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kritisch gespielt: Sheep & Thief

Sheep & Thief von Yuichi Sakashita – erschienen bei Pegasus Spiele

Sheep & Thief - Box
Foto: Pega­sus Spiele

Wat­te­bäll­chen haben die unschö­ne Eigen­schaft, dass sie sich schnell ver­flüch­ti­gen, wenn man kräf­tig aus­at­met. Das ist jetzt kei­ne neue Erkennt­nis, sei aber trotz­dem noch­mals erwähnt. Denn in der japa­ni­schen ers­ten Auf­la­ge von SHEEP & THIEF waren tat­säch­lich Wat­te­bäll­chen als Scha­fe in der Box. Schön, aber nur bedingt prak­tisch. Des­we­gen ist es ver­ständ­lich, dass in der aktu­el­len Neu­auf­la­ge von Pega­sus nun Holz­mee­ple die Wat­te­bäll­chen ersetzt haben.

The­ma... wie­der ein­mal dür­fen wir Spie­ler uns als Bau­ern ver­su­chen. Unser Hof liegt zwar idyl­lisch umge­ben von vie­len saf­ti­gen Wei­den, jedoch wäre eine Ver­kehrs­an­bin­dung an die umlie­gen­den Ort­schaf­ten schon irgend­wie ganz nett. So ver­su­chen wir nun, Wege dort­hin zu schaf­fen. Aller­dings wol­len wir dabei auch noch unse­re Schaf­her­de gehö­rig ver­grö­ßern. An unse­rer Sei­te hel­fen uns unse­re Hir­ten­hun­de – ins­be­son­de­re beim bösen Wolf ... äh Fuchs. Schein­bar sind die Füch­se in Japan grö­ßer und gefähr­li­cher als in Euro­pa. Denn ich habe bis­her noch nichts davon mit­be­kom­men, dass Scha­fe hier­zu­lan­de von Füch­sen ange­fal­len werden.¹

Sheep & Thief - Landschaftskarten
mei­ne Kin­der fin­den die Scha­fe süß – ich hässlich

Gra­fik... ist von Wee Yee Chong ... und ich fin­de sie fürch­ter­lich! Zum Glück war bei mei­nen Kin­dern die Nach­fra­ge nach Glub­schi-Kuschel­tie­ren nur bruch­stück­haft vor­han­den, denn ich kann die­se über­gro­ßen Augen nicht aus­ste­hen. Bei SHEEF & THIEF muss ich mich aller­dings damit abfin­den, dass sowohl die Scha­fe wie auch die Hund mit sol­chen Schein­wer­fer-Augen illus­triert wur­den. Dann fin­de ich es auch irgend­wie befremd­lich, wenn Scha­fe vor einem Tablet sit­zen oder Walk­man hören. Nee, nee, die Gra­fik ist ein­fach nicht mein Ding! Aller­dings muss man zuge­ste­hen, dass sie funk­tio­niert, denn alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen wer­den ver­mit­telt. Trotz­dem wäre mir die redu­zier­te Ori­gi­nal­gra­fik wesent­lich lie­ber als die­ser neue Comic-Stil.

Sheep & Thief - Meeples
Mee­ples unter sich

Aus­stat­tung... weist neben den besag­ten Holz­mee­ple für die Scha­fe vor allem vie­le Kar­ten auf. Jeder Spie­ler erhält dafür einen Abla­ge­plan sowie eine Kop­pel-Kar­te dane­ben. Und damit sich die klei­nen Schaf­mee­ple nicht so allei­ne füh­len, sind auch Fuchs­mee­ple vor­han­den – die nicht unbe­dingt maß­stäb­lich zuein­an­der sind.

Sehr löb­lich: es ist auch schon Mate­ri­al für zwei klei­ne Vari­an­ten ent­hal­ten. Einer­seits für jeden Spie­ler ein eige­nes klei­nes schwar­zes Mee­ple-Schaf und ande­rer­seits Mis­si­ons­kar­ten, für deren Erfül­lung man am Ende Zusatz­punk­te bekom­men kann.

