kritisch gespielt: Bücherwurm

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Bücherwurm von Michael Palm und Lukas Zach  – erschienen bei Pegasus Spiele

Buecherwurm - Cover

Foto: Pegasus

Wenn man selbst als Bücherwurm verschrien ist und man das gleiche über seinen Sohnemann sagt, dann ist ein Spiel mit diesem Titel einen Blick wert – insbesondere wenn einem so ein herzallerliebster Wurm vom Cover aus anwinkt.

Thema… ist keines vorhanden – und auch keines nötig. BÜCHERWURM ist ein reines Wortspiel, da braucht es keine künstliche Themeneinkleidung.

Grafik… ist von Christian Fiore, den man auch als Autor kennt und schätzt (bspw. LEGENDS). Auch wenn das Spiel eigentlich komplett ohne Grafiken auskommen könnte, gefällt mir die Gestaltung außerordentlich gut. Es sind die Kleinigkeiten (Kreidestücke auf den Buchstabenseiten, roter Seitenanzeiger in den Büchern…), die mich ansprechen und die zeigen, dass auch vermeintlich kleine Spiele von einer guten Grafik enorm profitieren können.

Buecherwurm - Themenkarten

45 * 3 = 135 verschiedene Themen – inklusive Vokabeltrainer

Ausstattung… ist überschaubar. In der Box sind etwa 100 kleine Karten (etwa hälftig Buchstabenkarten und Themenkarten), eine Regel … und viel Luft. Aber fände ich größere Karten praktischer? Nein. Und ein noch kleinerer Karton würde es wohl im Handel schwer haben. Für unterwegs habe ich die Karten aber in einer wesentlich kleineren Box dabei.

Kurz noch zu den Karten: die Buchstabenkarten zeigen normalerweise nur einen Buchstaben. Lediglich bei eher selten Buchstaben gibt es Kombinationen (C / K, J / Q und X / W / Y). Außerdem sind noch Joker im Spiel (A – Z). Die Themenkarten wiederum sind unterteilt in drei Schwierigkeitsstufen. Ganz oben (und grafisch konsequent in grün gehalten) die leichten Themen, unten (in rot) die schweren. Da die Ausgabe auch die englische Sprache abdeckt, sind die Themenkarten auch zweisprachig gehalten.

Buecherwurm - Aufbau

keine Sonderpunkte für JaQueline…

Ablauf… ist einfach. Wenn man an der Reihe ist, kann man entweder

  • eine Buchstabenkarte aus der Hand spielen (man beginnt mit derer 6) oder
  • man wechselt eine Themenkarte.

Das Spielziel lautet: alle Buchstabenkarten aus der Hand auszuspielen. Somit wird deutlich, dass man die zweite Aktionsmöglichkeit eher ungern nutzt. Um eine Buchstabenkarte ausspielen zu dürfen, muss man ein Wort nennen, dass mit dem Buchstaben der Karte beginnt und welches zum Thema passt. Wechselt man dahingegen die Themenkarte, dann legt man eine neue in die Auslage und darf ein dort aufgeführtes Oberthema für den weiteren Spielverlauf nennen.

Theoretisch keine schwere Sache – wenn da nicht immer diese komische Blockade im Kopf wäre. Zusätzlich heißt es in der Regel richtigerweise, dass das Spiel am meisten Spaß macht, wenn es zügig gespielt wird. Empfohlen wird eine Bedenkzeit von etwa 10 Sekunden. Bei uns hat es sich eingebürgert, dass diese dann auch von den Mitspielern laut abgezählt werden – was jedoch nicht unbedingt die Blockade im Kopf des Nachdenkenden löst. 🙂

Gewonnen hat natürlich der Spieler, der zuerst alle seine Buchstabenkarten losgeworden ist. Spielt man mit Kindern, dann kann man gut skalieren. Denn dann gelten bspw. für die Kinder immer die grünen Begriffe, während sich die Erwachsenen mit den roten herum ärgern müssen.

Zusätzlich sind noch zwei Varianten aufgeführt. In der Quizvariante wird mehr oder weniger gemeinsam auf Schnelligkeit gespielt (ein Spielleiter bestimmt ein Thema, wer am schnellsten antwortet darf seine Buchstabenkarte abwerfen, ist dafür nun aber selbst Spielleiter – auch hier gewinnt der Spieler, der zuerst alle seine Buchstabenkarten abgeworfen hat). Die schnelle Variante bringt ebenfalls viel Druck ins Spiel. Hier darf man so lange Buchstabenkarten ablegen, bis einen der linke Nachbar mit einer Buchstabenkarte unterbricht oder aber eine neue Themenkarte ausspielt. Das kann ganz schnell chaotisch werden, macht aber auch durchaus Spaß.

Das gefällt mir nicht so gut: Nicht immer sind die Themenkarten eindeutig formuliert. Wenn dort steht „etwas blaues“, dann kann das natürlich alles bedeuten. So gibt es blaue Autos, blaue Bücher, blaue Hemden… Gerade Kinder können hier sehr überzeugend sein (Gummibärchen, Luftschlangen). Bei uns hat es sich trotzdem eingebürgert, dass hier nur Begriffe genannt werden, die originär blau sind: Wasser, Augen, Briefe 😉 Natürlich sollte man solch ein Spielchen nicht all zu ernst nehmen, aber gewisse Grenzen sollten schon gesetzt werden.

Buecherwurm - Buchstabenkarten

Ich warte auf die Sonderedition von Leibniz: Russisch Brot goes Bücherwurm

Das gefällt mir gut: Liest man die Regel bzw. Beschreibung, dann denkt man schnell: „Was ist das denn für ein belangloses Spielchen?“ Anspruchsvoll ist sicherlich etwas anderes, aber man unterschätzt die Kopfblockade, wenn eine ganze Runde einen Countdown zählt. Und wenn man sich im Vorfeld schon ein tolles Wort für das Thema ausgedacht hat, dann deckt bestimmt der Mitspieler vor einem eine neue Themenkarte auf und schon beginnt der Druck von neuem. Das Finden der richtigen Wörter ist oftmals schwieriger als man das vorher dachte. Das Spielgefühl ähnelt dem von bspw. TICK TACK BUMM.

Auch bei den Kindern kommt das Spiel als anspruchsvolle Stadt-Land-Fluss-Variante gut an. Ein befreundeter Grundschullehrer (ja, so etwas gibt es) hat es gerne als Auflockerung in seinem Deutschunterricht benutzt. Und durch die Zweisprachigkeit lässt es sich sogar auch gut im Englischunterricht nutzen.

Die aufgeführten Varianten sind ebenfalls unterhaltsam. Allerdings wird dabei natürlich die Kluft zwischen sprachgewandten und nicht so wortbegeisterten Spielern schnell noch deutlicher.

Fazit: BÜCHERWURM hat mich positiv überrascht. Erst hatte ich es eigentlich nur für die Brettspiel-AG in der Grundschule auf dem Zettel. Die niedliche Cover-Grafik lies mich davon ausgehen, dass dies eher ein Kinderspiel ist. Aber nach den sehr positiven Resonanzen dort, habe ich es auch problemlos in Erwachsenenrunden etablieren können. Wer Spaß an Sprache hat, wird sicherlich mit BÜCHERWURM nichts falsch machen und lustige Runden erleben. Mir gefällt das Spiel wesentlich besser als das ebenfalls kürzlich erschienene STADT LAND FLUSS EXTREM.

 

Ich bedanke mich bei Pegasus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

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