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Rebirth von Reiner Knizia – erschienen bei Frosted Games

Rebirth - Box
Bild: Fros­ted Games

Nimmt man nur den Titel als Grund­la­ge, dann könn­te man in Ver­su­chung kom­men, REBIRTH in eine the­ma­ti­sche Rei­he mit IERUSALEM: ANNO DOMINI ein­zu­ord­nen. Aber nein, die­se Wie­der­ge­burt hat nichts mit Jesus und dem nahen­den Oster­fest gemein. 

The­ma: Viel­mehr dür­fen wir ein wei­te­res Mal fest­stel­len, dass die Mensch­heit anschei­nend einen Hang hat, zer­stö­re­risch zu wir­ken. Zumin­dest Schott­land und Irland sind in Schutt und Asche gelegt. War­um? Wie­so? Wes­halb? Egal, wich­tig ist nur der unbän­di­ge Opti­mis­mus, dass alles in Zukunft bes­ser wird. Wenn, ja wenn ... Aber phi­lo­so­phi­sche Fra­gen wer­den gar nicht gestellt. Erst ein­mal muss in die Hän­de gespuckt und alles Alte neu auf­ge­baut wer­den. Des­we­gen errich­ten wir vor­nehm­lich auch kei­ne Wohn­häu­ser, Indus­trie­an­la­gen oder ande­ren Schnick­schnack, son­dern Bur­gen, Kathe­dra­len und ecki­ge Rund­tür­me. Und nein, the­ma­tisch kann REBIRTH nicht wirk­lich punkten.

Rebirth - Detail 02
kla­res Design trifft auf schö­ne Illustrationen

Illus­tra­tio­nen: Die künst­le­ri­sche Gestal­tung von REBIRTH ist ein Gemein­schafts­werk der pol­ni­schen Illus­tra­to­rin­nen Anna "Mika­do" Przy­byl­ska und Kate "ves­ner" Rede­si­uk. Die bei­den schaf­fen eine ziem­lich lieb­lich anmu­ten­de unter­ge­gan­ge­ne Welt. Das hat den Vor­teil, dass die Wenigs­ten das The­ma hin­ter­fra­gen und lie­ber in eige­nen grün-domi­nier­ten Bil­dern von Schott­land und Irland schwel­gen. Ledig­lich die dezen­ten Wind­rä­der und Luft­tur­bi­nen ver­wir­ren das ansons­ten vor­herr­schen­de Mit­tel­al­ter-Gefühl . Unab­hän­gig davon wird REBIRTH fast aus­schließ­lich als wun­der­hübsch ange­se­hen, was erfolg­reich dazu ein­lädt, es auch spie­le­risch ent­de­cken zu wollen.

Rebirth - Übersicht
RE-Wood für REBIRTH

Aus­stat­tung: RE-Wood lau­tet die ande­re Zau­ber­for­mel der Tisch­prä­senz von REBIRTH. Denn die Bur­gen aus die­sem beson­de­ren Mate­ri­al, wel­ches uns erst­mals in KUTNA HORA in die Fin­ger kam, wol­len ange­fasst und plat­ziert wer­den. Die sta­pel­ba­ren Kathe­dra­len­mar­ker hät­ten dage­gen ger­ne etwas weni­ger fid­de­lig sein dür­fen. Größ­ten­teils haben wir jedoch klei­ne Papp-Plätt­chen in unse­ren Fin­gern, die sogar für jede Spiel­far­be unter­schied­lich geformt sind. Kar­ten und ein dop­pel­sei­ti­ger Spiel­plan kom­plet­tie­ren das über­zeu­gen­de Spielmaterial.