Ablauf... ist recht ein­fach. In drei Run­den legt jeder Spie­ler vier Land­schafts­kar­ten auf sei­nem Plan ab. Ziel ist es dabei, mög­lich durch­ge­hen­de Wege­ver­bin­dun­gen zu den Ort­schaf­ten in den Ecken zu schaf­fen. Dabei gel­ten drei Legeregeln:

  1. man muss waa­ge­recht oder senk­recht angren­zend legen
  2. Flüs­se müs­sen fort­ge­setzt werden
  3. der Fuchs blo­ckiert das Feld, auf dem er steht

Im Umkehr­schluss bedeu­tet es, dass Wege nicht fort­ge­setzt wer­den müs­sen – sie kön­nen pro­blem­los auf der Wie­se enden. Durch das Hoch­kant-For­mat der Kar­ten wird deut­lich, dass man sie nicht belie­big dre­hen kann. Man darf sie sogar gar nicht dre­hen, denn die Kar­ten haben eine fes­te Aus­rich­tung, wel­che durch die dar­auf abge­bil­de­ten Tie­ren oder Sträu­chern kennt­lich gemacht wird.

Sheep & Thief - Endstand
gefüll­ter Landschaftsplan

Wofür macht man das Gan­ze? Einer­seits um die Wege­ver­bin­dun­gen zu schaf­fen, die am Ende Punk­te brin­gen. Man kann aber auch dar­auf ver­zich­ten und lie­ber ver­su­chen, einen lan­gen Fluss zu legen. Der ist schwie­ri­ger zu hand­ha­ben, da hier weni­ger Aus­wahl für angren­zen­de Kar­ten gege­ben sind. Dafür wird man aber auch für einen lan­gen Fluss mit pro­por­tio­nal vie­len Punk­ten belohnt. Zusätz­lich soll­te man auch vie­le Scha­fe auf sei­nem Plan oder in der Kop­pel haben, denn jedes eige­ne Schaf ergibt am Ende einen Siegpunkt.

Wie kom­men aber Scha­fe auf den Plan? Ganz ein­fach durch Aus­spie­len der Kar­ten. Die­se wer­den reih­um abwech­selnd von den Spie­lern aus­ge­spielt und sofort aus­ge­führt. Sind Scha­fe auf den Kar­ten abge­bil­det, dann wird die ent­spre­chen­de Anzahl an Holz­mee­plen auf die­se gestellt. Für jeden abge­bil­de­ten Hund kann ich Scha­fe von einer Kar­te auf eine ande­re schie­ben. Und wird eine Kar­te mit einem Fuchs aus­ge­spielt, dann muss die­ser bewegt wer­den. Der Clou dar­an ist: Immer wenn ein Spie­ler den Fuchs auf sei­nem Plan bewegt, müs­sen auch alle ande­ren Spie­ler ihre Figur auf ihrem Plan in die­sel­be Rich­tung bewe­gen. Auf jedem Land­schafts­plan steht somit der Fuchs immer auf der­sel­ben Posi­ti­on. Dabei ist wich­tig: bei jeder Bewe­gung klaut der Fuchs alle Scha­fe von den Kar­ten, die er betritt. Sind es eige­ne Scha­fe, dann wan­dern sie wie­der zurück in den Vor­rat. Sind es aber Scha­fe von den Mit­spie­lern, dann wer­den die­se in der Kop­pel des Fuchs-Aus­spie­lers gelegt – und die­se sind am Spie­len­de eben­falls einen Sieg­punkt wert. Schüt­zen kann man die Scha­fe vor dem Fuchs, wenn sie auf Kar­ten ste­hen, auf denen Stäl­le abge­bil­det sind. Von sol­chen Stall-Kar­ten dür­fen kei­ne Scha­fe gestoh­len werden.

Vor der Aus­le­ge­pha­se gibt es noch eine Kar­ten­aus­wahl­pha­se. Die­se geschieht über "Draf­ting". Also aus der Start­hand von fünf Kar­ten wählt man sich eine aus und gibt die rest­li­chen vier wei­ter. Von den selbst erhal­te­nen vier sucht man sich wie­der eine aus und gibt somit drei wei­ter. Und so wei­ter und so wei­ter, bis man am Ende fünf Kar­ten raus­ge­legt hat. Davon wer­den pro Run­de nur vier nach­ein­an­der in belie­bi­ger Rei­hen­fol­ge aus­ge­spielt. Am Ende der Run­de wird wie­der auf fünf Kar­ten auf­ge­füllt und es wird wie­der gedraf­tet. Im 2‑Per­so­nen-Spiel hat man dahin­ge­gen sechs Kar­ten auf der Hand und sucht sich pro Draf­ting-Run­de zwei Kar­ten aus (und am Ende wirft man eine der ver­blei­ben­den zwei Kar­ten ab).

