kritisch gespielt: Mahé

Mahé von Alex Randolph erschienen im franjos Spieleverlag

Mahé - Box

Foto: fran­jos

Im unknowns-Forum wird mal wie­der heiß dar­über dis­ku­tiert, was ein Klas­si­ker ist und wel­che Spie­le ent­spre­chen­des Poten­ti­al haben. Dabei fällt dann wie­der auf, wie unter­schied­lich der Begriff "Klas­si­ker" ver­wen­det wird. Da ich hier aber in mei­nem eige­nen Blog tun und las­sen kann, was ich will, habe ich kein Pro­blem damit, MAHE als Klas­si­ker zu bezeich­nen. Ein Inidz, wel­ches für mei­ne Bezeich­nung spricht, ist die Tat­sa­che, dass MAHE im fran­jos Spie­le­ver­lag ent­schie­den. Die­ser klei­ne sym­pa­thi­sche Ver­lag ver­öf­fent­licht seit nun mehr 30 Jah­re Spie­le – und ist damit selbst in mei­nen Augen ein Klas­si­ker.

The­ma... ist etwas ver­rückt. Die Spie­ler las­sen Schild­krö­ten um eine Insel wan­dern. Jedes Mal wenn eine Schild­krö­te dann den Strand der Insel erreicht oder über­schrei­tet, legt sie dort ihre Eier ab (wie vie­le, dass wird über aus­lie­gen­de Gele­ge-Kar­te bestimmt). Ziel ist es, die meis­ten Eier abge­legt zu haben. Dabei kann es manch­mal wild zu gehen, so dass im Getüm­mel mal eine Schild­krö­te auf einer ande­ren lan­det und dann getra­gen wird. In frü­he­ren Ver­sio­nen waren es aber auch schon Kän­gu­rus (KÄNGURUH) oder hung­ri­ge Par­ty­gän­ger (DIE HEISSE SCHLACHT AM BUFFET), die dem ran­dolphschen Rund­kurs folg­ten.

Mahé - Spielplan bei Tag

Noch scheint die Son­ne über Mahé – bald kann aber auch Nacht wer­den (die ich von der Optik bevor­zu­ge)

Gra­fik... ist von Kle­mens Franz und in mei­nen Augen einer der gro­ßen Vor­tei­le die­ser Ver­si­on gegen­über sei­nen Vor­gän­gern. Allein die Gra­fik des Covers gefällt mir unwahr­schein­lich gut. Auch der Spiel­plan und die Kar­ten sind frisch und frech illus­triert.

Aus­stat­tung... wird domi­niert von sie­ben tol­len Holz­schild­krö­ten. Die­se Spiel­fi­gu­ren las­sen sich wie bei RÜSSELBANDE (eben­falls von Alex Ran­dolph) oder auch CAMEL UP wun­der­bar sta­peln. Ansons­ten befin­den sich in der Box noch drei Wür­fel, 24 Gele­ge-Kar­ten sowie die Spiel­re­gel im typi­schen fran­jos-Lay­out. Ein klei­ner Clou besteht noch beim Spiel­plan. Die­ser ist dop­pel­sei­tig bedruckt, so dass man auf der einen Sei­te tags­über die Insel umrun­den kann und auf der ande­ren Sei­te nachts. Sol­che klei­nen Details gefal­len mir immer sehr gut.

Mahé - Spielplan bei Nacht

Nun ist Nacht – und Vor­sicht auf der Schild­krö­ten­au­to­bahn rund um die Insel

