kritisch gespielt: Bang! The Dice Game

Bang! The Dice Game von Michael Palm und Lukas Zach erschienen bei Abacusspiele

Bang The Dice Game - Box

Foto: Abacusspiele

Man hört immer mal wieder, der Wilde Westen sei als Brettspiel-Thema Kassengift. Spätestens seit COLT EXPRESS sollte das hoffentlich widerlegt sein. Viel wichtiger ist doch, dass ein solches Brettspiel das durchaus spezielle Thema stringent aufgreift und die entsprechenden Erwartungen erfüllt. Als Musterbeispiel dafür wird oft BANG! genannt. Doch hier muss ich bekennen: ich besitze zwar die tolle Sonderausgabe mit der Patrone, allerdings habe ich es dann doch noch nicht gespielt. Hauptschuld daran trägt wohl auch das nun besprochene BANG! THE DICE GAME vom LudoCreatix-Team.

Thema… BANG! THE DICE GAME könnte auch „Last Man Standing“ heißen. Denn am Spielende lebt meistens nur noch eine Person. Trotzdem kann es mehrere Gewinner geben, wenn denn dieser Überlebende der richtigen Gruppierung angehört. Dummerweise weiß man vorher allerdings nicht, wer nun welcher Gruppe angehört – die Hilfssheriffs sind nämlich inkognito unterwegs. Nur der eigentliche Sheriff läuft mit stolz geschwellter Brust durch die Prärie. Dort kann es übrigens zu Indianerüberfällen kommen, die recht schmerzhaft sein können. Um seinen Akku wieder aufzutanken, wird kräftig Bier gebechert – hier erkennt man wohl die deutsche Herkunft der Autoren. Denn in den meisten Filmen (und auch Spielen) rückt doch eher der Whiskey in den Mittelpunkt.

Bang The Dice Game - Charaktere

toll illustrierte Charakterkarten

Illustrationen… sind von Riccardo Pieruccini und gefallen mir richtig gut. Man hat das Gefühl, die einzelnen Personen könnten so alle schon einmal in einem Spaghetti-Western aufgetreten sein. Sehr, sehr schön.

Ausstattung… besteht natürlich aus Würfeln, was nicht wirklich anders zu erwarten ist bei einem DICE GAME. Derer sind fünf in der Box – bzw. sie schauen sogar schon aus der Box heraus! Lobenswert ist die gute Qualität der geprägten Würfel, die schön in der Hand liegen. Zusätzlich sind noch ein paar Pappteile (Patronen als Lebenspunkte und Pfeilmarker der Indianer) sowie einige Karten enthalten. Die Karten lassen sich unterteilen in Rollenkarten (Sheriff, Hilfssheriff, Bandit und Gesetzloser) und Charakterkarten. Zusätzlich sind noch ausreichend Übersichtskarten mit der Kurzregel enthalten. Und ein wenig Platz ist noch in der erfreulich kompakten Box, um das Spiel ein wenig aufzupimpen.

Ablauf… abhängig von der Spieleranzahl werden die einzelnen Rollen verdeckt an die Mitspieler verteilt. Diese Rollen sind deswegen interessant, weil man je nach Rolle unterschiedliche Spielziele hat:

Bang The Dice Game - Rollen

Wer welche Rolle spielt. bleibt meist geheim

  • Sheriff: muss alle Banditen und Gesetzlosen ausschalten
  • Hilfssheriff: muss dem Sheriff helfen – er siegt mit dem Sheriff, wenn dieser sein Ziel erreicht
  • Bandit: muss den Sheriff ausschalten
  • Gesetzloser: muss als letzter Spieler überleben (was bedeutet, dass zuerst die Banditen ausgeschaltet werden müssen und erst dann der Sheriff – anders herum hätten die Banditen vorher gewonnen)

Bis auf den Sheriff werden diese Rollen geheim gehalten. Man weiß also nie so genau, wer nun Teil des eigenen Teams ist und wer nicht.

