Auch dieses Jahr nutze ich die bald anstehende Sommerpause dazu, um noch einmal den aktuellen Spielejahrgang Revue passieren zu lassen. Wie schon in den letzten Jahren möchte ich euch an meiner Abstimmung für den Deutschen Spielepreis 2019 teilhaben lassen. Trotz des diggen Skandals im letzten Jahr, hat sich nichts wesentliches am Procedere geändert. Weiterhin wählt man seine Top 5 – und folgt damit meinem Top-Listen-Format (und ist es eher umgekehrt?). Unabhängig von dieser Frage, folgt bitte meinem Appell: macht mit! Wer es bisher noch nicht gemacht hat, kann noch bis zum 31. Juli selbst abstimmen. Macht das bitte, denn der Preis wird relevanter, je mehr Stimmen abgegeben wurden.
Ich habe schon meine Tipps abgegeben. Dabei versuche ich gewöhnlich immer eine große Bandbreite abzudecken. Ich finde es nicht so hilfreich, wenn ich 5 Kennerspiele wähle, wovon 4 einen Worker-Placement-Mechanismus benutzen. Dann wähle ich lieber das beste von diesen 5 und gebe anderen (auch kleineren) Spielen meine Stimme. Dieses Jahr funktioniert das nur bedingt. Erstens haben mich zwei durchaus ähnliche Expertenspiele zu begeistern gewusst und zweitens bin ich mit dem aktuellen Jahrgang nur bedingt zufrieden. Aber da ich keine Flop-Liste veröffentliche und lieber die guten Spiele ins Rampenlicht stelle, hier nun also meine Top‑5 des aktuellen Jahrgangs:
- UNDERWATER CITIES von Vladimír Suchý – erschienen bei Delicious Games
- NEOM von Paul Sottosanti – erschienen bei Lookout Spiele
- NEWTON von Simone Luciani und Nestore Mangone – erschienen bei Cranio Creations
- DIZZLE von Ralf zur Linde – erschienen bei Schmidt Spiele
- L.A.M.A. von Reiner Kinzia – erschienen bei AMIGO

UNDERWATER CITIES habe ich erst recht spät kennenlernen dürfen. Insbesondere die spannenden Fotos auf Instagram hatten hier eine große Werbewirkung auf mich. Da das Spiel aber anfangs nicht in deutscher Sprache erhältlich war, habe ich mich lieber erst mit anderen Sachen befasst. Trotzdem vernahm ich beharrlich Stimmen, wie gut doch UNDERWATER CITIES sei. Als es dann endlich auch in deutscher Sprache erschien, habe ich sofort zugegriffen – und lass das auch so schnell nicht mehr los. Für mich bietet es einen wunderbaren Mix bekannter Mechanismen mit einem unverbrauchten Thema. Der herausfordernde Solo-Modus sorgt zudem noch dafür, dass ich es gerne auch mal alleine spiele.
NEOM besitzt leider eine zu große Spaßbremse mit den Ankergebäuden, weswegen es wahrscheinlich von der Jury zum Spiel des Jahres nicht entsprechend gewürdigt werden konnte. Schade, denn das Spiel als solches hat bei mir 7 WONDERS komplett abgelöst – und das nicht nur, weil man es nun auch gut zu zweit (oder sogar solo) spielen kann. Neben dem bekannten Drafting bietet es durch den Städtebau als Legespiel eine zusätzliche Tiefe. Mir erklärt dieses Bauen der einzelnen Gebäude besser, warum ich das Auswählen der Plättchen überhaupt mache. Aber ich bin eben auch Planer von Beruf. In der Summe kombiniert es überzeugend Spielmechanismen, die ich sehr gerne mag. Da das so ist, sehe ich problemlos über die ein oder andere redaktionelle Schwäche hinweg.