Ablauf... die Regeln sind ein­fach, so dass auch schon jün­ge­re Kin­der pro­blem­los mit­spie­len kön­nen – dabei ler­nen sie sogar das Mul­ti­pli­zie­ren mit drei. Denn ist man an der Rei­he, wür­felt man zuerst mit einem Wür­fel. Jetzt könn­te man sei­nen Zug been­den und sei­ne Schild­krö­te um die Augen­an­zahl wei­ter­lau­fen las­sen. Man kann nun aber auch einen zwei­ten Wür­fel in Spiel brin­gen. Die­sen wirft man zusätz­lich und sum­miert nun die Augen­an­zahl mit dem ers­ten Wür­fel. Hat man dabei den Wert 7 noch nicht über­schrit­ten, dann mul­ti­pli­ziert man die Augen-Sum­me mit der Anzahl der Wür­fel (in die­sem Fall 2) und kann ent­spre­chend vie­le Schrit­te vor­an schrei­ten. Das kann man auch noch mit dem drit­ten Wür­fel ver­su­chen. Da eine Insel­um­run­dung 21 Fel­der ent­spricht, kann man somit idea­ler­wei­se mit 3×7 ein­mal die Insel in einem Spiel­zug umrun­den. Soll­te aber die Wür­fel­sum­me 7 über­schrei­ten, dann wird die Spiel­fi­gur wie­der auf das Start­floß am Anfang der Run­de zurück gestellt (unab­hän­gig davon, wo die Schild­krö­te momen­tan steht). Es darf also gezockt wer­den!

Ziel ist, mit sei­ner Schild­krö­te über eine gedach­te Ziel­li­nie am Strand zu zie­hen. Dann erhält der Spie­ler die obers­te Gele­ge-Kar­te, auf der eine ver­schie­de­ne Anzahl von Eiern abge­bil­det ist (und am Spie­len­de sind die­se Eier Sieg­punk­te). Aller­dings ist zu beach­ten, dass bei den Kar­ten die Anzahl der Eier vari­iert (zwi­schen 1 und 6 Eiern). Liegt also eine Kar­te mit nur einem Ei aus, dann hat man es in der Regel auf ein­mal gar nicht mehr so eilig. Anders sieht es eben aus, wenn dort eine Kar­te mit 6 Eiern liegt.

Mahé - Detail

Schild­krö­ten hoch drei = Spaß hoch drei

Beson­ders inter­es­sant wird MAHE dann, wenn eine Schild­krö­te beim Bewe­gen auf einem Feld lan­det, auf dem schon ein ande­re Schild­krö­te steht. Denn dann wird sich auf deren Rücken gesetzt – und die dar­un­ter lie­gen­de Schild­krö­te wird fremd­be­stimmt. Denn immer nur der zu oberst lie­gen­de Spie­ler bestimmt über die­sen Schild­krö­ten­turm. Ist ein unte­rer Spie­ler an der Rei­he, dann muss er den Anwei­sun­gen des Obers­ten fol­gen. Und über­quert ein sol­cher Turm die Ziel­li­nie, dann erhält natür­lich auch nur der obers­te Spie­ler die ent­spre­chen­de Punk­te-Kar­te.

In den Regeln wird auch noch eine Vari­an­te neu ein­ge­führt, die durch­aus emp­feh­lens­wert ist. Dem­nach kön­nen Spie­ler bereits erbeu­te­te Punkte­kar­ten anstatt eines Wür­fels nut­zen. Dies wer­tet die nied­ri­gen Punkte­kar­ten enorm auf, erhöht aber natür­lich auch die tak­ti­schen Mög­lich­kei­ten der Spie­ler und MAHE wird etwas grü­bel­las­ti­ger.

Das gefällt mir nicht so gut: MAHE lebt vom Zocker­me­cha­nis­mus und der Mög­lich­keit, von ande­ren Schild­krö­ten getra­gen zu wer­den. Das letz­te Ele­ment kommt natür­lich bei mehr teil­neh­men­den Spie­lern bes­ser zur Gel­tung als bei weni­gen Spie­lern. Aus die­sem Grund emp­fiehlt die Regel, dass bei zwei oder drei Spie­lern die­se jeweils mit zwei Schild­krö­ten spie­len. Das funk­tio­niert schon auch, aber das Gejoh­le und Geze­ter ist doch deut­lich weni­ger aus­ge­prägt. Der Spiel­reiz von MAHE steigt somit schon sehr mit der Mit­spie­le­ran­zahl.

