kritisch gespielt: Doublehead Kids

Doublehead Kids (Doppelkopf für Kinder) – erschienen im studio trojan

Doublehead Kids - Cover
Foto: stu­dio tro­jan

Bei mei­nem Blick in die Glas­ku­gel zum Spiel des Jah­res 2020 ver­wies ich im Zusam­men­hang zur DIE CREW schon dar­auf, dass SKAT und DOPPELKOPF deut­sches Kul­tur­gut sind. Bei SKAT ist das sogar hoch­of­fi­zi­ell von der UNESCO bestä­tigt. Aller­dings ist Kul­tur eine flie­ßen­de Sache und was ein­mal war, muss nicht dau­er­haft so blei­ben – was zum Teil auch begrü­ßens­wert ist. Damit aber DOPPELKOPF ver­dien­ter­ma­ßen sei­nen Sta­tus behal­ten kann, müs­sen nach­fol­gen­de Genera­tio­nen damit in Kon­takt kom­men. Denn wenn kein Mensch mehr DOPPELKOPF spielt, wird es ver­ges­sen wer­den. Was also tun? Das stu­dio tra­jan hat eine Lösung gefun­den und prä­sen­tiert mit DOUBLEHEAD KIDS ein DOP­PEL­KOPF-Nor­mal­spiel mit fami­li­en­ge­rech­ten Kar­ten. Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te ist dabei genau so, wie man sich das im Crowd­fun­ding-Bereich immer wünscht. Als gemein­sa­mes Fami­li­en­pro­jekt ent­wirft man ein Kon­zept und wen­det sich damit an die Öffent­lich­keit mit der Bit­te um finan­zi­el­le Unter­stüt­zung. Die gan­ze Sache fand ich damals schlüs­sig und über­zeu­gend, wes­we­gen ich auch bei der ers­ten Kick­star­ter-Kam­pa­gne mit­ge­macht habe. Die­se war ein vol­ler Erfolg, so dass ganz aktu­ell eine zwei­te Kam­pa­gne läuft.

The­ma... König Fried­rich II. ist bekannt als gro­ßer Refor­mer. So hat er sich auch etwas Beson­de­res als Ersatz für die bis­he­ri­gen rit­ter­li­chen Schwert­kämp­fe aus­ge­dacht: um die eige­nen Fähig­kei­ten bei Team­geist, Spiel­tak­tik und Cle­ver­ness dem König zu prä­sen­tie­ren, sind wir alle zu einem gemein­sa­men Kar­ten­spiel ein­ge­la­den.

Okay, das The­ma ist natür­lich mehr als nur leicht auf­ge­setzt. Aber war­um nicht? So kann man ansatz­wei­se die ver­schie­de­nen bekann­ten Kar­ten erklä­ren und eben­falls bekommt der Begriff "Stich" eine halb­wegs grif­fi­ge Bedeu­tung – auch wenn die­ser nun Duell genannt wird. Ansons­ten ist DOUBLEHEAD KIDS genau­so the­ma­tisch wie Schach.

Doublehead Kids - Pik
mal kein klas­si­sches Kar­ten­bild

Illus­tra­tio­nen... sind in Eigen­ar­beit inner­halb der Fami­lie Tro­jan ent­stan­den. Dem­entspre­chend haben die Kar­ten ihren ganz eige­nen Charme, der bei Kin­dern aber gut ankommt. Das Beson­de­re ist aber die gewähl­te Sym­bol­spra­che, die tadel­los funk­tio­niert. Jede Kar­te besitzt ein Fami­li­en­wap­pen, dass in den bekann­ten Far­ben des fran­zö­si­schen Blat­tes daher kommt. Zusätz­lich ist aber für jede Kar­te neben dem Punk­te­wert auch ein Stär­ke­wert inner­halb des Schil­des ange­ge­ben, mit des­sen Hil­fe man die Kar­ten mit­ein­an­der ver­glei­chen und einen Stich­ge­win­ner küren kann. Somit wird die teil­wei­se doch sehr spe­zi­el­le Hier­ar­chie bei DOPPELKOPF anschau­lich und ver­ständ­lich auf­be­rei­tet. Zusätz­lich sind die Hin­ter­grün­de in unter­schied­li­chen Far­ben dar­ge­stellt, so dass man die Kar­ten gut grup­pie­ren kann.