Spie­len­de ist nach drei Run­den bzw. 12 geleg­ten Kar­ten. Somit ist auch klar, dass der 16 Fel­der umfas­sen­de Abla­ge­plan nicht voll­stän­dig gefüllt ist son­dern noch drei freie Abla­ge­flä­chen auf­wei­sen wird.

Die bei­den Vari­an­ten machen das Spiel nicht wesent­lich kom­pli­zier­ter und soll­ten recht schnell in das eigent­lich Spiel ein­ge­baut wer­den. Bei den Mis­si­ons­kar­ten bekommt man eine am Anfang zuge­ord­net. Die­se geben eine Mis­si­on vor (bspw: habe die meis­ten Stäl­le gebaut). Erfüllt man die Mis­si­on ganz oder zumin­dest bes­ser als ande­re, dann bekommt man noch Punk­te zur Beloh­nung. Die Vari­an­te mit dem schwar­zen Schaf gefällt mir auch sehr gut. Bei die­ser stellt man anfangs statt ein wei­ßes ein schwar­zes Schaf auf sei­ne Start­kar­te. Die­ses schwar­ze Schaf kann dann im Spiel über die aus­ge­spiel­ten Hun­de auf dem Plan bewegt wer­den. Je wei­ter es am Spie­len­de von der Anfangs­kar­te ent­fernt ist, umso mehr Punk­te gibt es dafür.

Sheep & Thief - Detail
Fuchs du hast das Schaf gestohlen...

Das gefällt mir nicht so gut: Der steh­len­de Fuchs kommt eigent­lich nur in grö­ße­ren Run­den rich­tig zum Tra­gen, da er dann öfters bewegt wird, um Scha­fe zu steh­len oder Fel­der zu blo­ckie­ren. So nimmt der Spiel­spaß mit jedem Spie­ler weni­ger am Tisch deut­lich ab – ich spie­le es zumin­dest am liebs­ten in Voll­be­set­zung zu viert. Auch das Draf­ting macht in grö­ße­rer Beset­zung mehr Spaß.

Für mich ist das Spiel ohne die Vari­an­ten fast schon zu tri­vi­al. Meist kann ich mei­ne Scha­fe in den Stäl­len schüt­zen und mit etwas Glück zie­he ich die rich­ti­gen Kar­ten, um das Wege­netz zu voll­enden. Hier stellt sich eigent­lich nur zu Beginn die Fra­ge: spie­le ich auf Fluss­kar­ten oder ver­su­che ich das Wege­netz zu ver­voll­stän­di­gen. Bei­des lässt sich nicht wirk­lich pla­nen, da man vom Kar­ten­zieh­glück abhän­gig ist. Durch das Draf­ting soll­te man aber die Mit­spie­ler und deren Stra­te­gie im Auge behal­ten. Spielt ein ande­rer Spie­ler auch auf Flüs­se, dann wer­den es bei­de schwer haben, aus­rei­chend lan­ge Flüs­se auszulegen.

Die Illus­tra­tio­nen sind sicher­lich Geschmacks­sa­che. Aber ich ste­he mit mei­ner Abnei­gung in mei­nem Umfeld nicht allei­ne dar und zie­he die Gra­fik aus der Ori­gi­nal­aus­ga­be vor. Wobei fai­rer­wei­se gesagt wer­den muss, dass Kin­dern die Gra­fik recht gut gefällt – und Kin­der sind ein nicht zu unter­schät­zen­der Teil der Zielgruppe!

