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Speed-Dating: Flip 7, Brilliant, Henrys Hennen und Piña Coladice

Speed-Dating-06-25

Es ist wie­der Zeit für ein Speed-Dating! Die­ses Mal tref­fe ich mich mit klei­ne­ren Spie­le, die sich alle irgend­wie ver­traut anfüh­len. Das liegt sicher­lich auch an der teil­wei­se nicht all­zu hohen Schöp­fungs­hö­he, auf die ich dann ger­ne ein­zeln zu spre­chen kom­me. Aller­dings ist das kein auf die aktu­el­le Zeit und auf das Brett­spiel beschränk­tes The­ma. Wie in der Musik, Lite­ra­tur und bil­den­den Kunst wird es auch bei Brett­spie­len immer gemein­sa­me Grund­la­gen geben. Denn oft­mals erfolgt Inspi­ra­ti­on durch eige­nes Erle­ben ande­rer Wer­ke. Und ich bin da selbst nicht bes­ser. Denn mei­ne ver­lie­he­nen Rosen als Aner­ken­nung der Güte habe ich mir auch aus einem ande­ren Kon­zept "geborgt". Seid gespannt, wer sich die­ses Mal über die­se Aus­zeich­nung freu­en darf. Es hof­fen FLIP 7, BRILLIANT, HENRYS HENNEN und PIÑA COLADICE auf eine sol­che Anerkennung.

Flip 7 von Eric Olsen – erschienen im KOSMOS Verlag

Flip 7 - Box
Bild: KOSMOS Verlag

FLIP 7 macht gleich zu Beginn einen auf dicke Hose: "Das bes­te Kar­ten­spiel aller Zei­ten" pran­gert uns auf dem Glit­zer­co­ver ent­ge­gen. Fol­gen wir dem Stern­chen, erfah­ren wir, dass die Aus­sa­ge ledig­lich vom Ver­lag getrof­fen wird. Geschick­tes Mar­ke­ting, denn die­ser Spruch sorgt für Auf­se­hen und auch ich nut­ze die­sen Auf­hän­ger. Im ech­ten Leben bin ich kein Fan von sol­chem über­bor­den­den Selbst­ver­trau­en. Aber seit den schmidt'schen NOCH MAL!, GANZ SCHÖN CLEVER und ECHT SPITZE inter­pre­tie­re ich so etwas in unse­rer Bubble mit einem gewis­sen Augen­zwin­kern. Trotz­dem der Voll­stän­dig­keit hal­ber: Nein, ich stim­me die­ser Aus­sa­gen nicht zu!

Doch wie sähe das aus, wenn es "das ein­fachs­te Kar­ten­spiel aller Zei­ten" gehei­ßen hät­te? Dann hät­te der Cla­im hohe Chan­cen auf Zustim­mung. Das Spiel­prin­zip von FLIP 7 ist näm­lich denk­bar sim­pel. Reih­um erhal­ten wir eine Kar­te und legen sie offen vor uns ab. Das kön­nen wir so oft machen, wie wir wol­len. Und wir wol­len. Denn das Ziel lau­tet, über meh­re­re Run­den 200 Punk­te zu sam­meln. Jeder Zah­len­wert erzeugt dabei den glei­chen Sieg­punkt­wert. Dabei gibt es einen ent­schei­den­den Haken: Erhal­te ich eine Zahl, die bereits vor mir liegt, bin ich "raus" und schei­de für die aktu­el­le Run­de aus. Ohne Punk­te! Der Clou dar­an ist: die 12, die die meis­ten Punk­te erzeugt, ist auch 12-mal im Spiel, die 1 dahin­ge­gen nur ein­mal. FLIP 7 ist somit ein klas­si­sches Push-Your-Luck Spiel und erin­nert sofort an BLACK JACK. Auf­ge­peppt wird der Spiel­me­cha­nis­mus noch durch weni­ge Son­der­kar­ten und der zusätz­li­chen Regel, dass wenn jemand sie­ben ver­schie­de­ne Zah­lenkar­ten vor sich lie­gen hat, die­se Per­son 15 Bonus­punk­te erhält und die Run­de sofort für alle beendet.

