Es wird Zeit für einen Abschluss! Die Preisträger zum Spiel des Jahres sind verkündet und so kann ich guten Gewissens in eine kleine Sommerpause gehen. Vorher möchte ich aber Traditionen wahren und noch ein klein wenig auf meine Jahrgangs-Highlights aufmerksam machen – verbunden mit dem Hinweis, dass ihr nur noch ein paar Tage Zeit habt, eure Stimme zum Deutschen Spielepreis 2024 abzugeben. Wenn noch nicht getan, dann macht das bitte. Ein Publikumspreis lebt von einer regen Teilnahme und einem breiten Meinungsbild.
Schon in unserer letzten Podcast-Folge haben Jenny und ich einen kleinen Rückblick auf den letzten Jahrgang gegeben und dort unter anderem auch über unsere Flops gesprochen. Heute drehe ich den Spieß um und stelle euch die 5 Spiele vor, die auf meinem Wahlzettel zum Deutschen Spielepreis 2024 gestanden hätten. Hätten? Ja, hätten. Denn durch meine Mitgliedschaft in der SdJ-Jury verbietet es sich, dass ich tatsächlich bei der Wahl mitmache. Aber so viel sei schon mal verraten: das Thema Deutscher Spielepreis wird uns auch in der nächsten Cocktails-for-Meeples-Folge noch beschäftigen. Nun aber Vorhang auf für meine Jahrgangs-Top 5 aus 2023/24:

- SKY TEAM von Luc Rémond – erschienen im KOSMOS Verlag
- HARMONIES von Johan Benvenuto – erschienen bei Libellud
- PASST NICHT von Thomas Weber – erschienen bei Schmidt Spiele
- E‑MISSION von Matt Leacock und Matteo Menapace – erschienen bei Schmidt Spiele
- SEEDRACHEN von Yaniv Kahana, Pini Shekhter und Simone Luciani – erschienen bei Wonderbow Games
In der Auflistung ist doch eine schöne Bandbreite vorhanden, oder? Wie immer ging es mir auch darum, eine gewisse Vielfalt abzudecken. Wenn es gewollt ist, dann können auch gerne fünf multi-solitäre Expertenspiele mit Tableau-Building gewählt werden. Ich versuche allerdings eher das Potpourri abzubilden, das ich auch während des Jahres auf dem Tisch hatte. Und gerne erkläre ich euch nun etwas ausführlicher meine Auswahl...
SKY TEAM ist in meinen Augen ein außergewöhnliches Spiel. Dabei drückt es Knöpfe, die mir schon in der Vergangenheit gut gefallen haben – so habe ich früher schon das zielgerichtete Einsetzen von Würfelwerten in UNDER FALLING SKIES gefeiert. Diese beiden Spiele haben ohnehin einige Gemeinsamkeiten: das Thema wird gut umgesetzt, wir erleben eine hohe Varianz durch unterschiedliche Szenarien und wir müssen durch die Würfel mit einem gewissen Zufallsanteil leben. In SKY TEAM kommt jedoch noch die Komponente hinzu, dass wir über unsere Handlungen gemeinsam kommunizieren müssen. Wir müssen uns auf die andere Person einlassen und werden darüber gemeinsam mit den Herausforderungen wachsen. Wir haben zusammen ein Ziel, was wir erreichen wollen – und das Ziel ist auch ganz konkret. Danke dafür! Denn mit irgendwelchen abstrakten Würfel-Kämpfen gegen einen übermächtig erscheinenden Endgegner habe ich immer so meine Probleme. Anders bei diesem Spiel. Ich bin immer wieder angespannt, wenn wir kurz vor dem Aufsetzen sind und wir noch die letzten Würfel legen müssen.