Doublehead Kids - Inhalt
die Fürs­ten­fa­mi­lie mit ihrem eige­nen Kar­ten­spiel

Aus­stat­tung... besteht natür­lich haupt­säch­lich aus Kar­ten im Umfang des nor­ma­len Dop­pel­kopf­blat­tes. Zusätz­lich kamen aber wäh­rend der Kick­star­ter-Kam­pa­gne noch ein paar Aus­tausch­kar­ten hin­zu. Um bspw. für die Schwein­chen-Vari­an­te gerüs­tet zu sein, kann man nun die bei­den Füch­se gegen ent­spre­chen­de Kar­ten aus­tau­schen, die auch den alter­na­ti­ven höhe­ren Stär­ke­wert auf­wei­sen. Damit wur­de die­se belieb­te Vari­an­te eben­falls für Kin­der begreif­bar gemacht.

Die Anlei­tung steht stan­dard­mä­ßig zum Down­load bereit, wur­de aber für die För­de­rer auch groß­sei­tig auf DIN-A4 gedruckt – womit sie natür­lich nicht in eine ent­spre­chen­de Kar­ten­box hin­ein­passt. Aller­dings hat­te ich bis­her auch noch nie eine voll­stän­di­ge Dop­pel­kopf-Regel bei mei­nen Kar­ten­bo­xen lie­gen.

Ablauf... für das Ein­stei­ger­spiel wur­den die bekann­ten Dop­pel­kopf-Regeln ziem­lich ent­schlackt. Es ver­blei­ben die bekann­ten Trumpf­kar­ten mit den ent­spre­chend Trumpf­re­geln. Natür­lich gilt auch wei­ter­hin, dass sich die Damen fin­den müs­sen, die nun aber als Königs­paar dar­ge­stellt sind. Ziel einer Spiel­run­de ist es, die meis­ten "Stich-Punk­te" zu ergat­tern, die bei DOUBLEHEAD KIDS kind­ge­recht als Sil­ber­mün­zen daher kom­men und auch expli­zit auf den Kar­ten so ver­zeich­net sind. Das Gewin­ner-Team erhält dann jeweils eine Gold­mün­ze und wer eine fest ver­ein­bar­te Sum­me die­ser vor­zei­gen kann, gewinnt das Spiel.

Hat man so ein paar Run­den gespielt, soll­te man auf das Pro­fi­spiel umstei­gen. Nun kom­men noch ein paar typi­sche Dop­pel­kopf-Ele­men­te hin­zu wie die Füch­se und das Karl­chen, mit denen man zusätz­li­che Gold­mün­zen erbeu­ten kann. Auch wird man belohnt, wenn man beson­ders vie­le Sil­ber­mün­zen erbeu­tet hat.

Doublehead Kids - Punkte
spä­ter wird zur Fuchs­jagd gebla­sen (mein Lieb­lings­ele­ment beim Dop­pel­kopf)

Die Spiel­re­geln sind übri­gens mit dem Deut­schen Dop­pel­kopf-Ver­band e.V. abge­stimmt. Außer­dem wer­den neu­gie­ri­ge Geis­ter dazu ange­hal­ten, wei­te­re Vari­an­ten (Soli, Vor­be­hal­te...) aus­zu­pro­bie­ren.

Das gefällt mir nicht so gut: DOUBLEHEAD KIDS bricht wun­der­bar die Dop­pel­kopf-Regeln auf das Nötigs­te her­un­ter und umschifft die hohe Ein­stiegs­hür­de mit den Unmen­gen an Trumpf­kar­ten in gewohn­heits­be­dürf­ti­ger Rei­hen­fol­ge. Aber ein Pro­blem bleibt: man muss am Ende eine Unmen­ge an Punk­te zusam­men­rech­nen. Denn wei­ter­hin wer­den 240 "Stich-Punk­te" ver­ge­ben – und mit die­sen hohen Wer­ten haben Kin­der teil­wei­se noch ein Pro­blem. Vor allem haben sie aber kei­ne Lust auf das Zusam­men­rech­nen der Sil­ber­mün­zen und hof­fen dar­auf, dass die Erwach­se­nen die­se Arbeit über­neh­men. An die­sem Punkt wäre es viel­leicht hilf­reich gewe­sen, noch radi­ka­ler an das Regel­werk her­an zu gehen und die­ses Punk­te­ver­ga­be zu ver­ein­fa­chen.

Ich könn­te mir aber auch ein wei­te­re Hil­fe in Form eine Sil­ber­mün­zen-Leis­te vor­stel­len. Auf die­ser könn­ten dann die bei­den Teams mit abwisch­ba­ren Stif­ten die eige­ne Anzahl an Sil­ber­mün­zen abstrei­chen und hät­ten dann visu­ell das Ergeb­nis vor Augen.

