kritisch gespielt: Chiffre

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Chiffre von Peer Sylvester erschienen im Gmeiner Verlag

Chiffre - Cover

Foto: Gmei­ner Ver­lag

Für alle Neu­gie­ri­gen vor­ab mein Fazit in nur einem Wort: XXXX. Das gilt es nun bloß noch zu ent­schlüs­seln…

The­ma… ist zwar total unnö­tig und auf­ge­setzt, aber irgend­wie dann doch amü­sant. Kom­mis­sar Wolf ver­sucht schnel­ler ein ver­flix­tes Geheim­wort sei­nes Wider­sa­chers Mafia­boss Vol­po­ne zu ent­schlüs­seln, als die­ser wie­der­um ein Geheim­wort des Kom­mis­sars (um des­sen Infor­man­ten bloß zu stel­len). So ent­steht ein geis­ti­ges Wett­ren­nen, bei dem der Wolf den Fuchs jagt – bzw. umge­kehrt.

Gra­fi­sche Gestal­tung… ist von Simo­ne Hölsch und Lutz Eber­le und kommt recht redu­ziert daher. Die ein­zel­nen Buch­sta­ben-Kar­ten sind mit Schat­ten­bil­dern ver­se­hen. Außer­dem umspie­len die Buch­sta­ben noch Rauch­schwa­den, die ich eigent­lich immer mit den Vor­spann-Ani­ma­tio­nen eines James-Bond-Films in Ver­bin­dung brin­ge. Die Kar­ten­sät­ze der bei­den Prot­ago­nis­ten las­sen sich gut an den stil­vol­len Rück­sei­ten unter­schei­de: Poli­zei­müt­ze vs. Schnurr­bart.

Chiffre - Inhalt

klein und kom­pakt

Aus­stat­tung… jeder Spie­ler erhält einen Satz mit 21 Buch­sta­ben-Kar­ten, wobei die Voka­le auf der Rück­sei­te beson­ders mar­kiert sind. Zusätz­lich sind 15 The­men-Kar­ten mit unter­schied­li­chen Schlag­wör­tern in der Box.

Ablauf… aus den eige­nem Kar­ten­pool legt jeder Spie­ler ver­deckt ein Wort aus vier Buch­sta­ben aus. Die­ses gilt es nun vom Geg­ner zu ent­schlüs­seln. Aller­dings muss man sich bei der Bestim­mung des Code-Wor­tes an drei aus­lie­gen­den The­men-Kar­ten ori­en­tie­ren. Die­se geben Schlag­wor­te vor, zu denen die Code-Wör­ter pas­sen sol­len.

Chiffre - Decodierung

Die Deco­die­rung hat begon­nen!

Zum Ent­schlüs­seln legt man eine eige­ne (noch ver­blie­be­ne) Kar­te an eine geg­ne­ri­sche Kar­te an. Der Code-Besit­zer muss die­se Kar­te nun so aus­rich­ten, dass dem Code-Bre­cher deut­lich wird, ob der gesuch­te Buch­sta­be im Alpha­bet vor oder nach der aus­ge­spiel­ten Kar­te vor­kommt – oder viel­leicht sogar der Buch­sta­be genau getrof­fen wur­de. Alter­na­tiv kann man auch einen Buch­sta­ben direkt erra­ten (wenn die ent­spre­chend Kar­te viel­leicht im eige­nen Code-Wort liegt) oder natür­lich das Code-Wort selbst. Zusätz­lich kann man auch die The­men-Kar­ten ein­schrän­ken.

Das gefällt mir nicht so gut: Die schwie­rigs­te Auf­ga­be bei CHIFFRE ist das Fin­den eines eige­nen Code-Wor­tes. Denn auch wenn man es im ers­ten Moment nicht glau­ben will: trotz drei­er unter­schied­li­cher Schlag­wort-Kate­go­ri­en ste­hen einem nur rela­tiv wenig Wör­ter zur Ver­fü­gung – zumin­dest dann, wenn man die Kate­go­ri­en halb­wegs eng fasst. Die Code-Wör­ter sind näm­lich mit ziem­lich viel Ein­schrän­kun­gen ver­se­hen. Es dür­fen kei­ne Buch­sta­ben dop­pelt vor­kom­men, man­che Buch­sta­ben ste­hen einem gar nicht erst zur Ver­fü­gung (ins­be­son­de­re das J) und zwei Voka­le sind tun­lichst zu ver­mei­den. So ist der Vokal fast immer an zwei­ter – bei Aus­nah­men auch erst an drit­ter Stel­le zu fin­den. Aus die­sem Grund hät­te man mei­ner Mei­nung nach auf die geson­der­te Kenn­zeich­nung der Voka­le ger­ne ver­zich­ten kön­nen. Auch ist mir nicht klar, war­um man­che Buch­sta­ben über­haupt nicht ange­bo­ten wer­den.

Chiffre - Dorf

nur eine Foto­mon­ta­ge – denn das Wort ist eigent­lich schon gelöst

Bei uns war es sehr oft so, dass nach erfolg­rei­cher Ent­schlüs­se­lung des Vokals und des Anfangs­buch­sta­bens das Code-Wort wei­test­ge­hend fest stand. Vier Buch­sta­ben sind defi­ni­tiv nicht viel. Wir haben dann recht schnell die Anfor­de­run­gen ver­än­dert und sind dann auf Wör­ter mit fünf oder sechs Buch­sta­ben über­ge­gan­gen. Dadurch hat sich dann die Rät­sel­zeit ver­län­gert und stand in einem bes­se­ren Ver­hält­nis zur vor­he­ri­gen Zeit für die Wort­fin­dung. Nun konn­te man durch­aus auch zwei Voka­le ein­bau­en, ohne dass das Code-Wort zu ein­fach zu ent­schlüs­seln war.

