kritisch gespielt: Spiele-Comic Krimi: Sherlock Holmes – In Sachen Irene Adler

Spiele-Comic Krimi: Sherlock Holmes – In Sachen Irene Adler von CED – erschienen bei Pegasus Spiele

Spiele Comic Holmes - In Sachen Irene Adler - Cover
Foto: Pega­sus Spie­le

So lang­sam füh­le ich mich als Hof­be­richt­erstat­ter der Spie­le-Comics von Pega­sus. Das spricht natür­lich einer­seits für die­ses beson­de­re Kon­zept von Aben­teu­er-Comics, da ich sie immer noch ger­ne in die Hand neh­me. Ande­rer­seits stellt mich das auch vor das Pro­blem, dass ich Gefahr lau­fe, mich dau­ernd zu wie­der­ho­len (was irgend­wie zwangs­läu­fig aber pas­sie­ren wird). Und da mir kein Wort­spiel zu IN SACHEN IRENE ADLER ein­fällt ("Zur Sache, Schätz­chen" ist doch sehr weit her­ge­holt), been­de ich rela­tiv ertrag­los die­se Ein­lei­tung.

The­ma... Kon­kur­renz belebt das Geschäft! So muss sich Meis­ter­de­tek­tiv Sher­lock Hol­mes nun einem Wett­streit mit Ire­ne Adler stel­len. Die­se hat vor kur­zem ein Detek­tiv­bü­ro in Lon­don eröff­net und for­dert Hol­mes her­aus. Da die­ser nun lie­ber mit ihr als mit Dr. Wat­son die Tat­or­te begut­ach­tet, kommt es zu dem Unglück, dass Dr. Wat­son ent­führt wird. So wird dann schnell aus Kon­kur­ren­ten Kol­le­gen.

Spiele Comic Holmes - In Sachen Irene Adler - Verhör
knuf­fi­ge Gesich­ter – mit Abgrün­den dahin­ter?

Illus­tra­tio­nen… sind lei­der nicht mehr von Guil­lau­me Bou­t­anox, der den zwei­ten Teil die­ser Rei­he zeich­nen durf­te. Somit ist CED (Céd­ric Asna) nicht nur Autor, son­dern eben auch Illus­tra­tor. Lei­der des­we­gen, weil Bou­t­anox die Zeich­nun­gen erwach­se­ner aus­se­hen ließ. Der Stil von CED ist dahin­ge­gen eher "kind­lich", was so aber nicht ganz dem Inhalt gerecht wird. Aller­dings hat­te ich auch den Ein­druck, dass CED ver­sucht hat, sei­nen Stil ein wenig an den von Bou­t­anox anzu­pas­sen.

Aus­stat­tung… ein Buch ist ein Buch ist ein Buch.

Ablauf… wie schon in der Ein­lei­tung ange­kün­digt und befürch­tet, wie­der­ho­le ich mich: wie nun schon öfters beschrie­ben, erlebt man bei den Spie­le-Comics einen Aus­schnitt aus einer Sto­ry und muss sich dann ent­schei­den, wie die Geschich­te wei­ter gehen soll. Gesteu­ert wird das über Zah­len, mit denen die ein­zel­nen Comic-Aus­schnit­te ver­se­hen sind. Meist sieht man sich dabei erst an einem Tat­ort um und beginnt dann mit den Befra­gun­gen von Zeu­gen. Die Geschich­te ist dabei sehr strin­gent auf­ge­baut und man hat wenig Mög­lich­kei­ten zum Abschwei­fen. Am Ende eines Fal­les legt man sich auf einen Ver­däch­ti­gen fest und folgt dann wei­ter der Sto­ry – die dann einen neu­en Fall parat behält. Ins­ge­samt sind in SHERLOCK HOLMESIN SACHEN IRENE ADLER drei unter­schied­li­che Fäl­le ent­hal­ten (wobei der drit­te recht kurz gehal­ten ist).

Spiele Comic Holmes - In Sachen Irene Adler - Kontakte
alt­be­kann­te Kon­tak­te von Sher­lock

Eine Beson­der­heit ist nun, dass man eine Art Duell aus­fech­ten kann. Wäh­rend der eine Spie­ler Ire­ne Adler steu­ert, kann der ande­re Sher­lock Hol­mes sein. So soll die Sto­ry noch tie­fer erlebt wer­den. Dabei kön­nen bei­de Spie­ler auf unter­schied­li­che eige­ne Kon­tak­te zurück­grei­fen, die mehr oder weni­ger sinn­vol­le Hil­fen zu den Fäl­len geben kön­nen.

