kritisch gespielt: Dizzle

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Dizzle von Ralf zur Linde – erschienen bei Schmidt Spiele

Dizzle - Box
Foto: Schmidt Spie­le

Nun also der Abschluss mei­ner aktu­el­len Roll-and-Wri­te-Tetra­lo­gie. Wie schon letz­tes Jahr im Dezem­ber darf mein aktu­el­ler Favo­rit DIZZLE die­se Rei­he been­den. Jetzt aber bit­te nicht nach­fra­gen, was die­ser Name soll. Als Hes­se habe ich damit natür­lich sofort "Dus­sel" asso­zi­iert, aber ob das wirk­lich so gewollt ist?

The­ma... wie so oft bei Roll-and-Wri­te-Spie­len ist kei­nes vor­han­den und wird auch nicht benö­tigt.

Gestal­tung… ist von Anne Pätz­ke und könn­te ger­ne etwas grif­fi­ger bzw. eigen­stän­di­ger sein. Für mich wirkt die gan­ze Gestal­tung wie ein recht unmo­ti­vier­ter Griff in einen Icon-Bau­kas­ten. Ja, alles ist klar und struk­tu­riert – aber auch ziem­lich öde und lang­wei­lig. Ein biss­chen mehr Pep und Style hät­ten ger­ne sein dür­fen.

Dizzle - Ausstattung
lei­der nur echt mit den doo­fen Filz­stif­ten

Aus­stat­tung… über­rascht auf den ers­ten Blick wenig: Ein Block, vier ner­vi­ge klei­ne Filz­stif­te und ganz vie­le klei­ne W6-Wür­fel. Beim genaue­ren Hin­se­hen fällt dann aber auf, dass der Block ins­ge­samt vier unter­schied­li­che Plä­ne auf­weist – was bei DIZZLE bedeu­tet, dass vier unter­schied­li­che Level ange­bo­ten wer­den. Level 1 ist zum Erler­nen des Spiel­prin­zips gedacht, Level 4 ist dahin­ge­gen eine Her­aus­for­de­rung für die Vete­ra­nen.

Ablauf… wird per­fekt vom Autoren selbst in einem Video beschrie­ben. Das emp­feh­lens­wer­te Video ist dabei schön kurz und kna­ckig (und fast so schnell gespro­chen wie die Brettago­gen bei ihrem April­scherz). Kein Wun­der, schließ­lich ist Ralf zur Lin­de ein so viel­fäl­tig ver­an­lag­ter Mensch, dass er natür­lich auch Vide­os en mas­se pro­du­ziert (lei­der fin­de ich kei­nen Link mehr zu sei­nen ver­rück­ten Trick Shoo­ter Vide­os).

Wer das Video nicht anse­hen will, hier noch­mals in Kurz­form: aus einer gemein­sa­men Aus­la­ge neh­men sich abwech­selnd die Spie­ler je einen Wür­fel. Der ers­te muss an einem mar­kier­tes Kreuz auf dem Plan angren­zen, die wei­te­ren Wür­fel müs­sen an lie­gen­de Wür­fel ange­legt wer­den. Dabei müs­sen die Wer­te des Wür­fels natür­lich den Wer­ten des gewünsch­ten Spiel­plan-Fel­des ent­spre­chen. Das macht man so lan­ge, bis alle gepasst haben oder kei­ne Wür­fel mehr zur Aus­wahl ste­hen (mit einer Son­der­re­gel für den letz­ten ver­blei­ben­den Spie­ler). Erst dann kreuzt man die Fel­der auf dem Spiel­plan unter den beleg­ten Wür­feln an.

Die­ser Zeit­ver­satz ist nicht unwich­tig. Denn DIZZLE hat noch einen beson­de­ren Kniff: Kann man als akti­ver Spie­ler kei­nen aus­lie­gen­den Wür­fel regel­kon­form anle­gen, dann hat man die Mög­lich­keit, alle aus­lie­gen­den Wür­fel neu zu wer­fen – in der Hoff­nung, dass die gewünsch­ten Wer­te dann erschei­nen. Ist das der Fall: wun­der­bar, man legt den Wür­fel an. Ist das neue Ange­bot aber immer noch unbrauch­bar, dann muss man anstatt einen Wür­fel anle­gen zu dür­fen statt­des­sen einen bereits auf dem Plan abge­leg­ten wie­der in die Mit­te zurück­le­gen!