Rebirth - Spielplan
wie­der­auf­ge­bau­tes Schottland

Ablauf: Bin ich am Zug, lege ich ein früh­zei­tig gezo­ge­nes Papp-Plätt­chen auf dem Spiel­plan ab. Ähn­lich wie bei CARCASSONNE oder KINGDOM BUILDER beschränkt uns das Spiel auf genau die­se eine Tätig­keit. Und genau wie bei die­sen genann­ten Klas­si­kern pas­siert trotz­dem so eini­ges. Ver­grö­ße­re ich bestehen­de Pflanz- oder Ener­gie­ge­bie­te erhö­hen sich kumu­lie­rend mei­ne Punk­te. In Städ­ten kämp­fen wir um Mehr­hei­ten, eben­so bei Burg­um­ge­bun­gen. Schließ­lich erhal­ten wir noch per­sön­li­che Wer­tungs­kar­ten mit Ziel­vor­ga­ben, wenn wir benach­bart zu Klös­tern bau­en – zumin­dest dann, wenn wir in Schott­land aktiv sind.

Rebirth - Rundtürme Irland
gemein­sa­me Zie­le in Irland

Wen­den wir dahin­ge­gen den Spiel­plan, besie­deln wir Irland und bekom­men eine Regel­va­ri­an­te prä­sen­tiert. Die Klös­ter wer­den durch Rund­tür­me ersetzt, die uns Boni gewäh­ren. Zu wer­ten­de Zie­le sind wei­ter­hin vor­han­den, nun aller­dings in Kon­kur­renz mit den Mit­spie­len­den. Wer die­se aus­lie­gen­den Zie­le frü­her erfüllt, erhält eine höhe­re Punktebelohnung.

Rebirth - Unklarheiten
für man­che viel­leicht klar – der Groß­teil gerät gedank­lich ins Stocken

Das gefällt mir nicht so gut: Grund­sätz­lich ist REBIRTH sehr ein­gän­gig. Trotz­dem beob­ach­te ich häu­fig Details, die mei­ne Mit­spie­len­den ins Strau­cheln brin­gen. Am Augen­fäl­ligs­ten ist das bei den Ziel­kar­ten. Die­se sind größ­ten­teils klar und ein­deu­tig for­mu­liert und berei­ten kei­ne Ver­ständ­nis­schwie­rig­kei­ten. Aber lei­der nur größ­ten­teils. Bei man­chen ver­wirrt der beschrei­ben­de Text mehr, als dass er eine Hil­fe ist. Man erkennt gut an den Gesich­tern, ob eine sol­che Kar­te auf die Hand genom­men wur­de oder nicht. Die­se Ver­un­si­che­rung beim Lesen des Geschrie­be­nen. Was ist damit gemeint? Was will die Kar­te von mir? In locke­ren Run­den wird eine sol­che Kar­te ent­we­der ach­sel­zu­ckend zur Kennt­nis genom­men ("mir egal; mal schau­en, was ich dafür am Ende für Punk­te erhal­te") oder direkt offen nach­ge­fragt. In ambi­tio­nier­ten Run­den wol­len sich die meis­ten Leu­te dabei aber kei­ne Blö­ße geben und man sieht, wie es in ihnen rumort. Oft wird dann nach der Anlei­tung gefragt, die dabei aller­dings kei­ne gro­ße Hil­fe ist. Das eigent­li­che Pro­blem wird jedoch nicht kund­ge­tan, denn die ande­ren könn­ten dar­aus Rück­schlüs­se zie­hen und ihr Spiel auf die­se Wer­tungs­kar­te anpas­sen. Für die­se Fäl­le hät­te ich mir ein­gän­gi­ge­re For­mu­lie­run­gen oder ein klei­nes Glos­sar für die Wer­tun­gen mit aus­führ­li­chen Erklä­run­gen gewünscht. Im End­ef­fekt bin ich mitt­ler­wei­le dazu über­ge­gan­gen, die­se Kar­ten im Vor­feld aus­führ­lich zu erklä­ren. Über­wie­gend mit mäßi­gem Erfolg, weil die­se Erläu­te­rung wie­der ver­ges­sen ist, wenn der Fall auf­tritt. Und dann sieht man wie­der die­se nach Hil­fe haschen­den Gesichter.

