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Schlangenkopf von Ulrich Ritzel

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Vor gut 20 Jah­ren habe ich Ulrich Rit­zel und sein Debüt-Roman Die schwar­zen Rän­der der Glut ken­nen gelernt. Das hat­te mir damals gut gefal­len und so habe ich auch die fol­gen­den Bücher der Rei­he gele­sen. Die haben mich zwar nicht mehr ganz so sehr über­zeugt, aber wenn man mal eine Rei­he ange­fan­gen hat, dann ver­su­che ich schon irgend­wie am Ball zu blei­ben. Aller­dings gab es dann einen inhalt­li­chen Cut, bei dem die eigent­li­che Haupt­fi­gur Kom­mis­sar Bern­dorf aus dem Dienst aus­schied. Das war für mich dann auch der fina­le Grund, eben­falls aus­zu­schei­den. Als ich neu­lich aber in der digi­ta­len Biblio­thek über Schlan­gen­kopf gestol­pert bin, hat mich doch wie­der die Neu­gier gepackt. Was wohl aus dem alten Bern­dorf gewor­den ist?

Alt ist er gewor­den – und so emp­fand ich auch die Spra­che von Rit­zel. Alles nicht mehr ganz zeit­ge­mäß und teil­wei­se unnö­tig kom­pli­ziert. Das passt gut zu einem pri­va­ten Ermitt­ler im Ren­ten­al­ter. Da aber doch recht viel aus ande­ren Per­spek­ti­ven geschrie­ben wird, hat mich die­ser Stil dann doch etwas gestört. Zumal mir auch Bern­dorf selbst zu sehr als der als der alters­wei­se Über­mensch kon­stru­iert ist. Alle um ihn her­um kön­nen es nicht mit sei­ner Lebens­weis­heit auf­neh­men und wir­ken damit inkom­pe­tent und dumm.

Zusätz­lich ist der Plot der­ma­ßen kon­stru­iert, dass es beim Lesen inner­lich weh tat. Ich kann ja mit dem ein oder ande­ren Zufall leben. Aber die vie­len gemein­sa­men Berüh­rungs­punk­te in Schlan­gen­kopf waren mir im End­ef­fekt zu viel. Man hät­te sich ger­ne auf weni­ger Prot­ago­nis­ten beschrän­ken kön­nen, die dann nicht künst­lich mit­ein­an­der ver­wo­ben wer­den müs­sen. Mit die­sen unnö­ti­gen Web­fä­den ein­her gehen dau­ern­de Per­spek­tiv­wech­sel, die mich aber eher gehetzt zurück gelas­sen haben, als dass ich dadurch tie­fe­re Ein­bli­cke in die Per­so­nen bekom­men hät­te. Wirk­li­che Span­nung kam auch nicht auf, so dass ich Schlan­gen­kopf eher als Roman denn als Kri­mi bezeich­nen würde.

Ein­zig das The­ma, den jugo­sla­wi­schen Bür­ger­krieg, fin­de ich gut her­aus­ge­ar­bei­tet – auch wenn hier mei­ner Mei­nung nach wie­der zu gro­ßes Geschütz auf­ge­fah­ren wur­de, um eine Dra­ma­tik zu kon­stru­ie­ren, die es gar nicht benö­tigt hät­te. Denn die sau­ber recher­chier­ten Ver­wick­lun­gen hät­ten auch mit weni­ger Sei­ten­hie­be gegen "die da oben" aus­kom­men kön­nen, um zum Nach­den­ken anzuregen. 

Es ist somit sehr frag­lich, ob ich mir wirk­lich noch­mals einen wei­te­ren Rit­zel zu Gemü­te füh­ren werden. 

Schlangenkopf - Cover
Foto: btb Verlag

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