Was durf­ten wir uns nicht alles anhö­ren nach der Nomi­nie­rung von FLIP 7 zum Spiel des Jah­res? Die­ser Preis sei auch ein Kul­tur­preis, das Spiel ist doch nicht mehr als eine Fin­ger­übung eines Autos und sowie­so ist FLIP 7 doch nur eine schlech­te Kopie von X, Y oder Z. Man­che spra­chen gar von einem Pla­gi­at. In gewis­ser Wei­se kann ich da eini­ge Mei­nun­gen schon ver­ste­hen. FLIP 7 besitzt wahr­lich kei­ne enor­me Schaf­fungs­hö­he. Aller­dings habe ich viel­fach auch das Gefühl bekom­men, dass – ähn­lich wie damals bei L.A.M.A. oder THE MIND – das Spiel erst ein­mal als sol­ches wegen der Ein­fach­heit abge­lehnt wird, bevor es über­haupt mal gespielt wur­de. Und damit mei­ne ich real gespielt, mit ana­lo­gen Kar­ten und nicht etwa die Online-Umset­zung bei BGA, bei der gro­ße Tei­le des Spiel­rei­zes ver­lo­ren gehen. In Deutsch­land ist vor ein paar Jah­ren bei AMIGO das sicher­lich sehr ähn­li­che PAARANOIA erschie­nen. Und auch wenn sich die Ände­run­gen mar­gi­nal anhö­ren, so ist das Spiel­ge­fühl doch deut­lich anders. Es macht einen gehö­ri­gen Unter­schied, ob ich Minus­punk­te oder Plus­punk­te sam­me­le, ob die Run­de für einen wei­ter­geht oder immer für alle endet, ob Son­der­kar­ten im Spiel sind oder nicht, ob der Kar­ten­sta­pel neu gemischt wird oder wei­ter­ver­wen­det wird. Es sind genau die­se klei­nen Ände­run­gen, die dafür sor­gen, dass FLIP 7 einen deut­lich höhe­ren Spiel­reiz hat als bspw. PAARANOIA oder ähn­li­che Kar­ten­spie­le wie das aktu­el­le ABGESTAUBT (wel­ches inter­es­san­ter­wei­se eben­falls im KOSMOS Ver­lag erschie­nen ist). Und das ist das Ergeb­nis von Beob­ach­tun­gen in den Spiel­grup­pen. PAARANOIA durf­te ich schnell nicht mehr in den Spie­le­kreis mit­neh­men, FLIP 7 wird gefor­dert und rauf und run­ter gespielt. Die anschei­nend ledig­lich so klei­nen Fin­ger­übun­gen sind in der Sum­me dann doch über­zeu­gend. Die Son­der­kar­ten wir­ken viel­leicht etwas lieb­los. Aber sie sind leicht zu ver­ste­hen und erzeu­gen in den pas­sen­den Situa­tio­nen genau die rich­ti­ge Wir­kung. Füh­ren­de wer­den ein­ge­bremst, Zurück­lie­gen­de kön­nen noch hof­fen. Natür­lich nicht immer und zu jeder Zeit. Aber das Poten­zi­al ist vor­han­den und sorgt für Spannung. 

Nicht so glück­lich bin ich mit der Qua­li­tät der Kar­ten und gegen einen Wer­tungs­bo­gen und einen Blei­stift in der Box hät­te ich auch nichts ein­ge­wen­det. Der gro­ße Plus­punkt von FLIP 7 ist aber, was mit den Men­schen am Tisch pas­siert. Im Nor­mal­fall ent­steht näm­lich nach ganz kur­zer Zeit Table Talk. Alles wird von allen kom­men­tiert. Da wird Leu­ten gera­ten, lie­ber zu pas­sen und ande­ren, doch noch eine Kar­te zu zie­hen. Natür­lich immer in der Hoff­nung, Scha­den­freu­de mit­zu­er­le­ben. Da hat jemand eine Second Chan­ce Kar­te vor sich lie­gen und muss sich dann selbst ein­frie­ren, weil aller ande­ren schon gepasst haben. Selbst wenn sich früh abzeich­net, dass ich viel­leicht nicht um den Spiel­sieg mit­spie­le, so bin ich doch an den Aktio­nen der ande­ren emo­tio­nal betei­ligt. Natür­lich gibt es Men­schen, die mit die­ser Art Glücks­spiel nichts anfan­gen kön­nen. Und für die­se wirkt die Aus­sa­ge auf dem Cover wie blan­ker Hohn. Für die meis­ten ande­ren ist FLIP 7 dahin­ge­gen ein High­light. Schnell gelernt, schnell gespielt und ein Wel­len­tal der Gefüh­le. Kein Wun­der, dass FLIP 7 von mir eine Rose erhält.