Die ver­schie­de­nen Level zei­gen zusätz­lich noch unter­schied­li­che Sym­bo­le. Mal sam­melt man damit zusätz­li­che Punk­te, mal gilt es Paa­re zu bil­den (was sin­ni­ger­wei­se mit Puz­zle-Tei­len dar­ge­stellt wird). Noch schö­ner sind aber die Sym­bo­le, bei denen man im Wett­streit mit den Mit­spie­lern ist (Bom­ben und Ziel­fah­nen). Wei­te­re Punk­te erhält man am Ende, wenn bestimm­te Spal­ten und Zei­len kom­plett gefüllt sind.

Dizzle - Levels
Was, nur vier Level? Das ist zu wenig!

Das gefällt mir nicht so gut: Über das etwas unat­trak­ti­ve Äuße­re habe ich schon etwas geschrie­ben. Mir ist schon bewusst, dass die Gestal­tung eine gewis­se Grat­wan­de­rung dar­stellt. Denn natür­lich soll alles klar und deut­lich erkenn­bar sein, was auch ganz gut gelingt. Aber ein biss­chen mehr Ver­spielt­heit anstatt die­sem abso­lut nüch­ter­nen Aus­se­hen hät­te DIZZLE gut getan.

Genau­so kann ich nach­voll­zie­hen, war­um die Wür­fel so klein sein müs­sen. Denn mit grö­ße­ren Wür­feln, hät­ten auch die Spiel­plä­ne mit­wach­sen müs­sen – und somit nicht mehr in das bekann­te For­mat gepasst. So muss man damit leben, dass sich die­se klei­nen Bies­ter bei der Hand­ha­bung manch­mal etwas zu leicht dre­hen. Alles kein Bein­bruch, es muss eben nur dar­auf geach­tet wer­den. Vor allem ist das auch kei­ne Kri­tik an den Wür­feln als sol­che. Die sind nur klein, aber ansons­ten von guter Qua­li­tät. Die feh­len­de Über­sicht auf den Blät­tern der Mit­spie­ler ist übri­gens kein Pro­blem, da die ein­zel­nen Level-Blät­ter gleich gestal­tet sind. Über das eige­ne Blatt kann ich also erken­nen, was die Mit­spie­ler noch so benö­ti­gen (und danach mei­ne Aus­wahl aus­rich­ten).

Ansons­ten kann man als Spie­ler natür­lich viel Pech (aber auch viel Glück haben). Das ist die Cha­rak­te­ris­tik eines Wür­fel­spiels. Bei DIZZLE ist aller­dings etwas aus­ge­präg­ter, dass auch der Cha­rak­ter des Vor­der­manns Ein­fluss auf das eige­ne Spiel hat. Ist die­ser ein (zu) gro­ßer Zocker, dann kann ich als Nach­bar enorm davon pro­fi­tie­ren.

Das gefällt mir gut: Autor Ralf zur Lin­de ist der Mei­nung, dass das Allein­stel­lungs­merk­mal von DIZZLE die ver­schie­de­nen Level sind. Stimmt einer­seits, zumal die­se ver­schie­de­nen Level auch toll sind. Denn man kann wirk­lich Schritt für Schritt die Schwie­rig­keit stei­gern – so, wie man es von Com­pu­ter­spie­len gewohnt ist. Aller­dings sind ver­schie­de­ne Blö­cke nun wahr­lich kein Allein­stel­lungs­merk­mal mehr. Mir fal­len da die vie­len unter­schied­li­chen Block-Vari­an­ten von QWIXX oder auch von NOCH MAL! ein. Selbst für WELCOME TO... sind nun schon neue Blö­cke (mit the­ma­ti­schen Beson­der­hei­ten) in der Mache.

Aller­dings hat mei­ner Mei­nung nach DIZZLE ein ande­res Allein­stel­lungs­merk­mal. Es hat näm­lich im Ver­gleich zu vie­len ande­ren Roll-and-Wri­te-Spie­len eine rich­tig hohe Inter­ak­ti­on zwi­schen den Spie­lern zu bie­ten. Das Wür­fel­aus­wahl-Ver­fah­ren ist bekannt, bekommt nun aber durch die Mög­lich­keit, neu wür­feln zu kön­nen, einen ganz eige­nen Twist. Da habe ich in Gedan­ken schon die noch aus­lie­gen­de 2 und 6 auf mei­nen Plan gelegt und ... schwups ... ste­hen die nicht mehr zur Ver­fü­gung. Und das nur, weil mein Vor­der­mann dach­te, er müs­se doch noch nicht pas­sen und sein Glück ver­su­chen. Grrrrr! Somit bib­bert also nicht nur der Wür­feln­de, was für Wer­te erschei­nen, son­dern meist auch alle Mit­spie­ler. Gro­ßes Kino! Hin­zu kom­men noch die unter­schied­li­chen Sym­bo­le, die eben­falls für Inter­ak­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on sor­gen. Im Ver­gleich zu vie­len ande­ren Roll-and-Wri­te-Spie­len ist somit immer was los am Spie­le­tisch.