Manch­mal kann sich eine Par­tie auch zie­hen. Gera­de von Spie­lern, die sehr auf den Spiel­sieg fokus­siert sind, wer­den klei­ne Punkt­wer­te gemie­den und es wird extra über­wor­fen. Dann kann ein ech­tes Schne­cken­ren­nen ent­ste­hen (wobei Schild­krö­ten ja auch nicht die schnel­les­ten Tie­re sind) und das Spiel wird fad. Durch die Vari­an­te wird die­ses Phä­no­men ent­schärft. Aller­dings ändert sich damit etwas der Cha­rak­ter des Spiels, da nun eine gewis­se Bere­chen­bar­keit auf­tritt. Das steht in mei­nen Augen ein wenig im Wider­spruch zur eigent­li­chen Zocker­stim­mung von MAHE. Gesel­li­ge Run­den wer­den damit aber eher sel­ten kon­fron­tiert sein – hier steht dann ganz klar der Spiel­spaß im Vor­der­grund.

Auch wenn die Spiel­re­gel einen gewis­sen Klas­si­ker-Charme hat, so ist sie doch in mei­nen Augen nicht mehr zeit­ge­mäß. Ein biss­chen mehr Lay­out und das ein oder ande­re bebil­der­te Bei­spiel wäre ein Segen.

Mahé - Ausstattung

Cojo­nes muss man haben!

Das gefällt mir gut: Neben der fri­schen Optik und den tol­len Holz-Schild­krö­ten weißt MAHE auch spie­le­risch zu über­zeu­gen. Gera­de in grö­ße­ren Run­den kann man mit die­ser Wür­fel­zo­cke­rei in etwa 30 Minu­ten gro­ßen Spaß haben. Dabei reizt vor allem der Span­nungs­auf­bau mit jedem wei­te­ren dazu genom­me­nen Wür­fel. Kommt die gewünsch­te 1 oder 2 und zie­he ich allen davon? Oder lan­de ich am Ende doch wie­der auf dem Floß und muss von vor­ne anfan­gen?

Ein wei­te­rer Vor­teil: durch den Sta­pel­me­cha­nis­mus sind eigent­lich auch immer aller Spie­ler ein­ge­bun­den – denn Hucke­pack macht es doch am meis­ten Spaß. Gera­de durch die Schild­krö­ten-Tür­me ent­ste­hen die meis­ten Emo­tio­nen, denn dann wird geflachst, gelacht und lamen­tiert. Trotz der vie­len Jah­re auf dem Buckel ist MAHE frisch und weiß durch die Klar­heit sei­nes Mecha­nis­mus zu über­zeu­gen.

Fazit: Klas­si­ker sind dies nicht ohne Grund – und in mei­nen Augen ist MAHE ein Klas­si­ker. Ähn­lich wie bei CAN'T STOP kann hier wun­der­bar mit Wür­feln gezockt wer­den. Bei MAHE wer­den aber ins­be­son­de­re grö­ße­re Grup­pen ihren Spaß haben und es ist somit in mei­nen Augen durch­aus ver­gleich­bar zu CAMEL UP (auch durch die jeweils tol­le Optik und Aus­stat­tung). MAHE zeich­net sich aber ins­be­son­de­re dadurch aus, dass das Spiel­prin­zip treff­si­cher auf den Punkt gebracht ist – es ist kein wei­te­rer Schnick-Schnack not­wen­dig, um span­nen­de Run­den zu erle­ben.

Titel Mahé
Autor Alex Ran­dolph
Illus­tra­tio­nen Kle­mens Franz
Dau­er 30 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 7 Spie­ler
Ziel­grup­pe Fami­li­en­spiel
Ver­lag fran­jos
Jahr 2014

1 Kommentar zu “kritisch gespielt: Mahé

  1. Pingback (Rückruf): Top-Liste - Würfelspiel-"Absacker" | www.fjelfras.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.