kritisch gespielt: Calavera

Calavera von Klaus-Jürgen Wrede – erschienen im moses. Verlag

Calavera - Box
Foto: moses. Ver­lag

Wenn ich schon die Kate­go­rie "Jeder nur ein Kreuz!" füh­re, dann dür­fen dabei schluss­end­lich auch Toten­köp­fe nicht feh­len. Glück­li­cher­wei­se bie­tet dafür nun der moses. Ver­lag mit CALAVERA ein pas­sen­des Spiel an. Jetzt fehlt nur noch ein Roll-and-Wri­te-Spiel mit fal­schen Bär­ten, oder ein Spiel um die Volks­front von Judäa oder...

The­ma... ist nicht wirk­lich vor­han­den. Der Titel und die Gestal­tung geben aber zumin­dest einen the­ma­ti­schen Rah­men vor. Der namens­ge­ben­de Toten­kopf spielt auf den Dìa de Muer­tos an, den ich eigent­lich nur aus dem James Bond Film "Spec­t­re" ken­ne.

Illus­tra­tio­nen… sind vom Krea­tiv­bun­ker und erfül­len mei­ne Kli­schees von Mexi­ko bzw. des Dìa de Muer­tos. Also Auf­trag erfolg­reich aus­ge­führt – und neben­bei ist alles funk­tio­nal und sieht auch noch gut aus!

Schiebebox
die­se Box könn­te ger­ne zum Stan­dard wer­den

Aus­stat­tung… ist wie eigent­lich immer beim moses. Ver­lag hoch­wer­tig. Beson­ders gut gefällt mir der her­aus­schieb­ba­re Schach­tel­bo­den. Denn dadurch erhöht sich die Wahr­schein­lich­keit, dass sich beim Trans­port nicht der Inhalt doof in der Tasche ver­teilt. Bei vie­len ande­ren klei­nen Spiel­chen geht es mir näm­lich oft so, dass sich irgend­wann der Deckel löst und alles durch­ein­an­der gerät. Bei den Wür­feln hat man übri­gens an Farb­fehl­sich­ti­ge gedacht. Aller­dings stim­men lei­der die Far­ben der Wür­fel nicht ganz mit den Far­ben des Blo­ckes über­ein.

Calavera - Ende
wenn alle Rei­hen ein­ge­fro­ren sind, endet das Spiel

Ablauf… von jeder Far­be sam­melt man mög­lichst vie­le Kreu­ze auf sei­nem Wer­tungs­blatt. Aller­dings kommt dann der Zeit­punkt, an dem man kei­ne wei­te­ren Kreu­ze machen will, son­dern statt­des­sen die jewei­li­ge Farb­rei­he ein­frie­ren möch­te. Denn kommt eine Rei­he in die "Todes­zo­ne", dann bekommt man weni­ger Punk­te – und wenn man Pech hat sogar Minus­punk­te.

Das hat man aller­dings nur bedingt in der eige­nen Hand. Denn sobald bei einem Wür­fel­er­geb­nis ein Toten­kopf dabei ist, müs­sen die Mit­spie­ler eben­falls Kreu­ze machen. Anfangs freut man sich noch dar­über, da man Son­der­punk­te erhält, wenn alle Rei­hen eine der Wer­tungs­li­ni­en erreicht haben. Am Ende hält sich die Freu­de über die­se Geschen­ke aber in Gren­zen.

Calavera - Würfel
gern (Rosen) und ungern (Toten­köp­fe) gese­he­ne Wür­fel­sei­ten

Das gefällt mir nicht so gut: Der Spiel­spaß von CALAVERA ergibt sich aus dem End­spiel um das Ein­frie­ren der Farb­rei­hen. Bis dahin plät­schert eine Par­tie vor sich hin und jeder ver­sucht, so vie­le Kreu­ze wie mög­lich zu machen. Rich­tig span­nend und rele­vant wird es dann erst am Ende. Dabei kann das End­spiel dann aber ziem­lich frus­tig sein. Denn zum Ein­frie­ren muss man Rosen wür­feln (erst zwei, dann drei). Schafft man das nicht, ver­sucht man nur noch klei­ne Schrit­te zu machen, um das Übel erst ein­mal von einem fern zu hal­ten. Dabei ergibt sich aber für die­sen Spie­ler ein unbe­frie­di­gen­des Spiel­ge­fühl – im Gegen­satz zur Scha­den­freu­de der Mit­spie­ler, die sich dar­an ergöt­zen. Vor allem in der Situa­ti­on, wenn man nur noch eine oder zwei Farb­rei­hen geöff­net hat, kann man sich von CALAVERA gespielt füh­len. Dann bekommt man den Ein­druck, nicht wirk­lich Ein­fluss auf das Ergeb­nis zu haben.

