zuletzt gelesen: Liebe in Zeiten des Hasses: Chronik eines Gefühls 1929–1939 von Florian Illies
In 1913 fasst Florian Illies in unnachahmlicher Art und in vielen Anekdoten das Jahr vor dem ersten Weltkrieg zusammen. In LIEBE IN ZEITEN DES HASSES nimmt er sich gleich ein ganzes Jahrzehnt vor.
Wahrscheinlich hätte er auch genug Situationen für lediglich ein Betrachtungsjahr gesammelt, durch den gewählten Zeitraum wird aber der Wandel deutlich, den insbesondere Deutschland in der Zeit von 1929 bis 1939 durchlebt hat. Das Ende der "Goldenen 1920er Jahre", der Beginn der Nazi-Herrschaft und dann das Herbeiführen des 2. Weltkriegs wird anhand von verschiedenen Biographien erlebbar. Dabei wird uns vor Augen geführt, wie reich die deutsche Kulturszene einst einmal war und wie viel durch das Wirken der Nazis verloren ging. Uns wird deutlich, was Ideologie, Hass und politischer Fanatismus anrichten können – und gibt uns somit eine universelle Mahnung auf den Weg.
Das Hauptthema des Buches ist aber die Liebe – oder zumindest zwischenmenschliche Beziehungen. Oftmals war ich überrascht von den ganzen Wechselspielchen der einzelnen Protagonisten. Durch die vielen Sprünge musste ich sehr aufmerksam lesen, was dem Vergnügen an Inhalt und Sprache aber nicht abkömmlich war. Dabei hatte ich den Eindruck, dass durch die einzelnen Szenen recht gut die jeweiligen Charaktere vermittelt werden. Wie viel davon letztendlich Fakt und Fiktion ist, ist mir gar nicht so wichtig. Denn es wird ein Gefühl für die Zeit vermittelt, für die Veränderungen und auch für die vielen persönlichen Umbrüche. Deswegen ist LIEBE IN ZEITEN DES HASSES in meinen Augen äußerst lesenswert!
Sie bittet ihn stattdessen, sich doch endlich scheiden zu lassen von Dora, seiner Frau. Das sei ihr einziger Traum. Dann gibt es Frühstück, die Stimmung ist wie eine müde Scheibe Roggenbrot.
Florian Illies – Liebe in Zeiten des Hasses, S. 14 (E‑Book)









Kommentar hinzufügen