kritisch gespielt: Harry Potter – Kampf um Hogwarts

Harry Potter: Kampf um Hogwarts von Kami Mandell und Andrew Wolf – erschienen im KOSMOS Verlag

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Box
Foto: KOSMOS Verlag

HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS ver­eint eini­ge Trends der letz­ten Jah­re. Es ist ein koope­ra­ti­ves Spiel, es ist eine Art Kam­pa­gnen­spiel, sieht umwer­fend gut aus und hat als Deck­buil­der den bekann­ter­ma­ßen bes­ten Mecha­nis­mus der Welt zu bie­ten. Kann da noch etwas schief gehen?

The­ma... wir stel­len uns spie­le­risch dem Kampf Gut gegen Böse – und sind natür­lich auf der Sei­te von Har­ry, Her­mi­ne, Ron und Nevil­le. Noch bes­ser ist aber: wir spie­len sogar die­se Cha­rak­te­re. Aller­dings darf man dabei nicht den Feh­ler machen und des­we­gen davon aus­ge­hen, dass es immer zu einem Hap­py End kom­men wird. Aber ansons­ten wäre ein Spiel auch reiz­los und langweilig.

Illus­tra­tio­nen… sind von Joe Van Wete­ring und tref­fen ziem­lich gut das Ambi­en­te die­ser Zau­ber­welt. Alles ist ein wenig ver­spielt und vol­ler klei­ner Details. Hin­zu kommt, dass ganz vie­le Fotos aus den Ver­fil­mun­gen auf den Kar­ten zu fin­den sind, so dass man sich recht schnell hei­misch fühlt (was sicher­lich auch an der sehr guten Rol­len­be­set­zung der Fil­me liegt). 

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Übersicht
Schon im ers­ten Kapi­tel besticht die umfang­rei­che Ausstattung.

Aus­stat­tung… ist genau­so lie­be­voll wie die gra­fi­sche Gestal­tung. Auf­fal­lend sind dabei sie­ben Boxen: für jedes neue Schul­jahr kommt wei­te­res Mate­ri­al hin­zu. So wird aus HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS zu einer Art Kam­pa­gnen­spiel. Ganz unbe­darft fängt man im ers­ten Jahr an und stei­gert sich dann bis zum Fina­le im sieb­ten Jahr. Immer mit dabei ist das per­sön­li­che Tableau mit den Herz­mar­kern zur Anzei­ge des eige­nen Zustands. Zusätz­lich erhal­ten die ein­zel­nen Cha­rak­te­re eine spe­zi­fi­sche Start­hand an Kar­ten. Die­se sind aller­dings nur eine klei­ne Aus­wahl an Kar­ten, die spä­ter im Spiel nach und nach dem Markt des Spiel­plans zufäl­lig erschei­nen. Auf den Kar­ten sind Zau­ber­sprü­che, Gegen­stän­de und Ver­bün­de­te abge­bil­det und als Effekt bekommt man u.a. Geld und Angriffs­blit­ze, für die es zusät­zich eige­ne Mar­ker gibt. Die Dunk­le Sei­te wird dahin­ge­gen von Böse­wich­ten, Angriffs­kar­ten und gru­se­li­gen Orten ver­tre­ten, auf die man im Lau­fe der Par­tie stim­mungs­vol­le Metall­mar­ker able­gen muss.

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Bedrohung
das wird knapp!

Ablauf… bevor man selbst am Zug ist, schlägt erst ein­mal die Dunk­le Sei­te zu. Dazu wird eine Kar­te auf­ge­deckt und der ent­spre­chen­de Effekt abge­han­delt. Meist ver­liert man dabei Lebens­en­er­gie oder ist im nach­fol­gen­dem Zug ein­ge­schränkt. Oder man muss Mar­ker auf den aktu­el­len Ort aus­le­gen. Ist der fina­le Ort mit die­sen Mar­kern voll belegt, dann haben wir ver­lo­ren. Unter­stüt­zung bekommt die Dunk­le Sei­te noch durch die aus­lie­gen­den Böse­wich­te. Sind die­se aller­dings alle durch uns erfolg­reich bekämpft, dann haben wir gemein­sam gewonnen.

