kritisch gespielt: Zwischen zwei Schlössern

Zwischen zwei Schlössern von Ben Rosset und Matthew O'Malley – erschienen bei Feuerland Spiele

Zwischen zwei Schlössern - Box
Foto: Feu­er­land

Zwi­schen zwei Stüh­len zu sit­zen ist nicht gera­de erstre­bens­wert. Zwi­schen zwei Schlös­sern zu leben mög­li­cher­wei­se auch nicht. Inter­es­sant wird es wohl erst, wenn man zwi­schen zwei Schlös­sern ent­schei­den muss, in denen man den nächs­ten Som­mer ver­brin­gen will. Dann ergibt es schon Sinn, sich ein wenig inten­si­ver mit die­sen bei­den Schlös­sern zu beschäf­ti­gen.

The­ma… in ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN geht es aber nicht um die eige­nen Schlös­ser, son­dern man ist ledig­lich Bau­meis­ter für König Lud­wig II. von Bay­ern. Nach Neu­schwan­stein, Lin­der­hof und Her­ren­chiem­see sol­len wei­te­re Schlös­ser gebaut wer­den. Schon damals war es von Vor­teil, sich mit ande­ren Bau­meis­tern zu einer Gemein­schaft zusam­men zu schlie­ßen. Des­we­gen ist man nicht allei­ne für den Bau eines Schlos­ses ver­ant­wort­lich, son­dern man bil­det immer 2er-Teams.

ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN ist eben­falls ein Zusam­men­schluss zwei­er Ide­en. Denn die­ses Spiel ist eine Kom­bi­na­ti­on der bei­den Spie­le DIE SCHLÖSSER DES KÖNIG LUDWIG sowie BETWEEN TWO CITIES.

Illus­tra­tio­nen… sind von Lau­ra Bevon, Agniesz­ka Dabro­wiecka und Bart­lo­miej Kordow­ski und gefal­len mir aus­ge­spro­chen gut. Wahr­schein­lich nicht nur mir, son­dern auch den wei­te­ren Pro­jekt­be­tei­lig­ten. Denn so kam es wohl zu der fol­gen­schwe­ren Ent­schei­dung, die tol­len Illus­tra­tio­nen nicht mit den für das Spiel not­wen­di­gen Sym­bo­len abzu­de­cken. Jetzt hat man zwar aus­rei­chend Platz, die Illus­tra­tio­nen zu bewun­dern, doch lei­der braucht man für die Sym­bo­le eine Lupe.

Zwischen zwei Schlössern - Räume
es gibt so viel zu ent­de­cken

Aber eine Lupe ist nicht nur für die Sym­bo­le sinn­voll, son­dern auch für das Betrach­ten der vie­len klei­nen ver­spiel­ten Details. Die­se zu suchen und zu erken­nen, macht schon rie­sig Spaß und erin­nert mich an die eben­falls tol­len Arbei­ten von Kordow­ski bei MEIN TRAUMHAUS.

Aus­stat­tung… ist einer­seits ein­fach, dann aber doch in gewis­ser Wei­se luxu­ri­ös. War­um? Das eigent­li­che Spiel­ma­te­ri­al sind "schnö­de" unzäh­li­ge Papp­plätt­chen in ver­schie­de­nen Grö­ßen. Das sind haupt­säch­lich ein­zel­ne Raum­plätt­chen aber auch Thron­saal­plätt­chen und könig­li­che Bediens­te­te. Dann sind noch Bonus­kar­ten und Über­sichts­kar­ten in der Box, sowie ein Wer­tungs­block und sie­ben klei­ne Holz­schlös­ser als Spiel­fi­gu­ren.

Zwischen zwei Schlössern - Schlösser
Na, wel­ches Schloss soll Neu­schwan­stein sein?