Doublehead Kids - Trümpfe
end­lich kann man die Trümp­fe ver­nünf­tig ord­nen

Das gefällt mir gut: Ich kann mich noch gut an den Abend erin­nern, an dem ich Dop­pel­kopf erlernt habe. Vor mir ein gro­ßer Zet­tel, auf dem not­dürf­tig die Rei­hen­fol­ge der Trümp­fe auf­ge­schrie­ben wur­de. Die­ser wur­de nach und nach mit ande­rem Fach­vo­ka­bu­lar ("Dol­len", "Armut", "fleich­los"...) ergänzt. Mir hat ziem­lich der Kopf geraucht und es hat ewig gedau­ert, bis ich mich halb­wegs sicher in die­sem Wust bewegt habe. Ganz lang­sam reif­ten dann in mir die ers­ten tak­ti­schen Über­le­gun­gen, die dann in Aha-Erleb­nis­sen mün­de­ten. Nach­dem aus dem Abend Nacht wur­de und ich mit immer mehr Feu­er­ei­fer dabei war, konn­te man die­se Run­de als klei­nes Erwe­ckungs­er­leb­nis bezeich­nen. Seit­dem spie­le ich Dop­pel­kopf mit gro­ßer Begeis­te­rung, weil es für mich so viel ver­schie­de­ne Aspek­te des Spie­lens abdeckt. Beson­ders gefällt mir das Team­spiel, wobei als i‑Tüpfelchen noch die Kom­po­nen­te hin­zu kommt, dass man erst den eige­nen Team­part­ner fin­den muss. Dafür muss man die aus­ge­spiel­ten Kar­ten rich­tig deu­ten. Aller­dings darf man dabei nie ver­ges­sen, dass Farb­zwang herrscht und man­cher Hin­weis viel­leicht gar kei­ner ist. Hin­zu kom­men noch die vie­len klei­nen Son­der­re­geln, die das Spiel span­nend machen. Mit einer erfolg­rei­chen Fuchs­jagd kann ich trotz eines schlech­ten Blat­tes viel­leicht Schlim­me­res abwen­den. Und hebe ich mir das Karl­chen für das Ende auf oder gehe ich lie­ber auf Num­mer sicher?

Dop­pel­kopf bie­tet somit ein ganz beson­de­res Spiel­erleb­nis, was ich sehr ger­ne mit allen tei­len möch­te. Wobei dabei die Ein­stiegs­hür­de nicht zu unter­schät­zen ist. Doch nun kommt DOUBLEHEAD KIDS ins Spiel. Denn damit wird auf ein­mal der Ein­stieg so viel ein­fa­cher! Die Trümp­fe sind klar zuzu­ord­nen, der Wert der Kar­te ist benannt und selbst die mög­li­chen Son­der­punk­te sind erkenn­bar. Ich hat­te anfangs gro­ßen Zwei­fel, ob ich mei­nen Kin­dern Dop­pel­kopf zumu­ten kann. Aber die Zwei­fel waren unbe­grün­det. Das Prin­zip Stich­spiel kann­ten sie zwar schon aus WIZARD JUNIOR, aber ich war über­rascht, wie schnell doch auch die hin­ter­grün­di­gen Knif­fe ver­stan­den wur­den. Da wur­den Luschen gewor­fen wie bei den Gro­ßen und schon rich­tig viel gedeu­tet. Ganz schnell wur­de auch die Fuchs­jagd ein­ge­for­dert und natür­lich kam auch das Karl­chen ins Spiel. Kurz­um: DOUBLEHEAD KIDS ist ein­ge­schla­gen wie eine Bom­be! Dabei ist es natür­lich von Vor­teil, dass wir eine vier­köp­fi­ge Fami­lie sind.

Aber auch außer­halb der Fami­lie ist DOUBLEHEAD KIDS gut ange­kom­men. Die Gra­fik ist jetzt nicht so zucker­süß ver­spielt, dass rei­ne Erwach­se­nen­run­den einen Bogen dar­um machen wol­len. Somit kann man DOUBLEHEAD KIDS auch in den nor­ma­len Spie­le­treff mit­neh­men. Und selbst die größ­ten Grumm­ler über die Illus­tra­tio­nen kann man mit dem Fuchs erwei­chen – die­ser ist vor allem in Kom­bi­na­ti­on mit dem Wild­schwein ein­fach nur herz­al­ler­liebst.

Doublehead Kids - Füchse
Fuchs und Schwein ver­eint

Fazit: DOUBLEHEAD KIDS zeigt, wie man einen alten Kar­ten­spiel-Klas­si­ker erfolg­reich ent­staubt und der Jugend zugäng­lich machen kann. Das ist wah­re Kul­tur­för­de­rung. So konn­te ich zumin­dest Nach­wuchs sichern und freue mich auf vie­le zukünf­ti­ge Stun­den Dop­pel­kopf.


Titel Doub­lehead Kids
Autor
tra­di­tio­nell
Illus­tra­tio­nen
stu­dio tra­jan
Dau­er 30 bis 60 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe sti­chi­ge Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag stu­dio tra­jan
Jahr 2019

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