kritisch gespielt: EXIT Kids Code Breaker

EXIT Kids Code Breaker – erschienen im KOSMOS Verlag

EXIT Kids Code Breacker - Box
Foto: KOSMOS Verlag

Ist das der viel herbei geredete Sittenverfall? Früher wollten Kinder Polizist und Arzt werden – heutzutage aber lieber Einbrecher und CODE BREAKER? Ja, ja, die Jugend von heute! 😉

Thema… man ist gefangen in einem Raum, der mit einem elektrischen Schloss verriegelt ist. Der Zahlencode zum Öffnen ist über ein Rätsel mit versteckten Hinweise herauszufinden. Komisch daran ist, dass auf den Rätselkarten immer ein ganz anderes Szenario beschrieben wird. Dort werden dann Bilder wie ein Spukschloss oder eine Pirateninsel beschrieben. Irgendwas passt da nicht optimal zusammen. Aber vielleicht gehe ich da auch zu sehr mit Erwachsenen-Logik heran. Die Zielgruppe Kinder findet da bestimmt einen ganz nachvollziehbaren Zusammenhang.

Illustrationen… sind von Comicon D.L. – aber bitte fragt mich nicht, wer hinter diesem Namen steckt. Das habe nämlich ich nicht herausfinden können. Möglicherweise erwarte ich da aber auch zu viel und die Illustrationen sind eher aus einer Grafik-Datenbank entliehen. Wobei ich mir das bei dem Cover eigentlich nicht vorstellen kann. Da allerdings auch keine direkten Autoren des Spiels benannt sind, möchte ich das nicht per se ausschließen.

EXIT Kids Code Breacker - Schloss
das ist mal ein Schloss!

Ausstattung… ist weniger umfangreich, als uns die sehr voluminöse Box glauben lässt. Nichtsdestotrotz ist auch ein echte Hingucker dabei: ein recht großes Vorhängeschloss aus Plastik, das über eine Zeitfunktion verfügt. Wichtiger für das eigentlich Spiel sind aber die 30 doppelseitigen Rätselkarten und die 20 doppelseitigen Hinweisplättchen. Damit man letztere auch entziffern kann, benötigt man teilweise noch Detektiv-Werkzeug, das praktischerweise auch in der Box vorhanden ist: UV-Lampe, Spiegelfolie und Rotfilter. Die Rätselkarten sind übrigens in vier unterschiedliche Schwierigkeitsstufen unterteilt, so dass man langsam in das Konzept eingeführt wird.

Nicht in der Box enthalten sind übrigens die notwendigen Batterien. Sowohl das Schloss wie auch die UV-Lampen benötigen jeweils drei Batterien. Wenn also das Spiel als Geschenk gedacht ist, dann gebe ich den Rat, gleich zwei Päckchen Batterien mitzuschenken (einmal AA und einmal AAA). Vorbildlicher wäre es aber, wiederaufladbare Batterien zu benutzen.

Ablauf… es werden bei CODE BREAKER zwei Spielmodi angeboten. Im Modus „Timer“ hat die Gruppe 5 Minuten Zeit, das aktuelle Rätsel zu lösen. Jeder Fehlversuch wird dabei mit einem Abzug von 30 Sekunden bestraft. Wenn man es weniger stressig haben will, dann kann man den Modus „Chrono“ einstellen. Dann läuft die Uhr nicht rückwärts und man soll die Zeit mit anderen Gruppen vergleichen können (was genau genommen natürlich auch mit dem anderen Modus möglich ist).

EXIT Kids Code Breacker - Hinweisplättchen
die Hinweisplättchen liegen natürlich immer auf der falschen Seite, wenn man unter Zeitdruck spielt

Wenn man sich auf einen Modus geeinigt hat, nimmt man sich anschließend eine Rätselkarte und aktiviert die Zeitnahme des Schlosses. Für die Lösung des Rätsels muss man drei Hinweise finden, die wiederum auf den Hinweisplättchen versteckt sind. Ein Hinweis ist eine Farbe, ein anderer ein Gegenstand und der letzte etwas Essbares. Diese Dinge sind auf den Hinweisplättchen entweder direkt abgebildet oder aber verschlüsselt dargestellt (wofür man nun das Detektiv-Werkzeug zur Entschlüsselung benötigt). Hat man die richtigen drei Hinweise gefunden, dann kann man abschließend deren Zahlen in das entsprechende Code-Feld am Schloss eingeben. Stimmen diese Zahlen, wurde das Rätsel richtig gelöst und das Schloss springt auf.

EXIT Kids Code Breacker - Leere
viel zu viel Luft

Das gefällt mir nicht so gut: Eine erste negative Überraschung hat man, wenn man die Box von CODE BREAKER öffnet und dort ganz viel Luft und wenig Inhalt sieht. Die Größe der Box ist schon sehr grenzwertig – zumal das Material dort auch nicht wirklich geordnet gelagert wird, sondern eher wild hin und her rutscht. Hat man sich von dieser Überraschung erholt, gilt es erst einmal in den Keller zu gehen und dort Batterien und Schraubenzieher zu holen. Denn erst müssen Schloss und UV-Lampe präpariert werden, bevor es endlich los gehen kann.