Das beson­de­re an der Aus­stat­tung ist aber die aus­ge­klü­gel­te Auf­be­wah­rung des gan­zen Mate­ri­als. Das kommt näm­lich nicht lieb­los in irgend­wel­chen Zipp­tüten daher, son­dern kann sehr gut in zwei indi­vi­du­ell gefer­tig­ten Auf­be­wah­rungs­bo­xen von Game Trayz sor­tiert wer­den.

Ablauf… aus BETWEEN TWO CITIES stammt die Idee, jeweils mit sei­nem lin­ken und rech­ten Nach­barn zusam­men an einem Schloss zu bau­en. Die not­wen­di­gen Erwei­te­rungs­räu­me wer­den im Draft­ver­fah­ren zuge­ord­net. Aus einem immer klei­ner wer­den­den Sta­pel suchen sich alle Spie­ler gleich­zei­tig zwei Räu­me aus und müs­sen davon jeweils einen Raum für eines ihrer zwei Schloss-Koope­ra­tio­nen nut­zen. Natür­lich geschieht die­se Aus­wahl ohne sich dabei mit den Mit­spie­lern abzu­stim­men.

Zwischen zwei Schlössern - Spielszene
der rote Bau­meis­ter und sei­ne zwei Schlös­ser

Die­se Abstim­mung erfolgt erst, nach­dem man die Plätt­chen aus­ge­sucht hat. Dann geht es um den opti­ma­le Ein­bau der neu­en Räu­me im Schloss. Hier kommt nun der Ein­fluss von DIE SCHLÖSSER DES KÖNIG LUDWIG zu tra­gen. Denn im Gegen­satz zu BETWEEN TWO CITIES gibt es nun viel mehr Mög­lich­kei­ten und gegen­sei­ti­ge Abhän­gig­kei­ten beim Ein­bau der Räu­me.

Gespielt wer­den zwei Run­den, in denen wie­der­um vier­mal Räu­me aus­ge­sucht und ange­baut wer­den. Danach erfolgt dann eine umfang­rei­che Abrech­nung für die jewei­li­gen Schlös­ser, da jeder Raum mehr oder weni­ger ein­zeln gewer­tet wer­den muss. Trotz der gan­zen Koope­ra­tio­nen gibt es dann aber nur einen Sie­ger. Dafür ver­glei­chen die Spie­ler ihre Punk­te­wer­te – aller­dings nur die Punk­te­wer­te, die das jeweils schlech­tes­te Schloss erbracht hat. Da es dann zwangs­läu­fig zu einem ers­ten Gleich­stand kommt, fließt nun auch noch das ande­re Schloss in die Bewer­tung ein. Ziel ist es also, bei­de Schlös­ser, an denen man mit­baut, gleich­mä­ßig wert­voll her­zu­stel­len.

Das gefällt mir nicht so gut: ich habe es schon bei den Illus­tra­tio­nen ange­spro­chen: die Sym­bo­le auf den Kar­ten sind viel zu klein! Es ist ein­fach unwahr­schein­lich anstren­gend, die vie­len Mini-Sym­bo­le schnell erfas­sen und über­bli­cken zu wol­len. Kommt dann noch eine ungüns­ti­ge Beleuch­tung daher, ist ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN man­chem Mit­spie­ler nicht mehr zuzu­mu­ten. So schön also die Illus­tra­tio­nen auch sind, man hät­te die Sym­bo­lik deut­lich in den Vor­der­grund rücken sol­len. Und nicht nur das: sie hät­te als sol­ches auch noch ein­deu­ti­ger sein kön­nen. So muss man z.B. hin­ter­fra­gen, war­um die Dekor-Sym­bo­le in der rech­ten obe­ren Ecke nicht auch noch farb­lich zu unter­schei­den sind.

