Monasterium von Arve D. Fühler – erschienen bei dlp games
Wer glaubt, dass das Thema von MONASTERIUM staub-trocken ist, der sollte sich mal mit den Inhalten des wahrhaften Monasteriums auseinander setzen. Das ist für mich persönlich ein Inbegriff der Langeweile – und für andere ein Quell unendlichen Wissens und damit verbundenen Stöber-Spaßes. Es sei ihnen von Herzen gegönnt!
Thema... als Leiter einer Domschule schicken wir Novizen in ein verschlafenes Tal, in dem fünf Klöster stehen. Dort sollen sie in die einzelnen Häuser aufgenommen werden und somit unseren Ruhm mehren. Aber es ist ja nicht so, dass diese Klöster wie heutzutage ein Nachwuchsproblem haben, so dass wir schon mit gewissen materiellen und immateriellen Dingen um die Aufnahme werben müssen. Am Ende wollen wir aber nur das Eine von unseren Novizen: buntes Glas für unsere Dom-Fenster. Ja, die Welt tickte damals anders...
Illustrationen… stammen aus den Händen von Dennis Lohausen, was man schon auf dem ersten Blick erkennt. Denn auch bei MONASTERIUM bleibt er seinem Stil treu – und hat dabei wieder eine Menge kleiner Sachen versteckt. Allein die unterschiedliche Gestaltung der persönlichen Tableaus ist dafür ein typisches Beispiel. Aber auch an der gewählten Symbol-Sprache merkt man, dass hier ein Meister seines Faches am Werk war.
Ausstattung… ist so, wie ich mir ein klassisches Eurospiel wünsche: viele Pappmarker, viele Holzsteine, ein großer Spielplan, Würfel, ein paar Karten und persönliche Tableaus. Zusätzlich kommt alles in guter Qualität daher. Was will mein Spielerherz mehr? Auf unnötigen Schnickschnack kann das nämlich gerne verzichten.
Zumal in MONASTERIUM trotzdem der ein oder andere kleine Kniff versteckt ist. So lassen sich manche Segmente der persönlichen Tableaus drehen und schalten besondere Funktionen frei. Diese Tableaus sind ohnehin ein wichtiges Element und erinnern ein wenig an GREAT WESTERN TRAIL. Zu Beginn der Partie bestückt man diese mit ganz viel Novizen, die man im Laufe der Partie dann auf den Spielplan stellt. Somit werden neue Aktionsmöglichkeiten frei geschaltet und man kann sich dadurch wunderbar eigene Schwerpunkte setzen.
Ablauf… am Anfang einer Runde würfelt man mit weißen Würfeln und Würfel in der eigenen Farben. Davon sucht man sich einen Zahlenwert aus und legt alle Würfel mit diesem Wert auf das passende Sammelfeld auf dem Spielplan. So werden nach und nach alle im Spiel vorhandenen Würfel auf die entsprechenden Felder verteilt. In der darauf folgenden Auswahlphase darf man sich nun an diesen Würfeln bedienen. Allerdings gibt es da zwei Einschränkungen: man darf nur maximal drei Würfel aus dem Feld nehmen und man muss dabei zuerst die eigenen farbigen Würfel greifen. Bei der 6 darf man sogar nur einen Würfel nehmen, dafür ist dieser dann aber ein Joker und imitiert einen anderen Würfelwert.
Mit den so ausgewählten Würfel kann man nun Aktionen ausführen. Anfangs hat man da wenig Auswahl: man bekommt Ressourcen, fährt mit dem Wagen vorwärts oder lädt Novizen in den Klöstern ab, wozu man die Ressourcen wieder ausgeben muss. Durch das nach und nach frei geschaltete Tableau kommen dann aber zusätzliche Aktionsmöglichkeiten hinzu.