Zusätzlich bekommt jeder Spieler einen Charakter zugelost, der offen gezeigt wird. Diese Charaktere unterscheiden sich bei ihren Spezialfähigkeiten und anfänglichen Lebenspunkten (wovon der Sheriff anfangs als Bonus auch noch zwei zusätzliche bekommt).

Bang The Dice Game - Übersichten

die guten Übersichtskarten zeigen die verschiedenen Optionen auf

Nun beginnt der Sheriff mit dem Würfeln, was in guter KNIFFEL-Tradition bis zu dreimal durchgeführt werden darf. Bis auf eine Ausnahmen (Dynamit) darf man immer frei entscheiden, ob man  Würfel raus legen oder neu würfeln will. Was können die Würfel, die am Ende in folgender Reihenfolge ausgewertet werden?

  1. Pfeile werden sofort nach dem jeweiligen Würfeln ausgewertet. Dabei muss man immer, wenn man ein Pfeilsymbol würfelt, einen Pfeilmarker aus dem Vorrat nehmen. Ist das dann der letzte Pfeilmarker, dann greifen die Indianer an und alle Spieler müssen für jeden ihrer bisher gesammelten Pfeilmarker einen Lebenspunkt abgeben (inklusive der jeweiligen Pfeilmarker, damit dann der Pfeil-Vorrat wieder aufgefüllt ist).
  2. Dynamit kann wehtun. Hat man in seinem Zug drei oder mehr Dynamitsymbole gewürfelt, dann endet der Spielzug sofort und man verliert einen Lebenspunkt. Zuvor werden aber die anderen Würfel noch ausgewertet.
  3. Fadenkreuze verteilen Schüsse an die linken oder rechten Nachbarn – wobei man glücklicherweise selbst entscheiden darf, wen es denn trifft. Bei einem 1er-Fadekreuz trifft es die direkten (noch lebenden) Nachbarn, bei einem 2er-Fadenkreuz den übernächsten.
  4. Bier ist Leben – und das ist jetzt kein Werbespruch des Deutschen Brauer-Bundes e.V., sondern trifft bei BANG! THE DICE GAME tatsächlich zu. Für jedes gewürfelte Biersymbol bekommt man wieder einen Lebenspunkt zurück (wobei man aber nie mehr Lebenspunkte als zu Beginn des Spiels haben kann).
  5. Hat man drei oder mehr Gatling-Symbole gewürfelt, dann verlieren alle(!) anderen Spieler einen Lebenspunkt. Zusätzlich darf man alle bisher gesammelten Pfeilmarker folgenlos wieder zurück in den Vorrat legen.
Bang The Dice Game - Würfel

spielen mal wieder Schicksal über Leben und Tod

Verliert dabei ein Spieler seinen letzten Lebenspunkt, dann ist er ausgeschaltet und scheidet aus dem Spiel aus (dabei zeigt er allen anderen Spielern noch seine Rollenkarte und legt seine Pfeilmarker zurück in den Vorrat). Ein ausgeschalteter Spieler nimmt nicht mehr am weiteren Spiel teil. Gewinnen allerdings die übrigen Mitglieder seines Teams das Spiel, so gehört auch er zu den Gewinnern!

Das Spiel endet sofort, wenn alle Banditen und Gesetzlosen ausgeschaltet sind oder wenn es den Sheriff trifft. Ist nun nur noch ein Gesetzloser im Spiel, dann gewinnt dieser. Ansonsten eben die Banditen.

Das gefällt mir nicht so gut: Partien zu viert und zu acht reizen mich nicht mehr sonderlich. Beim Spiel zu viert fehlt der Hilfssheriff und irgendwie fehlt dann auch ein mir lieb gewonnenes Spielelement. Im Spiel zu acht sind dahingegen zwei Gesetzlose mit von der Partie, was es für beide ungemein schwer macht, erfolgreich zu spielen. Auch in dieser Konstellation fällt in meinen Augen der Spielspaß etwas ab. Empfehlenswert ist dahingegen die Regel für drei Spieler, da hier mit offenen Rollen gespielt wird (der Hilfssheriff muss den Gesetzlosen ausschalten, dieser den Banditen, der wiederum den Hilfssheriff ausschalten muss).

