zuletzt gelesen: Das Schiff des Theseus von V. M. Straka (bzw. J. J. Abrams und Doug Dorst)
Lange nichts mehr in dieser Kategorie geschrieben – was auch daran lag, dass ich einen wahren Brocken gelesen habe. Und was für einen! Mit Fug und Recht kann ich wohl behaupten, dass DAS SCHIFF DES THESEUS eines der besten Bücher war, die ich je gelesen habe!
Die lange in Anspruch genommene hat auch einen einfachen Grund: ich habe das Buch nämlich mehrfach gelesen. Warum? Das liegt an der einzigartigen Struktur des Buches. Einerseits gibt es den eigentlichen Abenteuerroman DAS SCHIFF DES THESEUS, dass vom fiktiven Autor V.M. Straka geschrieben ist. Andererseits entspinnt sich eine Geschichte von zwei Literaturstudenten (Eric und Jen), die über in das Buch geschriebene Randnotizen miteinander kommunizieren. Darin versuchen sie dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, wer dieser ominöse V. M. Straka war. Verwirrend ist dabei, dass diese Randbedingungen zu verschiedenen Zeiten geschrieben sind, da Eric und Jen das Buch mehrfach durchgelesen und immer wieder Stellen kommentiert haben (bzw. aufeinander reagieren). Dank der hervorragenden Aufmachung kann man aber auch hier eine Chronologie feststellen, da beide zu bestimmten Zeiten unterschiedliche Stiftfarben für die Randnotizen benutzt haben. Außerdem liegen dem Buch noch ganz viele Einlagen bei: Zeitungsausschnitte, Postkarten, Fotos...
Als Leser ist man nun vor die Wahl gestellt, alles auf einmal zu lesen oder nacheinander. Ich habe zuerst den ersten Weg versucht, mich dann aber für dieses Vorgehen entschieden:
- den eigentlichen Roman mit Vorwort lesen – dabei kann man die grauen Kommentierungen von Eric ruhig mitlesen
- die dunkelblauen Randbemerkungen von Jen und die schwarzen von Eric lesen
- die orangenen Randbemerkungen von Jen und die grünen von Eric lesen
- die lila Randbemerkungen von Jen und die roten von Eric lesen
- am Ende schreiben beide nur noch in schwarz
Die Einlagen habe ich eigentlich alle im zweiten Durchgang gelesen, auch wenn sie teilweise erst im dritten oder vierten relevant wurden (dann habe ich sie nochmals gelesen). Wem übrigens das Missgeschick passiert, dass einem alle Einlagen raus gefallen sind, dem lege ich diese Auflistung vom KiWi-Verlag ans Herz.
Ohnehin kann man dem KiWi-Verlag nur danken, dass sie dieses komplexe Werk überhaupt ins Deutsche übertragen haben – inklusive aller Einlagen, die ebenfalls übersetzt wurden. Was das für eine Arbeit und Aufwand gewesen sein muss! Dadurch erklärt sich auch der relativ hohe Preis des Buches, welches aber jeden Cent wert ist. Alles ist so schön auf alt und gebraucht gemacht – da fehlen noch nicht einmal die Stempel der Leihbücherei auf dem hinteren Buchdeckel. DAS SCHIFF DES THESEUS ist einfach nur überragend gestaltet!
Über den Inhalt will ich gar nicht all zu viel schreiben. Der Titel legt es schon nahe, dass es um eine Identitätssuche geht – denn Das Schiff des Thesus ist ein antikes philosophisches Paradoxon. Diese Suche muss einerseits der Held des Romans erleben, erstreckt sich aber auch auf die Rahmenhandlung über den mysteriösen V. M. Straka.
Die beiden eigentlichen Autoren (der bekannte Produzent, Regisseur, Autor... J. J. Abrams und Doug Dorst) zeigen, was das Medium analoges Buch für einen immensen Reiz entwickeln kann. Die Beilagen laden zum Abschweifen ein – zumal auch nicht alle Rätsel aufgelöst werden. So muss z.B. die beiliegende Decheffrierscheibe selbst benutzt werden (oder man sucht in den Weiten des World Wide Web). Ohnehin lebt die Geschichte im Internet weiter. Ich empfehle einfach mal "V. M. Straka" in die Suchmaschine einzugeben.
S. – DAS SCHIFF DES THESEUS ist ein Erlebnis, was ich jedem Leser dringend ans Herz legen möchte. Schöner, spannender und sinnlicher kann das Lesen eines Buches kaum sein!













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