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Speed-Dating: Play, Barbecubes, Auf die Eier und Petiquette

Speed-Dating-09-26

Das For­mat des Speed-Dating soll­te es mir erlau­ben, trotz aku­ter Zeit­not das ein oder ande­re klei­ne­re Spiel schnell zu bespre­chen. Die Rea­li­tät sieht lei­der anders aus. Fast ein gan­zes Jahr lang habe ich kein Speed-Dating mehr abge­hal­ten. Das Rosen-Lie­fer-Abo habe ich zäh­ne­knir­chend kün­di­gen müs­sen. Doch nun ist es end­lich mal wie­der so weit und es haben sich muti­ge Kan­di­da­ten gefun­den. Den Anfang macht PLAY, gefolgt von BARBECUBES und AUF DIE EIER. Den krö­nen­den Abschluss bil­det la peti­te PETIQUETTE.

Play von Mariano Di Martino – erschienen im KOSMOS Verlag

Play-the-music - Box
Bild: KOSMOS Verlag

Nach dem gro­ßen Erfolg von HITSTER ist es nicht ver­wun­der­lich, dass ande­re Ver­la­ge auch etwas von die­sem Stück des Kuchens abha­ben wol­len. Ent­spre­chend sprie­ßen Musik­spie­le her­vor. KOSMOS hat dabei einen cle­ve­ren Move gemacht: Das Spiel MARIMIC: THE MUSICAL TIME MACHINE des schwe­di­schen Autors Maria­no Di Mar­ti­no war in der Sze­ne schon als Geheim­tipp bekannt. Denn des­sen gewähl­tes Sys­tem ist offe­ner und lockt schon immer mit dem Ver­spre­chen, eige­ne Play­lists nut­zen zu können.

Die­ses Ver­spre­chen löst PLAY als wei­ter­ent­wi­ckel­tes For­mat (noch) nicht ein. Aller­dings bie­tet es trotz­dem schon viel: bis zu 4.000 unter­schied­li­che Songs locken uns. Wir kön­nen uns zum gemein­sa­men Rät­seln Musik aus den welt­wei­ten Top­lis­ten oder nur aus Deutsch­land vor­spie­len las­sen. Rock oder Hip­Hop. Oder noch beschränk­ter ledig­lich Lie­dern von ein­zel­nen Grup­pen oder Musiker:innen wie Ade­le oder Micha­el Jack­son. Auch in den Spiel­mo­di unter­schei­det sich PLAY von HITSTER. Da ich die­ses auch ger­ne koope­ra­tiv spie­le, hat es mir beson­ders der "Bet­ter together"-Modus ange­tan. Aber auch die ande­ren drei Modi sind spie­lens­wert. Meist sol­len wir dabei das rich­ti­ge Erschei­nungs­jahr eines Songs wis­sen. Aller­dings sind auch noch ein paar Kar­ten im Spiel, auf denen Flag­gen ange­zeigt sind. Auf ein­mal sol­len wir wis­sen, aus wel­chem Land der Song kommt. Das kann für eini­ge Ver­wun­de­run­gen sor­gen. Wobei das teil­wei­se aber auch ech­tes Nerd­wis­sen ist. All­zu oft spie­gelt sich die Her­kunft näm­lich nicht in der Art der Musik wider – bes­ten­falls in der Aus­spra­che der eng­li­schen Tex­te. Da ist auf ein­mal ech­tes Wis­sen gefragt und es trennt sich die Spreu vom Wei­zen. Ich fin­de das etwas unglück­lich. Denn ich fand schon immer eine Stär­ke von HITSTER, dass ich auf­grund der Beson­der­hei­ten der Musik­pro­duk­ti­on ein unge­fäh­res zeit­li­ches Gefühl erhalte.

Aber auch im tech­ni­schen Maschi­nen­raum ist PLAY brei­ter auf­ge­stellt. Bis vor kur­zem konn­te HITSTER nur mit Spo­ti­fy genutzt wer­den. Erst seit kur­zer Zeit ist dort nun Apple Music eben­falls impli­ziert. Bei­de Diens­te unter­stützt auch PLAY. Zusätz­lich ist auch eine Ver­knüp­fung mit You­Tube Music mög­lich. Die not­wen­di­ge eige­ne App wird immer noch im lau­fen­den Betrieb ver­bes­sert. Kurz nach Erschei­nen war die Hand­ha­bung noch etwas ner­vig. Das flutscht mitt­ler­wei­le deut­lich bes­ser. Und wir erin­nern uns, dass auch die HITS­TER-App mit der Zeit ver­bes­sert wur­de und des­we­gen noch einen klei­nen Vor­sprung auf­weist. Dafür hat PLAY noch einen klei­nen Gag zu bie­ten: durch Umbau des Inlays soll der Han­dy­laut­spre­cher ver­stärkt wer­den. Der Pro­fi­tipp lau­tet aber immer: nehmt eine ver­nünf­ti­ge Bluetooth-Box!

