Wettlauf nach El Dorado: Die Goldenen Tempel von Reiner Knizia – erschienen bei Ravensburger
Ist das nicht ärgerlich? Da kämpft man sich tagelang durch den Dschungel, erreicht als Erster das sagenumwobene El Dorado und steht dann doof da, weil man auf dem Weg dorthin das Feuerzeug verloren hat. Und ohne Feuerzeug kann man nicht die Fackeln anzünden, die aber notwendig sind, um DIE GOLDENEN TEMPEL genauer zu erkunden. Klassischer Fall von dumm gelaufen. Deswegen mein Rat an alle angehenden Schatzsucher: immer ausreichend Streichhölzer mitnehmen! Es sei denn, ihr seid Nachfahren von MacGyver ...
Thema... nachdem nun also der WETTLAUF NACH EL DORADO erfolgreich gewonnen wurde, stehen wir vor einem neuen Problem. Wir haben zwar nun das verlassene Königreich knapp vor unseren Mitstreitern erreicht, aber nun wollen wir auch die Ersten sein, die die dort zu findenden Edelsteine sichern. Also muss man sich wieder einem Wettlauf durch die Tempel stellen. Ganz wichtig dabei sind die neuen Fackeln, denn ohne diese steht man schnell dumm im Dunkeln herum.
Illustrationen... sind natürlich wieder von Franz Vohwinkel, der auch schon das Basisspiel gestaltet hat. Die prägnante Maske zeigt nun eindrucksvoll die zu erhaschenden Edelsteine. Aber auch die Illustrationen der Expeditionsmitglieder sind wieder sehr stimmungsvoll – zumal erfreulicherweise dabei auch das vermeintlich schwache Geschlecht ausreichend oft berücksichtigt wurde. Die Symbolsprache ist, wie so oft bei Vohwinkel, stimmig und leicht zu erlernen (vor allem, wenn man schon WETTLAUF NACH EL DORADO kennt).
Ausstattung... wird hauptsächlich geprägt durch die neuen Geländetafeln, die ein bisher unbekanntes Symbol aufzeigen: auf vielen Feldern sind nun Fackeln abgebildet. Dieses Symbol ist natürlich auch auf den verschiedenen neuen Expeditionskarten zu finden, von denen jeder Spieler mit einem Basis-Kartendeck aus acht Karten ausgestattet ist. Da man auf der Suche nach Edelsteinen ist, dürfen diese natürlich auch nicht fehlen. Als kleine Plastiksteinchen werden sie anfangs auf drei Tempel bereit gelegt. Weitere neue Elemente sind separate Goldmünzen sowie Wächter-Plättchen, die die bisherigen Höhlen-Plättchen ablösen. Dahingegen gut bekannt ist der Markt sowie die Blockaden für die Übergänge zwischen den Geländetafeln. Weiterhin werden von den farbigen Holzfiguren beide nur im 2‑Personen-Spiel benötigt. Bei Partien zu dritt oder viert wird nur ein Abenteurer in den Tempel geschickt.
Ablauf... bleibt unverändert zum Basisspiel. Aus der Auswahl von vier Handkarten versucht man sich über den zuvor bestimmten Spielplan zu bewegen und / oder auf dem Markt neue Karten einzukaufen. Kann man weder das eine noch das andere machen, erhält man nun als Kompensation eine Goldmünze. Diese sind einerseits genauso zu nutzen wie Münz-Karten, andererseits benötigt man genau diese Goldmünzen aber manchmal auch an einem Tempel oder einer Blockade. Und dummerweise darf man nur maximal drei davon besitzen. Um zu gewinnen, muss man nun jeweils einen Edelstein der ausliegenden Farben einsammeln und mit diesen im Gepäck die finale Schatzkammer erreichen.
Ein weiteres neues Element sind die auf dem Spielplan verteilten Wächter. Diese funktionieren ähnlich wie die Plättchen aus der Höhlen-Variante. Erreicht man ein Nachbarfeld, werden sie aktiviert. Allerdings bringen die Wächter den Spielern im Gegensatz zu den Höhlen keine Vorteile, sondern helfen vielmehr den Mitspielern und fühlen sich somit eher nach Blockaden an.
