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kritisch gespielt: Roll for the Galaxy

Roll for the Galaxy von Wei-Hwa Huang und Tom Lehmann erschienen bei Pegasus Spiele

Dies ist ein Update des Ersteindrucks!
Cover Roll for the Galaxy
Foto: Pega­sus Spieleverlag

Zum Ende des Jah­res gibt es als Abschluss noch ein paar aus­führ­li­che Ein­drü­cke zu mei­nem per­sön­li­chen Spiel des Jah­res. ROLL FOR THE GALAXY hat sicher­lich die ein oder ande­re Kan­te, aber trotz­dem ist es ziem­lich unan­ge­foch­ten das meist gespiel­te Spiel im Jahr 2016.

The­ma... ist gege­ben, aber zum Glück nicht all zu sehr im Vor­der­grund – ich bin näm­lich nicht unbe­dingt ein Fan von Welt­raum­spie­len. Des­we­gen sehe ich es durch­aus als Vor­teil an, dass das The­ma nicht domi­niert. Es ist aber genug The­ma vor­han­den, um die Spiel­re­geln dar­über ver­ständ­li­cher zu machen. Ziel ist es, neue Pla­ne­ten zu bevöl­kern und neue Tech­no­lo­gien zu ent­wi­ckeln. Und wenn man es dann noch schafft, auf den Pla­ne­ten Waren zu erzeu­gen und die­se zu ver­schif­fen, dann kann man sich wie ein klei­ner Gala­xien­herr­scher fühlen.

Roll for the Galaxy - Tableau
Mini-Impe­ri­um im Wachsen

Gra­fik... ist von Mar­tin Hoff­mann, Claus Ste­phan sowie Mir­ko Suzu­ki. Ich emp­fin­de die Gra­fik atmo­sphä­risch gelun­gen und in sich stim­mig. Ins­be­son­de­re die Cover-Gestal­tung gefällt mir außer­or­dent­lich gut. Wirk­lich her­vor­zu­he­ben ist die Sym­bol­spra­che. Die Sym­bo­le sind nicht nur in sich ein­deu­tig, son­dern auch leich­ter zu ver­ste­hen als die Sym­bo­le des Kar­ten­spiel-Vor­gän­gers RACE FOR THE GALAXY.

Roll for the Galaxy - Würfel
vie­le bun­te Sm... äh ... Würfel

Aus­stat­tung... ist ein Hin­gu­cker! Ins­be­son­de­re 111 Wür­fel zie­hen die Augen der umlie­gen­den Men­schen auf sich (und auch die Ohren). Die Wür­fel sind zwar recht klein, aber sonst hät­te man auch mas­si­ve Platz­pro­ble­me. Denn auch der Rest will auf dem Tisch unter­ge­bracht wer­den. Die­ser Rest besteht unter ande­rem aus Spie­ler­ta­bleaus, Befehls­leis­ten, Sicht­schir­men, Sieg­punk­te­chips und ganz wich­tig einem Nach­zieh­sack für die vie­len Pla­ne­ten und Ent­wick­lun­gen in Form von Pappplätt­chen. Alles in guter Qua­li­tät – aller­dings auch nicht ganz perfekt.

Roll for the Galaxy - Becher
farb­ech­te Lärm­re­du­zie­rung – mei­ne Toch­ter ver­misst nun nur ihr Moosgummi

Den wer mäkeln will, kann das über die mit­ge­lie­fer­ten far­bi­gen Wür­fel­be­cher aus Plas­tik tun – die machen näm­lich beim Wür­feln ordent­lich Krach! Nur gut, dass man sich bei die­sem Pro­blem mit bspw. Moos­gum­mi hel­fen kann (ich habe eine Vor­la­ge bei BGG benutzt – aber Vor­sicht bei der Grö­ße des Papiers beim Aus­dru­cken). Und bei den Wür­feln ist der Auf­druck auch nicht immer ganz zen­triert, auch wenn dadurch die Funk­ti­on nie wirk­lich beein­träch­tigt ist. Vor­bild­lich sind die Sicht­schir­me gestal­tet, da dort auf der Innen­sei­te sehr gut die Regeln zusam­men­ge­fasst wer­den – inklu­si­ve einer Über­sicht der Ver­tei­lung der Sym­bo­le auf den Würfeln.