Spiele Comic Holmes - In Sachen Irene Adler - Duell
das Duell wirkt auf­ge­setzt

Das gefällt mir nicht so gut: Das Detek­tiv-Duell emp­fin­de ich als auf­ge­setzt. Auch in den ande­ren Büchern konn­te man die Fäl­le aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven bear­bei­ten – ohne dass dies zu einem Wett­be­werb auf­ge­bauscht wur­de. Natür­lich kann man so die Sto­ry ein wenig ver­tie­fen. Aber anstatt die­ses künst­lich wir­ken­den Kniffs hät­te ich lie­ber einen Fall mehr zum ermit­teln gehabt. Denn das vor­lie­gen­de Buch ist das bis­her kür­zes­te in der Rei­he. Umfass­te Band 1 noch 324 Abschnit­te und Band 2 275 Abschnit­te, sind es nun "nur" noch 194 Abschnit­te. Hof­fent­lich geht die­se Ent­wick­lung nicht wei­ter in die­se Rich­tung.

Ansons­ten bleibt die Hand­ha­bung teil­wei­se etwas ner­vig. Wei­ter­hin ist man stän­dig am vor und zurück blät­tern, da man immer wie­der an bestimm­te Aus­gangs­or­te zurück­keh­ren muss. Das ist der in Kauf zu neh­men­de Nach­teil, wenn man so Ele­men­te wie Tat­or­te und Befra­gun­gen in Buch­form umset­zen muss. Zusätz­lich ist es wenig emp­feh­lens­wert, mit­ten in einem Fall das Buch zur Sei­te zu legen und in ein paar Tagen wei­ter­zu­ma­chen. Denn dann ist es frag­lich, ob man sich die vie­len klei­nen Details mer­ken kann. Ich emp­feh­le des­we­gen drin­gend, die ein­zel­nen Fäl­le am Stück zu lösen.

Die Erfolgs­ska­la am Ende fin­de ich immer noch unnö­tig, aber man kann sie glück­li­cher­wei­se auch ein­fach igno­rie­ren. Mir ist das Gefühl wich­ti­ger, einen Fall gelöst zu haben, als dass ich nun noch wis­sen will, wie gut ich dabei abge­schnit­ten habe.

Das gefällt mir gut: Glück­li­cher­wei­se bleibt die recht hohe Qua­li­tät der ein­zel­nen Fäl­le erhal­ten. Wei­ter­hin macht es näm­lich gro­ßen Spaß, Zeu­gen zur ver­neh­men und Indi­zi­en zu sam­meln. Dabei ist das Ver­hält­nis Text-Rät­sel zu Bild-Rät­sel recht gut ver­teilt. Man muss schon bei­de Ebe­nen ernst neh­men, um zur Lösung zu kom­men.

Spiele Comic Holmes - In Sachen Irene Adler - Fall-Auflösung
da der Tat­ort schon vor­ge­ge­ben ist, ist der Fall nun all­um­fas­send auf­ge­klärt

Die­ses Mal reicht es übri­gens nicht aus, ledig­lich den Täter zu fin­den. Ganz den klas­si­schen Mus­tern fol­gend, gilt es nun auch noch das Motiv und die Tat­waf­fe zu ermit­teln. Nur wenn man alle drei Aspek­te rich­tig gelöst hat, darf man sich als Meis­ter-Detek­tiv füh­len.

Wei­ter­hin gut gefällt mir die Art und Wei­se der Auf­lö­sung der Fäl­le. Die­se ist ein­deu­tig und sicht­bar am Ende des Buches plat­ziert, so dass man nicht zufäl­lig unbe­kann­tes Wis­sen erlan­gen kann. Sehr gut fin­de ich eben­falls, dass im Gegen­satz zu den Rit­ter-Comics auch die klei­nen Zwi­schen­rät­sel auf­ge­löst wer­den. Zusätz­lich wird nun auch schon direkt nach einem Fall die Rück­mel­dung gege­ben, ob man die­sen erfolg­reich gelöst hat oder nicht. Man muss also nicht erst das gan­ze Buch durch­spie­len, um eine Rück­mel­dung zum ers­ten Fall zu bekom­men.

Spiele Comic Holmes - In Sachen Irene Adler - Lösungen
Rät­sel lösen macht am meis­ten Spaß!

Fazit: Auf­grund der Fül­le mei­ner Bei­trä­ge zu den Spie­le-Comics muss ich nicht dau­ernd wie­der­ho­len, dass die­se mir Spaß machen – denn ansons­ten wür­de ich kaum die not­wen­di­ge Zeit dafür inves­tie­ren. Die liebs­ten Bücher die­ser Rei­he sind mir dabei die Hol­mes-Kri­mis. Ich fin­de es nun ein­mal inter­es­san­ter, Rät­sel zu lösen als Mons­ter oder ande­re Geg­ner zu bekämp­fen. Somit freue ich mich, dass bald auch der vier­te Teil (AUF DEN SPUREN VON JACK THE RIPPER) erschei­nen wird.

 

Titel Spie­le-Comic Sher­lock Hol­mes – In Sachen Ire­ne Adler
Autor CED
Illus­tra­tio­nen CED
Dau­er 30 bis 45 Minu­ten pro Fall
Spie­le­ran­zahl 1 bis 2 Spie­ler
Ziel­grup­pe Rät­sel­freun­de
Ver­lag Pega­sus
Jahr 2018

 

Ich bedan­ke mich bei Pega­sus für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere