kritisch gespielt: Chill & Chilli

Chill & Chilli von Lenny Herbert – erschienen bei Schmidt Spiele

Chill und Chilli - Cover

Foto: Schmidt Spiele

Okay, der Winter ist wohl so langsam vorbei und man kann sich auf den Sommer freuen. Heiße Tage, die man am besten chillend in einem Liegestuhl in seinem Garten verbringt. Genau dieses Bild vermittelt einem das schöne Cover von CHILL & CHILLI. Als Gartenbesitzer weiß man allerdings auch, den Untertitel richtig einzuschätzen. Denn mit Wasser wird’s nicht nur krasser, sondern Wasser ist vielmehr die notwendige Grundlage eines blühenden Gartens. Damit auch Nicht-Gärtner diese Erkenntnis trifft, dafür sorgt dieses Spiel!

Thema… als Bauernhofbesitzer versucht man, Gemüsesorten in seinem Garten anzupflanzen – und diese dann auch ausreichend zu bewässern. Da aber Wasser in dieser Gegend eher rar ist, muss man sich bei der Bewässerung mit den lieben Mitspielern herumärgern. Denn irgendwann ist der Wasservorrat zu Ende – und das Spiel dann auch!

Illustrationen… sind von Anna Pätzke und gefallen mir richtig gut. Das spritzige Cover-Bild habe ich schon in der Einleitung erwähnt und kann es nur loben. Aber auch das eigentliche Spielmaterial ist sehr ansprechend gestaltet. Die einzelnen Illustrationen drängen sich nicht in den Vordergrund, sind aber klar und frisch. Das gezeigte Gemüse ist dabei ganz eindeutig Handelsklasse I und könnte jeglichen Wochenmarkt-Prospekt zieren.

Chill und Chilli - Austattung

noch nicht ausgebreitetes Material

Ausstattung… auffällig ist, dass die Spielbox aktiv genutzt wird – dieses Stil-Element hat Schmidt Spiele auch schon bei DIE BAUMEISTER DES COLOSSEUM vorbildlich genutzt. Dieses Mal beherbergt die Box einen großen Teich, der im Laufe des Spiels peu a peu mit Wassertropfen in Form kleiner Papp-Chips gefüllt wird. Diese Chips sind jedoch doppelseitig bedruckt und zeigen neben Wasser auf der anderen Seite auch eine Münze. Diese Münzen werden zum Einkaufen benutzt, weswegen außerhalb der Box ein Marktbereich ausgelegt wird, in dem verschiedene Gemüsesorten angeboten werden. Diese werden über Karten ins Spiel gebracht – genauso wie hilfreiche, ebenfalls zu kaufende Zubehörkarten. Zusätzlich wird aus kleinen Pappteilen noch ein Brunnen zusammengesteckt. Dieser dienst als Auffanglager der bezahlten Münzen. Allerdings ist das ein kleiner Wunderbrunnen, da sich die Münzen dort dann in Wassertropfen zurück verwandeln.

Chill und Chilli - Aufbau

noch kann genügend Wasser von der Wiese in den Teich laufen…

Ablauf… ist einfach, aber vor allem von Wiederholungen geprägt. Jeder Spielzug beginnt immer damit, dass man einen Wasserchip von der Wiese in den Teich schiebt. Immer und immer wieder – wenn man es nicht vergisst. Der Sinn dahinter ist, dass das Spiel endet, wenn der letzte Wasserchip von der Wiese entfernt wurde. Deswegen gibt es auch den Tipp, dass ein Spieler zum obersten Wasserchip-Schieber ernannt werden sollte, der gewissenhaft seine Rolle erfüllt.

Ist der Wasserchip im Teich gelandet, muss der aktive Spieler eine von drei möglichen Aktionen wählen:

  1. Entweder eine Gemüse- oder eine Zubehörkarte kaufen.
  2. Eine seiner Handkarten ausspielen. Bei den Gemüsekarten gilt dabei zu beachten, dass diese immer nur in Begleitung weiterer Karten dieser Sorte ausgespielt werden dürfen (bei den Karotten legt man bspw. immer zwei Karten zusammen aus, beim Blumenkohl drei – nur beim Kürbis kann man flexibel sein). Beim Ausspielen werden die Karten so übereinander gelegt, dass alle darauf abgebildeten Sonnen sichtbar sind.
  3. Chips aus dem Teich nehmen. Dabei kann man sich entscheiden, ob man diese Chips dann als Geld verwenden will oder als Wasser (eine Kombination ist nicht möglich). Geld nimmt man auf die Hand und benutzt es später zum Bezahlen. Entscheidet man sich aber für das Wasser, dann verteilt man die Chips auf bereits ausgespielte Gemüsekarten und deckt damit offene Sonnen ab.

Das Spiel endet, wenn der letzte Chip im Teich gelandet ist und die darauf folgende Aktion durchgeführt wurde. Dann zählt man die Siegpunkte auf dem angepflanzten Gemüse. Sind dort alle Sonnen durch Wassertropfen abgedeckt, dann erhält man sogar den doppelten Siegpunktwert.

Chill und Chilli - Acker

gut bewässert bedeutet doppelter Ertrag

Das gefällt mir nicht so gut: Der schlechte Wortwitz muss nun sein: eine Partie CHILL & CHILLI plätschert leider eher dahin, als dass sie einen mitreißt. Stetiger Wassertropfen macht noch kein krasses Spiel aus. Das Spielgefühl ist meiner Meinung nach recht eindimensional, weil es von stetiger Wiederholung geprägt ist. Es fehlt die Schärfe der titelgebenden Chilli.

Chill und Chilli - Markt

der Markt ist nicht wirklich umkämpft

So gibt es bspw. kaum Probleme, die Gemüsesorten für das gemeinsame Ausspielen beisammen zu bekommen. Mehr verschiedene Gemüsesorten oder aber weniger Marktplätze hätten hier den Druck vielleicht erhöht. So kann man eigentlich immer das machen, was man sich erhofft bzw. es gibt ausreichend Alternativen, die ebenfalls erfolgversprechend sind. Mir fehlte bei der Kartenkaufphase das spannende Element dabei. Vielleicht käme dieses ins Spiel, wenn mehr unterschiedliche Sorten im Spiel wären. Ober aber, wenn es am Ende Sonderpunkte für viele verschiedene Gemüsesorten gäbe, um somit bei der Auswahl der Sorten wählerischer sein zu müssen.

Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass die Zubehörkarten sehr stark sind. Mal bekommt man beim in seinem Zug Gemüse-Karten kostenlos, mal zusätzliche Wassertropfen aus dem Brunnen. Es ist jedermann sofort klar, dass dieses Zubehör früh gekauft werden muss, damit man es es Ziel bringend einsetzen kann. Hier wären vielleicht absteigende Preise eine gute Idee gewesen, um bei dieser Auswahl mehr Entscheidungstiefe zu erzeugen (die erste Gießkanne kostet 3 Münzen, die nächste nur noch zwei usw.). Oder man hätte den Zugriff auf deren Funktion beschränken können (eine Gießkanne kann man nur dreimal nutzen, dann ist sie aus dem Spiel).

Chill und Chilli - Zubehör

man kennt das: gutes Zubehör braucht eigentlich jeder Gärtner!

Das gefällt mir gut: Den Grundmechanismus mit den Wassertropfen finde ich dahingegen durchaus gefällig. Hier sind interessante Entscheidungen bezüglich des richtigen Timings zu treffen. Ab dem Mittelspiel schwingt bei jedem Zug die Frage mit: soll ich nun die Tropfen aus dem Teich nehmen oder kann ich noch eine Runde warten? Meistens geht das Warten dann nach hinten los, da ein Mitspieler eigene Pläne mit den Chips hatte. Dieses Element ist jedenfalls schön und bringt erfrischende Emotionen in das Spiel.

Chill und Chilli - Brunnen

dieser Wunderbrunnen wandelt Geld in Wasser um

Auch die doppelte Verwendung der Chips finde ich recht tricky. Somit muss man nicht mit verschiedenen Ressourcen hantieren und hat wiederum kleine Entscheidungen zu treffen. Ohnehin ist die Ausstattung zu loben. Mir gefällt die Gestaltung und die clevere Einbeziehung der Spielschachtel. Das Auge spielt eben auch mit – und da ist es einfach schön, wenn man Chips aus einem 3D-Brunnen nimmt und nicht nur lediglich von einer Ablagefläche, die wie ein Brunnen aussieht.

Fazit: CHILL & CHILLI ist schon sehr chillig und wohl bestens geeignet für laue Sommerabende, an denen man sich nicht mehr anstrengen will. Allerdings spiele ich dann in solchen Momenten selten Spiele, sondern mache lieber etwas anderes. Aus diesem Grund hat es CHILL & CHILLI bei mir schwer, noch öfters auf den Tisch zu landen. Da mag ich in diesem Segment andere Spiele einfach lieber, die in vergleichbarer Spielzeit knackigere Entscheidungen verlangen (bspw. KINGDOMINO oder auch MAJESTY).

Titel Chill & Chilli
Autor Lenny Herbert
Illustrationen Anna Pätzke
Dauer 30 Minuten
Spieleranzahl 2 bis 5 Spieler
Zielgruppe Familienspieler
Verlag Schmidt Spiele
Jahr 2017

Ich bedanke mich bei Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.

 

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