zuletzt gelesen: "Der schlauste Mann der Welt" von Andreas Eschbach
Schon in meiner Schulzeit habe ich mich oftmals gefragt: bin ich besonders schlau – oder habe ich einfach eine Menge Glück? Im Endeffekt war mir die Antwort egal und so oder so konnte ich meine Schulzeit entsprechend genießen. Beim nun gelesenen DER SCHLAUSTE MANN DER WELT bin ich mir dahingegen sicher, dass DER GLÜCKLICHSTE MANN DER WELT der passendere Titel gewesen wäre. Denn natürlich besitzt Protagonist Jens Leunich eine gewisse Schlauheit. Aber wenn wir seinen fiktiven Lebensbericht lesen, erkennen wir schnell, dass da jemand mächtig von Fortuna geküsst wurde.
Die Handlung des Buches lässt sich schwer nacherzählen. DER SCHLAUSTE MANN DER WELT ist ein verkürzter Lebensbericht, der ganz viele Sachen andeutet und noch mehr auslässt. Trotzdem las ich erstaunlich gefesselt. Das liegt meiner Meinung nach an dem besonderen Stil des Buches. Alles wirkt so lebensecht. Da hackt jemand in ein paar Tagen seine Lebensgeschichte in sein Laptop. Nicht immer motiviert, manchmal aber von der Zeit getrieben – und wir sind mehr oder weniger live dabei. Wir erleben Banalitäten, aber gehen auch philosophischen Fragen nach. Wir verfolgen ein Leben und denken dabei über unseres nach.
Dabei fühlt es sich so an, als ob Andreas Eschbach lediglich eine kleine Schreibstudie durchgeführt hat: Da ist eine interessante Idee, lass doch mal schauen, ob ich die gut umgesetzt bekomme. Da klingt jetzt vielleicht despektierlich, aber so ist es gar nicht gemeint. Vielmehr finde ich es bewundernswert, wie leichtfüßig wir den ganzen Gedanken folgen, wie cool der Sound ist. Das Buch weist eine besondere Tonlage auf, die ich sehr genossen habe. Dabei war es mir letztlich egal, ob das ganze Szenario nun realistisch ist oder nicht. Mir gefielen die vermittelten Gedanken.
Denn das ist der Nachteil eines meditativen Lebens: Man hat nicht viel zu erzählen, das andere interessant finden. Die interessanten Erzählungen entstehen aus überwundenen Schwierigkeiten; versteht man es, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, fällt die erzählerische Ernte dünn aus.
Andreas Eschbach – Der schlauste Mann der Welt, S. 33 (E‑Book)









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