Silver & Gold von Phil Walker-Harding – erschienen im Nürnberger-Spielkarten-Verlag

Bei SILVER & GOLD muss ich immer an einen BAP-Song denken*. Der wird nur unwesentlich anders geschrieben ("Silver un Jold") und ist mir deswegen im Gedächtnis geblieben, weil er eine herrlich unaufgeregte Geschichte erzählt. Und damit kann ich wunderbar den Bogen zu SILVER & GOLD spannen. Denn dieses ist, so viel kann ich vorweg nehmen, ebenfalls ein schönes unaufgeregtes Spiel.
Thema... ist irgendwas mit Schatzkarten. Aber so ganz habe ich das nicht verstanden. Ist aber auch ziemlich schnuppe, denn im Endeffekt ist SILVER & GOLD ein abstraktes Kartenspiel der neuen Spielekategorie Flip-and-Write (wie bspw. auch WELCOME TO...). Das Thema ist also nur hübsches Beiwerk und nicht weiter von Belang.
Illustrationen… sind von Oliver Freudenreich und greifen dieses Nicht-Thema dankend auf. So dürfen wir uns an Inseln, Palmen und Goldmünzen erfreuen. Das sieht alles gewohnt frisch aus und ist auch funktional wieder gelungen. Ich hätte mir zwar noch einen kleinen grafischen Gag bei den Expeditionskarten gewünscht (bspw. gestapelte Ausrüstungskisten), aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.
Ausstattung… hat etwas neues zu bieten: die 60 Spielkarten sind nämlich auf ihren Vorderseiten beschichtet, so dass man sie mit Folienmarker beschriften und später wieder restlos abwischen kann. Aus diesem Grund sind auch gleich vier hochwertige Folienschreiber mit in der Box.
Die Spielkarten unterteilen sich in verschiedene Arten. Am häufigsten vertreten sind die Schatzkarten, deren Feldern im Spielverlauf abgekreuzt werden. Wie diese Kreuzchen gemacht werden dürfen, dass zeigen die acht Expeditionskarten mit unterschiedlichen Formen. Zusätzlich gibt es noch eine Rundenübersicht und für jeden Spieler eine Wertungskarte.
Ablauf… jeder Spieler besitzt 2 Schatzkarten, die im Laufe der Partie mit Kreuzen befüllt werden. Dafür wird nach und nach immer eine der acht Expeditionskarten aufgedeckt und die entsprechende Musterform komplett auf die Schatzkarte übertragen (Tetris-Spieler kennen diese Formen). Alternativ hat man immer die Möglichkeit, nicht die Form zu nutzen, sondern lediglich nur ein Kreuz zu machen (weil genau dieses noch fehlt oder aber die Form gar nicht mehr möglich ist). Sobald man eine Schatzkarte komplett gefüllt hat, wird die bestehende zur Seite gelegt und man nimmt sich eine neue aus der Auslage.
Die Schatzkarten haben noch ein paar Sondersymbole zu bieten. Immer wenn diese angekreuzt werden, gibt es einen kleinen Bonus (zusätzliche Punkte oder weitere Ankreuzmöglichkeiten). Zusätzlich sind auf den Schatzkarten die Punkte abgebildet, welche man am Ende erhält, wenn die Karte vollständig angekreuzt wurde. Manche Schatzkarten zeigen auch noch Siegel, durch die man am Ende zusätzlich belohnt wird, wenn man viele Karten in der Siegelfarbe erfüllt hat.
Gespielt wird über vier Runden, wobei in jeder Runde nur sieben der acht Expeditionskarten ausgespielt werden – ein wenig Ungewissheit bleibt somit vorhanden. Am Ende gewinnt natürlich der Spieler, mit den meisten Siegpunkten.
Das gefällt mir nicht so gut: Leider hat SILVER & GOLD keinen echten Spannungsbogen. Am Ende wird es manchmal noch ein klein wenig aufregend bei der Frage, ob man noch eine Schatzkarte erfüllen kann oder nicht. Aber ansonsten spielt man SILVER & GOLD eher vor sich hin. Natürlich sind da immer kleine Emotionen im Spiel, wenn die richtige bzw. falsche Karte aufgedeckt wird. Aber an der grundsätzlich eher behäbigen Stimmung ändert das nichts. Hier hätte ich mir gerne noch mehr interaktive Elemente erhofft. Bspw. dass in einer Runde nur eine bestimmte Anzahl von Schatzkarten offen ausliegt und diese nicht sofort nachgefüllt werden. So würde ein größerer Druck entstehen, die Schatzkarten schneller zu füllen als die Mitspieler, um eine bessere Auswahl zu haben. Die Pokale für die Goldmünzen reichen mir als interaktives Element jedenfalls nicht aus, da der Effekt insgesamt recht überschaubar ist (zur Erklärung: der Spieler, der zuerst vier Goldmünzen eingesammelt hat, bekommt den Pokal mit 6 Punkten, der nächste mit vier Goldmünzen erhält den Pokal mit 5 Punkten usw.).
Diesbezüglich fehlt mir auch so etwas wie ein Initiativmarker. Die Spielregel sieht vor, dass nach jeder aufgedeckten Karte der Startspieler wechselt. Das ist am Anfang aber noch ziemlich unwichtig, weil ohnehin jeder für sich spielt. Also achtet da nie einer so richtig drauf. Aber nach drei-vier Runden wird es auf einmal von Belang, da vielleicht zwei Spieler gleichzeitig einen Pokal gewinnen können oder eine neue Karte aus der Auslage nehmen wollen. Nun ist es auf einmal wichtig, wer Startspieler ist oder nicht. Für diese Fälle wäre eine Startspieler-Karte oder ähnliches von Vorteil. Noch interessanter hätte ich es aber gefunden, wenn hier eine eigenes Merkmal von Bedeutung wäre (wer bspw. die meisten Palmen angekreuzt hat, der hat Vorang).
Zusätzlich finde ich finde den Themenbezug unglücklich. SILVER & GOLD hätte überhaupt kein Thema nötig, da es doch rein abstrakter Natur ist. Durch die thematische Einbindung werden nun aber Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden. Wenn ich schon etwas mit Piraten spiele, dann will ich auch böse und gemein zu meinen Mitspielern sein (harrr, harrr, harrr!). Das ist bei SILVER & GOLD aber nicht der Fall. Und wieso muss ich eine Insel komplett abkreuzen, um einen Schatz zu finden? Bei der Mechanik und diesem Thema hätte ich mir eher vorstellen können, dass man damit Versuche simuliert, den richtigen Schatz zu finden (indem man die Insel an den Kreuz-Stellen aufgräbt und darunter hoffentlich den Schatz findet). Das liefe dann aber eher auf eine Art Glücksspiel hinaus, was SILVER & GOLD aber gar nicht ist. Somit finde ich das Thema unpassend und damit auch störend. Wenn schon eine thematische Einbindung gewollt ist, dann hätten sich andere Themen besser angeboten (bspw. das Bepflanzen von Äckern).

