StoryCards – Die drei ??? Kids – Spuk im Schloss von Ulf Blank – erschienen im KOSMOS Verlag

Der RITTER SPIELE-COMIC hat dafür gesorgt, dass ich wieder etwas Blut nach den guten alten Solo-Abenteuern aus Rollenspielzeiten geleckt habe. Aber anstatt die alten DSA-Bücher wieder herauszuholen, habe ich mich mal ein wenig auf den Markt nach Alternativen umgeschaut. Dabei sind mir dann die StoryCards aufgefallen. Da mein Sohn aktuell ein eifriger Leser der "Die drei ??? Kids" ist, haben wir uns mal dieser Box angenommen.
Thema... gemeinsam mit den drei ??? sollen wir einen Gefangen im alten Schloss helfen. Wer das sein soll? Keine Ahnung, die entsprechende Botschaft in der Kaffeekanne hätte von jedem sein können. Also auf zum alten Schloss. Da die ??? dabei sind, heißt es dort nicht ohne Grund SPUK IM SCHLOSS.
Illustrationen... sind von Jan Saße, den ich bisher nur durch die Gestaltung von DEJA-VU kenne. Aber ganz ehrlich: bis auf die Cover-Gestaltung sind keine Illustrationen zu finden. Das finde ich sehr schade, denn so ist alles sehr textlastig – das ein oder andere stimmungsvolle Bild hätte gut getan.

Ausstattung... ist überschaubar, was aber nicht negativ verstanden soll. Denn so ist alles wunderbar kompakt und gut mitgenommen werden (aus langweilige Familienfeiern, auf langen Zugfahrten usw.). In der robusten Metallbox befinden sich jedenfalls 50 Karten und ein kleines Regelheft.
Manche werden sich vielleicht darüber beklagen, dass die Karten keinen weißen Rand haben. Denn durch die randlose Karten-Gestaltung treten recht schnell Abnutzungserscheinungen am Rand auf. Mir macht das nicht all zu viel aus, denn Spiele dürfen gerne auch gebraucht aussehen. Ästheten müssten aber wohl zu Schutzmaßnahmen greifen.
Ablauf... ist so, wie man es von den guten alten Abenteuerbüchern gewohnt ist. Eine neue Karte beschreibt kurz die Situation, dann hat man am Ende die Auswahl, welche Karte man als nächstes wählt. Manchmal sind auch kleine Rätsel auf den Karten, die dann die Auswahl beeinflussen.
Allerdings ist auch ein wenig das Gedächtnis gefragt. Denn wenn man eine der zur Auswahl stehenden Karten schon gespielt hat und man trotzdem danach im Stapel sucht, dann ist die Partie beendet. Anfangs merkt man sich also ein wenig die ausgespielten Karten (rote 6, weiße 9, blaue 3, blaue 2 usw.). Allerdings verliert man dann recht schnell dabei den Überblick und richtet sich doch wieder mehr nach dem Text.
Ist ein Durchlauf beendet, dann zählt man Punkte, die oben auf den Karten vermerkt sind. Je nach Punkteanzahl liest man dann ein Spielende aus der Anleitung – und natürlich versucht man dabei, den eigenen Highscore zu erweitern.

Das gefällt mir nicht so gut: So schön einfach das Prinzip der Karten ist, so hat man dabei leider nie das Gefühl, dass man wirklich eine Geschichte erlebt. Einerseits ist der Text auf den Karten zu kurz (und die Gestaltung zu spartanisch), andererseits kommt es zu komischen Story-Sprüngen. Es macht plopp! und man steht auf einmal ganz woanders. Das ist in meinen Augen alles zu willkürlich. Man kann keinen richtigen Plan im Kopf abschreiten, sondern wird relativ belanglos von einer Situation in die nächste geworfen. Das Ganze ist mehr ein mechanisches Abarbeiten als das Erleben eines Abenteuers, was unbefriedigend ist. Hier fehlt mir ein klares narratives Konzept.
Was auch so gar nicht funktionierte und eher negativ bewertet wurde, ist die "Wir"-Perspektive. Da man zu keiner Zeit das Gefühl hat, wirklich in der Geschichte drin zu sein, wirkt das sehr aufgesetzt und störend.

Die Rätsel sind eine gut gemeinte Sache – sie sind aber in der Summe zu leicht (das empfanden auch die Grundschüler so, denen ich die StoryCards vorgesetzt habe). Selten hatten diese das Gefühl, mal richtig gefordert zu werden. Vielleicht hätten Bilder geholfen, um auch andere Rätselarten zu ermöglichen (und um die Textlastigkeit aufzulockern). Die größere geistige Herausforderung ist also eher das Merken der bereits gespielten Karten und weniger das Lösen von Rätseln.
Das gefällt mir gut: Die Kompaktheit der StoryCards ist wirklich eine feine Sache. Die kleine stabile Box kann man gut mitnehmen und sorgt dann für Kurzweil. Natürlich trägt das Prinzip nicht über mehrere Stunden (anders als der beeindruckende RITTER SPIELE-COMIC), aber eine schnelle Runde im Schloss dreht man gerne.
Durch die verschiedene Ergebnisstufen hat man anfangs auch einen großen Reiz, seinen eigenen Highscore zu erhöhen. Hat man allerdings das höchste Level geschafft, dann ist es auch gut.
Fazit: Die Idee der StoryCards ist gut. Man hat ein schnelles Abenteuerspielchen, was einfach und unkompliziert gespielt werden kann. Allerdings hat mich der Fall SPUK IM SCHLOSS nicht vollends überzeugt. Es fehlt an Flair und erzählerischen Esprit. Ich habe das fahle Gefühl, dass bei diesem Fall das Potenzial der StoryCards nicht komplett ausgenutzt wurde.
| Titel | StoryCards – Die drei ??? Kids – Spuk im Schloss |
| Autor | Ulf Blanck |
| Illustrationen | Jan Saße |
| Dauer | 5 bis 10 Minuten |
| Spieleranzahl | 1 Spieler |
| Zielgruppe | abenteuerlustige Kinder |
| Verlag | Kosmos |
| Jahr | 2017 |
Ich bedanke mich beim KOSMOS Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.








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