Beyond the Horizon von Adam Hill, Matt Riddle, Ben Pinchback und Dennis K. Chan – erschienen im PD-Verlag
Es ist immer wieder spannend zu erleben, welche thematische Transformation Neuauflagen erleben. Aus einer einsamen Insel wird Wien zur Nachkriegszeit, aus Zwergen werden Fotografinnen und anstatt der Weite des Weltraums aus BEYOND THE SUN bietet uns BEYOND THE HORIZON einen Ritt durch die Zivilisationsgeschichte der Menschheit.
Was bleibt unverändert? BEYOND THE SUN als Basis von BEYOND THE HORIZON ist unverkennbar. Wieder steht in diesem Worker-Placement Spiel ein Technologiebaum im Mittelpunkt, bei dem nach und nach zusätzliche mögliche Aktionen von uns freigeschaltet werden. Wieder spielen wir uns höhere Einkommensquellen auf unseren Tableaus frei. Und wieder leveln wir nach und nach unsere Figuren auf. Auch das Einleiten des Endes ist vergleichbar, in dem wir bestimmte gemeinsame Ziele in Konkurrenz erreichen.
Was ist neu? Am auffälligsten ist das neue Thema. Statt den Weltraum zu erkunden, sollen wir nun Zivilisationsgeschichte nacherleben. Allerdings dürfen wir uns nichts vormachen: auch BEYOND THE HORIZON ist ein abstraktes Euro-Spiel, bei dem kaum ein Gefühl für das Thema spürbar ist. Ob auf den Karten Rittertum oder Philosophie steht: wirklich fühlbar ist das nicht und wir sind schon sehr auf unser eigenes Kopfkino angewiesen, um diese Begriffe mit Leben zu füllen.
Neben dem neuen Themensetting bietet BEYOND THE HORIZON allerdings auch noch ein zusätzliches topografisches Element. In BEYOND THE SUN reisen wir durch einen starren Weltraum, bei dem Planeten nach erfolgreicher Besiedelung durch neue ersetzt werden. Somit fühlt sich der Weltraum lediglich wie eine dynamische Ablageauswahl an. BEYOND THE HORIZON lässt uns dahingegen Landschaften erkunden und mit der Zeit ausbauen. So entsteht eine wachsende Spielfläche, auf der wir sogar auch mit zwei unterschiedlichen Figuren-Typen unterwegs sind: mit Siedler und Soldaten, deren Stärke wir im Spielverlauf erhöhen können.
In BEYOND THE HORIZON beginnen wir außerdem alle mit asymmetrischen Fähigkeiten. Diese können wir im Spielverlauf in der Einkommensphase upgraden, verzichten dann aber auf die jeweilige Produktion von Rohstoffen oder Geld.
Wie gefällt mir der neue Anstrich? Leider überzeugt mich BEYOND THE HORIZON in vielerlei Hinsicht nicht. Das fängt schon mit dem erhöhten Platzbedarf an. Zugegebenermaßen hatte ich in dieser Hinsicht BEYOND THE SUN kompakter in Erinnerung und war bei der anstehenden Fotosession überrascht, dass der Technologiebaum doch vergleichsweise ähnlich viel Raum benötigt. Allerdings kommt bei BEYOND THE HORIZON noch die ausufernde Landschaftsentwicklung ins Spiel, während der Planetenplan von BEYOND THE SUN überschaubar kompakt bleibt. Auf jeden Fall hatten wir teilweise schon ein paar Probleme, das ganze Material halbwegs vernünftig auf dem zur Verfügung stehenden Tisch zu organisieren.