Flip 7 | Eric Olsen | O'Neil Mabi­le | 20 Minu­ten | 3–18 Per­so­nen | KOSMOS Verlag


Brilliant von Ralf zur Linde – erschienen bei Ravensburger

Brilliant - Box
Bild: Ravens­bur­ger

BRILLIANT macht mich allei­ne schon des­we­gen wusche­lig, weil mir jah­re­lang die Recht­schreib­hil­fe bei­brin­gen muss­te, dass bril­lant im Deut­schen nicht mit einem "i" geschrie­ben wird. So ler­nen wir also ganz neben­bei, dass der Ravens­bur­ger Ver­lag immer inter­na­tio­na­ler denkt. Aller­dings irri­tiert mich, dass das Spiel über­haupt bei Ravens­bur­ger ver­öf­fent­licht wur­de. Denn BRILLIANT hät­te per­fekt in die "klein & fein"-Reihe von Schmidt Spie­le gepasst. Roll-and-Wri­te, ein­fa­che Regeln, unter­schied­li­che Level: Das erin­nert schon alles ziem­lich an das von mir sehr geschätz­te DIZZLE (eben­falls von Ralf zur Linde).

Doch bevor hier ein fal­scher Ein­druck ent­steht: BRILLIANT ist ein kom­plett eigen­stän­di­ges Spiel! Im Rah­men sei­ner Mög­lich­kei­ten als Teil des Roll-and-Wri­te-Gen­res bringt es sogar neue Ideen ein. Die Beson­der­heit von BRILLIANT ist die Nut­zung der bei­den Wür­fel, deren Wer­te jeder­zeit von allen Spie­len­den zu beach­ten sind. Dabei gibt immer der ein Wür­fel an, neben wel­chem Wert wir den ande­ren Wür­fel­wert auf unse­rem Zet­tel ein­tra­gen kön­nen. Das klingt in einem Satz kom­pri­miert deut­lich kom­pli­zier­ter als es sich dar­stellt. Ganz kon­kre­tes Bei­spiel: es wird eine 2 und eine 5 gewür­felt. Nun kann ich ent­we­der neben einer schon auf mei­nem Zet­tel befind­li­chen 5 eine 2 ein­tra­gen oder aber neben einer Zettel‑2 eine neue 5. Dabei sind aller­dings die Vor­ga­ben der Farb­flä­chen zu beach­ten. So darf bspw. in den roten Flä­chen jeder Zah­len­wert nur ein­mal vor­kom­men. Unser Ziel ist es, die­se Farb­flä­chen schnell zu fül­len, damit wir dar­über Punkt erzeu­gen. Je frü­her wir das tun, umso mehr Punk­te reg­net es. Und auch im über­ge­ord­ne­ten Spiel­ziel ist BRILLLIANT ein Wett­ren­nen, denn es gewinnt die Per­son, die eine bestimm­ten Ziel­vor­ga­be an Sieg­punk­ten erreicht.

In der Box befin­den sich vier Level mit unter­schied­li­chen Farb­flä­chen­vor­ga­ben. Aller­dings unter­schei­den die­se sich ledig­lich in der Anord­nung und Grö­ße der Flä­che. Es feh­len etwas die Über­ra­schungs­mo­men­te durch neue Wer­tungs­ele­men­te – was bei­spiels­wei­se eine gro­ße Stär­ke von DIZZLE ist. BRILLIANT ist dahin­ge­gen etwas ein­falls­los und hät­te ger­ne mit ein paar zusätz­li­chen Ideen über­ra­schen dür­fen. Geni­al ist dahin­ge­gen die Ent­schei­dung, Wür­fel mit 12-Sei­ten zu benut­zen. Natür­lich hät­ten auch die schnö­den klas­si­schen "6‑Seiter" die glei­che Wir­kung ent­fal­tet. Aber die 12-Sei­ter sehen nun ein­mal viel mehr nach einem geschlif­fe­nen Edel­stein aus. Wobei mich Wiki­pe­dia erfolg­reich beleh­ren konn­te, wel­che unter­schied­li­chen Bril­lant­schliff exis­tie­ren.