Roll for the Galaxy - Sichtschirm
Spiel­re­gel auf Sicht­schirm – gut, dass ich schon eine Bril­le habe

Ablauf... ist geni­al. Wie auch schon bei RACE FOR THE GALAXY besteht das Spiel aus meh­re­ren Pha­sen. Man selbst kann jedoch nur eine Pha­se im aktu­el­len Durch­gang aktiv bestim­men. Damit auch die ande­ren Pha­sen im Durch­gang gespielt wer­den, müs­sen die­se von den Mit­spie­lern aus­ge­wählt wer­den. Und hier fängt das Krib­beln im Spie­ler­bauch schon an: kann ich mir sicher sein, dass Pha­se X von mei­nen Nach­barn gewählt wird und wäh­le des­we­gen lie­ber Pha­se Y? Oder gehe ich auf Num­mer sicher und wäh­le selbst Pha­se X? Außer­dem soll­te ich für den­Fall gewapp­net ein, dass viel­leicht auch Pha­se Z gespielt wird...

Bei ROLL FOR THE GALAXY kommt aber noch hin­zu, dass es ein Wür­fel­spiel ist – und die­se klei­nen gemei­nen Din­ger haben es nun ein­mal an sich, dass sie sel­ten das Sym­bol anzei­gen, was man sich gera­de wünscht. So will man nun unbe­dingt eine Ent­wick­lung abschlie­ßen, da danach das Sie­deln ein­fa­cher wird – und wür­felt dann aber nur Erkun­den-Sym­bo­le. Ein wenig las­sen sich die Wür­fel­er­geb­nis­se regel­kon­form beein­flus­sen, aber im Gro­ßen und Gan­zen ist man von den gewor­fe­nen Wer­ten abhän­gig. Hier gilt es einer­seits das Bes­te dar­aus zu machen bzw. sich voher schon mit den ver­schie­den ange­ord­ne­ten Wür­fel­sym­bo­len aus­ein­an­der zu set­zen. Habe ich bspw. vie­le rote Mili­tär-Wür­fel, dann soll­te ich ver­mehrt auf Ent­wi­ckeln und Sie­deln setzen.

Im Gegen­satz zum Kar­ten­spiel RACE FOR THE GALAXY wird nun auch schon erst pro­du­ziert und dann ver­schifft – und nicht umge­kehrt. Somit habe ich das Gefühl, dass das Spiel grad­li­ni­ger und damit auch schnel­ler ist. Eben­falls sind nun die Kos­ten der Ent­wick­lun­gen bzw. Pla­ne­ten am Ende auch gleich die Sieg­punk­te und es gibt kei­ne extra Mili­tär­wel­ten. Das alles macht es Anfän­gern leich­ter und somit ist die Ein­stiegs­hür­de in ROLL FOR THE GALAXY nicht ganz so hoch. Sie ist jedoch auch nicht zu unter­schät­zen, denn es sind schon sehr vie­le klei­ne Son­der­re­geln zu berücksichtigen.

Roll for the Galaxy - Banker
unglück­lich, wer die Mit­te des Hot Dogs ist – der blaue Ban­ker kommt arg dünn daher

Das gefällt mir nicht so gut: Die Inter­ak­ti­on ist eher gering. Natür­lich sind beim Aus­wäh­len der Pha­sen schon die Mit­spie­ler zu beach­ten – aber manch­mal kom­men dabei eben die Zwän­ge der Wür­fel hin­zu, wel­che die abseh­ba­ren Absich­ten der Mit­spie­ler wie­der in den Hin­ter­grund rücken las­sen. Die Abhand­lung der ein­zel­nen Pha­sen erfolgt dann in geüb­ten Run­den meist simul­tan, so dass jeder vor sich hin wursch­telt und man dann erst wie­der zum Wür­feln auf­ein­an­der ach­ten muss. Die immer mehr wer­den­den Son­der­ei­gen­schaf­ten der Ent­wick­lun­gen ver­stär­ken die­ses Gefühl, da man sich ab einer gewis­sen Häu­fung die gan­zen Modi­fi­ka­tio­nen der Mit­spie­ler ohne­hin nicht mehr mer­ken kann. ROLL FOR THE GALAXY ist schon eher ein "Mul­ti­play­er-Soli­tär­spiel".

Die ein­zel­nen Start­kom­bi­na­tio­nen wer­den zufäl­lig bestimmt und kön­nen bei man­chen Mit­spie­lern natür­lich wesent­lich bes­ser zusam­men pas­sen als bei ande­ren. Wahr­schein­lich ist sogar, dass damit die Chan­cen auf den Spiel­sieg bei man­chen schon arg ein­ge­schränkt sind. Wett­be­werbs­spie­ler haben damit sicher­lich ein Pro­blem. Ich selbst emp­fin­de das als nicht schlimm, son­dern neh­me lie­ber die­se Her­aus­for­de­rung an (bzw. freue mich, wenn mei­ne Start­kom­bi­na­ti­on gut zusam­men passt)

Man­che Mit­spie­ler haben auch beklagt, dass das Spiel Schumm­lern Tür und Tor öff­ne. Denn was jemand gewür­felt hat und dann hin­ter sei­nem Sicht­schirm zurecht legt, dass kön­ne man nicht kon­trol­lie­ren. Dem kann ich nichts ent­ge­gen­set­zen, denn hier ist wirk­lich den Mit­spie­lern zu ver­trau­en. Aber wenn man die­ses Ver­trau­en nicht hat, dann soll­te man sich viel­leicht über­le­gen, ob es die rich­ti­gen Mit­spie­ler sind.

