Qualityland von Marc-Uwe Kling

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Ich gebe es zu: ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass Marc-Uwe Kling auch etwas anderes kann als Känguru-Geschichten. Und gleich vorweg: ich habe mich mächtig geirrt!

Nachdem ich die Känguru-Triologie beendet hatte und im Nachklapp noch das ein und das andere Spiel dazu kloppte, war ich mir sicher, dass man nun nichts mehr relevantes von Marc-Uwe Kling hören würde. Pustekuchen! Denn anstatt bekannte Pfade weiter auszutreten, entführt uns Marc-Uwe Kling nun in die Zukunft – und diese ist düster. Völlig digitalisiert wird das Leben von den allgegenwärtigen Algorithmen bestimmt. Die Profile bei den Datensammlern des Alltags bestimmen nicht nur das aktuelle Leben, sondern noch viel mehr auch die eigene Zukunft. Als bequemer Mensch nimmt man da sehr viel hin – und wird vielleicht erst dann hellhörig, wenn man unaufgefordert einen rosafarbenen Delfinvibrator zugeschickt bekommt. Aktuell würde man diesen vielleicht noch zurück geben können – nicht aber in der Zukunft von QUALITYLAND.

Das ist nur ein kleiner Ausblick auf die vielen Absurditäten, die uns in QUALITYLAND begegnen werden. Natürlich kommt der Humor dieser Realsatire nicht zu kurz. Aber wenn man dann wieder die neuesten Tweets von Donald Trump oder von unbelehrbaren AFD-Sympathisanten liest, dann bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Denn vieles, was Marc-Uwe Kling beschreibt, erweckt den Anschein, dass diese Begebenheiten einfach nur konsequent zu Ende gedacht wurden. Wie schon bei den Känguru-Chroniken ist also vieles auch Gesellschaftskritik. Und natürlich kommen auch die Fans der Känguru-Chroniken nicht zu kurz, denn es sind viele kleine (pinke) Anspielungen dabei – auch in der Metaebene. Allerdings sollte man auch nicht beide Werke zu sehr miteinander vergleichen.

Besonders gut gefällt mir auch der Einfall, zwei verschiedene Versionen des Buches zu veröffentlichen. Die „helle“ Ausgabe hat als Zwischeneinspieler andere Werbe- und Nachrichtenblöcke, als die „dunkle“ Ausgabe. Über einen entsprechenden Link am Ende des Buches kann man dann die alternative Blöcke ebenfalls lesen. So wird aber geschickt deutlich gemacht, in welcher Informationsblase man sich bewegen kann.

Somit ist QUALITYLAND eine echte Empfehlung. Lesen (oder wie schon bei den Känguru-Chroniken: noch besser das Hörbuch genießen) und nachdenken!

Bedenklich nur, dass ich diese Empfehlung auf einem Blog heraus haue. Mal schauen, ob Melissa Sexarbeiterin das kommentieren wird.

Qualityland - Cover

Foto: Ullstein Verlag

 

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