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Top-Liste – Jahrgang 2022/23 (Deutscher Spielepreis 2023)

Wür­de die Abstim­mung zum Deut­schen Spie­le­preis 2023 wie all die Jah­re zuvor am 31. Juli enden, dann käme der nun fol­gen­de Bei­trag reich­lich spät. Denn die­ser soll unter ande­rem auch dazu die­nen, euch zum Mit­ma­chen zu ani­mie­ren. Die­ser Preis ist eine Aner­ken­nung an die Autor:innen und die Ver­la­ge – und er wird rele­van­ter, je mehr Stim­men abge­ge­ben wer­den. Also macht bit­te mit und stimmt eif­rig ab! Noch bis zum 15. August habt ihr dafür Zeit.

Ich selbst habe die­ses Jahr aller­dings nicht mit­ge­macht. Auf­grund mei­ner nun begon­nen Auf­ga­be in der Jury Spiel des Jah­res passt das nicht mehr zusam­men. Trotz­dem möch­te ich die­ses Top-Lis­ten-For­mat nicht auf­ge­ben. Wie all die Jah­re zuvor möch­te ich näm­lich die Gele­gen­heit nut­zen, euch mei­ne per­sön­li­che Bes­ten­lis­te des letz­ten Jahr­gangs vor­zu­stel­len. Ganz ver­quer gesagt: hät­te ich bei der Wahl zum Deut­schen Spie­le­preis 2023 teil­ge­nom­men, dann hät­ten fol­gen­de 5 Spie­le auf mei­nem Wahl­zet­tel gestanden:

Top 5 - 2023
mei­ne Top 5 aus 2022/2023
  1. HEAT von Asger Har­ding Gran­e­rud und Dani­el Skjold Peder­sen – erschie­nen bei Days of Wonder
  2. DEAD RECKONING von John D. Clair – erschie­nen bei Alderac Enter­tain­ment Group
  3. NEXT STATION LONDON von Matthew Dun­stan – erschie­nen bei HCM Kinzel
  4. SEA, SALT & PAPER von Bru­no Catha­la und Théo Riviè­re – erschie­nen bei MM-Spiele
  5. MARRAKESH von Ste­fan Feld – erschie­nen bei Queen Games

Und schon hät­te ich dabei einen Feh­ler gemacht, da eines die­ser fünf Spie­le gar nicht offi­zi­ell im deut­schen Han­del erschie­nen ist. Aber das ist das Schö­ne, wenn man sich frei von Regeln machen kann. Ohne­hin plä­die­re ich schon immer dafür, das Gan­ze nicht zu bier­ernst zu neh­men. Denn bei mei­ner Wahl geht es z.B. auch immer dar­um, eine gewis­se Band­brei­te abzu­de­cken. Statt also fünf Ken­ner­spie­le auf­zu­zäh­len, die sich alle irgend­wie ähn­lich anfüh­len, wäh­le ich lie­ber das Bes­te von die­sen fünf und gebe ande­ren (vor allem klei­ne­ren) Spie­len einen Platz auf dem Podest. Ich erklä­re euch ger­ne mei­ne Wahl...


Heat Pedal to the Metal - Box
Bild: Days of Wonder

HEAT hat mein Herz im Sturm erobert. Schon vor der SPIEL in Essen war ich ganz heiß dar­auf – und die­se Lie­be hat sich seit dem nicht abge­kühlt. Selbst­re­dend muss­te ich damit auch die ers­te Fol­ge unse­res neu­en Pod­casts fül­len. Das Spiel ver­eint so vie­le Din­ge, die ich bei Brett­spie­len mag. Um das zu illus­trie­ren, zei­ge ich das mal an einer so tol­len Check­lis­te auf, die ich von der Auto­werk­statt nach einer Inspek­ti­on in die Hand gedrückt bekom­me. Und mehr muss ich dann gar nicht mehr dazu sagen.

  • Renn­spiel ✔
  • Deck­buil­ding (im wei­te­ren Sinne) ✔
  • tol­le Ausstattung ✔
  • The­ma spie­gelt sich im Spiel wieder ✔
  • funk­tio­niert gut mit jeder Personenanzahl ✔
  • bie­tet hohe Varianz ✔ 
  • hat einen beson­de­ren Humor ✔ 
Dead Reckoning - Box
Bild: AEG

DEAD RECKONING ist das Spiel, dass ich gar nicht wäh­len dürf­te, da es nicht regu­lär im deut­schen Han­del erhält­lich war. Auf der SPIEL wur­de es auf deutsch ver­kauft und auch über den Ver­lag. Einen deut­schen Ver­trieb gibt es aber mei­nes Wis­sens nicht. Ich selbst hat­te das Spiel über Crowd­fun­ding geor­dert – und in die­ses Umfeld passt es mit sei­ner Opu­lenz auch per­fekt hin. Das ist schon ein sehr spe­zi­el­les Spiel für eine sehr spe­zi­el­le Ziel­grup­pe. Ich will jetzt aber nicht wie­der eine Check­lis­te bemü­hen, um die­se Behaup­tung zu unter­mau­ern. Glaubt es mir ein­fach. Vom The­ma her schip­pern wir durch die Kari­bik – ent­we­der als Pira­ten oder aber als Erobe­rer (wobei bei­des mora­lisch beden­kens­wert ist). Spiel­me­cha­nisch wird wie­der eine Art Deck­bau betrie­ben. Aller­dings bleibt hier die Anzahl an Kar­ten immer gleich, durch das beson­de­re Card Craf­ting Sys­tem mit den zusätz­li­chen trans­pa­ren­ten Ein­ste­ckern in den Kar­ten­hül­len (MYSTIC VALE lässt grü­ßen), wer­den die ein­zel­nen Kar­ten aber immer wert­vol­ler. Tol­les Spiel mit ganz viel Flair – wel­ches sich auch durch die über­bor­den­de Mate­ri­al­fül­le entwickelt.

