kritisch gespielt: Targi

Targi von Andreas Steiger – erschienen im KOSMOS Verlag

Targi von Andreas Steiger

Foto: KOSMOS

Das Blog­ger-Netz­werk Beep­le hat aktu­ell so eine Art "The­men­wo­che" für 2‑Per­so­nen-Spie­le aus­ge­ru­fen. Ich bin zwar kein Mit­glied von Beep­le, aber da ich sehr ger­ne 2‑Per­so­nen-Spie­le auf den Tisch brin­ge, schlie­ße ich mich als Tritt­brett­fah­rer der Akti­on an. Da bie­tet es sich an, mei­ne Gedan­ken zu Platz 1 mei­ner Top-Lis­te Kos­mos Spie­le für 2 auch ein­mal aus­führ­li­cher auf­zu­schrei­ben. Außer­dem will ein Blog doch didak­tisch rich­tig auf­ge­baut wer­den – in Kür­ze folgt näm­lich ein Bei­trag zur Erweiterung.

The­ma... die­ses Mal sind die Spie­ler Anfüh­rer eines Tua­reg-Stam­mes. Und so han­delt man mit Waren, um an Gold und Ver­güns­ti­gun­gen für den eige­nen Stamm zu kom­men – auf das die­ser wächst und gedeiht. Wirk­lich prä­sent ist das The­ma aller­dings nicht, es unter­stützt aber hilf­reich die Spiel­me­cha­nik. Also genau das, was Euro­ga­mes so ger­ne vor­ge­wor­fen wird. Ich bin aber ganz froh, dass man sich nicht wie­der im Mit­tel­al­ter befin­det oder einem ande­ren Trend­the­ma gefolgt ist. Aller­dings wäre auf­grund des Ablaufs sicher­lich auch ein The­ma im Bereich Städ­te­bau mög­lich gewesen.

Targi - Detail

Die Wüs­te lebt und sieht toll aus – ist aber erstaun­lich quadratisch

Gra­fik... ist von Imel­da und Franz Voh­win­kel – und auch die­se haben sich sicher­lich gefreut, dass sie nicht schon wie­der Mit­tel­al­ter (oder eben das aktu­el­le Trend­the­ma) illus­trie­ren muss­ten. Dem­entspre­chend frisch wirkt die gan­ze Gestal­tung – wenn auch alles ein wenig gelb­sti­chig ist (muss aber bei dem The­ma auch so sein). Beson­ders ange­tan bin ich von der gran­dio­sen Cover-Gestaltung!

Aus­stat­tung... besteht haupt­säch­lich aus Kar­ten. Dabei ist dann zu unter­schei­den zwi­schen Stam­mes­kar­ten (die brin­gen Ver­güns­ti­gun­gen wäh­rend des Spiels und Sieg­punk­te am Ende) und Waren­kar­ten (die brin­gen ... äh ... Waren). Außer­dem sind noch 16 Rand­kar­ten im Spiel, aus denen der Rand des Spiel­felds aus­ge­legt wer­den (manch­mal ist die deut­sche Spra­che auch logisch). Die Waren, das Gold und ein­zel­ne Sieg­punk­te lie­gen als Pappp­lätt­chen bei. Außer­dem besitzt jeder Spie­ler noch drei Tar­gi­fi­gu­ren und zwei soge­nann­te Stam­mes­mar­ker (klei­ne Holz­pöp­pel). Zu guter Letzt liegt noch ein Räu­ber bei (was der wohl macht? falsch gera­ten, aber dazu gleich mehr).