Das gefällt mir gut: SHEEP & THIEF bedient die Ziel­grup­pe der Fami­li­en­spie­ler sehr gut. Das Spiel ist leicht ver­ständ­lich und eine Par­tie geht schnell, so dass man gut zwi­schen­durch spie­len kann oder eine Revan­che fol­gen lässt. Das Spiel lebt von vie­len klei­nen Ent­schei­dun­gen. Das beginnt bei der Draf­ting­pha­se und setzt sich beim nach­ein­an­der Aus­spie­len der ein­zel­nen Kar­ten fort. Ins­be­son­de­re das Draf­ting ist ein Zuge­winn, denn man hät­te das Spiel sicher­lich auch so spie­len kön­nen, dass man anfangs eine bestimm­te Anzahl an Hand­kar­ten bekommt und sehen soll, was sich damit am Bes­ten anfan­gen lässt. Nun wird den Spie­lern aber zumin­dest das Gefühl von bewuss­ten Ent­schei­dun­gen gege­ben. Bei klei­ner Mit­spie­ler­an­zahl kann man sogar zocken und hof­fen, dass man man­che Kar­ten wie­der zurück bekommt.

Sheep & Thief - Varianten
Emp­feh­lung: unbe­dingt mit den Vari­an­ten spielen

Mit den Vari­an­ten kommt die Wür­ze in das Spiel! Durch die Son­der­punk­te für das schwar­ze Schaf ver­sucht man sel­bi­ges auf Wan­der­schaft zu schi­cken. Nun muss man bei den aus­ge­spiel­ten Hun­de­kar­ten immer abwä­gen, ob man das schwar­ze Schaf bewe­gen will oder lie­ber ande­re Scha­fe in die siche­ren Stäl­le schickt. Auch der Fuchs hat nun eine grö­ße­re Bedeu­tung, da man damit frem­de schwar­ze Schaf wie­der zurück zur anfäng­li­chen Hof­kar­te schi­cken kann, um so hohe Punkt­zah­len die­ser Spie­ler zu ver­mei­den. Hier ist auf ein­mal eine grö­ße­re Span­nung spür­bar. Außer­dem gibt es nun eine Alter­na­ti­ve zu den vie­len Sieg­punk­ten aus den Wege­ver­bin­dun­gen oder dem Fluss.

Auch die Mis­sio­nen sind inter­es­sant, weil man nun eine Stra­te­gie vor­ge­ge­ben bekommt. Im Spiel muss man dann abwä­gen, wie wich­tig einem die Mis­si­on ist. Lie­ber auf die­se Son­der­punk­te spie­len oder bspw. doch noch ver­su­chen, die Wege­ver­bin­dung her­zu­stel­len. Ist man zu gie­rig und ver­sucht bei­des, kann es auch in die Hose gehen. Die zu fäl­len­den Ent­schei­dun­gen sind also vielfältiger.

Über Mate­ri­al und die Regel muss man bei Pega­sus meist kein Wort ver­lie­ren, weil die­se sel­ten Grund zur Kla­ge geben. Bei SHEEP & THIEF auch nicht.

Fazit: Pega­sus hat im aktu­el­len Jahr­gang eini­ge schö­ne Fami­li­en­spie­le im Pro­gramm. Auch SHEEP & THIEF kommt in die­ser Ziel­grup­pe zurecht sehr gut an. Mir per­sön­lich hat zwar MEIN TRAUMHAUS (schö­ne­re The­men­um­set­zung) und ins­be­son­de­re KINGDOMINO (kna­cki­ge­rer Mecha­nis­mus) bes­ser gefal­len, aber zu einer schnel­len Par­tie SHEEP & THIEF wür­de ich sel­ten nein sagen.


¹ = Wir mir ein hilfs­be­rei­ter Leser mit­ge­teilt hat, gibt es durch­aus Füch­se, die auch Scha­fe angrei­fen kön­nen. Bei­spiel­haft wird das in die­sem Zei­tungs­ar­ti­kel the­ma­ti­siert (kos­ten­lo­se Regis­trie­rung not­wen­dig). Dar­in wer­den Exper­ten zitiert mit "sehr unge­wöhn­lich" – aber eben nicht unmög­lich. Da habe ich also wie­der etwas gelernt. Danke!

TitelSheep & Thief
AutorYui­chi Sakashita
Illus­tra­tio­nenWee Yee Chong
Dau­er20 bis 40 Minuten
Spie­ler­an­zahl2 bis 4 Spieler
Ziel­grup­peFami­li­en­spiel
Ver­lagPega­sus
Jahr2017

 

Ich bedan­ke mich bei Pega­sus für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­exem­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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