Zwischen zwei Schlössern - Wertung
bis die Wer­tung flutscht, muss man schon ein paar Par­ti­en auf dem Buckel haben

Vor allem bei Spie­len mit Neu­lin­gen fällt auf, dass man gefühlt fast genau­so lang mit der End­wer­tung beschäf­tigt ist wie mit dem Spie­len an sich. Die Regel sieht zwar vor, dass jeder Spie­ler simul­tan sein lin­kes Schloss abrech­net. Die Wirk­lich­keit zeigt aber, das damit Neu­lin­ge über­for­dert sind, so dass eigent­lich immer ein Schloss nach dem ande­ren gewer­tet wird – und das kos­tet Zeit, die nicht wirk­lich im Ver­hält­nis zur Spiel­zeit steht. Bei erfah­re­nen Mit­spie­lern ist das natür­lich kein Pro­blem. Aber dazu muss es eben erst ein­mal kom­men. Auch hät­te ich mir ger­ne noch ein paar Stif­te in der Spiel­box gewünscht. Ich weiß, dass das eigent­lich nicht zu erwar­ten ist. Aber wenn schon solch tol­le Inlays dabei sein, dann wür­de ein Satz klei­ner Blei­stif­te die­sen an sich sehr guten Mate­ri­al-Ein­druck abrun­den. Die­ses Anspruchs­den­ken ist also ein wenig der Fluch der guten Tat.

Bei Par­ti­en mit unge­ra­der Mit­spie­le­ran­zahl kommt es sys­tem­be­dingt zur Situa­ti­on, dass ein Spie­ler für kur­ze Zeit nicht ins Spiel­ge­sche­hen ein­ge­bun­den ist, weil die ande­ren Spie­ler als Pär­chen dis­ku­tie­ren. Das ist aber meist nur von kur­zer Dau­er und muss aus­ge­hal­ten wer­den. Ner­vig wird das nur dann, wenn ein Paar der Mei­nung ist, alle Even­tua­li­tä­ten aus­rech­nen zu müs­sen. Aber das ist dann eher ein Spie­ler­pro­blem als ein Spiel­pro­blem.

Zwischen zwei Schlössern - Übersichten
die Über­sichts­kar­ten sind drin­gend not­wen­dig, aber auch gut gestal­tet

Das gefällt mir gut: In mei­nen Augen ist ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN eine sehr gute Wei­ter­ent­wick­lung von BETWEEN TWO CITIES. Letz­te­res ist ein schö­ner Ein­stieg in die Welt des Draf­ting-Mechs­ni­mus. Aller­dings fehlt dort auf Dau­er die Tie­fe. Genau die­se kommt nun aber durch das anspruchs­vol­le­re Bau­en der ein­zel­nen Räu­me ins Spiel. Man ist nicht mehr von einem bestimm­tes Ras­ter abhän­gig und kann frei­er bau­en. Dabei sind dann aber die ver­schie­de­nen Ver­flech­tun­gen der ein­zel­nen Räu­me zu beach­ten. Die­se sind durch­aus kom­plex, aber durch die guten Über­sich­ten recht schnell zu durch­schau­en. Natür­lich ist hier­bei auch ein gewis­ser Glücks­fak­tor im Spiel. Wenn man par­tout nicht den einen Raum­typ oder die favo­ri­sier­te Deko­ra­ti­on in die Hän­de bekommt, dann kann das ein wenig frus­trie­rend sein. Aller­dings geht das eigent­lich allen Spie­lern so und außer­dem muss man ja zwei Schlös­ser ver­nünf­tig bau­en und nicht nur eines.

Das gemein­sa­me Bau­en funk­tio­niert übri­gens pri­ma. Dadurch fühlt sich ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN auch eher wie ein koope­ra­ti­ves Spiel an, obwohl es natür­lich am Ende genau das nicht ist. Aller­dings blen­det man das Spie­len­de meis­tens aus und ver­sucht wäh­rend der Par­tie ein­fach nur die bes­ten Räu­me für die jewei­li­gen Schlös­ser aus­zu­su­chen. Reicht das am Ende, freut man sich – und wenn nicht, dann hat man jeden­falls gemein­sam(!) viel Spaß gehabt.