Das gefällt mir nicht so gut: Im Gegensatz zum Basisspiel befinden sich nun wesentlich weniger Geländetafeln in der Box. Natürlich kann man argumentieren, dass man diese doch mit den Tafeln aus dem Grundspiel kombinieren kann und man somit eine große Varianz besitzt. Aber DIE GOLDENEN TEMPEL kommen als eigenständiges Spiel daher und wenn ich es nur als solches betrachte, bin ich über das verringerte Angebot enttäuscht. Denn in diesem Zusammenhang sind auch weniger vorgeschlagene Aufbauanleitungen für die beiliegenden Tafeln enthalten. Hier hätte ich mir in beiden Fällen ein größeres Angebot gewünscht.
Zumal ich den Aufbau des Start-Szenarios auch nur bedingt für empfehlenswert halte. Denn bei diesem kann man sich schon recht erfolgreich gegenseitig aus dem Weg gehen, was dem Spielspaß allerdings abträglich ist. In meinen Augen sind Kurse empfehlenswert, die recht eng sind. Denn nur dann tritt man auch häufig mit den Mitspielern in Konkurrenz. Ist diese Konkurrenz durch den gewählten Aufbau nicht gegeben, dann fehlt mir die Würze und ich hätte lieber den geradlinigen WETTLAUF NACH EL DORADO.
Ähnlich wie bei den Geländetafeln habe ich auch mehr Varianz bei den Wächter-Plättchen erwartet. Da finde ich die Auswahl von jeweils nur vier Aktionstypen als zu gering (zumal diese wiederum sehr den Blockaden ähneln) und ich hätte mir mehr Abwechslung gewünscht. Ohnehin spielen wir mittlerweile die Wächter ein wenig anders als in den Regeln vorgesehen. Bei uns werden sie immer wieder zugedeckt, wenn man die direkte Nachbarschaft räumt, so dass noch eine kleine Memory-Aufgabe zu erfüllen ist. So gefällt es uns thematisch besser. Denn warum sollten nachfolgende Abenteurer schon gewarnt sein, wenn sie alleine in die Nähe der Wächter kommen. Schließlich sind es Wächter und keine ausgelegten (und ausgelösten) Fallen.
Insgesamt verstehe ich nicht, warum DIE GOLDENEN TEMPEL unbedingt als eigenständiges Spiel auf den Markt gebracht wurde und nicht als Erweiterung. Die beiden Teile unterscheiden sich vom Spielgefühl nur unwesentlich und sind darüber hinaus auch problemlos zu kombinieren. Außerdem kommt bei mir sowieso alles in eine Box und so habe ich nun die Tableaus und auch einige wenige Basis-Karten doppelt.
Zusätzlich wundert es mich, dass die Regeln nicht eindeutig genug beschrieben sind. So ist z.B. unklar beschrieben, wie der finale Schritt auf die Schatzkammer erfolgt (durch Abgabe der Edelsteine, womit formal die benachbarten Felder die eigentlichen Zielfelder sind).
Das gefällt mir gut: Durch die Wächter wird der Ärgerfaktor nochmals erhöht. Wenn es sich vermeiden lässt, dann laufe ich lieber in einem Bogen außen herum. Allerdings bedeutet dieser Umweg auch einen Zeitverlust, den ich bekanntlich tunlichst bei einem Rennspiel vermeiden sollte Das Schöne an den Wächtern ist, dass diese genau wie die Blockaden meist die Mitspieler belohnen. Beide Elemente fühlen sich nun interaktiver an als die vergleichbaren Pendants des Basisspiels. Auch die neu eingeführten Münzen empfinde ich als sinnvoll. Sie kommen unscheinbar daher, haben aber eine große Wirkung. Denn ich kann damit langfristig auf höherwertige Karten sparen ohne dass ich unnötig mein Deck aufblähe. Allerdings darf man nur drei Münzen im eigenen Vorrat haben und es lauert immer die Gefahr, bei bestimmten Wächtern alle zu verlieren. Somit sollte man sie nicht all zu lange horten, sondern passgenau einsetzen.