Bringen wir es direkt auf den Punkt: HARMONIES hat bei mir zu Hause CASCADIA aus dem Regal gedrängt – und das ist unbestritten selbst schon ein starker Titel. Einerseits gefällt mir HARMONIES optisch deutlich besser als CASCADIA, andererseits finde ich auch die Tüftel-Aufgabe reizvoller. Neben dem Bilden der Landschaften gilt es nun noch, Tier-Bedingungen effizient zu nutzen. Dadurch gelingt eine eindrucksvolle Verzahnung, die allerdings gar nicht so kompliziert ist, wie ich es im ersten Moment befürchtet habe. Vielleicht erreichen wir anfangs nicht die höchsten Siegpunkt-Gefilde – aber wir genießen in der Zeit das gottähnliche Modellieren von Landschaften gepaart mit der träumerischen Optik.
Der letzte Jahrgang war ein starker Kartenspiel-Jahrgang. Mir wäre es nicht schwergefallen, eine eigene Top 5 von Kartenspielen aufzustellen, die ich dann bedenkenlos nach außen vertreten könnte: TRIO und FTW?! und ODIN und CABANGA! und und und. Allerdings sticht PASST NICHT! in meiner Zuneigung aus dieser Reihe noch ein wenig hervor. Zugegebenermaßen fehlt noch das letzte kleine Element, um es in einer Liga wie L.A.M.A. oder KRASS KARIERT einzureihen, aber trotzdem ist PASST NICHT mein diesjähriges Kartenspiel-Highlight. Und ich bin sehr gespannt, welcher Titel dieses Jahr den À‑la-carte-Kartenspielpreis des Fariplay-Magazins gewinnen wird.
Ja, E‑MISSION ist durchaus ein wenig umstritten. Es gibt Personen, die es aufgrund des Themas nicht spielen wollen. Manche wollen lieber einen gepflegten Eskapismus betreiben, manchen ist E‑MISSION dahingegen noch zu optimistisch, da wir im Endeffekt einer Utopie nachhängen – und nur diese ermöglicht es uns, den Klimawandel erträglich zu gestalten. Und natürlich kann E‑MISSION nicht ohne diesen Themen-Überbau besprochen werden. Doch wenn wir diesen eine kurze Zeit ausblenden, erkennen wir zusätzlich einen starken Karten-Mechnismus in einem herausfordernden kooperativen Spiel. Aber E‑MISSION ist eben auch mehr. Es ist eine Art Lehrstück, ohne dabei den Zeigefinger erheben zu müssen. Und es vermittelt die Hoffnung, dass wir die Klima-Bedrohung noch aufhalten können. Allerdings müssen wir dann endlich auch mal aktiv werden!
Ich habe lange über den fünften Platz dieser Rangfolge nachgedacht. Wäre es aufgrund der angestrebten Bandbreite nicht angemessen, noch ein Expertenspiel aufzuführen? Sicherlich. Aber so richtig nachhaltig hat mich im vergangenen Jahr aus diesem Segment keines überzeugt. REVIVE, DIE WEISSE BURG und KUTNA HORA sind alles reizvolle Spiele. Aber restlos begeistert haben sie mich nicht. Und so habe ich mich doch für SEEDRACHEN als weiteres Familienspiel entschieden. Zugegebenermaßen hat dieser Titel auch seine Schwächen. Aber ich rede mir das mit "Kanten" schön. Wobei "schön" auch das notwendige Stichwort ist: Ich bin immer noch verzaubert von der Optik. Mich begeistert der entstehende Aufbau und auch die vielen kleinen gestalterischen Details. Allerdings sollte SEEDRACHEN nicht nur auf Äußerlichkeiten reduziert werden. Denn das Spiel bietet auch Interaktion und interessante Entscheidungen.
Damit schließe ich nun den aktuellen Jahrgang ab. Auf eine eigene Flop-Liste habe ich auch dieses Jahr verzichtet. Ich nutze die wenige zur Verfügung stehende Zeit lieber mit anderen Sachen. Zumal Flops ja auch immer sehr persönliche Eindrücke sein können, die dann aber vielleicht hochgejazzt werden. Ein klein haben wir aber darüber auch schon in der oben erwähnten Podcast-Folge gesprochen. Und der Rest ist Spielen!













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