Roll for the Galaxy - Siegpunkte
Maja-Zah­len im All? Sieg­punk­te zäh­len leicht gemacht

Das gefällt mir gut: Mit der ange­spro­che­nen Inter­ak­ti­ons­ar­mut kann ich gut leben. Denn dadurch kann man das Spiel auch sehr gut schnell spie­len. In die­ser kur­zen Zeit muss man stän­dig vie­le klei­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen. Manch­mal machen die Wür­fel mit und die Plä­ne gehen wun­der­bar auf – manch­mal muss man ganz schön kämp­fen, damit zumin­dest ein wenig was klappt. Man hat dann dabei aber nie das Gefühl, dass man chan­cen­los wäre, son­dern erfreut sich am Auf­bau sei­ner Gala­xie und den immer mehr wer­den­den Möglichkeiten.

Durch die unter­schied­li­chen Kom­bi­na­tio­nen gibt es einen Men­ge unter­schied­li­cher Tak­ti­ken. Set­ze ich ver­mehrt auf wert­vol­le Pla­ne­ten oder will ich mei­ne Punk­te lie­ber über die Waren­ver­schif­fun­gen machen? Spie­le ich auf Zusatz­punk­te durch Ent­wick­lun­gen oder mache ich das Spiel schnell, damit mei­ne Mit­spie­ler nicht ihre Punk­te-Maschi­ne­rie ans Lau­fen brin­gen? Die Mög­lich­kei­ten sind viel­fäl­tig aber nicht belie­big. Ein unge­üb­ter Spie­ler wird sicher­lich wenig Chan­cen gegen einen geüb­ten Spie­ler haben – was mei­ner Mei­nung für das Spiel spricht. Denn das Gute dar­an ist: der unge­üb­te Spie­ler wird trotz­dem mit einem posi­ti­ven Spiel­ge­fühl belohnt werden.

Roll for the Galaxy - Phasen
zu sehen der Spe­zi­al­wür­fel für die 2‑Per­so­nen-Vari­an­te

Auch zu zweit spie­le ich das Spiel sehr ger­ne. Dabei nut­zen wir eine Vari­an­te, die ode. (ich sag nur LA GRANJA: NO SIESTA!) mal bei unkonwns.de ver­öf­fent­licht hat. Dabei wird zur Bestim­mung einer poten­zi­ell drit­ten Pha­se nicht ein nor­ma­ler wei­ßer Wür­fel benutzt, son­dern ein Wür­fel mit der Augen­ver­tei­lung 1−1−1−2−2−3 (den kann man z.B. aus GLEN MORE neh­men – ich habe mir einen Lego-Wür­fel ange­passt). Die­ser wird dann dazu bestimmt, die Lauf­wei­te des Wür­fels auf den Pha­sen zu bestim­men. Es bleibt zwar zufalls­be­stimmt, aber ist trotz­dem etwas planbarer.

Fazit: ROLL FOR THE GALAXY hat für mich vie­les, was ein gutes Spiel auf­wei­sen muss. Neben einem über­zeu­gen­den The­men­be­zug und einer sehr guten Aus­stat­tung nebst Regeln, ist es natür­lich vor allem der Spiel­spaß, der ganz groß ist. Die Inter­ak­ti­on ist zwar eher gering, aber dadurch kann bei geüb­ten Spie­lern eine Par­tie sehr schnell gespielt wer­den. Die mög­li­chen Stra­te­gien sind unter­schied­lich und hän­gen von den zufäl­li­gen Ent­wick­lun­gen und Pla­ne­ten ab. Dadurch – und natür­lich auch durch die Wür­fel – ist der Glücks­an­teil recht groß. Ich kann damit aber gut leben, wer­de ich doch mit einem posi­ti­ven Spiel­ge­fühl und Emo­tio­nen belohnt.

 

TitelRoll for the Galaxy
AutorWei-Hwa Huang und Tom Lehmann
Gra­fikMar­tin Hoff­mann, Claus Ste­phan sowie Mir­ko Suzuki
Dau­er30 bis 45 Minuten
Spie­ler­an­zahl2 bis 5
Ziel­grup­peKen­ner­spiel
Ver­lagPega­sus
Jahr2016

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