Ich bin ohne­hin über­rascht, wie oft klei­ne Feh­ler bei REBIRTH gemacht wer­den. Vor allem in Ein­stiegs­run­den wird ger­ne ver­ges­sen, die Kathe­dra­len­mar­ker zu set­zen. Irgend­wann fällt das wie­der ein und dann wird ver­sucht zu rekon­stru­ie­ren, ob jetzt ver­ges­sen wur­de einen Mar­ker zu set­zen oder eine Kar­te zu zie­hen. Auch der Mehr­hei­ten-Kampf um die Bur­gen wird oft­mals nicht sofort durch­drun­gen. Wann wie wel­che Plätt­chen zäh­len? Das ist nicht unbe­dingt ein­gän­gig. Erst zäh­len die Stadt­plätt­chen, dann wie­der nicht und am Ende doch? Wenn das Prin­zip ver­stan­den ist, ergibt es Sinn und ist auch reiz­voll. Anfangs ist das jedoch eine zu über­win­den­de Klippe.

Rebirth - Detail 01
je vol­ler der Plan, umso gerin­ger die Optionen

Ein wenig hade­re ich mit dem Span­nungs­bo­gen. Schon zu Beginn for­dert REBIRTH von uns rele­van­te Ent­schei­dun­gen. Sel­ten wer­den Plätt­chen ein­fach mal so gelegt. Aller­dings haben wir anfangs auch noch gro­ße Frei­hei­ten. Je enger der Spiel­plan wird, umso nöti­ger scheint es, die ein­zel­nen Situa­tio­nen genau­er ana­ly­sie­ren zu müs­sen. An wel­chen Mehr­hei­ten kann ich noch etwas ändern? Wo muss ich noch aktiv wer­den, um mei­ne Wer­tungs­kar­ten zu erfül­len? Und womit erhal­te ich das Maxi­mum an Punk­ten? Das anfangs rasan­te Spiel­ge­fühl wird spä­ter spür­bar ein­ge­bremst. Und wenn es ganz unglück­lich läuft, sind die letz­ten Plätt­chen sogar rela­tiv bedeu­tungs­los, weil die Situa­tio­nen ohne­hin schon zemen­tiert sind.

Rebirth - Detail Irland
REBIRTH macht aus wenig viel

Das gefällt mir gut: REBIRTH fühlt sich im posi­ti­ven Sinn alt­mo­disch an. Statt, wie in den letz­ten Jah­ren domi­nie­rend, eine eige­ne Aus­la­ge kon­ti­nu­ier­lich zu ver­bes­sern, pas­siert bei REBIRTH alles auf dem gemein­sa­men Spiel­plan. Ich habe ledig­lich das eine Plätt­chen zur Ver­fü­gung und muss dar­aus das Bes­te machen. Das ist ein­fach und for­dernd zugleich. Mal habe ich zwei oder drei gute Optio­nen, zwi­schen denen ich mich ent­schei­den muss. Mal ver­zwei­fe­le ich, weil ich doch viel lie­ber ein ande­res Plätt­chen gezo­gen hät­te und nun Angst um eine Bur­gen-Mehr­heit oder eine Stadt­kon­trol­le habe. Immer wie­der ist da die­ser klei­ne Ner­ven­kit­zel vor­han­den, wenn ich ein neu­es Plätt­chen auf­de­cke. Und das nicht nur bei mir selbst. Denn ich bin jeder­zeit dar­an inter­es­siert, was mei­ne Mit­spie­len­den machen – schließ­lich hat deren Han­deln direk­te Aus­wir­kung auf mei­ne Pläne.

Rebirth - Klosterkarten
Punk­te brin­gen­de Leit­li­ni­en – aber sel­ten Gamechanger

Gezo­ge­ne Kathe­dra­lenkar­ten kön­nen dabei hilf­reich eine Rich­tung vor­ge­ben. Aller­dings domi­nie­ren sie auch nicht, wes­we­gen der damit ver­bun­de­ne Zufall pas­send wirkt. REBIRTH ist ohne­hin von Zufall getrie­ben. Ob ich jetzt ein Nah­rungs­plätt­chen oder ein Ener­gie­plätt­chen zie­he? Zufall. Ob jemand ande­res die Stadt­ent­wick­lung been­den kann oder nicht? Zufall. Ob mei­ne gezo­ge­ne Ziel­kar­te passt oder nicht? Eben­falls Zufall. Aller­dings ist das Spie­len auf die Kathe­dra­len und somit die Ziel­kar­ten eine bewuss­te Ent­schei­dung. Je frü­her ich die­se ken­ne, umso eher kann ich dar­auf hin­wir­ken, die Anfor­de­run­gen zu erfül­len – habe dann aber viel­leicht einen Fli­cken­tep­pich an Sym­bo­len auf dem Spiel­plan und wer­de von denen aus­ge­lacht, die Run­de für Run­de fet­te Punk­te aus gro­ßen Gebie­ten gene­rie­ren. Mir per­sön­lich gefällt das schot­ti­sche Zufalls­ele­ment jeden­falls bes­ser als die offe­nen Infor­ma­tio­nen der Irland­sei­te. Per­fekt ist jedoch, dass die­se ange­bo­ten wird. Denn die­se Vari­an­te ist eine vali­de Alter­na­ti­ve, wenn sich an dem zusätz­li­chen Zufalls­ele­ment der Kathe­dra­lenkar­ten gestört wird.

REBIRTH ska­liert gut zwi­schen unter­schied­li­chen Per­so­nen­men­gen. Im 4‑Per­so­nen-Spiel wer­den weni­ger Plätt­chen benö­tigt, im 2‑Per­so­nen-Spiel bestimm­te Spiel­plan­fel­der abge­deckt. So blei­ben die Gebie­te dicht und es herrscht die not­wen­di­ge Konkurrenz. 

Rebirth - persönliches Material
mit die­sem Mate­ri­al spie­le ich gerne

Auch wenn ich mit der ein oder ande­ren For­mu­lie­rung auf den Kar­ten oder in der Anlei­tung hade­re: dem eigent­li­chen Spiel­spaß ste­hen die­se kaum im Wege. Das Sys­tem ist robust genug, klei­ne Feh­ler oder Unklar­hei­ten zu ver­zei­hen. Auf der Haben­sei­te ste­hen außer­dem die Optik und das ver­wen­de­te Mate­ri­al, die in Kom­bi­na­ti­on einen hohen Auf­for­de­rungs­cha­rak­ter besit­zen. REBIRTH zeigt ein­drucks­voll, dass Rei­ner Kni­zia wei­ter­hin zeit­ge­mä­ße Spie­le ent­wi­ckeln kann.

Fazit: REBIRTH bedient sich an der Ein­fach­heit von man­chem Klas­si­ker. Denn anstatt nur über sei­nen eige­nen Kram zu brü­ten, macht es doch viel mehr Spaß, in Kon­kur­renz gemein­sam einen Spiel­plan zu fül­len. Ich bin gespannt, ob auch REBIRTH eines Tages ein sol­cher Klas­si­ker wird. Das Poten­zi­al dazu besteht.

TitelRebirth
AutorRei­ner Knizia
Illus­tra­tio­nenAnna "Mika­do" Przy­byl­ska
Kate "ves­ner" Redesiuk
Dau­er45 bis 60 Minuten
Per­so­nen­an­zahl2 bis 4 Personen
Alter8+
Ziel­grup­petak­tie­ren­de Kennerspielrunden
Ver­lagFros­ted Games
Jahr2025
Hin­weisVie­len Dank an den Ver­lag für die Bereit­stel­lung
eines Rezen­si­ons­exem­plars!

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