Top-Liste – Multi-Use-Cards

Top5 - Multi-Use-Cards
mul­ti Mul­ti-Use-Cards

Zum Fes­te eine Wür­di­gung an ein oft­mals unter­schätz­tes Hilfs­mit­tel: die Kar­te. Unlängst habe ich bei DECKTECTIVE schon wie­der eine neue Funk­ti­on ken­nen­ler­nen dür­fen (die­ses Mal als Büh­nen­bild). Aber auch als zen­tra­les Ele­ment der Spiel­me­cha­nik ist die Spiel­kar­te unüber­trof­fen wand­lungs­fä­hig. Ger­ne bezeich­ne ich die Spiel­kar­te als das Schwei­zer Taschen­mes­ser unter den Spiel­ma­te­ria­len. Und die ech­ten Schwei­zer Taschen­mes­ser bestechen durch ihre Mög­lich­keit, meh­re­re Funk­tio­nen in einem zu ver­ei­ni­gen. Aus die­sem Grund ste­hen heu­te die Mul­ti-Use-Cards im Mit­tel­punkt. Also Spiel­kar­ten, die meh­re­re Funk­tio­nen im Spiel haben. Ich blei­be dabei übri­gens bei der eng­li­schen Namens­ge­bung, denn eine halb­wegs grif­fi­ge deut­sche Bezeich­nung ist mir für die­ses Phä­no­men nicht bekannt.

Doch genug der ein­lei­ten­den Wor­te, hier kommt nun mei­ne ent­spre­chen­de Top-Lis­te:

  1. RUHM FÜR ROM von Carl Chu­dyk (erschie­nen bei Loo­kout Spie­le)
  2. OH MY GOODS von Alex­an­der Pfis­ter (erschie­nen bei Loo­kout Spie­le)
  3. SAN JUAN von von Andre­as Seyf­arth (erschie­nen bei alea)
  4. A FEW ACROSS OF SNOW von Mar­tin Wal­lace (erschie­nen bei Tree­frog Games)
  5. BRÜGGE von Ste­fan Feld (erschie­nen im Hans im Glück Ver­lag)

 

Ruhm für Rom - Box
Foto: Loo­kout Spie­le

Bei RUHM FÜR ROM habe ich erst- und auch letzt­ma­ligst ver­sucht, mir die Regeln über ein Erklär­vi­deo bei­brin­gen zu las­sen. Ich lese an für sich ger­ne Regeln und behaup­te, dass ich dabei meist auch eine recht gute Vor­stel­lung des Spiels erhal­te. Aber bei RUHM FÜR ROM habe ich nur Bahn­hof ver­stan­den. Das lag mei­ner Mei­nung nach aber nur bedingt an der Güte der Regel, son­dern mich ver­wirr­ten maxi­mal die gan­zen Ein­satz­be­rei­che der Kar­ten. Die Mög­lich­kei­ten waren so viel­fäl­tig und alles so fein mit­ein­an­der ver­wo­ben, dass ich beim Lesen über­haupt kei­ne Ahnung bekom­men habe, wie das funk­tio­nie­ren soll. Also schau­te ich ein Video – und war immer noch ver­wirrt. Zum Glück habe ich dann das Spiel erklärt bekom­men und nun hat es im Kopf "klick" gemacht. Seit dem bin ich schwer begeis­tert von die­sem tol­len Spiel, so dass ich mich sogar bei ebay in Unkos­ten gestürzt habe, um mir ein pas­sen­de Lego-Mini­fi­gur zu besor­gen.

Bei RUHM FÜR ROM sind die Kar­ten u.a. Bau­plät­ze, Bau­wer­ke, Rol­len, Sieg­punk­te, Bau­ma­te­ri­al und und und. Wenn man die Regeln ein­mal ver­in­ner­licht hat, kann man die­ses gan­ze Gewirr recht gut aus­ein­an­der hal­ten und dann sogar die vie­len Klei­nig­kei­ten genie­ßen. Dabei ganz vor­ne dabei sind die tol­len Gra­fi­ken von Kle­mens Franz, die einen nicht unbe­grün­det an Aste­rix und Obelix erin­nern. Aber auch ande­re klei­ne Knuffs erhal­ten die Freu­de. Wenn man mal wie­der Kar­ten nach­zie­hen muss, dann kann man ganz der klas­si­sche Phi­lo­soph sein und geht erstein­mal eine Run­de nach­den­ken.