BRILLIANT hät­te vor eini­gen Jah­ren sicher­lich mehr Auf­merk­sam­keit erfah­ren. Mitt­ler­wei­le sind wir aber alle ein wenig Roll-and-Wri­te-müde. Und da BRILLIANT nicht mit bril­lan­ten Neu­ein­fal­len glänzt, son­dern eher bekann­tes rund und geschmei­dig prä­sen­tiert, erle­be ich sel­ten ech­te Jubel­stür­me. BRILLIANT ist gefäl­lig, aber es begeis­tert nicht. Für eine Rose in die­sem Speed-Dating ist mir das zu wenig.

Bril­li­ant | Ralf zur Lin­de | ? | 15 bis 25 Minu­ten | 1 bis 6 Per­so­nen | Ravensburger


Henrys Hennen von Jacques Zeimet – erschienen bei Drei Magier Spiele

Henrys Hennen - Box
Bild: Schmidt Spiele

Wo hört DODELIDO auf und fängt HENRYS HENNEN an? Und gab es nicht auch schon ein TARANTEL TANGO und DIE FIESEN 7? Alle die­se Spie­le haben zumin­dest eine gesi­cher­te Über­stim­mung: Autor die­ser Wer­ke ist Jac­ques Zei­met. Die­ser wan­delt dem­nach auf Kni­zi­as Wegen und vari­iert gekonnt sei­ne belieb­te Gehirn­akro­ba­tik. Immer unter­stützt von den hin­rei­ßen­den Illus­tra­tio­nen von Rolf "ARVI" Vogt.

Auch bei HENNRYS HENNEN wol­len wir mög­lichst schnell unse­re eige­nen Kar­ten los­wer­den. Dabei müs­sen wir auf unse­re eige­ne aus­ge­leg­te Kar­te in Rela­ti­on zur Aus­la­ge reagie­ren und dabei kei­ne Feh­ler machen. Im Mit­tel­punkt von HENRYS HENNEN ste­hen die Per­so­nal­pro­no­men "ich", "du", "wir" und "ihr". Damit geben wir kund, wer von den Mit­spie­len­den die meis­ten Eier auf den vor sich lie­gen­den Kar­ten hat. Dabei ist wich­tig zu beach­ten, wel­che Hin­ter­grund­far­be die Kar­te zeigt: denn Eier gleich­far­bi­ger Hen­nen wer­den zusam­men­ge­zählt. Ent­steht dabei ein nicht auf­zu­lö­sen­der Gleich­stand, müs­sen wir alle gleich­zei­tig auf das Spie­gelei in der Mit­te hau­en. Wer dabei zu lang­sam ist, muss alle bereits aus­ge­spiel­ten Kar­ten zusam­men­klau­ben und eine neue Run­de begin­nen. Das pas­siert auch, wenn ich einen Feh­ler bei der Ansa­ge mache. In der fort­ge­schrit­te­nen Vari­an­te kommt dann noch Küken Hen­ry ins Spiel. Immer wenn die­ses Küken von mir aus­ge­spielt wird, muss ich die Anzahl der Eier in der Mehr­heits­far­be sagen und nicht mehr das pas­sen­de Personalpronomen.

Bei HENNRYS HENNEN erle­ben wir in alt­be­währ­ter Manier, wie sich die Syn­ap­sen in unse­ren Gehir­nen ver­kno­ten. Wir sagen "ich", wo ein "wir" rich­tig gewe­sen wäre. Wir schla­gen auf das famo­se Quiet­sche-Spie­gelei in der Mit­te, obwohl gar kein Gleich­stand herrscht. Die­ses Cha­os im Kopf ken­nen wir aus ähn­li­chen Spie­len, aller­dings fühlt sich das Erleb­te durch die Per­so­nal­pro­no­men nun direk­ter an als in der Ver­gan­gen­heit. Es ist schwer in Wor­te zu fas­sen, aber bei HENRYS HENNEN füh­len wir uns invol­vier­ter als bei DODELIDO oder TARANTEL TANGO. 

Trotz­dem reicht mir das nicht für eine Rose. Ich erle­be mit HENNRYS HENNEN eine schö­ne Zeit. Aller­dings hät­te ich auch DODELIDO auf den Tisch brin­gen kön­nen und ganz ähn­li­che Erleb­nis­se gehabt. Mir fehlt das Beson­de­re, das Ein­zig­ar­ti­ge. Ich fra­ge mich, wo die Inno­va­ti­on ist, die das bekann­te Prin­zip wei­ter­ent­wi­ckelt. Aller­dings muss ich zuge­ben, dass ich in Zukunft woh­le eher HENNRYS HENNEN als DODELIDO emp­feh­len wer­de, wenn ich nach sol­chen Gen­re-Ver­tre­tern gefragt werde.

Hen­rys Hen­nen | Jac­ques Zei­met | Rolf Vogt | 15 Minu­ten | 2 bis 6 Per­so­nen | Drei Magi­er Spiele


Piña Coladice von Yann Dupont – erschienen bei IELLO

Pina Coladice - Box
Bild: Hut­ter Trade

Machen wir es kurz und kna­ckig: PIÑA COLADICE ist eine beson­ders hüb­sche KNIFFEL-Variante. 

Anders als im Klas­si­ker gibt uns in PIÑA COLADICE nicht etwa ein Block Vor­ga­ben für Wür­fel­wert­kom­bi­na­tio­nen, son­dern die­se Auf­ga­be über­nimmt eine Aus­la­ge an Bier­de­ckeln. Die wer­den zu Beginn in ein 4*4‑Raster aus­ge­legt und zei­gen je nach Anzahl an Mit­spie­len­den unter­schied­lich vie­le Ein­satz­fel­der für unse­re Figu­ren. Die­se dür­fen wir auf freie Fel­der able­gen, wenn wir die vor­ge­ge­be­nen Kom­bi­na­tio­nen wür­feln. Dafür wer­den wir sofort mit unter­schied­lich vie­len Sieg­punk­ten belohnt. Zusätz­lich kön­nen wir durch eine voll­stän­di­ge Rei­hen­bil­dung einen vor­zei­ti­gen Sieg aus­lö­sen: VIER GEWINNT grüßt um die Ecke. Soll­te ein sol­cher Sofort­sieg nicht gelin­gen, spie­len wir, bis 20 Sieg­punk­te ergat­tert oder alle Figu­ren einer Per­son gesetzt wurden.

Aber Ach­tung: "Figu­ren" klingt so lang­wei­lig tech­nisch – und wird dem Spiel als sol­ches nicht gerecht. Denn bei PIÑA COLADICE sind das kei­ne schnö­den Holz­pöp­pel, son­dern klei­ne Cock­tail­glä­ser in ver­schie­de­nen Far­ben und For­men. Bei uns beginnt hier schon ein ers­ter Wett­streit, weil die meis­ten mit den Ape­rol Spritz Glä­sern spie­len wol­len. Ich bin dabei meis­tens gene­rös, da ich auch ger­ne zu einem Mar­ga­ri­ta­glas grei­fe. Ohne­hin ist die Gestal­tung des Spiel­ma­te­ri­als das gro­ße Plus von PIÑA COLADICE. Alles sieht wun­der­bar sty­lisch aus! Die mat­ten blau­en Wür­fel erin­nern an Eis­wür­fel und die ein­zel­nen Unter­set­zer sind noch mit Zusatz­in­for­ma­tio­nen aus­ge­stat­tet, die kei­ne Spiel­re­le­vanz besit­zen. Sie zei­gen ledig­lich an, aus wel­chen Zuta­ten unse­re im Spiel­ver­lauf gemix­ten Cock­tails bestehen und regen zum sofor­ti­gen Nach­mi­xen an.

Spie­le­risch reißt mich PIÑA COLADICE dahin­ge­gen nicht vom Bar­ho­cker. Wir zocken um bestimm­te Ein­setz­fel­der und kön­nen dabei mal Glück und mal Pech haben. Ein wenig Inter­ak­ti­on ist gege­ben, wenn wir den ande­ren mög­li­che Sieg­punkt-Rei­hen ver­mas­seln wol­len. Aber ansons­ten hat PIÑA COLADICE nicht viel spie­le­ri­sche Sub­stanz zu bie­ten. Und auch wenn mich das The­ma und die Gestal­tung sehr gut abho­len, so kann ich mir trotz­dem kei­ne Rose für das Spiel abrin­gen. Das mag bei unse­rem Pod­cast-Kon­zept wie ein Skan­dal wir­ken, aber ledig­lich aus­rei­chen­des Bling-Bling ist mir auf Dau­er doch zu wenig.

Piña Cola­di­ce | Yann Dupont | Cro­co­ta­me | 10 bis 20 Minu­ten | 2 bis 4 Per­so­nen | IELLO (im deut­schen Ver­trieb bei Hut­ter Trade)


Hin­weis: für die Bespre­chung wur­den von den Ver­la­gen Rezen­si­ons­exem­pla­re zur Ver­fü­gung gestellt

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