Damit das ermög­licht wird, spie­len wir unse­re fünf Hand­kar­ten aus. Damit erhal­ten wir Geld, um neue, bes­se­re Kar­ten zu kau­fen. Oder man erhält Blit­ze, um die Böse­wich­te zu bekämp­fen oder Her­zen, um wie­der die eige­ne Ener­gie auf­zu­la­den. Sinkt die­se näm­lich auf 0 sind wir betäubt und müs­sen eine Run­de aus­set­zen. Danach sind wir aber wie­der kom­plett "auf­ge­la­den" und kön­nen uns erneut in den Kampf stürzen. 

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Tableau
Ron ist tat­kräf­tig am Zuge

Mit den ein­zel­nen Schul­jah­ren kom­men neue Kar­ten, aber auch Böse­wich­te und wei­te­re Ele­men­te ins Spiel. Dadurch wach­sen die jewei­li­gen Kar­ten­sta­pel und neh­men epi­sche Aus­ma­ße an. Die Regeln wer­den auch etwas erwei­tert, ohne aller­dings, dass HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS dadurch zu einem Kom­ple­xi­täts­mons­ter wird.

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Jahres-Boxen
Mehr Kar­ten, mehr Mög­lich­kei­ten – aber auch mehr Böse­wich­te und eine län­ge­re Spielzeit

Das gefällt mir nicht so gut: Wahr­schein­lich um dem Auf­bau-Auf­wand so klein wie mög­lich zu hal­ten, wird recht wenig Kar­ten­ver­wal­tung betrie­ben. Mit den ein­zel­nen Schul­jah­ren kom­men stän­dig neue Kar­ten hin­zu. Das ist in gewis­ser Wei­se auch sin­nig, denn schließ­lich ler­nen wir mit der Zeit auch neue Zau­ber und bekom­men neue Ver­bün­de­te an unse­re Sei­te. Aller­dings hat man es dabei ver­säumt dafür zu sor­gen, dass auch bestimm­te Kar­ten wie­der aus­sor­tiert wer­den – ins­be­son­de­re bei den Böse­wich­ten ist das dann von Nach­teil. Einer­seits passt es nicht zu der nach­zu­spie­len­den Geschich­te, wenn Pro­fes­sor Quir­rel uns sie­ben Jah­re lang mal­trä­tiert oder Pro­fes­sor Lock­hart uns dau­ernd sei­ne Hil­fe anbie­tet. Ande­rer­seits wer­den die ein­zel­nen Par­tien auch immer län­ger, ohne das wirk­lich all zu viel neu­es pas­siert. Es sind nun bloß wei­te­re Böse­wich­te zusätz­lich hin­zu­ge­kom­men. Die ein­zel­nen Regel­zu­sät­ze ver­än­dern das Spiel­ge­fühl dabei nur mar­gi­nal; die immer mehr wer­den­den Kar­ten sor­gen aber für eine aus­ufern­de Spiel­zeit, ohne dass das im Grund genom­men ein­fa­che Spiel­prin­zip die­se Ver­län­ge­rung trägt. Statt also eine anzie­hen­de Span­nung zu erle­ben, wer­den die Par­tien der spä­te­ren Schul­jah­re immer zäher und öder. Es ist mir nicht ganz ver­ständ­lich, wie es zu die­ser redak­tio­nel­len Ent­schei­dung gekom­men ist. Bei den Orts­kar­ten wird streng auf das zu spie­len­de Kapi­tel geach­tet und auch die neu­en Ver­bün­de­ten und Gegen­stän­de pas­sen sich der Erzähl­zeit an. War­um war das nicht bspw. nicht auch bei den Böse­wicht-Kar­ten möglich? 

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Aufbau
Der Markt ist manch­mal zu wenig dynamisch.

Eben­falls lei­det auch die Markt­aus­la­ge an den immer mehr wer­den­den Kar­ten. Hier kann es dann zu unglück­li­chen Situa­tio­nen kom­men, weil dort nicht die Kar­ten lie­gen, die man am nötigs­ten braucht. Ins­be­son­de­re zu Anfang einer Par­tie kann es auch vor­kom­men, dass dort nur teu­re Kar­ten lie­gen, die man sich gar nicht leis­ten kann. Da man kein Geld anspa­ren kann, bleibt einem nur noch recht macht­los zuschau­en, wie man lang­sam aber sicher von den Böse­wich­tern ver­mö­belt wird. Es feh­len dem­nach Kar­ten, die man sicher in einer Run­de kau­fen kann um bspw. zusätz­li­ches Ein­kom­men zu erzeu­gen, damit man frü­her oder spä­ter auch die teu­ren Kar­ten erwer­ben kann. In der Spiel­box habe ich gele­sen, dass die Autoren es erlau­ben, ein­mal pro Par­tie die Kar­ten in der Aus­la­ge abzu­wer­fen und neu zu bestü­cken. In der dem Spiel bei­lie­gen­den Anlei­tung ist die­ser Zusatz lei­der nicht vorhanden. 

