fjelfras.de

Top-Liste: positive Überraschungen auf der SPIEL 2024 in Essen

SPIEL Top5

Schon wie­der ist eine SPIEL zu Ende – und schon wie­der gab es eini­ge Ände­run­gen. Auf die wer­de ich wohl die nächs­ten Tage noch in mei­nem all­jähr­li­chen Fazit ein­ge­hen oder aber spä­tes­tens in unse­rer nächs­ten Pod­cast-Fol­ge. Aber nicht alles ändert sich. Und so schrei­be ich die Tra­di­ti­on der posi­ti­ven Über­ra­schun­gen auf der SPIEL 2024 fort.

Aller­dings habe ich auch die­ses Jahr schon wie­der viel zu wenig gespielt und viel zu viel gere­det. Letz­te­res begann schon auf der Neu­hei­ten­show und so kämpf­te ich spä­tes­tens ab Frei­tag ein wenig mit der Stim­me – und ärger­te mich, dass ich kei­ne Ther­mos­kan­ne mit einem war­men Tee dabei hat­te. Aber ich will euch gar nicht mit sol­chen per­sön­li­chen Kin­ker­litz­chen die Zeit steh­len und kom­me gleich zur Sache. Des­we­gen: Vor­hang auf!

7 EMPIRES von Mac Gerdts (erschienen im PD Verlag)

7 Empires - Box
Bild: PD Verlag

7 EMPIRES drückt in mei­nem Spie­le­hirn vie­le rich­ti­ge Knöp­fe: Es ist sehr ele­gant, da ledig­lich 5 Akti­ons­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen. Es ist über­ra­schend, da die Akti­ons­aus­wahl noch nicht tau­send­fach genutzt wur­de. Es ist inter­ak­tiv, da sich 7 Groß­mäch­te um Ter­ri­to­ri­en bal­gen. Und es hat den beson­de­ren Old-School-Charme durch hoch­wer­ti­ge Holz­ma­te­ria­li­en und ein paar Spielkarten.

Hät­te ich die­ses Jahr wie­der ein Vor­freu­de-Lis­te ver­öf­fent­licht, dann wäre 7 EMPIRES recht sicher dar­auf gelan­det. Schließ­lich freue ich mich immer dar­auf, wenn Mac Gerdts ein neu­es Spiel ent­wi­ckelt. Aller­dings war ich mir bis kurz vor der Mes­se unsi­cher, ob das Spiel wirk­lich dort erschei­nen wird. Das Cover sieht in mei­nen Augen immer noch etwas vor­läu­fig aus und irgend­wie war die Infor­ma­ti­ons­la­ge etwas unein­deu­tig – zumal sich vie­le Leu­te in der Vor­be­richts­er­stat­tung eher auf BEYOND THE HORIZON kon­zen­triert haben, was eben­falls eine Neu­erschei­nung des PD Ver­la­ges ist (die­ser über­setzt das Spiel für Cra­nio Games ins Deutsche).

Aller­dings hat mich 7 EMPIRES deut­lich mehr über­zeugt. Nicht nur auf­grund des Spiel­plans habe ich mich oft an mein gelieb­tes DIPLOMACY erin­nert gefühlt. Denn es wird mäch­tig gekämpft. Aller­dings wird min­des­tens genau­so oft auch über ande­re Wege um Ein­fluss gerun­gen. Älte­re Semes­ter ken­nen den Vor­gän­ger im Geis­te IMPERIAL und wis­sen somit um die Beson­der­hei­ten. Wir spie­len näm­lich nicht eine eige­ne Nati­on, son­dern wir besit­zen ledig­lich unter­schied­li­che Ein­flüs­se in die­sen. Somit bil­den sich unter­schied­li­che Alli­an­zen, die wäh­rend des Spiels sehr flui­de sind. Das alles wird mecha­nisch gere­gelt mit einer über­zeu­gen­de Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des Gerdts'schen Ron­dell-Mecha­nis­mus. 7 EMPIRES ist sicher­lich nicht für alle Grup­pen geeig­net, aber ich freue mich schon sehr auf zukünf­ti­ge Partien!