"Herz über Kopf", singt Jor­is. Genau­so ergeht es mir mit HITSTER gegen­über PLAY. Der Kopf preist PLAY als das rei­fe­re Pro­dukt, das umfang­rei­che­rer, das fle­xi­ble­re. Aber emo­tio­nal fängt mich HITSTER mehr! Es macht einen Unter­schied, ob ich eine Kar­te umdre­he und ledig­lich die Jah­res­zahl sehe oder zusätz­lich auch Interpret:in und Titel. Es macht schnel­ler "klick" im Kopf, es spricht mehr Syn­ap­sen an, es schafft eine Ver­bin­dung. Das Erschei­nen der blo­ßen Jah­res­zahl ist so sexy wir ein Kar­tei­kar­ten­ein­trag. Herz siegt über Kopf! PLAY kann ger­ne ein Urlaubs­qui­ckie sein, für eine lang­fris­ti­ge Bezie­hung set­ze ich auf das HITSTER-Herzblatt.

Play | Maria­no Di Mar­ti­no | ? | 20 Minu­ten | 2–10 Per­so­nen | 16+ | KOSMOS Verlag


Barbecubes von Brett J. Gilbert und Rob Sparks – erschienen bei The Game Builders

Barbecubes - Box
Bild: The Game Builders

In TINDERBLOX muss­ten wir Holz­schei­te und Feu­er­blö­cke auf ein Lager­feu­er sta­peln. Die­ses klei­ne Geschick­lich­keits­spiel war für den eng­li­schen Ver­lag Alley Cat Games über­ra­schen­der Ver­kaufs­er­folg. Der befreun­de­te Ver­lag The Game Buil­ders hat das ger­ne auf Deutsch loka­li­siert. Und wie es in der Bran­che üblich, weil erfolg­reich, ist: Es wer­den ver­gleich­ba­re Nach­fol­ger gesucht und gefunden. 

Statt mit einer viel zu klei­nen Pin­zet­te Feu­er­ma­te­ri­al über­ein­an­der zu schich­ten, sind wir nun in BARBECUBES mehr oder weni­ger mit dem Gegen­teil gefor­dert: Wir wol­len ver­hin­dern, dass unser Grill­gut in die Glut fällt. Eine Kar­te gibt uns vor, ob wir Bacon-Schei­ben, Pat­ties oder Würst­chen grei­fen müs­sen. Zusätz­lich wird uns vor­ge­ge­ben, auf wie vie­le Grill­stä­be das Fleisch zu lie­gen hat.

Schnell wird es eng auf dem Rost und die Her­aus­for­de­rung steigt. Die beson­de­ren For­men des Grill­guts erschwe­ren zusätz­lich die Auf­ga­be. Man­che Mit­spie­len­den haben schon ein Pro­blem damit, die Hähn­chen­keu­le an sich zu grei­fen. Auch wenn durch die lie­be­vol­le Pixel­ge­stal­tung zumin­dest immer ein paar Kan­ten vor­han­den sind. Wer fein­mo­to­risch geseg­net ist, hat es natür­lich leich­ter. Aber das liegt in der Natur des Genres.

Trotz der opti­schen Knuf­fig­keit ver­liert BARBECUBES recht schnell sei­nen Reiz. Das Spiel ist eine net­te Beschäf­ti­gung und sorgt für den ein oder ande­ren Lacher. Aber die immer­glei­che Auf­ga­be sorgt für kei­nen ech­ten Lang­zeit­ef­fekt. Im Gegen­satz zu TINDERBLOX ent­steht auch kein beson­de­res Gebil­de, son­dern ledig­lich ein vol­ler Rost, von dem immer mal etwas herunterfällt.