Die Münzen sind aber auch deswegen interessant, weil somit das Passen zu einer vernünftigen Option wird. Auf den Geländetafeln sind nun vier unterschiedliche Bewegungssymbole abgebildet. Da man gewöhnlich nur vier Karten auf der Hand hat, kann es nun öfters passieren, dass man mit diesen Karten nichts sinnvolles machen kann. Das Nehmen einer Münze ist in solchen Situationen aber dann doch eine vernünftige Option. Prinzipiell ist das schnelle Laufen durch die vier Symbole etwas erschwert. Allerdings kommen nun einige neue Karten ins Angebot, die genau dagegen Abhilfe schaffen. Das Spieltempo ist demnach trotzdem mit WETTLAUF NACH EL DORADO vergleichbar. Statt ein lineares Wettrennen von einem Startpunkt zu einem Ziel durchzuführen, wird nun viel häufiger hin und her gelaufen. Im Idealfall blockieren sich dabei die Spielfiguren deutlich mehr, da man sich häufiger trifft und in Engpässen gegenseitig im Weg steht. Außerdem wird es weniger offensichtlich, wer eigentlich gerade führt. Im Basisspiel ist das meist sehr eindeutig, bei DIE GOLDENEN TEMPEL kann dahingegen der Schein ziemlich trügen.
Ein interessanter Kniff ist auch noch im 2‑Personen-Spiel versteckt. In dieser Konstellation spielen beide bekanntlich mit jeweils zwei Spielfiguren, die man nach eigenem Gutdünken durch die Tempel führen kann. Allerdings gibt es ein Tempelplättchen, auf dem beide eigenen Figuren gleichzeitig stehen müssen, um den dortigen Edelstein aufzusammeln. Einmal im Spiel bin ich also gezwungen, beide Figuren in die gleiche Richtung zu schicken. Trotzdem bliebt mir genügend taktischer Spielraum, wie ich beide Figuren bewege. Soll die eine Figur Edelsteine einsammeln und die andere blockieren? Oder sollte ich nicht lieber immer mit beiden zusammen bleiben, damit man bspw. die Wächter besser kontrollieren kann? Mir jedenfalls macht das 2‑Personen-Spiel wieder sehr viel Spaß!
Für die Besitzer des Basisspiel und vielleicht auch der Erweiterung HELDEN & DÄMONEN ergibt sich mit DIE GOLDENEN TEMPEL eine riesige Variabilität. Im Gesamtpaket bestehen somit viele unterschiedliche Geländetafeln und noch mehr verschiedene Karten. An die überbordende Varianz eines DOMINION kommt es damit nicht heran, aber auch so sollte genügend Material für unzählige unterschiedliche Partien vorhanden sein.
Fazit: Kommen wir zu Gretchenfrage: Was ist nun besser? WETTLAUF NACH EL DORADO oder DIE GOLDENEN TEMPEL? Überraschenderweise gewinnt in meinen Augen tatsächlich der Neuling. DIE GOLDENEN TEMPEL sind meist etwas interaktiver und der Spielverlauf ist etwas weniger offensichtlich. Insgesamt sind DIE GOLDENEN TEMPEL somit eine äußert gut gelungene Weiterentwicklung, die gerne noch etwas umfangreicher hätte ausgestattet sein dürfen. Wer allerdings schon das Basisspiel besitzt, benötigt sicherlich nicht noch unbedingt DIE GOLDENEN TEMPEL – es sei denn, es wird nach noch mehr Varianz gesucht. Das Spielgefühl ist aber ansonsten sehr ähnlich.
| Titel | Wettlauf nach El Dorado: Die goldenen Tempel |
| Autor | Reiner Knizia |
| Illustrationen | Franz Vohwinkel |
| Dauer | 45 bis 60 Minuten |
| Spieleranzahl | 2 bis 4 Spieler |
| Zielgruppe | deckbauende Familienspieler |
| Verlag | Ravensburger |
| Jahr | 2019 |
Ich bedanke mich bei Ravensburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.
















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