Alle Jahre wieder steht eine kleine Sommerpause an – schließlich will ich auch mal Urlaub machen und die Familie sieht es berechtigterweise nicht gerne, wenn man in der Zeit auch noch vor dem Laptop hängt. Wie all die Jahre zuvor möchte ich euch aber gerne wieder an meiner Abstimmung für den Deutschen Spielepreis 2022 teilhaben lassen. Selbst noch nicht mitgemacht? Dann Beeilung, denn man kann nur noch bis zum 31. Juli teilnehmen. Macht das bitte! Dieser Preis ist eine Anerkennung an die Autor:innen und die Verlage – und er wird relevanter, je mehr Stimmen abgegeben werden.
Ich wage allerdings die Behauptung, dass der diesjährige Sieger-Titel keine große Überraschung sein wird. Aber es geht auch um die Platzierungen dahinter. Ich verfolge die Liste jedenfalls jedes Jahr mit großer Spannung. Es taucht immer mal wieder ein Spiel auf, dass ich nicht im Blick hatte oder dessen Qualität ich unterschätzt habe. Auf der anderen Seite sollte man das Ganze aber auch nicht zu ernst nehmen. Denn auch ich wähle gerne ein wenig atypisch, denn schließlich versuche ich mit der Wahl eine gewisse Bandbreite abzudecken. Statt also fünf Experten- oder Kennerspiele aufzuzählen, die alle ähnliche Themen und Mechanismen haben, wähle ich lieber das Beste von diesen fünf und gebe anderen (auch kleineren) Spielen meine Stimme. So eigentlich auch dieses Jahr, auch wenn ich bei den ersten drei Plätzen eher konventionell unterwegs bin:
- ACRHE NOVA von Mathias Wigge – erschienen bei Feuerland Spiele
- DUNE: IMPERIUM von Paul Dennen – erschienen bei Dire Wolf
- SCOUT von Kei Kajino – erschienen bei Oink Games
- BEYOND THE SUN von Dennis K. Chan – erschienen bei Strohmann Games
- CODEX NATURALIS von Thomas Dupont – erschienen bei Huch!
An ARCHE NOVA kommt man in diesem Jahrgang nicht vorbei – und wahrscheinlich auch nicht in den nächsten Jahren. Für mich hat das Spiel das Potential zu einem Allzeit-Klassiker und somit kann und will ich mich diesem besonderen Sog nicht entziehen. Schon während meines Erstkontakts auf der SPIEL war ich von ARCHE NOVA begeistert und sehr froh, dass ich das Spiel vorbestellt hatte und somit gleich von der Messe mitnehmen konnte. Seit dem hat sich der Reiz mit jeder Partie verstärkt und ich freue mich schon sehr auf die angekündigte Erweiterung – auch wenn darin wohl immer noch kein Vielfraß vorkommen wird. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es den irgendwann mal in diesem tollen Spiel geben wird.
DUNE: IMPERIUM darf ich wahrscheinlich gar nicht wählen, da es schon Bestandteil des Vorgänger-Jahrgangs war. So ganz klar ist das leider nie, da die Organisatoren dummerweise keine Datenbank mit wählbaren Spielen pflegen. Dort heißt es, dass Spiele, die ab August 2021 erschienen sind wählbar sind. Aber das beißt sich mit der Realität! Wenn ein Spiel am 28. Juli erscheint, dann darf ich es nur bis zum 31. Juli wählen. Wie soll das denn vernünftig klappen? Diese Regelung ist unsinnig und wird deswegen von mir bewusst gebrochen. Ich habe das Spiel erst Ende des letzten Sommers entdeckt und so gehört es für mich auf diese Liste – und auch die Jury zum Spiel des Jahres sieht es glücklicherweise ähnlich. Ich war von dem Spiel schnell begeistert, auch wenn ich überhaupt keine Ahnung von der zu Grunde liegenden Vorlage hatte. Erst im Anschluss an das Spielerlebnis habe ich den Roman gelesen und auch der Kinobesuch im Herbst war dann gesetzt (ganz nebenbei finde ich den Film übrigens ebenfalls begeisternd). Mit diesem Hintergrundwissen kann ich nun endlich fundiert sagen: DUNE: IMPERIUM schafft es, den Geist des Romans in ein Spiel umzusetzen. Handwerklich macht es ohnehin nichts falsch, aber es schafft auch typische DUNE-Momente, was eine zu würdigende Leistung darstellt!