Warum macht man das? Durch die platzierten Novizen erfüllt man bestenfalls so viele der drei ausliegenden Aufgaben wie möglich. Zusätzlich sind die Novizen auch für die Endwertung wichtig, bei der verschiedene Dinge zu beachten sind (Wo stehen wie viele Novizen?). Außerdem erhält man manchmal auch kleine Glas-Pappplättchen, die es dann in das eigene Dom-Fenster nach bestimmten Vorgaben zu puzzeln gilt, was Boni und eine Menge Siegpunkte nach sich zieht.
Das gefällt mir nicht so gut: MONASTERIUM macht leider einen etwas schnarchigen ersten Eindruck. Man zeigt einer Gruppe das Cover und das Material, erklärt ein wenig das Prinzip und das Thema – und schaut dabei meist in wenig enthusiastische Gesichter. Scheinbar gab es in der Vergangenheit von dieser Art Spiel zu viele Vertreter, um auf den ersten Blick begeistern zu können. Das liegt wohl auch daran, dass die einzelnen Mechanik-Elementen den passionierten Hobbyspielern allesamt bekannt vorkommen. Es fehlt somit ein wenig der Eyecatcher, das Besondere, um MONASTERIUM schmackhaft machen zu können.
Aber auch auf langer Sicht fehlen mir ein wenig die Glanzpunkte, um MONASTERIUM zu einem echten Highlight zu machen. Alles ist wohl durchdacht und fein geschliffen. Man hat ein absolut rundes Werk vor sich liegen und fühlt sich auch gut in der passenden Spielzeit unterhalten. Aber MONASTERIUM ist kein Spiel, über das ich am nächsten Morgen nochmals nachdenke, was ich vielleicht hätte besser oder schlechter machen können. Es emotionalisiert mich nicht in dem Maße, dass ich Pläne schmiede, wie ich nun das nächste Mal vorgehen muss. Vielleicht liegt das auch daran, dass im Grunde allen das gleiche Vorgehen klar vorgeben ist. Vielleicht wäre es besser, wenn nicht alle die gleichen offenen Aufgaben erfüllen müssten, sondern jeder noch eigene geheime Aufgaben hätte. Oder wenn die Tableaus unterschiedlicher wären, so dass auch hier neue Wege zu entdecken wären. Denn vom Prinzip wollen alle das Gleiche – und machen das dann meist auch.
Somit sind vor allem zu Beginn einer Partie die Würfel mit dem Wert 1 gefragt. Kommt es hier in den einzelnen Runden mit dem Erstzugriffsrecht zu Unwuchten, erscheint einem dass ein wenig unfair. Bei MONASTERIUM ist also ein gewisses Würfelglück von Vorteil. Man hat zwar die Möglichkeit, einen Wurf zu wiederholen, doch wenn man dann immer noch nicht den unbedingt gewünschten Wert wirft, fühlt man sich ein wenig ohnmächtig. Aber: das ist alles noch im erträglichen Maß. Die Würfel als zentrales Element bringen das gewisse Etwas an Unplanbarkeit und damit auch Emotionen ins Spiel. Wer das gar nicht aushalten kann, sollte zu anderen Spielen greifen, die gar keine Glückselemente aufweisen.
Das gefällt mir gut: Die anfängliche Würfelphase kommt vielleicht auf den ersten Blick etwas unscheinbar daher. Allerdings hat diese es schon in sich. Denn hier müssen einige taktische Abwägungen durchgeführt werden. Es wäre fatal, einfach nur zu würfeln und aus dem Bauchgefühl bestimmte Würfel weg zu legen. Dabei sollte schon ein guter Plan verfolgt werden. Welche Aktionen muss ich machen, welche wären zusätzlich noch schön? Was machen wohl die lieben Mitspielenden? Kann ich eine weitere 4 in den Pool legen und dann später zugreifen, oder mache ich damit ein Angebot, was von den anderen sofort genutzt wird? Für mich ist diese Würfelphase das Herzstück von MONASTERIUM. Alles drumherum ist klassisches, bekanntes Abarbeiten einzelner Aktionen. Aber welche Aktionen überhaupt möglich sind, dass entscheidet sich nun einmal in dieser Würfelphase.
In MONASTERIUM erlebt man ein schöne Entwicklung. Denn je länger die Partie läuft, um so mehr Novizen hat man vom eigenen Tableau geräumt – und um so mehr Aktionsmöglichkeiten besitzt man. Dadurch steigt nach und nach die Komplexität, ohne dass man aber am Anfang völlig überfordert ist. Zusätzlich fühlt sich das Ganze so wunderbar belohnend an, wenn man nun auch noch dieses oder jenes machen kann. Außerdem kann man damit natürlich einzelne Schwerpunkte setzen. Möchte ich lieber verstärkt mit dem Karren durchs Tal ziehen, dann schalte ich mir vornehmlich diese Aktionen frei. Auch hier ist ein Blick auf die Mitspielenden immer förderlich. Erkenne ich, dass dort die vermehrt die Aktionen im 2er- oder 3er-Würfelwert frei geschaltet wurden, dann weiß ich, welche Werte ich in der Würfelphase wohl besser nicht zur Verfügung stelle.
Zum Glück wird dieser Komplexitäts-Bogen aber auch nicht überspannt. Meist endet die Partie mit dem wohligen Gefühl, alles Wichtige geschafft zu haben. Wäre die Spielzeit kürzer, dann würde sich das bestimmt unbefriedigend anfühlen. Bei einer längeren Spielzeit würden dahingegen die Wiederholungen auffallen. So ist man in der Spielzeit (etwa 30 Minuten pro teilnehmender Person) gut beschäftigt und erreicht auch immer wieder die vielen kleinen belohnenden Zwischenziele.
Für mich steht MONASTERIUM somit in der Tradition des klassischen Eurospiels. Die Regelfülle ist gut beherrschbar, die einzelnen Spielzüge gehen schnell von der Hand und sowohl die Optik wie auch die Ausstattung sind vielleicht unspektakulär, aber absolut hilfreich, damit man nicht vom eigentlichen Kern abgelenkt wird. Das ist vielleicht etwas zu bodenständig und zu wenig Bling-Bling, um die breite Masse anzusprechen. Aber das ist die Art von Spielen, die ich sehr gerne mag.
Fazit: MONASTERIUM ist ein empfehlenswertes gehobenes Kennerspiel mit einer tollen Optik und einer ansprechenden Ausstattung. Für mich hätte es allerdings gerne noch etwas abwechslungsreicher sein dürfen, um dauerhaft gegen die starke Konkurrenz in diesem Bereich bestehen zu können. Trotzdem ist es ein Spiel, dass etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
| Titel | Monasterium |
|---|---|
| Autor | Arve D. Fühler |
| Illustrationen | Dennis Lohausen |
| Dauer | 30 Minuten pro Person |
| Personenanzahl | 2 bis 4 Personen |
| Zielgruppe | klassische Kennerspielrunden |
| Verlag | dlp games |
| Jahr | 2020 |
















Mit Jahren Verzögerung nun einmal gespielt und ich verstehe das Lob für die Gestaltung nicht so ganz.
Die Fensterplättchen sind mit etwas Abstand schwer zu unterscheiden und das wiederum wirkt sich stark auf die Lesbarkeit der Aufträge aus.
Warum ein Rundweg als Linie gestaltetet ist, so dass der Karren ganz unthematisch immer wieder zurück teleportiert werden muss, hat wohl spielerische Gründe, aber zeigt dann doch stark in Richtung "seelenloses Euro".
Zu guter Letzt: die Würfelmechanik ist super wichtig, darf aber nur am Rand des Feldes hingequetscht ihren Platz einnehmen.
Das nur zur Gestaltung, dass das Spiel strategisch für alle gleich abläuft, kam mir auch so vor und in einem so langen Spiel nervt das Würfelpech schon hart.