Next Station London - Box
Bild: HCM Kinzel

Über­bor­den­de Mate­ri­al­fül­le ist jetzt nicht das Kenn­zei­chen für NEXT STATION LONDON. Wäre das ein Crowd­fun­ding-Pro­jekt gewe­sen, dann läge viel­leicht noch ein Spit­zer für die vier Bunt­stif­te bei und bestimmt noch acht unter­schied­li­che Spiel­plä­ne. Aber das braucht es alles nicht. Die­ses klei­ne Flip-and-Wri­te Spiel kann auch ohne sol­chen Schnick­schnack über­zeu­gen. Für mich als Ver­kehrs­pla­ner kommt auch end­lich das The­ma mal ver­nünf­tig durch, da ich mich hier nicht bei der Wege­füh­rung gespielt füh­le und ich pla­ne­risch rele­van­te Ent­schei­dun­gen tref­fen kann. Und von wegen das Gen­re ist mitt­ler­wei­le aus­ge­lutscht. Nein, da gibt es immer noch posi­ti­ve Überraschungen.

Sea-Salt-Paper - Cover
Bild: MM Spiele

Eben­falls eine Über­ra­schung stell­te SEA, SALT & PAPER dar. Dabei ist schon die Ver­öf­fent­li­chungs­ge­schich­te unge­wöhn­lich. Es pas­siert wahr­schein­lich nicht oft, dass extra für ein klei­nes Kar­ten­spiel ein neu­er Ver­lag gegrün­det wird. Als ob nicht genü­gend eta­blier­te Ver­la­ge eben­falls Kar­ten­spie­le im Pro­gramm hät­ten. Da haben eini­ge Scouts mög­li­cher­wei­se geschla­fen. Ich bin jeden­falls sehr froh, dass die­ses Spiel noch einen Weg nach Deutsch­land gefun­den hat und weiß schon jetzt, dass die­ses im anste­hen­den Urlaub wie­der zuhauf gespielt wer­den wird. Lan­ge Zeit hat­te sich auf die­sem Slot übri­gens HITSTER gehal­ten. Dem wur­de zum Ver­häng­nis, dass lan­ge Zeit kein Nach­schub erhält­lich war – und die­ser nun als "Schla­ger-Edi­ti­on" auf­ge­taucht ist. Bis­her habe ich mich noch nicht an die­se Erwei­te­rung her­an­ge­traut, da ich schlim­mes befürchte.

Marrakesh - Box
Bild: Queen Games

Der Sprung von klei­ner Kar­ten­box bis gefühlt zum Umzugs­kar­ton könn­te kaum grö­ßer sein. Denn Zurück­hal­tung ist jetzt nicht unbe­dingt die Tugend von MARRAKESH (auch wenn die­se spä­ter in der Essen­ti­al Edi­ti­on zumin­dest ein wenig geübt wird). Die Mög­lich­kei­ten im Spiel sind so über­bor­dend wie wohl das Ange­bot auf den Souks (den Märk­ten von Mar­ra­kesh). Dabei ist das Spiel als sol­ches recht ele­gant und gar nicht so ver­kopft, wie es im ers­ten Ein­druck wir­ken mag. Auf jeden Fall ist es mein Ver­tre­ter der Exper­ten­spie­le – wahr­schein­lich auch des­we­gen, weil WAYFARERS OF SOUTH TIGRIS noch nicht auf deutsch erschie­nen ist. Denn das hat mich im Früh­jahr eben­falls sehr inten­siv beglei­tet und hat ein Platz in mei­nem Her­zen sicher. Dabei kann es bei der über­bor­den­den Fül­le pro­blem­los mit MARRAKESH mithalten.


Noch habe ich es mir ver­knif­fen, eine gegen­tei­li­ge Lis­te zu erstel­len. Ich habe fest­ge­stellt, dass mei­ne Fil­ter im Vor­feld recht gut funk­tio­nier­ten, so dass mir gro­ße Ent­täu­schen erspart geblie­ben sind. Aber ich habe schon gemerkt, dass sich durch mei­ne Arbeit in der Jury nun öfters das Gefühl ein­stel­len wird, vor einem Flop zu sit­zen. Viel­leicht zäh­le ich im nächs­ten Jahr also nicht nur mei­ne Lieb­lings­spie­le des Jahr­gangs auf, son­dern zusätz­lich auch noch mei­ne Ent­täu­schun­gen. In die­ser Hin­sicht kann ich defi­ni­tiv die Bret­t­ago­gen emp­feh­len, die dass schon seit eini­gen Jah­ren immer wie­der sehr anschau­lich und dif­fe­ren­ziert praktizieren.

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