Boomerang Australia von Scott Almes – erschienen bei Grail Games
Oftmals werden Crowdfunding-Kampagnen mit Miniaturschlachten und opulent ausgestatteten Deluxe-Boxen gleich gesetzt. Meine Motivation dort mitzumachen, ist aber oftmals eine andere, da ich bspw. keine Minis bemale. Mich interessieren vielmehr frische Ideen und die Möglichkeit, auch kleinere Verlage abseits des deutschen Mainstream erkunden zu können. So bin ich auch auf BOOMERANG AUSTRALIA gestoßen. Erst später ist mir dann aufgefallen, dass dort mit Scott Almes ein bekannter Kopf dahinter steckt. Ein deutscher Verlag hat sich noch nicht dafür gefunden, aber ich kann mir vorstellen, dass sich das noch ändern wird.
Thema... wir reisen durch Australien und besuchen dort verschiedene Orte und Sehenswürdigkeiten. Wir lernen Land und Leute kennen und genießen touristische Aktivitäten, wie Wandern, Schwimmen oder einfach nur schöne Fotos machen. Allerdings machen wir das nicht zum Spaß, sondern wir befinden uns dabei mit unseren Mitreisenden im Wettbewerb. Wer schafft es in vier Wochen am meisten zu entdecken?

Illustrationen… stammen aus der Feder von Kerri Aitken. Da ich selbst noch nicht in Australien war, kann ich leider schlecht beurteilen, wie gut oder schlecht dabei örtliche Besonderheiten eingefangen wurden. Das, was ich so glaube zu kennen, habe ich jedenfalls wieder erkannt. Davon unabhängig funktioniert die gewählte Symbolsprache sehr gut, so dass man keine Texte zur Informationsvermittlung benötigt.
Ausstattung… kommt mit einiger australischer Luft daher (bzw. mit chinesischer, da BOOMERANG AUSTRALIA dort produziert wurde). Denn die 28 Karten, der sehr dicke Spiel-Block sowie die vier Bleistifte passen mehr als komfortabel in die Box. Das hätte alles problemlos in eine typische Amigo-Box gepasst, wenn man die Anzahl der Spielblätter etwas reduzieren würde. Allerdings hat es den Vorteil, dass man auch die anderen Ausgaben in die Box dazulegen kann
Ablauf… Eine Partie BOOMERANG AUSTRALIA verläuft über vier Runden. In jeder Runde bekommen alle Mitspielenden 7 Karten auf die Hand, suchen sich davon eine aus und geben den Rest weiter. Daraus wählt man wieder eine Karte aus und das macht man so oft, bis alle Karten verteilt wurden. Klassisches Drafting also.
Am Ende jeder Runde kreuzt man dann auf der Karte die besuchten Orte ab, wofür man mit Punkten belohnt wird. Ebenso gibt es nun unterschiedlich gestaltete Wertungen für durchgeführte Aktivitäten, gesammelte Pflanzen und erkundete Tiere. Mehr ist es nicht, mehr will es nicht sein.
Das gefällt mir nicht so gut: Aufgrund der voluminösen Box hätte ich mir deutlich größere Spielblätter gewünscht. Die aktuellen sind schon sehr klein und machen die Handhabung unnötig fuddelig.
Zusätzlich hätte ich mir eine Übersicht über die Verteilung der Symbole gewünscht. Mit Spielerfahrung weiß man bspw., wie oft (und auch auf welchen Karten) das viele Punkte bringende Schnabeltier zu finden ist. Das ist ein großer Vorteil, da man mit diesem Wissen anders spielt. Neulingen ist ohne eine solche Übersicht aber leider die Chance verwehrt, die gleichen Wahrscheinlichkeitsabschätzungen durchzuführen.
Das gefällt mir gut: BOOMERANG AUSTRALIA kombiniert auf geniale Weise ein Roll-and-Write-Spiel mit einem Karten-Draft-Mechanismus. Das ist mir vorher so noch nicht begegnet und das Ergebnis finde ich überraschend stimmig. Einerseits entwickelt sich das typische Wettrenn-Gefühl, schneller als die Mitspielenden etwas abkreuzen zu müssen. Andererseits hat man es im wahrsten Sinne in der Hand, was für Möglichkeiten meine Mitspielenden mit den nächsten Karten bekommen. So beginnt nun das typische Abwägen des Drafting-Systems zu wirken. Soll ich mir nun Bondi Beach sichern oder kann ich darauf hoffen, dass mir das später nochmals zur Verfügung steht?