 

Oh my Goods - Box
Foto: Loo­kout Spie­le

Mit OH MY GOODS! ist ein wei­te­res Spiel aus dem Hau­se Loo­kout auf den vor­de­ren Plät­zen gelan­det. Aller­dings weist die­ses Werk von Alex­an­der Pfis­ter einen ganz ande­ren Cha­rak­ter auf. Denn im Gegen­satz zum schwer­ge­wich­ti­ge­ren RUHM FÜR ROM ist OH MY GOODS! ein auf das Wesen­li­che redu­zier­te Engi­ne-Buil­der. Hier gilt es Pro­duk­ti­ons­ge­bäu­de zu errich­ten und Waren­ket­ten opti­mal zu nut­zen. Dabei neh­men die Kar­ten eben­falls eine Viel­zahl von Funk­tio­nen ein (Waren, Bau­wer­ke, Geld...). Und da nicht nur die Kar­ten viel­fäl­tig sein sol­len, ist sogar noch ein wei­ter inter­es­san­ter Spiel­me­cha­nis­mus vor­han­den. Damit OH MY GOODS! näm­lich fluffig leicht bleibt, ist ein Push-Your-Luck-Ele­ment ent­hal­ten – das natür­lich eben­falls über die Kar­ten gesteu­ert wird. Mir gefällt zudem die the­ma­ti­sche Ein­bet­tung sehr gut. Eben­falls, dass auch Mon­tags­ge­füh­le mit Hang zum schlam­pi­gen Arbei­ten gewür­digt wer­den.

Nach zwei Sto­ry­er­wei­te­run­gen ist nun mit AUFBRUCH NACH NEWDALE sogar ein eige­nes Brett­spiel erschie­nen, das auf OH MY GOODS! basiert. Bei die­sem merkt man dann, wie ele­gant der Kar­ten­me­cha­nis­mus des Ursprungs doch ist.

 

San Juan - Box
Foto: alea

SAN JUAN wie­der­um ist der Kar­ten­ab­le­ger eines berühm­ten Vor­gän­gers. Nicht ohne Grund wird es mitt­ler­wei­le als PUERTO RICO KARTENSPIEL ver­mark­tet. Da ich es aller­dings als SAN JUAN ken­nen­ge­lernt habe, wer­de ich es auch wei­ter­hin so bezeich­nen. Auf­merk­sa­me Leser mei­nes Blogs ist die­ses Kar­ten­spiel von Andre­as Seyf­arth sicher­lich schon öfters begeg­net (es ist eine Art Stamm­gast in diver­sen Top-Lis­ten).

Bei SAN JUAN bin ich auch erst­mals mit Mul­ti-Use-Cards in Berüh­rung gekom­men. Ich war von Anfang an ziem­lich beein­druckt, was man mit Kar­ten so alles machen kann. Bis­her kann­te ich ledig­lich aus BOHNANZA die Dop­pel­funk­ti­on aus Kar­ten, die auch Geld dar­stel­len. Nun stan­den die Kar­ten für ganz vie­le Mög­lich­kei­ten. Dass PUERTO RICO immer noch eines mei­ner Lieb­lings­spie­le ist, spielt sicher­lich bei der Bewer­tung von SAN JUAN auch eine Rol­le. Aber auch unab­hän­gig davon habe mich in die­ser Welt immer woh­ler gefühlt als bspw. im Welt­raum. Was viel­leicht auch dar­an liegt, dass die Kar­ten bei SAN JUAN im Gegen­satz zur RACE FOR THE GALAXY mit Tex­ten ver­se­hen wur­den und nicht alles über eine neu zu erler­nen­de Sym­bol­spra­che gere­gelt wird.

 

A Few Acres of Snow - Cover
Foto: Tree­frog Games

A FEW ACRES OF SNOW wie­der­um kommt ganz anders als die bis­he­ri­gen Lis­ten­plät­ze daher. Einer­seits ist hier eine gewis­se Ver­wandt­schaft zu dem aus den War Games bekann­ten Card Dri­ven Mecha­nis­mus zu erken­nen – kein Wun­der, dass es bei A FEW ACRES OF SNOW auch um einen his­to­ri­schen Kon­flikt geht, den wir in Deutsch­land nur bedingt ken­nen (obwohl Fran­zo­sen gegen Bri­ten kämpf­ten). Viel ent­schei­den­der ist aber ein ande­res Ele­ment: denn A FEW ACRES OF SNOW ist ein wasch­ech­tes Deck­buil­ding-Spiel. Zusätz­li­ches ist es auch ein rei­nes 2‑Per­so­nen-Spiel.