Dizzle - Detail
da wird ja wohl ein Wert dabei sein, den ich gebrau­chen kann

Das Neu-Wür­feln ist aber auch aus ande­ren Grün­den ein tol­les Ele­ment: man hat das Gefühl, viel selbst beein­flus­sen zu kön­nen. Hat mein Vor­der­mann doof gewür­felt, muss ich bei vie­len ande­ren Spie­len damit leben. Bei DIZZLE wird mir das Ange­bot gemacht, es doch gefäl­ligst bes­ser zu machen. Blöd nur, wenn mir das dann nicht gelingt.

Trotz Wür­fel­glück/-pech ist der eige­ne Ein­fluss nicht zu unter­schät­zen. Man kann schon recht gezielt ver­su­chen, bestimm­te Wege zu gehen. Dabei kommt noch eine Regel zu tra­gen, die ich bis­her nicht erwähnt habe. Habe ich die Wür­fel näm­lich so gelegt, dass die­se nur noch von Kreu­zen (oder dem Rand) umge­ben sind, kann ich an ande­rer Stel­le neu begin­nen. Man kann also ver­su­chen, gezielt Sack­gas­sen zu bil­den, um spä­ter wie­der fle­xi­bler zu sein. Aller­dings muss man sich des Risi­kos dabei bewusst sein. Die Wahr­schein­lich­kei­ten sind zwar immer sehr leicht abzu­schät­zen, aber seit wann machen die Wür­fel das, was sie nach die­sen Abschät­zun­gen eigent­lich tun soll­ten?

Ein gro­ße Plus an DIZZLE ist, dass das Spiel­prin­zip sehr leicht zu erler­nen und zu ver­ste­hen ist. Ich habe es ohne Pro­ble­me mit ganz jun­gen aber auch mit deut­lich älte­ren Per­so­nen gespielt. Alle hat­ten an DIZZLE ihren Spaß und waren voll dabei. Natür­lich muss man den Jün­ge­ren noch ein wenig hel­fen, aber die haben das meist dann auch selbst sehr schnell drauf, böse und gemein zu spie­len.

Dizzle - Solo
die wei­ßen Wür­fel habe ich für die Solo-Vari­an­te hin­zu­ge­fügt

DIZZLE bie­tet übri­gens auch noch eine schö­ne Solo-Vari­an­te an. Für die­se habe ich extra noch zwei klei­ne wei­ße Wür­fel mit in die Box gelegt, damit ich bes­ser die Wür­fel unter­schei­den kann. Eine so inten­si­ve High­score-Jagd wie bei GANZ SCHÖN CLEVER ent­steht zwar nicht, aber Spaß hat man mit die­ser Vari­an­te auf alle Fäl­le.

Fazit: DIZZLE hat viel­leicht einen dus­se­li­gen Namen, ist aber ein tol­les inter­ak­ti­ves Roll-and-Wri­te-Spiel. Jetzt erwar­te ich natür­lich wei­te­re Level. Denn bloß vier unter­schied­li­che sind auf Dau­er viel zu wenig!

 

Titel Dizz­le
Autor Ralf zur Lin­de
Gra­fik Anne Pätz­ke
Dau­er 20 bis 40 Minu­ten
Spie­le­ran­zahl 1 bis 4 Spie­ler
Ziel­grup­pe wür­feln­de Fami­li­en­spie­ler
Ver­lag Schmidt Spie­le
Jahr 2019

 

Ich bedan­ke mich bei Schmidt Spie­le für die Bereit­stel­lung eines Rezen­si­ons­ex­em­plars. Ich bin mir sicher, dass durch die­se Bereit­stel­lung mei­ne Mei­nung nicht beein­flusst wur­de. Die Bespre­chung spie­gelt mei­ne gemach­te Erfah­rung wider.

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