The Castles of Burgundy (Die Burgen von Burgund) von Stefan Feld – erschienen bei alea (Ravensburger)
Ja, ja, Globalisierung und so. Aus DIE BURGEN VON BURGUND wird nun also THE CASTLES OF BURGUNDY. Das bringt einige Probleme mit sich. Das Bedeutendste ist sicherlich, dass nachfolgende Generationen nichts mehr mit der liebevollen und erstaunlich oft gebrauchten Abkürzung BuBu anfangen können. Manch einer hatte auch BvB im Angebot, wogegen sich aber nicht nur Menschen aus Gelsenkirchen gewehrt haben. Nun ist also BuBu neu aufgelegt worden – und da stellen sich Fragen...
Was bleibt unverändert? Glücklicherweise das außerordentlich gute Spielgefühl. Denn am eigentlichen Spielablauf hat sich nichts verändert und lediglich der ein oder andere kleine Bonus wird nun etwas anders gehandhabt. Aber das war es auch schon von Seiten der Regeln. Apropos Regeln und Anleitung: die ist weiterhin großartig aufgebaut, vermiest aber auch weiterhin aufgrund der minimalen Schriftgröße schlecht sehenden Menschen die Laune. Der Großteil der Änderungen ist somit grafischer Natur bzw. betrifft das Material. Wobei daran auch wieder einiges kritisiert werden kann, so dass sich diesbezüglich also doch wenig geändert hat.
Was ist neu? Hauptsächlich die Illustrationen. Das alte grafische Konzept von Harald Lieske und Julien Delval wurde komplett von Antje Stephan und Claus Stephan überarbeitet. Auffällig sind nun die wesentlich kontrastreicheren Farben, womit alles nicht nur besser zu unterscheiden ist, sondern auch lebhafter wirkt.

Aber es sind nicht nur einzelne Illustrationen neu, sondern es wurde auch viel bei der Anordnung der einzelnen Elemente geändert. Der Spielplan ist nun z.B. doppelseitig bedruckt, was den Vorteil hat, dass nun manche Informationen klarer gestalten werden kann. Denn in der neuen Auflage wird das 4‑Personen-Spiel auf der Vorderseite gezeigt wird und auf der Rückseite der Plan für das 2- und 3‑Personen-Spiel. Zusätzlich ist der Spielplan deutlich gewachsen, so dass sich nun die Siegpunktleiste nicht mehr krampfhaft schlängeln muss.
Die einzelnen Spielertableaus wurden ebenfalls neu überarbeitet. Sie fallen zwar nun ein wenig kleiner aus, trotzdem hat man das Gefühl, dass mehr Platz besteht. Dies liegt daran, dass die Spielhilfen auf eigene kleine Tableaus ausgelagert wurden. Manche haben sich darüber beschwert, dass in diesen Zusammenhang nicht auch die Plättchengröße angewachsen ist. Das finde ich aber gut, denn damit kann man mit den neuen Plättchen auch auf alten Tableaus spielen.
Denn auch wenn in THE CASTLES OF BURGUNDY fast alle bisher erschienenen Erweiterungen in der Box enthalten sind, ist das entscheidende Wort "fast". Ein paar wenige veröffentlichte Tableaus fehlen – und diese kann man zukünftig glücklicherweise trotzdem noch nutzen. Aber fehlen diese wirklich angesichts der Tatsache, dass alle anderen Erweiterungen enthalten sind? Selbst die Tableaus für das Solo- und das Team-Spiel sind vorhanden, so dass man sicherlich eine nicht zu geringe Auswahl hat.
Es sind aber nicht nur die bisherigen Erweiterungen enthalten und an das neue Design angepasst worden, sondern es ist noch eine zusätzliche Erweiterung hinzugekommen. Ganz neu im Spiel sind die Schilde, die mir gut gefallen. Von denen stehen zwar an für sich 18 Stück zur Verfügung, in der Spielvorbereitung kommt aber nur eine begrenzte Auswahl in die Warendepots. Wenn man nun einen Pasch würfelt, kann man auf die eigentlichen Würfelaktionen verzichten und stattdessen einen passenden Schild nehmen. Die Schilde haben dabei tolle Funktionen und schütten am Spielende meist auch noch Punkte aus. Allerdings haben sie auch einen Haken: jeder Schild kostet am Ende einer Runde einen Silbermarker – und diesen muss man bezahlen, bevor die Silberminen aktiv werden. Mit diesem recht unscheinbaren Element kommt eine schöne weitere Entscheidungsmöglichkeit daher. Denn die Funktionen der Schilde reizen doch sehr. Aber man muss diese auch mit Bedacht wählen. Auf alle Fälle hat man nun eine echte Option, wenn man mal wieder einen Pasch eines Würfelwertes wirft, den man eigentlich so gar nicht gebrauchen kann (was doch immer mal wieder passiert). Außerdem kann man natürlich die Würfel mit den Arbeitern so verändern, dass man bewusst einen Pasch erzeugt.
Das Material wurde übrigens auch etwas verändert. Wobei ich dafür gar keine Notwendigkeit besah. Aber gut, jetzt ist die Pappe um ein vielfaches dicker als vorher – wer es braucht. Glücklicherweise sind die Tableaus aber immer noch so dünn wie bisher. Ich weiß, dass sich manche dafür ebenfalls dicke Papp-Tableaus wünschen – und das am liebsten noch mit Vertiefungen für die einzelnen Landschaftsplättchen. Aber meiner Meinung nach sind die ganz flach aufliegenden Tableaus für den Gebrauch am besten geeignet und deswegen bin ich froh, dass diesbezüglich nichts geändert wurde.
Wie gefällt mir der neue Anstrich? Natürlich sind die neuen Illustrationen im ersten Moment sehr ungewohnt und somit auch verwirrend. Hatte ich bisher auf einem Blick alle Plättchen erfassen können, musste ich bei der Neuauflage anfangs immer wieder die Übersicht zu Rate ziehen. Aber diese Verwirrung hat sich schnell gelegt und mittlerweile bin ich ähnlich schnell im Zuordnen der einzelnen Gebäude. Die neuen Illustrationen sind somit in erster Linie Geschmackssache. Ich hätte mir dabei gerne einen noch frischeren Wind gewünscht, kann aber auch mit der nun gewählten Lösung leben. Vor allem muss man ganz wertneutral feststellen, dass Neulinge lieber zur Neuauflage greifen (in dieser Beziehungen waren meine Abfragungen eindeutig). Ich hätte mir gerne nur mehr Mut gewünscht – das genial gestaltete Cover hat diesbezüglich Erwartungen geweckt, die leider nicht eingehalten wurden.
Zumal man auch feststellen muss, dass nur weil eine Sache etwas besser geworden ist, muss sie nicht überzeugend gut sein. Denn meiner Meinung nach bietet die nun vorliegende grafische Gestaltung weiterhin Spielraum für Verbesserungen. Die fehlende Kennzeichnung auf der Vorderseite der "schwarzen" Landschaftsplättchen kann man zur Not auch noch eigenhändig auftragen – schöner wäre es aber gewesen, wenn diese von Anfang an entsprechend vorhanden wäre. Eine Verschlechterung sehe ich bei den "gelben" Wissensplättchen. Diese wurden nun derart umgestaltet, dass sie als Klöster ebenfalls Gebäude darstellen, was natürlich besser in den Gesamtkontext passt. Allerdings geht das zu Kosten der Lesbarkeit. Denn die neuen Plättchen verwenden winzig kleine Symbole, die man wesentlich schlechter als vorher erkennen kann. Ein ähnliches Problem hat man mit den Tieren. Die nun gewählte Illustration passt vielleicht besser in eine gesamtheitliche Betrachtung, weil die Größenverhältnisse etwas realistischer sind. Aber mir als Spieler wäre es wichtiger, auf einen Blick eine gute Zuordnung treffen zu können. Und das wird mir nun leider erschwert.
Die kleinen inhaltlichen Anpassungen bei den gelben Wissensplättchen wiederum finde ich gut. Denn bisher war das 15er-Plättchen schon äußerst siegpunktbringend. In diesem Zusammenhang hätte man vielleicht noch das ein oder andere Tableau anpassen können. Auf der anderen Seite hat man dabei eine so große Auswahl, dass es ruhig leichtere und schwerere geben darf – zumal wir darüber gerne die unterschiedliche Spielerfahrung innerhalb der Gruppe skalieren.
Wie schon beschrieben, sind die Illustrationen in vielerlei Hinsicht Geschmackssache. Allerdings finde ich die teilweise sehr lautstark formulierte Kritik etwas unangebracht. Denn in meinen Augen haben die neuen Illustrationen durchaus ihren Reiz. Die Tableaus wirken nicht mehr so steril, sind aber trotzdem sehr gut spielbar, da die kleinen Details am Rand nicht vom Wesentlichen ablenken. Ähnlich ist es beim Spielplan. Dieser sieht nun wesentlich mehr nach einer mittelalterlichen Stadt aus, ist aber in meinen Augen trotzdem auch funktionaler.

ein Blick auf den Rand lohnt sich 
auch die Anzeige der Spielerreihenfolge als Brücke gefällt mir gut
Ich habe für mich entschieden, dass ich komplett auf die Neuauflage umsteige. Hauptgründe dafür sind, dass ich mit der neuen Grafik Neulinge besser vom Mitspielen überzeugen kann und nun auch alle Erweiterungen in einer Box habe. Vor allem die beiden fehlenden Solo-Tableaus haben es mir angetan, wobei auch die neue Schilde-Erweiterung von nun an bei mir zum festen Repertoire gehört. Vielleicht besorge ich mir aus ästhetischen Gründen noch neue Nachzieh-Beutel, aber bis dahin machen es auch die alten. Es ist übrigens ganz egal, welche Auflage man spielt: man wird mit einem großartigen Eurospiel belohnt!
| Titel | The Castles of Burgundy |
| Autor | Stefan Feld |
| Illustrationen | Antje Stephan und Claus Stephan |
| Dauer | 60 bis 120 Minuten |
| Spieleranzahl | 1 bis 4 Spieler |
| Zielgruppe | Kennerspieler mit Würfelvorliebe |
| Verlag | alea (Ravensburger) |
| Jahr | 2019 |
Ich bedanke mich bei Ravensburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.




























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