Targi - Auslage

wenn Bli­cke sich tref­fen, wer­den Stam­mes­mar­ker fal­len gelas­sen (scha­de, dass das kei­ne klei­nen Tar­gi­fi­gu­ren sind... )

Ablauf... hat eher etwas mit Plan­städ­ten denn mit Wüs­te zu tun. Anfangs wird näm­lich aus den Rand­kar­ten und einer nahe­zu glei­chen Anzahl von Waren- und Stam­mes­kar­ten ein 5×5 umfas­sen­des Ras­ter gebil­det. Auf die Rand­kar­ten wer­den nun abwech­selnd die eige­nen Tar­gi­fi­gu­ren gesetzt – Aus­nah­me ist das Feld, auf dem der Räu­ber steht (der blo­ckiert also und raubt nicht). Dann bestimmt man die Schnitt­punk­te von gedach­ten Lini­en von jeder sei­ner Figu­ren auf die gegen­über­lie­gen­de Sei­te. Die­se kreu­zen sich auf den inne­ren Kar­ten und dar­auf wer­den dann die Stam­mes­mar­ker gesetzt. Im Ide­al­fall besetzt ein Spie­ler somit drei Rand­kar­ten und zwei Innen­kar­ten (Waren- oder Stammeskarten).

Nach­fol­gend wer­den nun die Aktio­nen die­ser Kar­ten vom Spie­ler genutzt. Dabei blei­ben die Rand­kar­ten lie­gen, die inne­ren Kar­ten wer­den aber an sich genom­men und beim Run­den­wech­sel durch eine Kar­te der ande­ren Kar­ten­art ersetzt. Für Waren­kar­ten bekommt man die abge­bil­de­ten Waren (und wirft die Kar­ten auf einen Abla­ge­sta­pel), Stam­mes­kar­ten soll­te man am bes­ten sofort bau­en. Dafür muss man die als Bau­kos­ten auf­ge­führ­ten Waren abge­ben und in ein per­sön­li­ches 3*4‑Raster able­gen (baro­cke Bau­meis­ter hät­ten ihre wah­re Freu­de). Auf die­sen Stam­mes­kar­ten sind einer­seits Sieg­punk­te auf­ge­führt, ande­rer­seits brin­gen die meis­ten Kar­ten auch im Lau­fe des Spiel Vorteile.

Targi - Spielerauslage

je rau­er die Wüs­te, des­to grö­ßer der Sinn nach Ord­nung: Stam­mes­kar­ten soll­ten nach Sym­bo­len in den Bau­zei­len geord­net gebaut wer­den (oder vier unterschiedliche)

Das Spiel endet, wenn jemand ent­we­der sei­ne 12 Stam­mes­kar­te gebaut oder wenn der Räu­ber ein­mal sei­ne Run­de gedreht hat. Der Räu­ber hat sei­nen Namen übri­gens doch zurecht. Denn kommt er an ein Eck­feld an (wel­che für die Tar­gif­gu­ren Tabu sind), führt er einen Über­fall durch und die Mit­spie­ler müs­sen Waren oder Sieg­punk­te abge­ben. Jeden­falls wer­den am Ende wer­den die erwor­be­nen und gebau­ten Sieg­punk­te gezählt, wobei hier schon wie­der ein baro­cker Geist in der Wüs­te zu fin­den ist. Denn gelingt es den Spie­lern, die Stam­mes­kar­ten geord­net zu bau­en (wofür es fünf ver­schie­de­ne Sym­bo­le gibt), wer­den sie zusätz­lich mit Bonus­punk­ten belohnt.

Targi - Waren

wie in fast jeder Kul­tur: ohne Gold ist nichts zu holen

Das gefällt mir nicht so gut:  TARGI hät­te auch "Ohne Moos nichts los" hei­ßen kön­nen (auch wenn das schon ein Titel eines alten Par­ker-Spiels ist). Denn Gold ist eine domi­nie­ren­de Ware für den Bau von Stam­mes­kar­ten. Somit sind die weni­gen Waren­kar­ten mit den Gold­stü­cken heiß begehrt und die eige­nen Hand­lun­gen wer­den oft­mals dar­auf abge­stimmt. Glück­li­cher­wei­se gibt es noch eine Tau­schen-Rand­kar­te, über die man eben­falls Gold erhal­ten kann. Zusätz­lich gibt es noch eine Rand­kar­te, die es erlaubt, einen Stam­mes­mar­ker von einer inne­ren Kar­te auf eine ande­re unbe­setz­te inne­re Kar­te zu ver­set­zen. Dem­entspre­chend beliebt ist die­se Rand­kar­te auch. So ein ganz wenig habe ich also das Gefühl, dass mir das Spiel vor­gibt, wie ich zu spie­len habe: ich bin immer auf der Suche nach Goldeinkommen.