Bei vielen Mitspielern kann es natürlich vorkommen, dass der eigene Einfluss ziemlich gering ist. Wenn man Pech hat, kommt man nur ein- zweimal dran und schon ist das Spiel für einen beendet. Ist eher selten der Fall, kann aber vorkommen. Meist ist dann die eigentliche Partie auch recht kurz, so dass man das gut verkraften kann.

Bang The Dice Game - Spieler-Auslage

„Bier her, Bier her, oder ich fall um“

Das gefällt mir gut: Man muss bei BANG! THE DICE GAME schon die bestehende direkte Interaktion mögen. Hier wird gnadenlos um sich geballert – und wo geschossen wird, da fallen Cowboys in den Staub. Besonders lustig ist es für die anderen, wenn man dabei gerade ein eigenes Team-Mitglied ausgeschaltet hat. Die verdeckten Rollen sind demnach das Sahnehäubchen bei diesem überzeugenden Baller-Würfel-Spiel. Insbesondere die Rolle des Gesetzlosen, der erst dem Sheriff helfen muss zu überleben, um diesen dann in einem Shoot-Out doch noch niederzustrecken, bringt die rechte Würze in das Spiel. Bis aber diese Rollen alle durchschaut sind, kann es schon etwas dauern – und bis dahin kann man wunderbar Trash-Talk betreiben.

Natürlich muss man dabei ertragen können, dass man auch vorher einmal ausscheiden kann. Aber die einzelnen Partien sind knackig kurz, so dass man nicht lange tatenlos zusieht. Außerdem ist man nicht wirklich aus dem Spiel und fiebert weiter mit seinen Team-Mitgliedern mit.

Bang The Dice Game - Indianer

Indianerüberfälle fördern das Gruppenerlebnis 😉

Die einzelnen Würfelaktionen finde ich auch alle durchweg gelungen. Die Indianerpfeile kann man gerade am Ende gezielt gegen seine Gegner einsetzen – und bis dahin gibt es über das Gatling auch die Möglichkeit, gesammelte Pfeile wieder los zu werden. Kombiniert mit den überzeugenden Charakter-Eigenschaften ergeben sich somit viele schöne unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten. Schadenfreude kommt auch auf, wenn man gegen Ende vielleicht dazu gezwungen wird, mit den Fadenkreuzen eigene Team-Mitglieder abzuschießen. Somit bleibt BANG! THE DICE GAME ein Würfelspiel, bei dem per se viel ungeplantes passieren kann. Aber diese Unwägbarkeit passt gut zum Charakter des Spiels.

Bang The Dice Game - Sheriff

Schafft es der Sheriff, das Recht und Ordnung wieder hergestellt werden?

Fazit: BANG! THE DICE GAME kommt gerade in größeren lockeren Runden immer wieder gut an. Das Thema Spaghetti-Western kommt voll zu tragen und wird durch die überzeugende Ausstattung und Grafik auch sehr gut unterstützt. Aufgrund der verdeckten Rollen werden viele Emotionen geschürt – vor allem dann, wenn man aus Versehen eigene Team-Mitglieder in die ewigen Jagdgründe schickt. Mich hat jedenfalls BANG! THE DICE GAME voll überzeugt – und ist wieder ein Beweis, dass Wild-West-Spiele ihre Daseinsberechtigung haben.

Titel Bang! The Dice Game
Autor Michael Palm und Lukas Zach
Illustrationen Riccardo Pieruccini
Dauer 15 Minuten
Spieleranzahl 3 bis 8 Spieler
Zielgruppe Funspiel für Westernliebhaber
Verlag Abacusspiele
Jahr 2013

 

2 Gedanken zu “kritisch gespielt: Bang! The Dice Game

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