Der Schwie­rig­keits­grad schwankt übri­gens nicht nur mit der Aus­la­ge der Kar­ten, son­dern noch viel deut­li­cher mit der Per­so­nen­an­zahl. Zu viert haben wir signi­fi­kant schlech­te­re Erfolgs­quo­ten erzielt als wenn wir HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS nur zu zweit gespielt haben. Das ist aber auch nicht ver­wun­der­lich, wenn man ein wenig die Spiel­me­cha­nik ana­ly­siert. Man ist im Spiel zu viert sel­te­ner an der Rei­he und kann in der Zwi­schen­zeit durch die nega­ti­ven Effek­te zu Run­den­be­ginn öfter geschwächt wer­den. Zusätz­lich wer­den ins­be­son­de­re zu Beginn einer Par­tie deut­lich häu­fi­ger die etwas schwä­che­ren Start­kar­ten genutzt, weil es län­ger dau­ert, bis die neu erwor­be­nen Kar­ten ihre Wir­kung ent­fal­ten kön­nen. Somit rate ich, HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS nicht unbe­dingt zu Anfang in Voll­be­set­zung zu spie­len, son­dern viel­leicht erst zu zweit oder zu dritt zu beginnen.

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Koffer
Wel­cher Fan kann hier widerstehen?

Das gefällt mir gut: HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS besitzt einen immensen Auf­for­de­rungs­cha­rak­ter. Das Mate­ri­al und die Gestal­tung ist abso­lut stim­mig, so dass nicht nur Hard­core Fans von Har­ry Pot­ter zu schwär­men begin­nen. Oft­mals rümp­fen wir Hob­by-Spie­ler ger­ne die Nase über Lizenz-Pro­duk­te, weil eine Lizenz nicht sinn­voll spie­le­risch umge­setzt wird. Das kann man HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS bei­lei­be nicht vor­wer­fen. Denn auch die Spiel­me­cha­nik passt gut zum The­ma. Anfangs ist man noch schwach und uner­fah­ren, mit der Zeit wird man aber immer stär­ker und kann sich schließ­lich dem End­kampf stel­len. Der ver­wen­de­te Deck­bau bil­det die­se Ent­wick­lung sehr gut ab. Zusätz­lich hat man dabei das tol­le Gefühl, mit fort­schrei­ten­der Dau­er der anfäng­li­chen Ohn­macht noch ent­flie­hen zu kön­nen. Gera­de zu Beginn einer Par­tie kön­nen schnell die Orts­mar­ker ver­teilt wer­den und man fragt sich, wie man über­haupt eine Chan­ce haben soll. Aber die­ses Gefühl kippt dann mit der Zeit und idea­ler­wei­se hat man dann ein span­nen­des Finale.

Dabei ist der Ein­stieg in HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS ziel­grup­pen­ge­recht sehr ein­fach gehal­ten. Das ers­te Jahr ist eine Art Ein­füh­rung, um sich mit der Spiel­me­cha­nik ver­traut zu machen. Sehr hilf­reich sind dabei die Mar­ker für das Geld und die Angriffs­blit­ze. Die­se sind vor allem Kin­dern eine Hil­fe den Über­blick über ihre Mög­lich­kei­ten zu bewah­ren. Ist man dahin­ge­gen im Deck­bau schon etwas geübt, kann man pro­blem­los auch die ers­ten Jah­re über­sprin­gen und mit Jahr 3 begin­nen – auch wenn das wahr­schein­lich kaum jemand macht, weil man schließ­lich die Buch-Rei­he nach­spie­len will. Nach­dem dann die­ser gro­ße Antrieb befrie­digt ist, alle sie­ben Jah­re erfolg­reich durch zu spie­len, kann man gut für sich selbst aus­su­chen, auf wel­chem Level man zukünf­tig die­ses koope­ra­ti­ve Spiel ange­hen will. Wir haben uns zu Hau­se im Spiel mit den Kin­dern dar­auf geei­nigt, ledig­lich nur noch Jahr 4 oder 5 zu spie­len. Denn in die­ser Kon­stel­la­ti­on gefällt uns das Ver­hält­nis von Regeln, Kar­ten­an­zahl und Spiel­dau­er am besten.

