrücktes wie das chemische Periodensystem möglich gewesen, wie es das Spiel ELEMENTE nutzt. Oder warum sollen wir zumindest nicht Spiele in Regale einordnen? Was hätte das die Szene gefeiert! Vor allem, wenn das Thema dann so liebevoll ausgearbeitet worden wäre, wie das EX LIBRIS mit Büchern vormachte. Bei mir bleibt zumindest das Gefühl hängen, dass hier eine Chance vertan wurde.
Das gefällt mir gut: Möglicherweise wirkt MORTY SORTY MAGIC SHOP bei einem flüchtigen Blick nicht sehr originell. Das Grundprinzip ist bekannt: Zahlen in die richtige Reihenfolge bringen und Punkte für das Erfüllen bestimmter Kriterien sammeln. Insbesondere im Genre der Roll-and-Write-Spiele sind das bekannte Abläufe. In einem Brettspiel – fernab von Bleistiften und Whiteboardmarkern – ist dieses Prinzip jedoch selten überzeugender in ein zugängliches Familienspiel übersetzt worden.
MORTY SORTY MAGIC SHOP besitzt eine überzeugende Klarheit in den durchzuführenden Aktionen. Plättchen auswählen, anlegen und weiter geht es. Natürlich spielt auch der Zufall mit, denn vor allem gegen Ende benötige ich manche Plättchen dringender als andere. Allerdings bin anfangs recht frei und kann selbst entscheiden, wie sehr ich mich im späteren Spiel einschränken will. Und manchmal ist es wertvoller auf ein Plättchen zu verzichten, um darüber ein Kätzchen zu erhalten. Mit diesem kann ich dann Zahlenlücken doch noch füllen oder ein Plättchen umdrehen, womit eine andere Farbe erscheint. Anders als bei CAPTAIN FLIP ist dabei aber jederzeit klar, welche Farbe auf der Rückseite vorhanden ist, da immer zwei Farben zueinander zugeordnet sind. Mit diesem Wissen kann ich clever taktieren. Ich kann meine Risiken abschätzen – und damit auch mal auf die Nase fallen, weil eine Partie plötzlicher vorbei ist, als ich dachte. Aber diese Unsicherheiten erzeugen Spielreiz, weil nicht alles durchgerechnet werden kann.
Im Spielverlauf lohnt sich immer auch ein Blick nach rechts und nach links. MORTY SORTY MAGIC SHOP ist sicherlich kein übermäßig interaktives Spiel. Trotzdem ist es mir nicht egal, was die anderen tun. Einerseits gibt es denn Wettlauf um die gemeinsamen Ziele der Abzeichen, deren Punkte ich mir ungern entgehen lasse. Andererseits fließt in meine Entscheidung immer mit ein, welche Plättchen ich für die anderen liegen lasse. Trotz dieses Auswahlprozesses ist MORTY SORTY MAGIC SHOP schnell gespielt, weil das Angebot und deren Auswirkungen gut zu überschauen sind. Dabei unterstützt das Spielmaterial vorbildlich, wie auch die Anleitung in ihrer Verständlichkeit zu loben ist.
Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Varianz. In diesem Punkt ist am ehesten die redaktionelle Verwandtschaft zu DIE QUACKSALBER VON QUEDLINBURG zu erkennen. Die unterschiedlichen Wertungsvarianten geben dem Spiel eine zusätzliche Tiefe, ohne von Vorneherein zu überfordern. Dabei kann die Gruppe selbst entscheiden, welcher Grad der Herausforderung gewollt ist. Und ganz nebenbei öffnen sich Türen für mögliche Erweiterungen.
Fazit: MORTY SORTY MAGIC SHOP ist klar, fokussiert und ohne Überladung – alles trifft den richtigen Platz im Kopf-Regal. Das Spielprinzip, das vor allem aus Roll-and-Write-Spielen bekannt ist, wird in ein griffiges Familienspiel übertragen. Dabei hätte die Mechanik thematisch aber gerne etwas weniger konventionell eingebettet sein dürfen.
| Titel | Morty Sorty Magic Shop |
|---|---|
| Autor | Markus Slawitscheck |
| Illustrationen | David Cochard |
| Dauer | 30 Minuten |
| Personenanzahl | 2 bis 4 Personen |
| Alter | 8+ |
| Zielgruppe | aufräumende Familienspielrunden |
| Verlag | Schmidt Spiele |
| Jahr | 2026 |
| Hinweis | Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! |














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