Aber wir hatten auch Probleme mit dem Material an sich. Das beginnt bei der Anleitung. Ich ärgere mich über den aktuellen Trend der Verlage, das durchaus notwendige Glossar nur noch als Online-Dokument zur Verfügung zu stellen. Eine solche Übersicht gehört meiner Meinung nach zur analogen Grundausstattung, erleichtert es doch erheblich den Spielfluss. Und wenn zu viel Regeln zum Abdrucken vorhanden sind, könnte das vielleicht ein entsprechender Fingerzeig sein. BEYOND THE SUN punktet mit der cleveren Design-Entscheidung, kleine Würfel zu benutzen, um darüber unterschiedliche Elemente mit lediglich einer Komponente anzeigen zu können. BEYOND THE HORIZON geht bedauerlicherweise einen anderen Weg. Um die Stärke der einzelnen Holzfiguren anzuzeigen, werden auf den Kopf kleine Pappplättchen gelegt, die wiederum einen Zahlenwert präsentieren. Diese Holzfiguren mögen zwar minimal die Immersion verbessern, die Handhabung mit den Pappplättchen nervt aber kolossal. Zusätzlich sind die Figuren minimal nicht symmetrisch und sollen durch ihre unterschiedliche Ausrichtung eine zusätzliche Informationsebene hinzufügen. Die Umsetzung dieser Idee ist aber völlig missglückt und der aktuelle Zustand verwirrt nur.

Dabei ist die Unterscheidung zwischen Siedler und Soldat spielmechanisch wenig von Bedeutung. In der Folge werden lediglich die Regeln komplexer, ohne meiner Meinung nach einen echten Mehrwert zu generieren. Das Potenzial dieser Design-Entscheidung kommt nicht zum Tragen und verpufft.
Ein noch größeres Problem stellen meiner Meinung nach aber die unterschiedlichen asymmetrischen Fähigkeiten der jeweiligen Regierungskarten dar. Denn diese erscheinen nicht ausgewogen. Ich gebe zu, dass ich die These nicht vollständig belegen kann. Meine Testrunden hatten aus den anderen Gründen leider wenig Interesse, diese Behauptung spielerisch bestätigen oder widerlegen zu wollen. Aber es war schon augenscheinlich, dass die Fähigkeiten in Korrespondenz zur wachsenden Landschaft deutlich später relevant wurden als z.B. die Fähigkeit, mit der ich es auf dem Technologiebaum leichter habe. In keiner erlebten Partie wurde so lange gespielt, bis sich dieser Vorteil wieder ausgeglichen hat. Diese vermeintliche Verbesserung entpuppte sich somit als Rohrkrepierer.

Insgesamt ist der Spielablauf in BEYOND THE HORIZON im Vergleich zu BEYOND THE SUN komplizierter. Aus dem ehemaligen eleganten Design mit einer leichten Prise Area Control ist nun ein etwas überfrachtetes Gebilde geworden, das einen Wettlauf auf den Landschaften fördern will. Dieser Aspekt will aber aufgrund der Regierungskarten nicht ganz funktionieren und sorgt lediglich dafür, dass der Technologiebaum noch dominanter wirkt.

Mein Empfinden ist vielleicht auch deswegen so negativ, weil ich mir viel von BEYOND THE HORIZON versprochen habe. Das neue thematische Setting ist für viele Menschen interessanter als das technisch kühl wirkende Sci-Fi Setting von BEYOND THE SUN. Die abgebildeten Menschen auf den Karten sind zugänglicher und vermitteln optisch die zeitliche Entwicklung der Technologien. Allerdings bleibt trotzdem alles zu abstrakt. Ich hatte mir insgesamt ein stärkeres Civ-Gefühl erhofft, bei der auch die Landkarte eine größere Bedeutung aufweist. Doch dieses Element zündet nicht wirklich. Zumal auch die einzelnen Landschaftsplättchen als solche mit den ganzen abgebildeten Informationen überfordern – und diese ohnehin durch die Figuren teilweise überdeckt werden. BEYOND THE HORIZON fügt somit Elemente hinzu, die ich nicht benötige. Dabei geht die Eleganz von BEYOND THE SUN verloren, was ich als Rückschritt empfinde. Schade!
| Titel | Beyond the Horizon |
|---|---|
| Autoren | Adam Hill, Matt Riddle, Ben Pinchback und Dennis K. Chan |
| Illustrationen | Agnieszka Dabrowiecka und Klemens Franz |
| Dauer | 90 bis 120 Minuten |
| Personenanzahl | 2 bis 4 Personen |
| Zielgruppe | Kennerspielrunden |
| Verlag | PD-Verlag |
| Jahr | 2025 |
| Hinweis | Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! |











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