Alles ins allem ist A FEW ACRES OF SNOW somit eine sehr reiz­vol­le Kom­bi­na­ti­on von Ele­men­ten, die man so nicht unbe­dingt in einem Spiel erwar­ten wür­de. Die Kar­ten kön­nen dabei viel­fäl­tig genutzt wer­den und die­nen sowohl als Kampf-Ein­hei­ten, wie aber bspw. auch als Fel­le, die wie­der­um ver­kauft wer­den kön­nen – Mul­ti-Use-Cards eben.

 

Brügge - Box
Foto: Hans im Glück Ver­lag

BRÜGGE habe ich in der letz­ten Zeit öfters erwähnt (unter ande­rem ist Rich­ter Juli­us mein aktu­el­ler Mit­ar­bei­ter des Monats). Und auch wenn es viel­leicht nicht eines mei­ner Lieb­lings­spie­le ist, kommt man bei einer sol­chen Top-Lis­te zu Mul­ti-Use-Cards nicht an BRÜGGE vor­bei. Zu viel­fäl­tig sind mei­ner Mei­nung nach die ver­schie­de­nen Kar­ten­funk­tio­nen (Geld ver­die­nen, Kanä­le bau­en, Hand­lan­ger anwer­ben...). Außer­dem ist BRÜGGE auch ein neu­er Gen­re-Ver­tre­ter, denn die bis­he­ri­gen Spie­le wür­de ich alle nicht als typi­sche Euros bezeich­nen.

Ste­fan Feld schafft es aber, die­sen Mul­ti-Use-Cards-Mecha­nis­mus in ein für ihn cha­rak­te­ris­ti­sches Spiel zu packen. Am Ende geht es um die omi­nö­sen Sieg­punk­te und natür­lich müs­sen wir Spie­ler auch mit einer Art Bedro­hung zurecht kom­men. Mir ist dabei das Kar­ten-Nach­zieh-Glück (in Kom­bi­na­ti­on mit dem eben­falls vor­han­de­nen Wür­fel­glück) etwas zu aus­ge­prägt, um es letzt­end­lich als emp­feh­lens­wert zu bezeich­nen. Aber gegen ein Par­tie BRÜGGE wür­de ich mich wie­der­um auch nie weh­ren.


Wie immer kommt bei sol­chen Top-Lis­ten die Fra­ge auf: "Und, wel­che Spie­le hät­ten es noch ver­dient?" Oben erwähnt habe ich schon RACE FOR THE GALAXY. Das hat aber für mich das Pro­blem, dass ich es zu sel­ten spie­le und ich dann immer wie­der erst die Sym­bol­spra­che neu erler­nen muss, um es letzt­end­lich flüs­sig spie­len zu kön­nen. Zusätz­lich bevor­zu­ge ich im Zwei­fels­fall immer ROLL FOR THE GALAXY. Aber Autor Tom Leh­mann hat sei­nen dort auf­ge­nom­men Mul­ti-Use-Cards-Mecha­nis­mus eben­falls gut in THE CITY ver­ar­bei­tet, was als klei­nes Urlaubs-Kar­ten­spiel ger­ne mal mit­ge­nom­men wird.

Ganz knapp an den Top 5 vor­bei geschrammt ist bei mir noch WESTERN LEGENDS von Her­vé Lemaît­re. Bei die­sem Wes­tern-Spiel kön­nen die bei­lie­gen­den Kar­ten sehr mul­ti­funk­tio­nal genutzt wer­den – bspw. um Poker zu spie­len. Prin­zi­pi­ell mag ich WESTERN LEGENDS sehr ger­ne, auch wenn es das Gegen­teil eines strom­li­ni­en­för­mi­gen Euros ist. Somit ist es mehr ein Erleb­nis als ein ziel­ge­rich­te­tes Spiel – aber das will man manch­mal auch haben.

Im wei­te­ren Sin­ne hat­te ich noch PORT ROYAL und TYBOR DER BAUMEISTER auf mei­ner Aus­wahl­lis­te. Womit man die Theo­rie auf­stel­len könn­te, dass Autor Alex­an­der Pfis­ter gewis­ser­ma­ßen Fan von Mul­ti-Use-Cards ist.

Im ers­ten Anlauf ganz ver­ges­sen, muss ich auch noch LA GRANJA von ode. erwäh­nen. Das ist eben­falls ein rein­ras­si­ges Euro-Spiel mit tol­len mul­ti­funk­tio­na­len Kar­ten. Ich neh­me mir schon die gan­ze Zeit vor, dar­über mal zu schrei­ben, aber irgend­wie kom­me ich lei­der nicht dazu.

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