Das gefällt mir gut: Schon in der Einleitung habe ich geschrieben, dass SILVER & GOLD ein unaufgeregtes Spiel ist. Man hat noch eine Viertelstunde Zeit zum Überbrücken? Raus mit den Karten! Die Kinder müssen ein wenig bespaßt werden? Lasst uns eine schnelle Runde SILVER & GOLD spielen!
Der Vorteil an SILVER & GOLD ist, dass der Mechanismus einfach zu verstehen ist und während des Spiels viele kleine Entscheidungen zu treffen sind. Durch die Expeditionskarten ist SILVER & GOLD auch planbarer als so manche Tetris-Würfelumsetzung, von denen es in letzter Zeit doch einige gab (bspw. BRIKKS oder BLOXX!). Der Flip-and-Write-Mechanismus ermöglicht es den Spielern, gezielter auf bestimmte Formen hinzuspielen. Aufgrund des Kniffs, dass allerdings nur sieben der acht Karten aufgedeckt werden, ist SILVER & GOLD aber auch nicht vollständig planbar, was wiederum der Spannung gut tut.
So ist es Phil Walker-Harding also ein weiteres Mal gelungen, ein absolut rundes Familienspiel zu entwickeln. Mehr als die 20 Minuten trägt der Mechanismus zwar nicht, aber das will SILVER & GOLD auch gar nicht.
Loben möchte ich auch das Material. Die abwischbaren Karten sind eine tolle Sache und verhindern eine übermäßige Zettelwirtschaft. Die Stifte sind eine wohltuende positive Abwechslung zu vielen anderen Stiften, die ich in letzter Zeit bei anderen Spielen erleben musste.
Fazit: SILVER & GOLD kombiniert eindrucksvoll das Flip-and-Write-Prinzip mit tetrishaften Puzzeln. Das Ergebnis ist ein eingängiges und kurzes Familienspiel geworden. SILVER & GOLD ist absolut rund und weiß die gewollten 20 Minuten gut zu unterhalten. Für mich hätte es aber gerne noch etwas mehr Pfeffer vertragen dürfen – insbesondere bei einem Piraten-Thema.
| Titel | Silver & Gold |
| Autor | Phil Walker-Harding |
| Illustrationen | Oliver Freudenreich |
| Dauer | ca. 20 Minuten |
| Spieleranzahl | 2 bis 4 |
| Zielgruppe | Tetris puzzelnde Familienspieler |
| Verlag | Nürnberger-Spielkarten-Verlag |
| Jahr | 2019 |
Ich bedanke mich beim Nürnberger-Spielkarten-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Ich bin mir sicher, dass durch diese Bereitstellung meine Meinung nicht beeinflusst wurde. Die Besprechung spiegelt meine gemachte Erfahrung wider.
* = Nicht nur der Songtext von "Silver un Jold" ist toll, mir gefällt auch der Song als solches:
















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