7 Empires - Spielszene
mäch­tig was los in Europa

ETERNITUM von Thomas Carlier (erschienen bei Ornament Games)

Eternitium - Box
Bild: Orna­ment Games

ETERNITIUM kommt in sei­ner klei­nen Schach­tel etwas unschein­bar daher und konn­te somit leicht über­se­hen wer­den – zumal Orna­ment Games als Klein­ver­lag nur einen ent­spre­chen­den Mini­mal­stand auf der SPIEL hat­te. Trotz­dem war dort immer viel los! Kein Wun­der, wur­de das Spiel doch schnell in infor­mier­ten Krei­sen als Geheim­tipp titu­liert – und auch ich haue nun in die­se Kerbe!

ETERNITIUM ist Deck­buil­dung mit zwei-drei schö­nen Knif­fen. Wir ver­su­chen, einen Sta­pel mit Land­schafts­kar­ten abzu­bau­en, indem wir die ent­spre­chen­den Sym­bo­le aus unse­rer Hand aus­spie­len. Zusätz­lich gibt es neue Kar­ten zu kau­fen, die uns dabei durch Spe­zi­al­funk­tio­nen unter­stüt­zen. Aller­dings kommt das Spiel ohne eine Geld­wäh­rung aus. Denn der Clou ist fol­gen­der: neue Kar­ten kau­fe ich mit zusätz­li­chen Land­schafts­kar­ten, die ich dann spä­ter wie­der abbau­en muss. Was für ein cle­ve­rer Gedanke!

Zuge­ge­ben, die Inter­ak­ti­on könn­te bei ETERNITIUM ger­ne noch etwas aus­ge­präg­ter sein, weil sich das Spie­len schon sehr solis­tisch anfühlt. Aber mit dem ent­spre­chen­den Table Talk hat­ten wir trotz­dem eine sehr unter­halt­sa­me Run­de und wir konn­ten schnell ver­ste­hen, war­um die Mund­pro­pa­gan­da voll­auf berech­tigt war.

Eternitium - Spielszene
Deck­bau anders gedacht

AGENT AVENUE von Christian Kudahl und Laura Kudahl (erschienen bei Nerdlab Games)

Agent Avenue - Cover
Bild: Nerd­lab Games

Schon auf der SPIEL 21 hat­te mich ein Spiel von Nerd­lab Games über­rascht: es begann der Sie­ges­zug von MINDBUG. Einer der Autoren, Chris­ti­an Kuh­dal, hat nun zusam­men mit sei­ner Frau Lau­ra ein neu­es Werk in Essen vor­ge­stellt – und das gefällt mir min­des­tens genau­so gut wie MINDBUG.

Denn AGENT AVENUE ist so wun­der­bar direkt. Es ist in fünf Minu­ten erklärt und dau­ert nur maxi­mal etwa 15 bis 20 Minu­ten. Wir bewe­gen unse­re Spiel­fi­gu­ren auf einem Rund­kurs und wol­len dabei die ande­re ein­fan­gen. Unse­re Bewe­gungs­wei­te wird über Kar­ten bestimmt, die sich durch Set-Coll­ec­tion wäh­rend der Par­tie wan­deln. Aber der eigent­lich Clou ist: wenn ich an der Rei­he bin, lege ich zwei Kar­ten für die aktu­el­le Run­de aus. Eine offen, eine ver­deckt – und nun darf die ande­re Per­son wäh­len, wel­che Kar­te von ihr selbst gespielt wird und wel­che ich benut­zen soll. Das reicht schon aus, um eine ganz beson­de­re Dyna­mik zu erzeugen.

Agent Avenue - Spielszene
span­nen­des Räu­ber-und-Gen­darm-Spiel – aber wer ist was?

MEDIUM von Danielle Deley, Lindsey Sherwood und Nathan Thornton (erschienen bei Perdix Spiele)

Medium - Box
Bild: Per­dix Spiele

In mei­nen Pres­se­ge­sprä­chen bit­te ich ger­ne dar­um, die Spie­le und deren Beson­der­heit in maxi­mal drei Sät­zen zu erklä­ren. Wenn ich das für MEDIUM genau­so hand­ha­ben will, kommt fol­gen­des her­aus: Das ist wie JUST ONE – nur andersherum!

Wech­seln­de Team müs­sen ver­su­chen, einen gemein­sa­men Begriff zu fin­den. Aus einer begrenz­ten Anzahl von Hand­kar­ten wird bspw. der Begriff "Bay­ern" aus­ge­spielt und ich suche dann bspw. das Wort "Fei­er­tag" aus. Nun las­sen wir uns ein wenig Zeit zum Über­le­gen und spre­chen dann gleich­zei­tig ein Wort aus, von dem wir der Mei­nung sind, dass wir dadurch einen gemein­sa­men Tref­fer erzeu­gen. Ich habe, um bei dem Bei­spiel zu blei­ben, an Mariä Him­mel­fahrt gedacht. Lei­der war ich bei der Gedan­ken­über­tra­gung aber nicht erfolg­reich, denn aus dem ande­ren Mund erklang "Okto­ber­fest"... Mist – zumal der ande­re Gedan­ke auch etwas hat­te! Nun ver­su­chen wir unser Glück mit den neu­en Begrif­fen, wobei spä­tes­tens mit dem drit­ten Rate­ver­such ein neu­es Team mit neu­en Begrif­fen am Start sein wird.

Die Erfolgs­quo­te dabei ist zwar in man­chen Run­den erschre­ckend gering, aber dem Spaß tut das kei­nen Abbruch. Auch die auf­ge­zwun­ge­nen Pau­sen sind nicht wei­ter schlimm, da ich im Kopf ohne­hin mit­ra­te. Schö­nes Wortspiel!

Medium - Spielszene
über­haupt nicht fotgen

CAMPUS GALLI von Steffen Bogen (erscheint bei HUCH!)

Campus Galli - Box
Bild: HUCH!

Der Cam­pus Gal­lin ist schon ein außer­ge­wöhn­li­cher Ort. Denn in der Nähe der baden-würt­tem­ber­gi­schen Klein­stadt Meß­kirch wird unter Ver­wen­dung aus­schließ­lich früh­mit­tel­al­ter­li­cher Arbeits­tech­ni­ken ein Klos­ter­kom­plex errich­tet. Ich war noch nicht dort, aber mei­ne Neu­gier­de ist nun geweckt. Ich bin mir sicher, dass ich mir die­se Bau­stel­le in naher Zukunft anse­hen werde.

Die gleich­na­mi­ge Neu­erschei­nung von Stef­fen Bogen spielt mit die­ser Beson­der­heit. Wir haben Bau­plä­ne und wer­den belohnt, wenn wir die­se pass­ge­nau erfül­len – wobei wir auch die Frei­hat haben, an der ein oder ande­ren Stel­le abzu­wei­chen. Das Spiel beinhal­tet meh­re­re Modu­le und wir haben auf der Mes­se ledig­lich das Ein­stiegs­mo­dul gespielt, was ent­spre­chend zugäng­lich war. Laut der Erklä­rung brin­gen die nach­fol­gen­den Modu­le noch deut­lich mehr Tie­fe ins Spiel.

Aller­dings war ich schon vom ers­ten Modul posi­tiv über­rascht, wofür vor allem die inter­es­san­te Akti­ons­aus­wahl über Kar­ten ver­ant­wort­lich war. Über ein ganz ein­fa­ches Sys­tem wird die Bau­rei­hen­fol­ge bestimmt. Je frü­her wir zugrei­fen, des­to eher sind die inter­es­san­ten Bau­plät­ze und Zusatz­auf­ga­ben noch frei – aller­dings müs­sen wir dann meist zufäl­lig die Gebäu­de­tei­le aus einem Sack zie­hen. Sind wir spä­ter an der Rei­he, haben wir mehr zwar Kon­trol­le aber viel­leicht dann auch weni­ger Sieg­punk­ter­zeu­ger. Die­se Risi­ko­ab­wä­gung erzeug­te einen Spiel­reiz, den ich auf­grund der eher sprö­den äuße­ren Auf­ma­chung gar nicht erwar­tet habe.

Campus Galli - Spielszene
nicht vom sprö­den Charme ver­schre­cken lassen

Kommentar hinzufügen