Somit kann BARBECUBES mal bei einer Grill­par­ty für Auf­lo­cke­rung sor­gen. Eine fes­te Bin­dung möch­te ich nicht ein­ge­hen. Übri­gens auch nicht mit der äußerst reiz­vol­len Zwil­lings­do­se. Denn die Ver­la­ge haben sich nicht den Gag neh­men las­sen und bie­ten auch eine vege­ta­ri­sche Ver­si­on des Spiels an. Nun gril­len wir Auber­gi­nen, Karot­ten und Blu­men­kohl. Das ist eine fei­ne Sache, zumal auch das Gemü­se in der ent­spre­chen­den Pixel­op­tik daherkommt.

Bar­be­cu­bes | Brett J. Gil­bert und Rob Sparks | Rory Mul­doon | 3 bis 15 Minu­ten | 2–6 Per­so­nen | 8+ | The Game Builders


Auf die Eier von Udo Peise – erschienen bei Game Factory

Auf die Eier - Box
Bild: Game Factory

Oli­ver Kahn sei dank: AUF DIE NÜSSE war mal – nun heißt es AUF DIE EIER! Die bekannt klei­ne Blech­box aus dem Hau­se Game Fac­to­ry ist wie­der voll­be­packt mit Wür­feln. Deren Sei­te zei­gen Pfan­ne und Koch­topf, auf­ge­schla­ge­ne und noch intak­te Eier. Sowie Hüh­ner und grü­ne – und damit ver­faul­te – Eier. Klas­si­scher KNIF­FEL-Logik fol­gend, dür­fen wir in unse­rem Spiel­zug die­se Wür­fel bis zu drei­mal wer­fen. Dabei haben wir vie­le Frei­hei­ten beim Zur-Sei­te-legen und Noch-mal-Wer­fen. Ledig­lich die gewor­fe­nen fau­len Eier müs­sen bei den Mit­spie­len­den gela­gert wer­den. Die­se sor­gen für einen krö­nen­den Abschluss des Spiel­zugs. Denn die­se Wür­fel wer­den jetzt von den Mit­spie­len­den noch ein­mal gewor­fen, womit man­che Kom­bi­na­ti­on viel­leicht ver­bes­sert oder gesprengt wird – was ent­spre­chend unter­schied­li­che Emo­tio­nen auslöst.

Die­se Kom­bi­na­tio­nen sind recht ein­fach zu ver­ste­hen. Auf­ge­schla­ge­ne Eier wol­len mit Pfan­nen kom­bi­niert wer­den, der Koch­topf benö­tigt intak­te Eier zum Punk­ten. Bei den Hüh­nern wird eine bestimm­te genaue Anzahl gefor­dert, deren Wert im Lauf der Par­tie erst ansteigt und spä­ter wie­der abfällt. Für alle das gibt es Punk­te, die wir auf einem sepa­ra­ten Zet­tel notie­ren müs­sen. Soll­ten im Nach­wurf wie­der fau­le Eier auf­tau­chen, so zer­stö­ren die­se bestehen­de Kombinationen.

Das machen wir so lan­ge, bis jemand die 100-Punk­te­mar­ke über­schrei­tet. Bis dahin wird gewür­felt, gelacht, geflucht, geze­tert und geju­belt. AUF DIE EIER schafft es per­fekt Wür­fel­spiel-Emo­tio­nen in eine wil­de Zocke­rei zu ver­dich­ten. Wie auch im eben­falls emp­feh­lens­wer­ten AUF DIE NÜSSE sind dabei die Mit­spie­len­den nicht zum Zuschau­en ver­dammt, son­dern wer­den aktiv ein­ge­bun­den. Es ist ein klei­ner, aber genia­ler Kniff, dass die Nach­wür­fe der fau­len Eier nicht von einem selbst durch­ge­führt wer­den, son­dern die­ses Glücks­ele­ment in frem­de Hän­de gelegt wird. Das öff­net Raum für Table Talk und schafft ein gemein­sa­mes Erlebnis.

Wie­der ein­mal steckt ein pfif­fi­ges Spiel in einer klei­nen Blech­box. Und even­tu­el­le Dor­nen der nun über­reich­ten Rose kön­nen zum Anpi­ken der Scha­le benutzt wer­den, bevor die Eier gekocht werden.