Anders als ARCHE NOVA oder DUNE: IMEPERIUM musste SCOUT deutlich mehr um meine Aufmerksamkeit kämpfen. Im Vorfeld der SPIEL wurde es von Leuten aus der Szene öfters als Geheimtipp genannt. Deswegen nahm ich mir auch vor, es bei Oink unbedingt auszuprobieren. Dummerweise wurde dann dort am Stand fast nur MOON ADVENTURE gespielt und das Äußere von SCOUT und der nicht gerade geringe Preis für ein reines Kartenspiel haben mich nicht animiert, es einfach mal so aus Verdacht mitzunehmen. Hätte ich das mal getan! Denn dann hätte ich noch viel mehr spaßige Stunden mit diesem genialen Kartenspiel gehabt. Zum Glück konnte ich meinen Fehler noch minimieren und das Spiel besorgen, als es noch nicht dauernd vergriffen war. In meinen Augen ist SCOUT ein echtes Highlight und sicherlich mit Abstand das beste Kartenspiel des Jahrgangs – und somit prädestiniert für einen Platz in meiner Top-Liste (und zum wahrscheinlichen Gewinner des À‑la-carte-Preises des Fairplay Magazins).
Mit BEYOND THE SUN steht nun doch noch ein weiteres Kennerspiel auf dieser Top-Liste. Diesen Platz musste es sich aber hart erkämpfen gegen Widersacher wie KHÔRA, WITCHSTONE und kurz vor knapp auch CRYPTID. Alles ebenfalls sehr gute Spiele in dieser Gewichtsklasse (wobei CRYPTID fast schon zur Schwelle zum Familienspiel steht). BEYOND THE SUN hat mich davon aber am nachhaltigsten begeistert. Ich mag die Eleganz des Systems gepaart mit der hohen Variabilität. Die Gestaltung ist zwar äußerst nüchtern, aber das Spiel ist alles andere als trocken. Glücklicherweise wird die Interaktion aber nie als strafend wahrgenommen So gibt es zwar ein Hauen und Stechen um Einsatzfelder und Planeten, trotzdem steht der Aufbau der Technologien und die eigene Entwicklung im Vordergrund und prägt somit deutlicher das besondere Spielgefühl.
Wahrscheinlich haben manche nun ein CASCADIA erwartet.Oder ein SO KLEEVER, was ich doch explizit empfohlen habe. Stimmt, beides wären passende Kandidaten gewesen. Aber ich habe mein Herz in diesem Jahrgang ein wenig an CODEX NATURALIS verloren. Ich mag dieses kleine Legespiel einfach total gerne! Es hat einen leichten Einstieg, einen passenden Spannungsbogen und sieht umwerfend schön aus. Natürlich hat es auch seine kleine Schwächen. Aber die fallen bei mir nicht so sehr ins Gewicht und manchmal sind es genau diese kleine Kanten, die mich an einem Spiel begeistern. Somit sorry CASCADIA, aber CODEX NATURALIS reizt mich mehr!
Dieses Jahr war ich auch kurz davor eine gegenteilige Liste zu erstellen. Also statt meine Lieblingsspiele des Jahrgang meine Enttäuschungen aufzuzählen. Die Brettagogen machen dass alle Jahre immer wieder sehr anschaulich und differenziert. Den ein oder anderen Kandidaten hätte ich auch gehabt, aber letztlich ist es an der mir zur Verfügung stehenden Zeit gescheitert. So war es mir wichtiger, gute Spiele vorzustellen – schließlich verbringe ich mit denen deutlich lieber meine Zeit.
Ansonsten beginnt nun meine kleine Sommerpause. Bleibt gesund!














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