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Entwicklung
Ach, wer­den die Kin­der schnell alt!

Vor­her möch­te man aber die gan­ze Kam­pa­gne erle­ben. Auch wenn die­se die oben genann­ten Schwä­chen auf­weist, so ist sie trotz­dem moti­vie­rend, weil man die­sen spe­zi­el­len Ehr­geiz ent­wi­ckelt, die Geschich­te nach­spie­len zu wol­len. Zusätz­lich wird die Ent­wick­lung der ein­zel­nen Haupt-Cha­rak­te­re durch die Gestal­tung unter­stützt. So ist es bspw. schön anzu­se­hen, wie sich die vier Haupt­cha­rak­te­re im Lau­fe der Zeit auch optisch ändern. Zusätz­lich ist es anre­gend, dass die Cha­rak­te­re sich durch­aus auch unter­schied­li­che spie­len. Alle besit­zen ein­zig­ar­ti­ge Eigen­schaf­ten und haben per­sön­li­che Gegen­stän­den und Ver­bün­de­te im Deck-Gepäck. Natür­lich spielt man anfangs mit dem Lieb­lings-Cha­rak­ter, aber gewöhn­lich hat man auch die Neu­gier, mal die ande­ren aus­zu­pro­bie­ren, um deren Stär­ken kennenzulernen.

Harry Potter Kampf um Hogwarts - Regel-Erweiterungen
6 zusätz­li­che Jah­re, 6 zusätz­li­che klei­ne Regelerweiterungen

Vor­bild­lich gelöst fin­de ich auch die Art, wie die neu­en Ele­men­te in das Spiel ein­ge­führt wer­den. Das Öff­nen der Boxen ist immer wie­der ein High­light und man ist gespannt, was einem nun gleich in die Hän­de fal­len wird. Die weni­gen Regel-Erwei­te­run­gen kön­nen zudem prak­tisch in der hin­te­ren Innen­sei­te der Anlei­tung ver­staut wer­den. Man muss also nichts kle­ben oder ent­spre­chend sor­tiert abhef­ten und ist doch immer schnell im Bilde.

Mitt­ler­wei­le gibt es auf der Web­site des KOSMOS Ver­la­ges auch eine Anlei­tung für einen Solo-Modus. Den habe ich noch nicht aus­pro­bie­ren kön­nen, da mich mei­ne Fami­lie das Spiel nicht allei­ne spie­len lässt – was auch eine gewis­se Aus­sa­ge­kraft zur Spiel­qua­li­tät hat. Denn sobald ich mich allei­ne mit der Box an den Tisch setz­te, kom­men sofort die Rufe, dass man mit­spie­len möchte.

Fazit: HARRY POTTER: KAMPF UM HOGWARTS macht viel­leicht nicht alles rich­tig und an der ein oder ande­ren Stel­le wäre noch etwas Fein­schliff von Vor­teil gewe­sen. Trotz­dem über­wie­gen in mei­nen Augen die Stär­ken. Das The­ma wird sehr stim­mig umge­setzt und die ein­zel­nen Par­tien sind span­nend und for­dernd. Es kommt ein Wir-Gefühl in der Grup­pe auf und alle fie­bern mit. Zusätz­lich ist das Spiel auch bei Kin­dern sehr beliebt, da sie nun u.a. end­lich erfah­ren, wie der Zau­ber­stab bei Descen­do zu schwin­gen ist.

TitelHar­ry Pot­ter: Kampf um Hogwarts
AutorenKami Man­dell und Andrew Wolf
Illus­tra­tio­nenJoe Van Wetering
Dau­er30 bis 90 Minuten
Per­so­nen­an­zahl2 bis 4 Personen
Ziel­grup­pekoope­ra­ti­ve Familienspielrunden
Ver­lagKOSMOS
Jahr2019

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