Chiffre - Themen-Karten

die The­men-Kar­ten kön­nen unter­schied­lich inter­pre­tiert wer­den

Wie schon gesagt, es ist mei­ner Mei­nung nach wich­tig, dass sich halb­wegs eng an die ein­zel­nen Schlag­wort-Kate­go­ri­en gehal­ten wird. Es macht ein­fach kei­nen Spaß, wenn jemand abstru­se Gedan­ken­gän­ge auf­führt, um ein Wort unbe­dingt in die vor­ge­ge­be­nen Kate­go­rie zu pres­sen – auch wenn man somit bestimmt wesent­lich erfolg­rei­cher ist. Natür­lich kann man bspw. das Wort "Koch" irgend­wie in Zusam­men­hang zu einem Wald brin­gen (die­ser holt sich fri­sche Pil­ze aus dem Wald), aber dadurch wird der Sinn die­ser Schlag­wort-Ein­gren­zung unter­wan­dert und der Spiel­spaß doch gehö­rig gemin­dert. Aller­dings sind in die­sem Zusam­men­hang die Schlag­wor­te auch nicht immer gleich­wer­tig. Spitz­fin­di­ge Men­schen kön­nen bspw. sehr über­zeu­gend dar­le­gen, dass ein gut gefüll­ter Super­markt nun ein­mal fast alles führt, was es so zu kau­fen gibt. Das ist dann ein ganz wei­tes Feld und fühlt sich für den geg­ne­ri­schen Code-Kna­cker unbe­frie­di­gend an.

Die Gra­fik ist schon sehr zurück genom­men und eher funk­tio­nal. Das ist wahr­lich kein Man­gel, da sich auf das Wesent­li­che – die Buch­sta­ben – kon­zen­triert wird. Aller­dings bin ich der Mei­nung, dass die Gestal­tung der Kar­ten schon in einem sehr gro­ßen Kon­trast zur Cover­ge­stal­tung steht. Nach Bewun­de­rung des tol­len Covers war ich doch ein wenig ent­täuscht, als ich dann die ein­zel­nen Kar­ten betrach­te­te.

Um aber über­haupt die Kar­ten zu sehen, muss­te mir übri­gens erst ein­mal das Kunst­stück gelin­gen, die Schach­tel öff­nen zu kön­nen. Denn der Deckel der klei­nen Schach­tel schließt defi­ni­tiv fest. Ohne lan­ge Fin­ger­nä­gel bekommt man die Box jeden­falls kaum geöff­net.

Chiffre - Buchstabenkarten

wenig Buch­sta­ben – vie­le Infor­ma­tio­nen

Das gefällt mir gut: Natür­lich bin ich ein klei­ner Sprach-Lieb­ha­ber – sonst wür­de ich kaum einen eige­nen Blog füh­ren. Zusätz­lich mache ich ger­ne klei­ne Rät­sel und kno­bel an Codes. Kein Wun­der also, dass ich mich mit CHIFFRE bes­tens unter­hal­ten gefühlt habe. Dabei gefal­len mir beson­ders die dop­pel­deu­ti­gen Infor­ma­tio­nen über die Buch­sta­ben-Kar­ten. Denn durch jeden Buch­sta­ben, den ich able­ge, bekom­me ich nicht nur Infor­ma­tio­nen über das Code-Wort des Geg­ners, son­dern gebe auch eige­ne Infor­ma­tio­nen preis. Hier gilt es also immer die eige­nen Vor­tei­le abzu­wä­gen – ins­be­son­de­re natür­lich bei den Voka­len.

Auch wenn CHIFFRE als 2-Per­so­nen-Spiel kon­zi­piert ist, so lässt es sich doch auch gut als Team-Spiel spie­len. Denn gemein­sa­mes Kno­beln macht auch Spaß. Hier­für hat­ten wir dann wei­te­re Haus-Vari­an­ten ent­wi­ckelt. Die in der Regel ange­führ­ten Vari­an­ten sind übri­gens eben­falls zu emp­feh­len. Die eine sieht vor, eine Par­tie über meh­re­re Run­den lau­fen zu las­sen. Die ande­re ver­schlei­ert etwas die Deco­die­rung – aller­dings in einem Maß, was recht pro­blem­los zu meis­tern ist.

Fazit: Die vie­len mög­li­chen eige­nen Vari­an­ten kann man posi­tiv ver­kau­fen ("ein offe­nes Sys­tem") oder aber nega­tiv bewer­ten ("nicht aus­ge­reift"). Ich bin mir selbst nicht sicher, in wel­che Rich­tung bei mir das Pen­del letzt­end­lich aus­schlägt. Wir hat­ten mit CHIFFRE durch­aus eine anre­gen­de Zeit, fühl­ten uns dabei aber auch zu sel­ten wirk­lich gefor­dert. So muss ich kon­sta­tie­ren, dass mir ande­re Deco­dier­spie­le bes­ser gefal­len. Denn vor mei­nem Spiel­re­gal ste­hend, wür­de ich wohl immer lie­ber zu einem DA VINCI CODE grei­fen, wenn ich chif­frier­te geg­ne­ri­sche Nach­rich­ten ent­schlüs­seln will.

Titel Chif­fre
Autor Peer Syl­ves­ter
Illus­tra­tio­nen Simo­ne Hölsch und Lutz Eber­le
Dau­er 10 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 Spie­ler
Ziel­grup­pe Code kna­cken­de Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag Gmei­ner Ver­lag (im Ver­trieb von Huch!)
Jahr 2018

Ich bedan­ke mich bei Huch! für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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