Die Aus­stat­tung von CALAVERA ist super – und da fällt es lei­der leicht, auf hohem Niveau zu jam­mern. Denn auch bei solch klei­nen Boxen erwar­te ich mitt­ler­wei­le, dass zumin­dest schon ein paar klei­ne Blei­stif­te vor­han­den sind. Es gibt nicht blö­de­res, wenn man eine Run­de gemein­sam zocken will und dann fest­stel­len muss, dass kei­ner einen Stift dabei hat. Die Farb­un­ter­schie­de zwi­schen Wür­fel und Block fin­de ich dahin­ge­gen nicht so schlimm. Puris­ten mögen sich dar­an stö­ren, aber trotz leich­ter Unter­schie­de las­sen sich die Far­ben doch ein­deu­tig zuord­nen. Mitt­ler­wei­le habe ich ver­nom­men, dass die Far­ben doch nicht per­fekt sind für man­che Farb­fehl­sich­ti­ge. Somit wären wohl leicht unter­schied­li­che Sym­bo­le (Kreis, Qua­drat, Drei­eck) die noch bes­se­re Lösung für die­ses Pro­blem gewe­sen.

Calavera - Ausstattung
schnell und gemein – aber nicht plan­bar

Das gefällt mir gut: CALAVERA hat ein geschick­tes Nicht-The­ma. Denn der Toten­kopf des Covers impli­ziert schon deut­lich, dass es ein "böses" Spiel ist. Im Gegen­satz zu vie­len ande­ren Roll-and-Wri­te-Spie­len kann man näm­lich sei­nen Mit­spie­lern mäch­tig in die Sup­pe spu­cken – ob jetzt bewusst oder durch Zufall. Somit fühlt sich eine Run­de CALAVERA erstaun­lich inter­ak­tiv an. Stän­dig fie­bert man auch bei den Wür­fen der Mit­spie­ler mit und hofft dar­auf, dass ihnen schlech­tes und mir gutes wider­fährt.

Auf­grund der Kür­ze einer Run­de ver­zeiht man dabei schnell, wie gering doch eigent­lich der eige­ne Ein­fluss ist. Man freut sich, wenn man die Mit­spie­ler anfangs nicht par­ti­zi­pie­ren lässt (weil man schon nach dem ers­ten Wurf auf­hört, da kein Toten­kopf gewür­felt wur­de). Man johlt, wenn ein ande­rer in sei­nem Wurf drei Toten­köp­fe wür­fel­te. Denn dann geht die­ser leer aus und die rest­li­chen Wür­fel ste­hen den ande­ren zur Ver­fü­gung. Wirk­lich plan­bar ist es nicht, da Pech­vö­gel ger­ne aus Prin­zip das fal­sche wür­feln. Aber man hat gemein­sam eine schö­ne Zeit. Im End­ef­fekt ist CALAVERA also nicht mehr als ein klei­nes Wür­fel­spiel – aller­dings will es auch gar nichts ande­res sein.

Fazit: CALAVERA ist für eine schnel­le Wür­fel­zo­cke­rei eine gute Wahl, wenn man Spaß an Scha­den­freu­de hat. Aller­dings soll­te man nicht zu ver­bis­sen an die Sache her­an­ge­hen, denn unter Umstän­den benö­tigt man selbst ein dickes Fell.

 

Titel Cala­ve­ra
Autor Klaus-Jür­gen Wre­de
Illus­tra­tio­nen Krea­tiv­bun­ker
Dau­er etwa 15 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 2 bis 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe todes­mu­ti­ge Wür­fel­spie­ler
Ver­lag moses. Ver­lag
Jahr 2019

 

Ich bedan­ke mich beim moses. Ver­lag für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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