Auf die Eier | Udo Pei­se | Cyril Bou­quet | 15 Minu­ten | 2–5 Per­so­nen | 8+ | Game Factory


Petiquette von Thomas Sellner – erschienen bei Oink Games

Petiquette - Box
Bild: Oink Games

Peti­quet­te? Was soll das sein? Mei­ne ers­te Asso­zia­ti­on ist Eti­ket­te. Und damit lie­ge ich womög­lich gar nicht so falsch. Schließ­lich ist ein Ver­hal­ten gemäß Eti­ket­te ein "iden­ti­täts­stif­ten­des Zei­chen der Zuge­hö­rig­keit zu einer sozia­len Grup­pe inner­halb einer Gesell­schaft." Doch um mich grup­pen­kon­form zu ver­hal­ten, muss ich erst ein­mal erra­ten, was die Grup­pe denkt. Was sind denn die gemein­sa­men Regeln?

PETIQUETTE ist ein beson­de­res Spiel. Viel­leicht sogar eines, wel­ches irgend­wann als Grup­pe gelöst wird. Es ist eine Art One-Off-Spiel, so wie Peer Syl­ves­ter die­se Art Spiel neu­lich bei sei­ner Bespre­chung zu COMPRESS defi­niert hat. Denn als sen­si­ble Grup­pe groo­ven wir uns mit der Zeit viel­leicht ein und fin­den einen gemein­sa­men Lösungs­code. In mei­nen vie­len wech­seln­den Grup­pen kam es aller­dings nie dazu. Aber selbst wenn es so sein soll­te, ist der Weg dort­hin kein leich­ter – aber ein span­nen­der! Und einer, der uns lehrt: Es gibt kein rich­tig, es gibt kein falsch. Wir ler­nen unter­schied­li­che Denk­wei­sen ken­nen und wertzuschätzen.

Was machen wir in PETIQUETTE? Zufäl­lig wird in der Mit­te eine Rei­he aus Kar­ten gebil­det, wobei eine davon ledig­lich ein Fra­ge­zei­chen anzeigt. Unse­re Auf­ga­be besteht dar­in, die­ses Fra­ge­zei­chen durch eine selbst gestal­te­te Kar­te zu erset­zen. Wobei die ande­ren Kar­ten uns Hin­wei­se geben. Die Fra­ge lau­tet: Wie sähe eine sinn­vol­le Rei­he aus? Soll auf Kat­ze, Ente, Hund nun viel­leicht wie­der die­se Abfol­ge anschlie­ßen? Oder bes­ser gespie­gelt, oder viel­leicht sogar Hund, Hund, Kat­ze, weil die ande­ren Eigen­schaf­ten "Kopf­be­de­ckung" und "Zah­len­wert" eben­falls mit bedacht wer­den wol­len. Wir suchen Mus­ter in der Abfol­ge. Und oft­mals ist das ledig­lich ein Gefühl.

Das machen wir alle gleich­zei­tig und ver­deckt. In der Auf­lö­sungs­pha­se wer­den wir belohnt, wenn wir unter­ein­an­der Über­ein­stim­mun­gen haben. Dabei ist es fas­zi­nie­rend zu erle­ben, wie unter­schied­lich wir den­ken. Was emp­fin­den wir als logi­sche Abfol­ge und was nicht? Natür­lich erklä­ren wir uns nach der Auf­lö­sung uns Ideen – und gera­ten meist in eine wil­de, aber nicht ernst gemein­te Dis­kus­si­on. Schließ­lich gibt es kei­ne vor­ge­ge­be­ne Lösung. Es gibt kein rich­tig, kein falsch.

Mit die­sem ver­bin­den­den Ansatz ist es wenig ver­wun­der­lich, dass PETIQUETTE im japa­ni­schen Ver­lag Oink Games ver­öf­fent­licht wur­de. Die­ser ist immer für Pber­ra­schun­gen gut. Aller­dings zeigt die Her­kunft von Autor Tho­mas Sell­ner, dass fern­öst­li­che Phi­lo­so­phie auch in unse­rem Kul­tur­kreis Wur­zeln geschla­gen hat. Sol­che hat PETIQUETTE auch in mei­nem Regal gebil­det und erhält somit die wohl­ver­dien­te Rose.

Peti­quet­te | Tho­mas Sell­ner | His­an­ori Hirao­ka | 20 Minu­ten | 2–6 Per­so­nen | 7+ | Oink Games


Hin­weis: für die Bespre­chung wur­den von den Ver­la­gen Rezen­si­ons­exem­pla­re zur Ver­fü­gung gestellt

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