In der Zwischenzeit haben hoffentlich die Kinder nicht all zu intensiv das Regelheft gelesen. Dort gibt es extra einen Abschnitt für die Kinder („das Detektivhandbuch“) mit Hinweisen, wie man die verschiedenen Rätsel-Arten angehen kann. Unglücklicherweise befinden sich am Ende dieses Handbuchs auch die Lösungen für die einzelnen Regeln. Die sind zwar auf den Kopf gedruckt, aber so eine Regel ist schnell um 180° gedreht. Da Zurückhaltung nicht unbedingt die Stärke von Kindern ist, wird schon recht gerne mal nachgeschaut, wie die Lösungen aussehen. Hier hätte ich mir ein anderes Konzept gewünscht: entweder ein separates Detektivhandbuch und die Lösungen im Regelheft oder aber (und das wäre in meinen Augen die beste Lösung) ein eigener verschlossene Umschlag mit beiliegenden Lösungen.

Die Rätselkarten geben neun verschieden Szenarien vor. Mal soll man in einer Pyramide sein, mal in einem Museum oder einem Labor. Die Idee dahinter finde ich gut. Leider hat man das aber nicht konsequent durchgezogen. Denn mit diesen Szenarien hätte man viele kleine Story-Kampagnen machen können. Man ist im Museum und kommt aus dem ersten Raum heraus – der ist aber wieder verschlossen usw. So wird meiner Meinung nach das Potenzial dieser verschiedenen Szenarien nicht voll ausgenutzt.

EXIT Kids Code Breacker - Rätselkarten
es hätte gerne eine durchgängige Story sein dürfen

Die Altersangabe ist eigentlich ganz gut gewählt. Denn man sollte schon so etwa 7 Jahre alt sein und halbwegs flüssig lesen können. Allerdings fehlt in meinen Augen eine Angabe des Maximalalters. Denn meine Erfahrungen mit verschiedenen Kindern haben gezeigt, dass eigentlich nur ein Interesses bis etwa 10 Jahre gegeben ist. Älteren Kindern war dann die Art der Rätsel und deren Wiederholung eher zu langweilig, als dass sie sich damit intensiver beschäftigen wollten (auch weil dann die Spiegelfolie und der Rotfilter gar nicht mehr benötigt werden).

Das gefällt mir gut: Für Kinder zwischen 7 und 10 Jahren ist CODE BREAKER aber eine tolle Sache. Sofern die Kinder des Lesens mächtig sind, lässt es sich sehr gut ohne die Eltern spielen. Natürlich können diese gerne bei der Handhabung des Schlosses helfen, aber notwendig ist deren Mitwirken nicht. Für dieses Alter haben die Rätsel auch eine angemessene Schwierigkeitsstufe. Am Anfang wird man noch wenig gefordert, aber das ändert sich schrittweise bis zum Ende.

EXIT Kids Code Breacker - Detektiv-Werkzeug
das Detektiv-Werkzeug kann gut aufgeteilt werden

Schaut man den Kindern aus der Ferne (oder auch Nähe) zu, dann ist schön zu sehen, wie kooperativ doch meistens gespielt wird. Insbesondere im „Timer-Modus“ werden recht schnell halbwegs gleichberechtigte Rollen verteilt. Kind 1 kümmert sich mit der UV-Lampe um die entsprechenden Hinweisplättchen, Kind 2 hat den Rotfilter in der Hand und Kind 3 die Spiegelfolie. Alles geht halbwegs Hand in Hand, da man unbedingt die Zeitvorgabe schaffen will. Genauso gut funktioniert CODE BREAKER aber auch alleine.

Den „Chrono-Modus“ kann man wiederum gut dafür nutzen, die Kinder bei schlechtem Wetter zum Bewegen zu animieren. Verteilt man nämlich die Hinweisplättchen großzügig in mehreren Räume, dann wird ganz schon geflitzt und gesucht.

Man sollte übrigens bedenken, dass CODE BREAKER kein Dauerbrenner ist. Die Aufgabentypen sind begrenzt und wiederholen sich recht schnell. Das ist aber nicht schlimm, da meist nach 4 oder 5 Rätseln die Luft ohnehin raus ist. Meiner Erfahrung nach werden die einzelnen Rätselkarten eher häppchenweise konsumiert und CODE BREAKER ist somit eher eine Beschäftigung für zwischendurch.

Fazit: Kinder lieben es, Rätsel zu lösen. Damit auch die Jüngeren schon ihre Spürnase trainieren können, steht ihnen mit CODE BREAKER nun ein gute Aufgabensammlung zur Verfügung, die sie ohne Hilfe von Erwachsenen benutzen können. Und sind die Kids dann genug geübt, können sie bspw. mit den Drei ??? das Haus der Rätsel besuchen.

 

Titel EXIT Kids Code Breaker
Redaktion Katja Ermitsch und Christin Ganasinski
Illustrationen Comicon D.L.
Dauer ca. 15 Minuten
Spieleranzahl 1 bis 4 Spieler
Zielgruppe rätselfreudige Kinder
Verlag KOSMOS
Jahr 2018

 

Ich bedanke mich bei KOSMOS für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

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