Die unterschiedlichen Wertungsarten lassen dabei auch ausreichend verschiedene Strategien zu. Soll ich mich auf die Orte konzentrieren oder lieber auf die Tiere? Was machen die anderen? Da lediglich im Spiel zu viert alle Karten in jeder Runde dabei sein, spielt manchmal auch Glück eine entscheidende Rolle, was ich allerdings bei einem solch kurzen Spiel als passendes Element empfinde. Und da man die erste ausgewählte Karte verdeckt auslegt, weiß man auch nie genau, ob die heiß ersehnte Karte nun nur nicht im Spiel ist oder von einer anderen Person schon geheim ausgespielt wurde. So ist auch das Aufdecken dieser Karte immer ein kleiner emotionaler Höhepunkt.
Ein großer Vorteil ist, dass BOOMERANG AUSTRALIA alles andere als kompliziert ist. Die Regeln sind schnell verstanden und spätestens nach eine kurzen Proberunde wissen alle, wie das Spiel funktioniert. Somit ist es auch gut mit Kindern oder auch Gelegenheitsspielern zu spielen. Leider gibt es noch keine deutsche Anleitung, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ein deutscher Verlag sich dem Spiel annehmen wird. Ich sehe hierfür durchaus Potenzial.
Zusätzlich ist auch das Reise-Thema für viele ein Grund, sich näher mit dem Spiel zu befassen – zumal dieses Thema auch variabel genutzt werden kann, wie man an den schon bestehenden Europa- und USA-Ausgabe sehen kann. Die klare Gestaltung tut ihr übriges, um Interesse zu wecken.
Fazit: BOOMERANG AUSTRALIA ist für mich ein kleiner Geheimtipp und bestätigt mich in meiner Meinung, dass es im Crowdfunding-Bereich immer noch die ein oder andere Perle zu entdecken gibt.
Boomerang Europe
Das Spielprinzip verändert sich bei BOOMERANG EUROPE nicht. Weiterhin werden sieben Karten im Drafting-Verfahren verteilt und dann ausgewertet. Allerdings gibt es bei den Wertungen kleine Unterschiede. Die einzelnen Gebiete umfassen nun eine unterschiedliche Anzahl von Orten, so dass auch verschieden hohe Boni ausgeschüttet werden, wenn man ein Gebiet vollständig besucht hat. Zusätzlich wird man nun belohnt, wenn man frühzeitig alle unterschiedlichen Gebiete bereist hat. Auch bei den Aktivitäten muss man etwas mehr auf die Mitspielenden achten. Somit wird BOOMERANG EUROPE nun etwas interaktiver, was dem Spielgefühl zu Gute kommt.
Aus diesem Grund, und weil mir die Orte nun einmal etwas vertrauter sind, finde ich BOOMERANG EUROPE tatsächlich noch etwas besser gelungen als BOOMERANG AUSTRALIA. Da aber problemlos das Material von beiden Ausgaben in eine Box passen, kann man bedenkenlos zu beiden greifen und diese dann in einer Box aufbewahren. BOOMERANG USA habe ich mir noch nicht näher anschauen können, aber das hole ich sicherlich irgendwann mal nach.
| Titel | Boomerang Australia & Boomerang Europe |
|---|---|
| Autor | Scott Almes |
| Illustrationen | Kerri Aitken |
| Dauer | 15 bis 25 Minuten |
| Personenanzahl | 2 bis 4 Personen |
| Zielgruppe | weltoffene Familienspielrunden |
| Verlag | Grail Games |
| Jahr | 2020 |
















Ich habe gesehen, dass es das Spiel auf der Boardgamearena gibt. Da probiere ich das gleich mal aus 🙂
Mach das, ich habe da auch schon einige schöne Partien spielen können. Das ist eine gute Umsetzung, die man auch gut asynchron nutzen kann. Viel Spaß damit!