Zusätz­lich fühlt sich der ein oder ande­re Glücks­ein­fluss in die­sem ansons­ten sehr tak­tisch gepräg­ten Spiel unpas­send an – ins­be­son­de­re dann, wenn man glaubt, dass nur der Gegen­spie­ler vom Glück ver­folgt wird, wäh­rend man selbst ver­zwei­felt dar­auf war­tet. Dies ist dann der Fall, wenn der Gegen­spie­ler über eine Rand­kar­te eine Waren­kar­te vom ver­deck­ten Talon zieht, die dann per­fekt zu ihm passt (oder eben eine der sel­ten Gold­kar­ten ist). Am Ende des Spiels kann es auch ent­schei­dend sein, wel­che Sym­bo­le auf den gera­de aktu­el­len Stam­mes­kar­ten sind, um hier noch den ein oder ande­ren Bonus­punkt zu bekommen.

Ach ja, manch­mal kann es vor­kom­men, dass die bei­geleg­ten Sieg­punkt­mar­ker nicht aus­rei­chen – hier wur­de viel­leicht etwas zu knapp kal­ku­liert. Aller­dings ist das auch kein ech­ter Makel. Die Spie­ler soll­ten schon Wege fin­den, wie man damit umgeht.

Das gefällt mir gut: Weiß man um die bei­den oben auf­ge­führ­ten "Nega­tiv-Punk­te", kann man gut sein Spiel dar­auf ein­stel­len. Die mög­li­chen Aktio­nen sind viel­fäl­tig und man soll­te immer so spie­len, dass man auf die nächs­te Stam­mes­kar­te noch reagie­ren kann. Das bedeu­tet auch, dass man mal sei­nen Gegen­spie­ler aus­blockt oder selbst einen nur sub­op­ti­ma­len Zug aus­führt, der aber dem Gegen­spie­ler gehö­rig in die Sup­pe spuckt. Alles Ele­men­te, die ich an guten 2‑Per­so­nen-Spie­len so sehr mag.

Ansons­ten ist TARGI eigent­lich ein Worker-Pla­ce­ment mit wan­del­ba­rem Spiel­brett, da die Innen­kar­ten sich immer neu zusam­men­set­zen. Das ist äußerst reiz­voll, weil man sich in jeder Run­de auf neue Gege­ben­hei­ten ein­las­sen muss. Die ein­zel­nen Stam­mes­kar­ten erschei­nen mir sehr gut ausbalanciert.

Eben­falls gefällt mir noch sehr gut, dass das Spie­len­de varia­bel ist. Eine Stra­te­gie kann also sein, sehr güns­ti­ge Stam­mes­kar­ten zu bau­en und das Spiel schnell zu been­den. Dem gegen­über ste­hen Stra­te­gien, die auf wert­vol­le Stam­mes­kar­ten mit vie­len Syn­er­gie­ef­fek­ten fußen. Da aber nie alle mög­li­chen Stam­mes­kar­ten in einer Par­tie auf­tau­chen bzw. der Zeit­punkt nicht vor­ge­ge­ben ist, muss eine Stra­te­gie immer fle­xi­bel genug sein für die not­wen­di­gen tak­ti­schen Anpassungen.

Fazit: Auch wenn einem das Spiel ziem­lich vor­gibt, wie man zu spie­len hat, ist es doch äußerst reiz­voll und span­nend. Nicht ohne Grund gewann es 2012 den À la Car­te-Prei­ses der Fair­play und war sogar zum Ken­ner­spiel des Jah­res nomi­niert. Dank Yuca­ta habe ich mitt­ler­wei­le wohl eine drei­stel­li­ge Anzahl an TAR­GI-Par­tien gespielt – und ich fin­de es immer noch inter­es­sant und herausfordernd.

 

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