Die­ser Spaß wird noch erhöht, wenn man sich die Zeit nimmt, die Schlös­ser genau­er anzu­se­hen. Denn die ein­zel­nen Räu­me strot­zen nur vor Anspie­lun­gen aller Art. Wer genau hin­schaut, erkennt schon eine Men­ge Eas­ter-Eggs aus der Pop­kul­tur oder auch ande­re uner­war­te­te Details.

Erstaun­lich gut funk­tio­niert übri­gens auch die 2-Per­so­nen-Vari­an­te. Ich fin­de es aber gut, dass der Ver­lag sehr deut­lich macht, dass die­se Vari­an­te nicht dem Regel­fall ent­spricht und das Spiel kon­se­quent für 3 bis 7 Spie­ler aus­weist (mit dem Hin­weis auf die 2-Per­so­nen-Vari­an­te). Denn die­se Vari­an­te lässt ein ganz ande­res Spiel­ge­fühl ent­ste­hen. Sie hat somit ihre Daseins­be­rech­ti­gung auch wenn es eben nicht das eigent­li­che Spiel ist.

Lobend muss man natür­lich noch­mals die Aus­stat­tung erwäh­nen. Die ist wirk­lich top – und das nicht nur wegen der Sor­tier­bo­xen. Auch die Spiel­hil­fen sind gut durch­dacht und ein Wer­tungs­block wird bei ande­ren Spie­len immer noch ger­ne ver­ges­sen. Dem steht die Spiel­re­gel übri­gens mit ihrer guten Glie­de­rung und den vie­len Bei­spie­len in nichts nach. Ich wün­sche mir dann in ein paar Jah­ren eine "Giant Ver­si­on" mit dop­pelt so gro­ßen Plätt­chen, auf dass man nicht nur die Sym­bo­le son­dern auch die Illus­tra­tio­nen noch bes­ser erken­nen kann. Bis dahin habe ich dann hof­fent­lich auch den ent­spre­chend not­wen­di­gen gro­ßen Spie­le-Tisch zu Hau­se.

Zwischen zwei Schlössern - James Bond
das hei­mat­li­che Anwe­sen von James Bond?

Fazit: Es ist nie leicht, ein Brett­spiel für grö­ße­re Grup­pen zu fin­den, wenn die­ses einer­seits kein Par­ty­spiel sein und ande­rer­seits auch einen gewis­sen Anspruch auf­wei­sen soll. In die­ser Kate­go­rie ist 7 WONDERS sicher­lich der Platz­hirsch. Aller­dings ist ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN ein ernst­haf­ter Kon­kur­rent – zumin­dest dann, wenn die Mit­spie­ler kei­ne Pro­ble­me mit den viel zu klei­nen Sym­bo­len haben. ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN ist zwar ein kom­pe­ti­ti­ves Spiel, fühlt sich aber durch das gemein­sa­me Bau­en eher wie ein koope­ra­ti­ves Spiel an. Genau in die­sem Punkt unter­schei­det es sich auch von 7 WONDERS und ist des­we­gen eine ernst­zu­neh­men­de Alter­na­ti­ve.

Titel Zwi­schen zwei Schlös­sern
Autor Ben Ros­set und Mat­thew O'Malley
Illus­tra­tio­nen Lau­ra Bevon, Agniesz­ka Dabro­wiecka und Bart­lo­miej Kordow­ski
Dau­er 45 bis 60 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl (2 bzw.) 3 bis 7 Spie­ler
Ziel­grup­pe bau­af­fi­ne Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag Feu­er­land Spie­le
Jahr 2018

Ich bedan­ke mich bei Feu­er­land für die Mög­lich­keit, das Spiel zu einem ver­güns­tig­ten Preis zu erwer­ben. Ich bin mir sicher, dass durch die­sen Rabatt mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere