Würfelwelten von Jamey Stegmaier – erschienen bei Feuerland Spiele
Nachdem ich mich nun ausgiebig mit den neuesten Flip-and-Write Spielen auseinandergesetzt habe, möchte ich nun gerne auch noch den Fokus auf ein Roll-and-Write Spiel richten. Bei WÜRFELWELTEN könnte man nun zur Einleitung gut das berühmte Würfel-Zitat von Albert Einstein benutzen, aber bevor ich mich in theologische Diskussionen verstricke, stelle ich lieber das Spiel vor.
Thema... hat WÜRFELWELTEN keines – dafür aber eine Geschichte. Zu Beginn der Covid-19-Pandemie hat Autor Jamey Stegmaier ein Roll-and-Write Spiel entwickelt, um es mit vielen Leuten live über Videokonferenzen zu spielen. Ziel war es, ein unendlich skalierbares Spiel zu entwickeln, worauf die Idee von einzelnen Welten entstand. Diese wurden durch Schlüsselelemente aus Spielen Stonemaier Games inspiriert, weswegen die Welten auch wie diese Spiele heißen. Aus dem kleinen Projekt für die in Selbstisolation lebende Community ist aufgrund des vielen positiven Feedbacks am Ende nun eine "richtige" Veröffentlichung geworden.
Illustrationen… sind von Marius Petrescu und Miles Bensky. Allerdings darf man dabei nicht all zu viele Referenzen zu den bestehenden Spielen erwarten. Denn das Hauptaugenmerk lag auf eine gute Spielbarkeit – und wahrscheinlich auch darauf, dass man die Spielpläne Tinten sparend ausdrucken konnte. Zumindest bei der Cover-Gestaltung durften sich die beiden aber ausleben.
Ausstattung… WÜRFELWELTEN ist für bis zu sechs Personen ausgelegt. Alle bekommen eine Wertungs- und Rohstoffkarte. Zusätzlich werden für eine Partie 9 der 11 angebotenen "Weltenkarten" benötigt. Da alle Karten durch eine Beschichtung mit abwischbaren Stiften beschriftet werden können, liegen diese nebst Löschtüchern ebenfalls in der Box. Der ganz große Hingucker sind aber die überdimensionierten Würfel. Die sehen nicht nur toll aus, sondern machen das Würfeln zu einem haptischen Erlebnis. Wir sind ja so leicht zu beeindrucken...
Außerdem liegt noch zusätzliches Material für die Solo-Kampagne bei. Diese ist als eine Art Minigolf-Spiel deklariert, bei dem jedes der 18 zu spielenden Löcher besondere Herausforderungen bildet.
Ablauf… eine Partie besteht aus drei Durchgängen. Je Durchgang wiederum werden drei Welten bespielt, die alle bestimmte Regeln und Eigenarten aufweisen, wie man an die finalen Wertungs-Sternen gelangt. Dann werden nach und nach neunmal die beiden Würfel geworfen. Das angezeigte Ergebnis gilt für alle, so dass simultan gespielt wird. Je einen der Würfelwerte trägt man in eine der drei Welten ein, den anderen Wert in eine zweite Welt. Somit wird auch deutlich: man muss sich entscheiden, wo man aktiv werden will – überall kann man nicht präsent sein.
Aber man erhält über die Welten nicht nur Wertungs-Sterne, sondern zwischendurch auch Rohstoffe. Diese markiert man sich auf der entsprechenden Karte und damit kann man die Würfelwerte beeinflussen oder sogar zusätzliche virtuelle Würfelwerte erschaffen. Für ungenutzte Rohstoffe gibt es am Durchgangsende zumindest noch ein Zehntel Wertungs-Stern, wodurch das End-Ergebnis seltsam mathematisch wirkt.
Das gefällt mir nicht so gut: Die Regeln für die Rohstoffe sind nicht wirklich intuitiv erfassbar. In neuen Gruppen erklärt man gefühlt das ganze Spiel über deren Funktionsweise. Somit ist der Zugang zu WÜRFELWELTEN eher von Hürden geprägt, da zu jedem Anfang eines Durchgangs ebenfalls die jeweiligen Welten-Regeln erklärt werden müssen. Die Funktionsweise von WÜRFELWELTEN muss sich also ziemlich erarbeitet werden.
Deswegen ist auch die Stimmung am Tisch eher ruhig konzentriert. Emotionen werden erst am Ende eines Durchganges geweckt, wenn man noch diesen oder jenen Würfelwert erwartet. Da man aber ohnehin eher solistisch unterwegs ist, beziehen sich diese Emotionen auch nur auf sich selbst. Was die anderen nebenher so machen und erleben, wird mir nicht deutlich. Beeinflussen kann ich es ohnehin nicht.
Das gefällt mir gut: Der große Pluspunkt von WÜRFELWELTEN ist die hohe Variabilität durch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Welten. Die FLÜGELSCHLAG-Welt spielt sich zusammen mit ZWISCHEN ZWEI SCHLÖSSERN anders als zusammen mit VITICULTURE. Hierbei die einzelnen Synergie-Effekte herauszufinden macht den ganz großen Reiz von WÜRFELWELTEN aus. Denn im Gegensatz zu manch anderem Spiel des Genres wird man während einer Partie vor immer neue Aufgaben gestellt.
Zusätzlich macht es auch Spaß, die Analogien der Würfelwelten zu den einzelnen Spielen herauszufinden. Wenn man BETWEEN TWO CITIES kennt, dann fühlt es sich nur logisch an, dass man bei der dortigen Wertung die benachbarten Welten beachten muss. Vor allem beim Kennenlernen der einzelnen Welten hat man dabei so manches Aha-Erlebnis. Und man spinnt auch weiter. Schließlich bin ich mir relativ sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis neue Welten hinzu kommen. Auf der SPIEL war schon das TERRA MYSTICA-Promopack erhältlich und nun ist auch schon von Stonemaier Games ein WÜRFELWELTEN-Promopack angekündigt – was spätestens jetzt die ganze Sache ziemlich meta macht. Ich glaube allerdings nicht, dass zukünftig an jeder Spielwarenkasse WÜRFELWELTEN-Booster-Packs angeboten werden.
Der Solo-Kampagne merkt man übrigens an, dass hier Profis in diesem Bereich am Werk waren. Denn diesen hat die Automa Factory in gewohnt hoher Qualität entwickelt. Es geht also nicht bloß darum, irgendeinen High-Score zu knacken, sondern man durchläuft einen Minigolf-Parcours. Jede Bahn gibt die entsprechenden Welten vor und hat meist noch kleine Regeländerungen im Gepäck. Am Ende hat man dann zwar doch einen Par-Wert zum Vergleich, aber der Weg dorthin ist deutlich abwechlsungsreicher, als wenn man lediglich 18 Partien WÜRFELWELTEN gespielt hätte.
Zum Ende möchte ich auch nochmals das Material loben. Die durchaus vorhandene Luft in der Box versuche ich mir damit schön zu reden, dass bestimmt noch viele weitere Welten hinzukommen und man deswegen diesen freien Platz benötigt. Ansonsten sind die abwischbaren Stifte aber glücklicherweise von überraschend guter Qualität – das habe ich leider schon oft genug anders erlebt (löbliche Ausnahme sind die Spiele vom Nürnberger-Spielkarten-Verlag, die immer hochwertige Folienschreiber des Nachbarn Faber-Castell benutzen). Die Würfel von WÜRFELWELTEN sind zudem eine Augenweide und besitzen Handschmeichler-Qualitäten.
Fazit: Durch die vorhandene Meta-Ebene und die hohe Variabilität ist WÜRFELWELTEN für mich ein echtes Highlight im Roll-and-Write Genre. Zugunsten der hohen Abwechslung nehme ich dabei auch die notwendigen kleinteiligen Regeln in Kauf. Und ab jetzt darf gerne geboostert werden!
| Titel | Würfelwelten |
|---|---|
| Autor | Jamey Stegmaier |
| Illustrationen | Marius Petrescu und Miles Bensky |
| Dauer | 30 Minuten |
| Personenanzahl | 1 bis 6 Personen |
| Zielgruppe | würfelnde Kennerspielrunden |
| Verlag | Feuerland Spiele |
| Jahr | 2021 |















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