NEWTON ist das einzige Spiel dieser Liste, welches ich noch nicht ausführlich im Blog besprochen habe. Hoffentlich lässt es meine Zeit zu, dass sich das bald ändert. Ich hatte kurz überlegt, ob ich wirklich nach UNDERWATER CITIES noch ein weiteres Expertenspiel auf die Liste packen soll. Da sich beide Spiele aber genügend voneinander unterscheiden (insbesondere in Mehr-Personen-Spielen), durfte es trotzdem auf die Liste. Vor der Spiel in Essen wurde viel über NEWTON gesprochen. Da hatte ich es noch etwas stiefmütterlich behandelt, weil ich dachte, dass mir GUGONG mit einem ähnlichen Kartenmechanismus besser gefallen würden. So kann man sich täuschen. NEWTON ist vielleicht nicht so toll produziert, weiß dafür aber spielerisch besser zu unterhalten.
DIZZLE hätte ich sehr gerne zum Spiel des Jahres nominiert gesehen – vielleicht auch deswegen, weil mich interessiert, wie ein Jubel-Video von Ralf zur Linde ausgesehen hätte. Für mich ist es jedenfalls Sieger in mehreren Kategorien. So ist DIZZLE bei mir das herausragende 2‑Personen-Spiel des Jahrgangs sowie auch Nummer 1 bei den ganzen Roll-and-Write-Spielen. Selbst als kleines schnelles Solo-Spiel kann man es wunderbar nutzen. Trotzdem macht es mir aufgrund des Würfel-Draft-Mechanismus wesentlich mehr Spaß, wenn man dieses Spiel zusammen spielt. Glücklicherweise gibt es noch nicht die entsprechende App dazu, weil sonst würde DIZZLE wohl auch diese Kategorie mit vorne anführen. Ich freue mich jedenfalls sehr auf neue Aufgaben durch neue Blöcke. Und vielleicht gibt es auch dazu wieder ein lustiges Video des Autors.
L.A.M.A. wird aktuell heiß diskutiert. Besitzt es die nötige Tiefe, um wirklich ein potentielles Spiel des Jahres sein zu dürfen? Meine Antwort: warum nicht? Denn nimmt man als Maßstab nur den Spielspaß, den ich dieses Jahr mit ganz vielen Menschen (und eben dem LAMA) gehabt habe, dann wäre es definitiv ein würdiger Sieger. Ja, es ist "nur" eine UNO-Variante. Aber das ist doch eher ein Vorteil. Denn LAMA ist in einer Minute erklärt – und meistens bekommt man es nicht so schnell wieder vom Tisch weg. Zusätzlich ist es mehr, als einfach nur ein paar Karten runter zu kloppen. Denn trotz des einfachen Spielprinzips sind doch ausreichend taktische Entscheidungen zu treffen. Ich bin mir relativ sicher: LAMA wird ein Dauerbrenner!
Normalerweise halte ich mich bei der Wahl zum Kinderspiel zurück. Aber ich habe mich letztes Jahr ein wenig geärgert, dass MEMOARRR! diesen Preis gewann. Also für die Macher von MEMOARRR! habe ich mich zwar gefreut, aber trotzdem fand ich es schade, dass das doch ein wenig an der eigentlichen Intention vorbei gewählt wurde. Ich möchte jedenfalls nicht die Gesichter der ganzen Kinderspiel-Redaktionen bei Bekanntgabe gesehen haben. Denn für die muss das doch ein wenig wie ein Schlag ins Gesicht gewirkt haben. Damit das dieses Jahr nicht nochmals passiert (vielleicht gar mit dem LAMA), habe ich MAGIC MAZE KIDS meine Stimme gegeben. Schon das Grundspiel ließ sich gut mit Kindern spielen, aber die nun vorliegende Ausgabe eignet sich natürlich noch besser und ist in meinen Augen ein wirklich gelungenes Kinderspiel.
Nun denn, das war nun mein kurzer Rückblick auf meine Lieblingsspiele des aktuellen Jahrgangs (verbunden mit der Wahl zum Deutschen Spielepreis 2019). Ich bin doch sehr gespannt, welche Spiele ich nächste Jahr an gleicher Stelle präsentieren werde. Doch vorher geht es kurzfristig ersteinmal in den Urlaub – natürlich mit dem ein oder anderen Spielchen im Gepäck...














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